Tipp der Redaktion

Personenbeschreibung im Deutschunterricht

Schülerinnen und Schüler schreiben
Tipp der Redaktion

Personenbeschreibung im Deutschunterricht

Schülerinnen und Schüler lernen, Personen klar und anschaulich zu beschreiben. Durch den gezielten Einsatz sprachlicher Mittel verbessern sie ihre Ausdrucksfähigkeit, Beobachtungsgabe und Empathie.

Tipp der Redaktion

Unterrichtsprojekt: Die Bibliothek der ungelesenen Bücher

Kinder in einer Bibliothek
Tipp der Redaktion

Unterrichtsprojekt: Die Bibliothek der ungelesenen Bücher

Dieses Unterrichtsmaterial weckt die Neugier auf ungelesene Bücher und zeigt, wie Lernende sie als unentdeckten Schatz erleben können.

Tipp der Redaktion

Liebeslyrik

Jemand schreibt einen Liebesbrief; Briefpapier und rote Herzen liegen auf einem Tisch
Tipp der Redaktion

Liebeslyrik

"Ohne dich": Lassen Sie Ihre Lernenden den Song von Christina Stürmer und das gleichnamige Gedicht von Hermann Hesse vergleichen.

Geschenk an Weihnachten wird überreicht
Tipp der Redaktion

Wortschatz

In dieser Unterrichtseinheit wird exemplarisch die Wortschatzarbeit zum Thema Weihnachten mithilfe des Tools Wordwall vorgestellt.

  • Lehrplanthema
  • Schulstufe2
  • Klassenstufe
  • Schulform
  • Materialtyp11
  • Quelle8
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Liebeslyrik der Romantik - Brentano und Goethe im Vergleich

Unterrichtseinheit

In dieser Unterrichtseinheit zur Liebeslyrik der Romantik nähern sich die Lernenden dem Thema mithilfe von Musikstücken. Sie lernen Kernaussagen und Unterschiede zwischen Goethes "Gretchen am Spinnrade" und Brentanos "Der Spinnerin Nachtlied" kennen und verfassen anschließend einen synchronen oder diachronen Gedichtvergleich.Die Themen "Lyrik" und "Gedichtanalyse" stoßen bei Schülerinnen und Schülern oft auf Ablehnung. Erst wenn man sich auf Gedichte einlässt, sie analysiert und interpretiert, entfalten sie aber ihre wahre Pracht. Musikalische Unterstützung sowie der Themenbereich "Liebe", mit dem sich Schülerinnen und Schüler in diesem Alter intensiv auseinandersetzen, erleichtern in dieser Unterrichtsstunde den Zugang zur Lyrik. Vorkenntnisse in Epochengeschichte und Gedichtanalyse Diese Unterrichtsstunde ist für fortgeschrittene Lernende in der Oberstufe konzipiert. Die Stunde ist eingebettet in eine 13-stündige Reihe zur Erarbeitung von Liebeslyrik verschiedener Epochen (siehe Zusatzmaterial). Sie ist zudem die letzte Stunde vor einer eingeplanten Klausur zum Epochenvergleich von Lyrik. Daher werden Vorkenntnisse in Epochengeschichte und Gedichtanalyse vorausgesetzt. Didaktische und methodische Überlegungen Beim Unterrichtseinstieg kann es für schwächere Schülerinnen und Schüler hilfreich sein, den Gedichtvortrag mit Musik zu unterlegen (hier finden Sie Hinweise zur Verwendung lizenzfreier Musik und zur Verwendung von Youtube im Unterricht). Die affektive Wirkung der Musik erleichtert diesen Schülerinnen und Schülern den Zugang zur Epochen-Einteilung. Die Vertonung von Schubert ist insofern hilfreich, als dass sie den Schülerinnen und Schülern den Zugang zum Rhythmus, der bei der Interpretation dieser Werke eine große Rolle spielt, vereinfacht. Dieser funktionale Aspekt - dass die Form als Hilfe gewählt wird, um einen Inhalt zu verdeutlichen - wird in dieser Unterrichtseinheit in den Fokus gerückt. So erkennen die Lernenden, dass Stilmittel, Metrik und Reimschema nicht losgelöst vom Inhalt analysiert werden sollten. Arbeitsblatt 2 ist fakultativ einsetzbar bei Vorkenntnissen der Schülerinnen und Schüler zu Goethes Faust I. Hier kann auch ein Lehrervortrag zu Faust I erfolgen (siehe Zusatzmaterial). Da die Unterrichtsstunde als Vorbereitung auf eine Klausur konzipiert ist, steht die Einzelarbeit im Vordergrund. Alternativ und je nach Zeitbudget kann die Umsetzung aber auch in Partner- oder Gruppenarbeit erfolgen. Die Lehrerzentrierung in dieser Unterrichtseinheit soll auch schwächeren Schülerinnen und Schülern die Chance geben, mithilfe der Notizen aus dem Unterricht eine gelungene Gedichtanalyse verfassen zu können. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler benennen die wesentlichen Motive der Romantik. geben die Kernthesen der beiden untersuchten Gedichte wieder. wenden ihr poetologisches Vokabular fachgemäß an. verfestigen ihr literaturgeschichtliches Basiswissen. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler vertiefen ihre Kompetenzen im Bereich des Umgangs mit literarischen Texten. verfassen einen aspektorientierten Gedichtvergleich. erkennen Zusammenhänge zwischen Texten und vergleichen themenverwandte beziehungsweise motivähnliche Gedichte in einer umfassenden Analyse schriftlich (Hausaufgabe) sowie mündlich (Unterrichtsgespräch). Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihr Liebesverständnis innerhalb der Epochen, um es auch mit ihrer eigenen Liebesvorstellung zu vergleichen.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Sekundarstufe II

Suchsel: Erstellen Sie Ihre eigenen Wortsuchrätsel

Tool-Tipp

Suchsel für den Unterricht erstellen leicht gemacht: Mit diesem Fundstück können Sie Wörter verstecken und diese von anderen suchen lassen. Nutzen Sie beispielsweise Wortsuchrätsel, Wortgitter und Buchstabensalate zur Motivation und Auflockerung zwischendurch.

  • Deutsch

Das Tagebuch der Anne Frank: Anne, Kitty und die Lust am Schreiben

Unterrichtseinheit

In dieser Unterrichtseinheit zum Tagebuch der Anne Frank befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit der Bedeutung des Schreibens und des Schreibprozesses. Anne Franks Tagebuch ist – neben der historischen Bedeutung – eine einzigartige Grundlage für die Erarbeitung der Entwicklung des Schreibens bei einem jungen Menschen.Das Tagebuch der Anne Frank ist ein Zeugnis für die Entwicklungsgeschichte eines jungen schriftstellerischen Talents, welches vor dem Erreichen seiner Blüte ermordet wurde. Das Schreiben in ihrer Versteckzeit wird zu Annes persönlichem Rettungsanker. Die Schülerinnen und Schüler befassen sich mit dem Entwicklungsprozess des Tagebuchs, erarbeiten dabei unterschiedliche Schreibanlässe und reflektieren ihren eigenen Zugang zum Schreiben.In dieser Unterrichtseinheit zum Tagebuch der Anne Frank werden – ganz im Sinne des integrativen Deutsch-Unterrichts – sowohl die Kompetenzen "Interpretieren" (Bedeutung des Schreibens), "Lesen" (Methode des diagonalen Lesens), "Umgang mit literarischen Texten" als auch "Diskutieren" und "Argumentieren" (Vertiefungsphase) geschult. Die Unterrichtseinheit ist eingebettet in eine Unterrichtsreihe zur Lektüre von Anne Franks Tagebuch. Aufgrund der anspruchsvollen literarischen Analyse der verschiedenen Versionen des Textes ist sie eher am Ende der Reihe einzuordnen. Einstieg Der Eingangsimpuls soll die Lernenden dazu anregen, über das Thema "Schreiben" an sich zu reflektieren. Im Sinne einer progressiven Entwicklung der Stunde wird hier zunächst an die Lebenswirklichkeit der Lernenden angeknüpft, bevor im weiteren Verlauf der Stunde der Bogen zum Tagebuch geschlagen wird. Da aber auf diese spontanen Einfälle aus dem Impuls später nicht mehr zurückgegriffen wird, kann an dieser Stelle auf eine Sicherung an der Tafel verzichtet werden. Die Lernenden sollen selbstständig ihre Gedanken mit den Ideen der anderen, die diese im Plenum ausbreiten, zusammenbringen und gegebenenfalls ihren Hefteintrag ergänzen. Erarbeitung Die anschließende Erarbeitungsphase erfolgt in Tandemarbeit, da gerade hier für schwächere Schülerinnen und Schüler der Austausch mit der Nachbarin und dem Nachbarn hilfreich sein kann, um die Progression in Annes Schreiben zu erkennen und zu verschriftlichen. Bei Zeitproblemen kann auf einen ausführlichen Schülervortrag zur Sicherung der Ergebnisse aus Arbeitsblatt 2 verzichtet und stattdessen ein Lehrendenvortrag eingeschoben werden. Zum Fazit von Annes schriftstellerischer Entwicklung ist es wichtig, die Schülerinnen und Schüler selbst auf die Erkenntnis, dass es sich um eine Progression handelt, kommen zu lassen. Die Lehrkraft sollte lediglich durch ihre Fragetechnik bei Bedarf lenken. Vertiefung In der abschließenden Vertiefungsphase kann die Lehrkraft gegebenenfalls nachhelfen, indem sie einige relevante Briefe nennt, um den Lernenden eine Hilfestellung zu geben. Zudem dient die Vertiefung als Vorbereitung auf die Hausaufgabe, in der die Lernenden Belege für die zuvor geäußerten Vermutungen sammeln, dass Annes Tagebuch neben dem dokumentarischen Wert auch einen hohen literarischen Stellenwert im Kanon der Weltliteratur einnimmt, da es von ihr selbst in vielerlei Hinsicht überarbeitet und somit nicht nur als ein privates Dokument geschaffen wurde, sondern auch als ein Stück Literatur. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler schulen ihre Kompetenzen im Lesen und im Umgang mit Texten, indem sie die Briefe durch diagonales Lesen nach dem Stichwort "Schreiben" untersuchen. erkennen die Bedeutung, die das Schreiben für Anne Frank hatte. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler können stilistische Eingriffe (redaktionelle Überarbeitungen) in einem ursprünglich nur für den persönlichen Gebrauch geschriebenen Text erkennen und analysieren. Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler können zielführend in einer Partnerarbeit zusammenarbeiten. erleben, dass das Schreiben Menschen in Krisensituationen eine wertvolle Stütze sein kann. reflektieren über ihre eigene Einstellung zum Schreiben.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Sekundarstufe I, Sekundarstufe II

Adverbiale Bestimmungen erkennen und klassifizieren: "Wir gehen auf Schatzsuche!"

Unterrichtseinheit

Diese Unterrichtseinheit zur adverbialen Bestimmung stellt eine erlebnisorientierte Einführung in das Grammatik-Thema dar: Eingebettet in eine Geschichte zu einem Piratenschatz werden adverbiale Bestimmungen nach der Einteilung lokal, temporal, modal und kausal klassifiziert. Dabei werden Kompetenzen in der Satzglied-Analyse und eine Sensibilität für Sprache und ihre Verwendung gefördert.Zur Bearbeitung verschiedener Satzglieder bei komplexen Texten ist die Beschäftigung mit adverbialen Bestimmungen eine Grundvoraussetzung. Diese Unterrichtseinheit führt in kleinen Arbeitsaufträgen zur Beantwortung der W-Fragen bei adverbialen Bestimmungen: Wo?, Wann?, Wie?, Warum?. Auch Funktion und Wirkung von adverbialen Bestimmungen werden dabei reflektiert. Das Gelernte wird durch das Verfassen eines eigenen Textes vertieft. Die Unterrichtseinheit ist eingebettet in das Thema der Schatzsuche. Die Schülerinnen und Schüler benötigen für diese Unterrichtseinheit keine Vorkenntnisse im Bereich der adverbialen Bestimmungen. Zur Differenzierung können bei Arbeitsblatt 1a die schwererer zu beantwortenden Fragen "Warum?" und "Wie?" - im Vergleich zu "Wo?" und "Wann?" - leistungsstärkeren Schülerinnen und Schülern zugeteilt werden. Arbeitsblatt 5 kann für schnellere Schülerinnen und Schüler während der Erarbeitungsphase II eingesetzt werden. Alternativ kann Arbeitsblatt 5 von allen Schülerinnen und Schülern vor der Vertiefungsphase II oder als Hausaufgabe bearbeitet werden. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass nach den adverbialen Bestimmungen mit den W-Fragen Wo?, Wann?, Wie? und Warum? gefragt werden kann, um die fehlenden Informationen zu erhalten. lernen die Kategorie "adverbiale Bestimmung" mit ihrer semantischen Untergliederung kennen. können temporale, lokale, kausale und modale Adverbien in einem Text erkennen und zuordnen sowie diese selbst in einem Schreibprodukt anwenden und kategorisieren. Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler arbeiten kooperativ in Gruppen. gelangen zu einer Problemlösung im Konsens.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Sekundarstufe I

Sprichwortgenerator: Verdrehte Weisheiten auf Knopfdruck

Tool-Tipp

Der Sprichwortgenerator bringt absichtlich so einiges durcheinander. Das Ergebnis: ziemlich kuriose und amüsante Sprüche, mal mehr, mal weniger sinnige Weisheiten und hin und wieder Kauderwelsch.

  • Deutsch

Cybermobbing mit der Lektüre "Ich blogg dich weg!" thematisieren

Unterrichtseinheit

Die Unterrichtseinheit zum Thema "Cybermobbing" behandelt den Roman "Ich blogg dich weg!" von Agnes Hammer. Dieser verdeutlicht auf anschauliche und drastische Weise, wie junge Menschen (als Opfer, Täter, Mitläufer, Elternteil oder Außenstehende) Cybermobbing erleben. Der Schwerpunkt der Unterrichtseinheit liegt auf der Analyse konkreter Cybermobbing-Situationen und auf dem Perspektivwechsel.Jeder Schüler und jede Schülerin kennt das Phänomen "Cybermobbing", entweder aus der Außen- oder sogar aus der Innenperspektive. Die Auseinandersetzung mit dem Thema anhand der Lektüre geht den Fragen nach: Was genau ist Cybermobbing? Welche Ausmaße kann es annehmen? Wie erleben die Opfer diese Situationen? Welche (langfristigen) Folgen kann Cybermobbing haben? Gemeinsam mit den Schülern soll zudem darüber nachgedacht werden, wie man sich als Opfer wehren kann. Didaktische Überlegungen Der Roman "Ich blogg dich weg!" verdeutlicht auf anschauliche und drastische Weise, wie junge Menschen (als Opfer, Täter, Mitläufer, Elternteil oder Außenstehende) Cybermobbing erleben. Die Schülerinnen und Schüler lernen durch die Lektüre einen ganz konkreten Fall kennen. Sie erschließen sich den Roman durch selbstständiges Lesen. Das Führen eines Lesetagebuchs (eingeteilt in Leseabschnitte) kann hilfreich sein und gegebenenfalls auch zur Benotung herangezogen werden. Der Schwerpunkt der Einheit liegt auf der Analyse konkreter Cybermobbing-Situationen. Die Schülerinnen und Schüler lesen einzelne Textstellen nach und versuchen, sich in das Opfer hineinzuversetzen. Der Perspektivwechsel und das Sympathisieren mit dem Opfer soll den Schülern helfen, eigene Vorschläge zu entwickeln, wie man sich als Opfer behelfen könnte und welche Personen man um Hilfe bitten könnte. Die Erstellung eines ausführlichen Charakterprofils der Hauptfigur trägt dazu bei, dass die Lernenden erkennen, welche Personen sich im näheren Umfeld des späteren Opfers bewegen und helfend eingreifen könnten. Dieser Schritt ist außerdem wichtig, um zu erkennen, welche Charaktereigenschaften die Hauptfigur vor dem Mobbing auszeichneten und wie das Mobbing sie im Laufe des Romans verändert. Methodisches Vorgehen Da dies ein sehr sensibles Thema ist, bei dem die Lernenden erfahrungsgemäß auch gerne eigene Erlebnisse einfließen lassen, sollte auf eine behutsame Gesprächskultur und aktives Zuhören geachtet werden. Bei dieser Einheit eignen sich daher besonders Methoden wie der Stuhlkreis oder partnerschaftliches Arbeiten. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler lesen den Jugendroman selbstständig. lernen Cybermobbing in seinen unterschiedlichen Facetten kennen. erkennen anhand der Hauptfigur des Romans, welche Formen von Cybermobbing es gibt und welche (langzeitlichen) Folgen es haben kann. kennen mögliche Motive der Täter und lernen präventive und aktive Umgangsformen mit Cybermobbing kennen (Beweise sichern, anonyme Absender blocken, Provider kontaktieren). Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler hinterfragen die eigene Mediennutzung und ihr Medienverhalten kritisch. Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler lernen, sich in die Perspektive eines anderen (insbesondere des Opfers) hineinzuversetzen und Empathie zu empfinden. erhöhen durch das Wissen um alternative Handlungsmöglichkeiten ihre Eingriffsbereitschaft, wenn sie Zeugen von Cybermobbing werden. arbeiten partnerschaftlich zusammen und präsentieren gemeinsam Ergebnisse im Plenum.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Sekundarstufe I

Lessings "Emilia Galotti" genau lesen

Unterrichtseinheit

Dieses Unterrichtsmaterial zeigt, wie bei der Lektüre von "Emilia Galotti" zunächst von den Irritationen, Fragen und Deutungen der Schülerinnen und Schüler ausgegangen werden kann, bevor der Lese- und Deutungsprozess durch didaktische Entscheidungen beeinflusst wird. Im Zentrum der Unterrichtseinheit steht die in "Literarischen Gesprächen" immer wieder von den Lesenden formulierte Frage: "Warum muss Emilia sterben?".Die hier vorgestellte Unterrichtseinheit zu Lessings Drama "Emilia Galotti" konkretisiert ein literaturdidaktisches Modell , das darauf abzielt, literarische Texte "genau" und auf die Reaktionen der Leserinnen und Leser hörend zu lesen. Anmerkungen zur Unterrichtseinheit "Lessings 'Emilia Galotti' genau lesen" Hier finden Sie ausführliche Anmerkungen zur Didaktik und den ausgewählten Arbeitsmethoden in der Unterrichtseinheit. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler nutzen die Einsicht in die Vorläufigkeit ihrer Verstehensentwürfe zur kontinuierlichen Überarbeitung ihrer Hypothesen, indem sie im Einstieg die Uneindeutigkeit oder Fragwürdigkeit ihrer Hypothesen erkennen und dabei Verstehensbarrieren identifizieren und sie zum Anlass eines textnahen Lesens nehmen. entwickeln eigenständig ein Textverständnis, in das sie persönliche Lese-Erfahrungen und alternative Lesarten des Textes einbeziehen und auf der Basis eigener Analyse-Ergebnisse begründen, indem sie Schlussfolgerungen aus der Analyse herleiten, darstellen und begründen. beziehen in ihre Erörterung der in literarischen Werken enthaltenen Herausforderungen und Fremdheitserfahrungen geistes-, kultur- und sozialgeschichtliche Entwicklungen ein. ermitteln diachrone und synchrone Zusammenhänge zwischen literarischen Texten und stellen Bezüge zu weiteren Kontexten her. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler können Kenntnisse wissenschaftlicher Sekundärtexte, philosophischer Schriften und historischer Abhandlungen in die Kontextualisierung literarischer Werke einbeziehen. Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler können die in literarischen Werken enthaltenen Herausforderungen und Fremdheitserfahrungen kritisch zu eigenen Wertvorstellungen, Welt- und Selbstkonzepten in Beziehung setzen, indem sie in der Auseinandersetzung mit den Ergebnissen die Diskrepanz zwischen fiktionaler Realität und eigener Erwartung sowie eines eigenen moralischen Maßstabs als Kluft erkennen, was ihnen Aufschluss sowohl über eine fremde als auch die eigene Welt gibt und beide so in ihrem Wahrheitsanspruch relativieren kann. Konkretisierung eines literaturdidaktischen Modells Die hier vorgestellte Unterrichtseinheit zu Lessings Drama "Emilia Galotti" veranschaulicht ein literaturdidaktisches Modell , das darauf abzielt, literarische Texte "genau" und auf die Reaktionen der Leserinnen und Leser hörend zu lesen. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auch darauf gelegt, mit Fachbegriffen eine literaturdidaktische "Fachsprache" und damit eine fundierte Fachlichkeit des Unterrichts zu entwickeln. "Genaues Lesen" bedeutet, einen "befremdlichen Text" zu lesen, um Fragen zu sammeln Unter "genauem Lesen" wird verstanden, zunächst die Fragen, Deutungen und Reaktionen zu sammeln, die der literarische Text beim Lesen aufwirft, bevor der Lese- und Deutungsprozess durch didaktische Entscheidungen beeinflusst wird. Es sollen sich zunächst keine didaktischen Vorentscheidungen zwischen den Text und die Lesenden stellen. Stattdessen soll der Text zunächst unbefangen gelesen werden können. Das Ziel des genauen Lesens ist es, einen als schwer verstehbar und als irritierend betrachteten Text zu untersuchen, um das Nicht-Verstandene (Lösener und Siebauer 2011, 53), Rätselhafte (Adorno), Befremdliche und Fragliche zu artikulieren, zu sammeln und zu strukturieren. Das Fragliche und Irritierende am literarischen Text soll anschließend in drei Schritten durch ein genaues Lesen des Textes bearbeitet werden. Das Lernen am literarischen Text aus der Sicht der Lernenden gestalten Damit ist in dem Modell realisiert, was auch Hattie sinnvollerweise fordert: Das Lernen - hier das Lernen an literarischen Texten - wird aus der Sicht der Lernenden betrachtet (Hattie 2014, 84). So gerät der Lernprozess in den Fokus und die Schülerinnen und Schüler erfahren in einem solchen Unterrichtssetting durch die Lehrkraft eine entwicklungsorientierte Anerkennung als zur Mitsprache berechtigte Laien: "Das, was als 'Sache' im Unterricht zur Geltung kommt, steht nicht schon im Voraus fest, sondern entsteht im Zusammenspiel von Schüler- und Lehrer-Beiträgen; die Vorgehensweise ist problemorientiert und individualisierend" (Hericks 2007, 11). Die Lernenden werden so als Laien "anerkannt", die fachlich partizipations- und entwicklungsfähig sind. Hericks spricht hier von einer "entwicklungsorientierten Anerkennung" und geht davon aus, "dass die Schülerinnen und Schüler gerade aus der Position und Perspektive des Laien heraus wesentliche Beiträge in die fachbezogene Unterrichtskommunikation einbringen, die Bedeutung der Sache mit konstituieren und in diesem Sinne am Fach partizipieren" (Hericks 2007, 11f.). Eine "Krise des Verstehens" und das "Staunen über das bislang Unbegriffene" (Gruschka 2015, 11) wird so zum Ausgangspunkt der Arbeit am literarischen Text. Durch die Abfolge von "textimmanenter", "kontextbezogener" und "rezeptionsbezogener" Lektüre (die Dreigliedrigkeit sollte den Schülerinnen und Schülern als Modell erläutert werden), wird die Textinterpretation in einem wissenschaftspropädeutischem Vorgehen in drei Schritten fundiert. Die hier vorgestellte Unterrichtseinheit skizziert dabei ein Vorgehen, durch das ein Mindestniveau an Text-Verstehen erreicht werden kann. Bei Bedarf können weitere Aspekte hinzugefügt und so ausführlicher erarbeitet werden. Exemplarisches Arbeiten an einer Kernfrage Die auf eine befremdliche Lese-Erfahrung bezogene Frage, die in der vorliegenden Unterrichtseinheit die Kernfrage bildet, lautet "Warum muss Emilia sterben?". Demnach handelt es sich um eine Einheit, die nicht beansprucht, Emilia Galotti umfassend behandelt zu haben. Da dies mit kanonisierten Texten allerdings ohnehin kaum möglich ist, versteht die Einheit sich auch als Modell eines Vorgehens, das sich bewusst für das exemplarische Arbeiten entscheidet und dabei eher in die Tiefe als in die Breite geht. Die textimmanente Analyse Eine auf diese Frage bezogene textimmanente Analyse verdeutlicht zunächst, dass Odoardo als Vater an der Unschuld seiner Tochter zweifelt und ihren (Selbst-)Wert an ihrer Unschuld misst. Aus der Analyse des fünften Aktes, speziell der Szenen 5 bis 7, ergibt sich, dass Emilia sterben muss, weil sie sich ihrer Verführbarkeit und ihres Begehrens bewusst wird, was sie als Gewalterfahrung empfindet: "Verführung", so erkennt sie, ist für sie "die wahre Gewalt". In ihren Augen ist sie nunmehr "für nichts gut" und will deshalb lieber sterben als die "Gewalt" ihrer Verführbarkeit hinzunehmen. Ihr Todeswunsch ergibt sich aus Werten, die Emilia verinnerlicht hat. Verführbar ist sie sich und ihrem Vater nichts mehr wert. Insofern muss sie sterben, weil sie in ihren und seinen Augen als Tochter versagt, weil sie es letztlich "nicht wert ist, was ich (Odoardo) für sie tun will": Emilias Tötung ergibt sich für Odoardo als Notwendigkeit, die er aus ihrer Verführbarkeit herleitet. Nur wenn sie sich als unschuldig erweist, scheint sie ihm (und sich) etwas wert zu sein. Sie selbst hat dies so sehr verinnerlicht, dass sie in dem Moment, in dem sie erkennt, dass sie verführbar ist, zugleich erkennt, dass sie deshalb nicht wert ist, weiter zu leben. Die Frage "Warum muss Emilia sterben?" wird somit durch die immanente Textanalyse, die sich bei der Beantwortung der Frage an nichts anderem als an der "Textstruktur" und damit an der "Text-Intention" orientiert, wie folgt beantwortet: Emilia muss sterben, weil sie sich als verführbar erkennt, sie ist es "nicht wert", sie verwundet so als Tochter ihren Vater "am tödlichsten" (II,5) und dafür will und muss sie sterben. Die kontextbezogene Analyse In der kontextbezogenen Analysearbeit wird deutlich, dass der Zweifel des Vaters der Zweifel eines bürgerlichen Vaters ist. Der Todeswunsch der Tochter wiederum ist Ausdruck einer Verzweiflung angesichts der extrem eingeengten Lebensperspektive für Emilia als bürgerliche Frau der Aufklärungsepoche: Für ihr Begehren ist in der bürgerlichen Gesellschaft, die auf die feudale folgt, kein Platz mehr. Literatur, so zeigt sich hier, lässt Sachverhalte erahnen, die so von ihren Zeitgenossen noch nicht klar gedacht werden können. Sie hat ein "besonderes Erkenntnispotential". Dies zeigt sich, wenn der literarische Text im Kontext neuerer sozialwissenschaftlicher Forschung über das Geschlechterverhältnis im 18. Jahrhundert gelesen wird: Tugend wird identisch mit weiblicher Unschuld. Inge Stephan geht von einer "Verschiebung bzw. Verengung des Tugendbegriffs" innerhalb der Aufklärung aus: "Tugend wird immer stärker identisch gedacht mit weiblicher Unschuld" (Stephan 1987, 361), nachdem sie, so Stephan, in der Frühaufklärung vor allem als Eigenschaft galt, "die vor allem durch Vernunft definiert war und auf Wissen zielte und ohne ein Mindestmaß an Bildung nicht auskommen konnte" (ebenda). Stephan sieht in dieser Entwicklung die ideologische Brechung der Selbstständigkeit der Frau und die Begründung der Herrschaft des Mannes, beides notwendig geworden dadurch, dass die "Macht des Vaters ... in den Triebfedern der stürmisch vorandrängenden gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklung zerrieben zu werden drohte ... (und) neu begründet und legitimiert" werden musste. "Ökonomisch und gesellschaftlich gesehen wurde der Bürger zusehends ein kleines Rädchen in einer großen Maschinerie ... Als Oberhaupt in der Familie erhielt er eine Entschädigung für die reale Einbuße an Bedeutung" (362). In diesem Zusammenhang wird dann auch der Wert der Tugend für Odoardo und alle anderen bürgerlichen Väter der Aufklärung deutlich: "Während sie in der Frühaufklärung eine gesellschaftlich gefasste Eigenschaft war, die für Männer und Frauen gleichermaßen gefordert wurde, wird sie nun zunehmend verengt zu einer moralischen Kategorie" (363). Stephan weist nach, dass sich in den bürgerlichen Trauerspielen im Tod der Töchter das manifestiert, was Adorno als Dialektik der Aufklärung und sie als "Gespenstischwerden der Tugend" bezeichnet: "Es tritt jene Dialektik zutage, die Horkheimer und Adorno in anderem Zusammenhang als Wesen der Aufklärung beschrieben haben. Die Tugend-Vorstellung ist lebensnotwendig als ideologische Basis, auf der sich die Emanzipation des Bürgertums vollziehen konnte und sie ist - konsequent angewendet - ein terroristisches Instrument, das Angst und Schrecken verbreitet und die Körper von ihren Sinnen trennt" (Stephan 1986, 373). Emilia Galotti zeigt auf, was geschieht, wenn das "Andere", das "Unvernünftige" und "Irrationale" und die menschlichen Regungen verdrängt werden: Sie verdichten sich "gerade durch ihre Verdrängung zu einem bedrohlichen Bereich" (Slessarev 1986, 347). Das Befremden angesichts dieser inneren Text-Struktur oder Text-Intention, die "Rätselhaftigkeit" (Adorno) des Textes, wird in einer kontextbezogenen Textanalyse insofern aufgelöst, als dass Emilias Lebensperspektive historisch und soziologisch im Kontext des zeitgenössischen Frauenbildes verstehbar wird. Im Konflikt zwischen einem rigide tugendhaften Vater und einer nicht unschuldigen, weil verführbaren Tochter können die Schülerinnen und Schüler durch die Kontextualisierung einen anderen Konflikt erkennen: Der zwischen einem Vater und Tochter, die beide die typischen Züge ihrer Zeit tragen. Emilias Schicksal wird so sozial-historisch präzise bestimmbar: Odoardos Haltung wird verstehbar als die eines "Sozialcharakters" des "modernen" Bürgertums des 18. Jahrhunderts. Hier vollzieht sich eine Trennung von Familienleben und öffentlichem Leben, was auch "zu dem heute beklagten Mangel an politischem Engagement" (Slessarev 1986, 347) führte. Es sind vor allem die der Deutungslogik einer feministischen Literaturwissenschaft verpflichteten Studien, die auf diesen Aspekt hinweisen: Inge Stephan zeigt, dass die töchterliche Tugend in der bürgerlichen Familie im 18. Jahrhundert vor allem deshalb so wertvoll ist, weil sie "ein materielles Gut ist. Tatsächlich bemessen sich die Heiratschancen der Töchter danach, ob sie noch virgo intacta ist oder nicht. Von daher hat der Vater natürlich ein existentielles Interesse daran, die Unschuld der Töchter gegen Verführung abzuschirmen" (Stephan 1986, 368). Die ideologische Basis der Emanzipation einer gesellschaftlichen Gruppe oder Klasse, des Bürgertums, ist paradoxerweise die Unterdrückung einer anderen Gruppe: der bürgerlichen Frau, oder genauer deren Töchter. Die töchterliche Unversehrtheit wird in Widersprüchlichkeit zum bürgerlichen Emanzipationsdiskurs zu einem "terroristischen Instrument, das die Körper von ihren Sinnen trennt" (Stephan 1986, 373). Stephan zeigt auch, welches Frauenbild die Konsequenz einer solchen Ideologie ist: "Hinter der Tugend lauert jene Sinnlichkeit, die in dem Diskurs ... gebannt werden soll. In der bangen Frage 'Wenn sie nicht mehr rein ist?', die Ferdinand sich in 'Kabale und Liebe' stellt, steckt ein tiefes Mißtrauen" (364) gegen alle Frauen. Ladj-Teichmann (1986) zeigt, wie sich das Weiblichkeitsbild im Verlauf des 18. Jahrhunderts "so stark (verengt), dass zu Beginn des 19.Jahrhunderts eine von der 'weiblichen Bestimmung' abweichende Frau - etwa eine wissenschaftlich oder künstlerisch tätige - kaum noch tolerierbar war" (341). Es gibt für Emilia, einmal mit dem Erkennen ihrer Verführbarkeit konfrontiert, keine Lebensperspektive mehr. Ihr Tod erscheint so als Konsequenz der für bürgerliche Frauen ihrer Zeit typischen, entrechteten Lebenslage. Die rezeptionsbezogene Deutung Eine rezeptionsbezogene Deutung bricht diese gewonnenen Gewissheiten wieder auf und rekonstruiert den Rätselcharakter des literarischen Kunstwerkes, wenn die Lesenden neue Fragen stellen oder auffinden und diesen anhand von unterschiedlichen Text-Deutungen nachgehen. Die Frage "Was wollte Lessing?" eröffnet die Möglichkeit, den Unterschied zwischen einer "Textintention" (Eco, zititiert nach Kammler 2010, 227), die sich aus der "Textstruktur" ergibt und in die beim Schreiben des Textes kulturelle und unbewusste Einflüsse - hier die frauenfeindlichen Aspekte der bürgerlichen Aufklärung - bedeutungsstiftend eingegangen sind, und einer als möglich oder wahrscheinlich anzunehmenden und imaginativ rekonstruierbaren Aussageabsicht des Autors als Subjekt (Hirsch 1972, 298), der "Autorintention", zu erarbeiten. Neue Fragen werden nun aufgeworfen: Wollte Lessing auf die Entrechtung der Frau hinweisen? Ober gibt es einen Unterschied zwischen "Autorintention" und "Textintention"? Wenn ja, wie kann man diesen Unterschied erklären? Was dachte Lessing über die soziale Stellung der Frau? Was war seine Haltung gegenüber dem Absolutismus, der offenkundig kritisiert wird? Wie genau lautet seine politische Kritik am Absolutismus? Wieso lesen unterschiedliche Literaturwissenschaftler den gleichen Text anders? Mit den Interpretationen von Otto Mann und Horst Steinmetz werden Deutungen vorgelegt, an denen zu problematisierende Deutungslogiken gezeigt werden können. Diese Logik besteht darin, über die innere Struktur des Textes und seines Kontextes hinweg scheinbar überzeitlich gültige Wahrheiten zu postulieren, die dieser dann in einem projektiv-aneignenden (Tepe, Rauter und Semlow 2017, 5) Umgang mit dem Text übergestülpt werden. Der Text und seine Lektüre werden benutzt, um Thesen, die vor dem Lesen des Textes schon feststehen, zu untermauern. Einer politischen (sei es nun demokratischen oder sozialistischen) Deutung widerspricht Lange (1983) in einer letztlich rätselhaft bleibenden Analyse. Für ihn zeigt sich in Emilia Galotti ausdrücklich kein Protest gegen den Missbrauch von Macht, sondern eine Anerkennung eines "paternalistischen Ordnungssystems", das sich in moralischem Handeln ausdrücke. Offen bleibt die Frage, wieso Lange die Immoralität des Mordes an Appiani und Emilia und die Immoralität ihrer Unterdrückung übersieht. Otto Mann (1948) glaubt im Drama vor allem menschliche Eigenschaften wiederzuerkennen: "die Anmut der Frau", "die weibliche Schwäche", eine "menschliche Kraft", die darin bestände, "unserer Schwäche" zwar nicht entfliehen zu können, aber sie doch in uns zu entdecken. Wenn er von Emilias "weiblicher Schwäche" spricht, so kann hier die Kontinuität der bürgerlichen Abwertung der Frau als das schwache Geschlecht erkannt werden. Es ist diese angebliche Schwäche der Frauen, die Emilia für Mann offenbar wieder bewundernswert macht. Eine solche Schwäche der Frauen und des Menschen an sich vermag eine genaue Lektüre des Textes jedoch nicht zu bestätigen. Emilia erweist sich als schwach und stark zugleich. Auch ihre Mutter zeigt Stärke, wenn sie dem Tugend-Wahn ihres Mannes widersteht und weiter in der Stadt in der Nähe des Hofes lebt. Odoardo ist in seiner rigorosen Tugendhaftigkeit stark und schwach zugleich, Appiani stark in seiner konsequenten Absage an die höfische Lebenswelt. In der Interpretation von Steinmetz zeigt sich die problematische Konsequenz einer Deutungslogik, die sowohl von einer genauen Lektüre als auch von einer kontextbezogenen Lektüre absieht und stattdessen ewige Gesetzmäßigkeiten annimmt, denen der Mensch zu allen Zeiten unterworfen sei. Steinmetz geht davon aus, dass "alle Vorhaben und Taten aller Gestalten" misslängen und zieht hieraus den Schluss, dass ein "Gefängnis der Kausalität von Fehlhandlungen" zum Tod Emilias führte. Er weist eine einseitig negative Deutung von Emilias Tod zurück und verweist darauf, dass ihr Tod "das Gefängnis der Kausalität" aufbreche. Diese These ist in höchstem Maße problematisch. Steinmetz übersieht, dass es Orsina nur misslingt, die Gunst des Prinzen zurückzugewinnen. Ihr gelingt es aber durchaus, Odoardo für ihre Zwecke zu radikalisieren, um den Prinzen anzugreifen. Auch kann über den Prinzen von Guastalla kaum gesagt werden, dass sein Handeln misslingt. Er kann Emilia zwar nicht verführen, aber er verstrickt sich nicht in ein "unentwirrbares Kausalitätsgeflecht", sondern in das Geflecht eines unmoralischen Machtmissbrauchs. Auch kann nicht von einem ausweglosen Kreis deterministischer Verstrickungen gesprochen werden. Es ist Odoardos Misstrauen gegen seine Frau und seine Tochter, es ist die rigoristische Tugend-Moral, die die beiden Frauen daran hindert, den Männern von der Begegnung zwischen dem Prinzen und Emilia zu erzählen. Und es ist Odoardos Ohnmacht gegenüber dem Prinzen, der ihn dazu veranlasst, seine Tochter zu töten und nicht den Prinzen, was ja prinzipiell möglich gewesen wäre. Steinmetz interpretiert Emilias Tod als ein positives Ende, "das das Gefängnis der Kausalität aufbricht und menschliche Würde und Unabhängigkeit wiederherstellt". Emilia gewinne mit der Einsicht, dass auch sie verführbar sei, "Freiheit, Tugend und Würde". Ein Selbstmord aus Angst vor natürlichen Trieb-Regungen, die in Widerspruch zu lust- und frauenfeindlichen gesellschaftlichen Normen geraten, wird hier zu einem Akt der Befreiung verklärt. Wie kann aber, so muss gefragt werden, "Freiheit, Tugend und Würde" bewahrt werden, wenn das Subjekt diese Befreiung nicht mehr lebt? Die Ordnung, für die Emilia stirbt, wird bei Steinmetz zum Selbstzweck, ebenso Selbstzweck wie der absolutistische Despotismus, der sich in der Figur des Prinzen verkörpert. Heinrich Mann (1931) wirft keinen kritischen Blick auf die bürgerliche Familie und ihre Ideale, sondern charakterisiert die Tat Odoardos als verzweifelte, aber - in der Zeit - realistische und notwendig erscheinende Darstellung der Machtlosigkeit des deutschen Bürgertums gegenüber den mächtigen Fürsten. Löwenthal (1955/56) steht mit Werner (1984), Mehring (1894) und Rilla (1954) für jene, die in Lessings Stück eine demokratische politische Botschaft erkennen. Ihnen zufolge weckt Emilia Galotti in den Zuschauern das Gefühl für die "Unmöglichkeit des despotischen Systems". Sie lesen Emilia Galotti als demokratisches und/oder sozialistisches Drama, als Vorschein einer Befreiung der Menschen aus Herrschaft und Unmündigkeit. Rilla stellt fest, dass die bürgerliche Entwicklung über dieses Gefühl hinaus der despotischen Herrschaft nicht genug entgegengesetzt habe. Dies ist bei ihm ein Appell, diesen Fehler nicht mehr zu wiederholen und sich mit Entschlusskraft für eine sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft zu engagieren. Damit drückt er das Selbstverständnis der DDR-Literaturwissenschaft aus, die durch Textanalysen versuchte, in der deutschen Literatur eine demokratisch-sozialistische Tradition zu entdecken, welche aus seiner Perspektive nur in der DDR zu einem erfolgreichen Ende geführt werden konnte. Rilla wiederum zitiert den preußischen König, der einem Ohrenzeugen zufolge Emilias "Beschränktheit" (und weitere die Protagonisten auszeichnende menschliche Schwächen) als Erklärung für ihren Tod sieht - sicher eine provozierende, aber möglicherweise auch in den Augen heutiger junger Leser und Leserinnen keine ganz abwegige Deutung, wenn man klärt, wie "Beschränktheit" beispielsweise zu verstehen ist - und woher sie kommt. Deutlich wird hier aber auch, wie die Perspektive des Hochadels die Analyse beeinflusst: An dem ihm unterworfenen und abhängigen Bürgertum kann dieser aus Interesse am Fortbestand der eigenen Macht folgerichtig nur das Schwache und Lächerliche erkennen. Literatur, so wird durch die Analyse der unterschiedlichen Rezeptionen deutlich, wird äußerst unterschiedlich gelesen und interpretiert. Sie ist bis zu einem gewissen Punkt bedeutungsoffen, das heißt sie hat für unterschiedliche Leserinnen und Leser unterschiedliche Bedeutungen. Die Art und Weise der Bedeutungskonstruktion hängt von der Weltsicht und den Interessen der Leserinnen und Leser ab. Männliche Literaturwissenschaftler, die der politischen Linken nahestehen und sich wie Löwenthal für die Demokratisierung einer pluralistischen offenen Gesellschaft oder wie Rilla und Werner für den Sozialismus in der DDR engagieren, deuten literarische Texte anders als Literaturwissenschaftlerinnen, die von feministischen Fragestellungen ausgehen und nach Spuren der Unterdrückung der Frau in der Geschichte forschen. Die Schülerinnen und Schüler erkennen auch, dass die Bedeutungsoffenheit Grenzen hat. Es gibt Deutungen, die durch das genaue Lesen eines Textes nachweisbar als falsch und textfern bezeichnet werden können. Welche Erkenntnis ermöglicht Literatur als Kunstform? Durch die rezeptionsbezogene und im Anschluss daran durch eine literaturtheoretisch fundierte abschließende Auseinandersetzung mit der Frage, welche Erkenntnis gerade Literatur ermöglicht, erkennen die Schülerinnen und Schüler ein Merkmal der Logik literaturwissenschaftlicher Bedeutungsbildung (Fingerhut 1994): Die Suche nach der Bedeutung eines Textes ist abhängig von Epochenzugehörigkeit, Interessen und sozialen Perspektiven der Leserinnen und Leser und kann deshalb nie als abgeschlossen gelten. Dies wäre wohl eine von mehreren möglichen Antworten auf die Frage, die nach Gruschka als Mindestniveau im Kunst- und Literaturunterricht zu stellen und zu beantworten wäre: "Welche Erkenntnis ermöglicht Literatur als Kunstform?" (Gruschka 2015, 44).

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Sekundarstufe II

Literarisches Verstehen durch "genaues Lesen": Teil I

Fachartikel

In vier Schritten soll in dem vorliegenden Fachartikel ein literaturtheoretisch fundiertes Drei-Phasen-Modell zur Planung von Literaturunterricht skizziert werden, das sowohl für den Deutschunterricht als auch für den Literaturunterricht in den modernen Fremdsprachen Geltungskraft beansprucht. Verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass es in der Literaturdidaktik keinen Konsens mehr darüber gibt, welche Ziele der Literaturunterricht verfolgt und auf welchen Wegen er diese verfolgen soll: Unklar und umstritten ist, was Literatur ist (oder sein könnte) und wofür sie im Unterricht gut und wichtig wäre. Für den desorientierenden Zustand der Disziplin, die sich "in einem Prozess permanenter Transformation" (Mitterer 2016, 19) befindet, scheint uns das von Baum festgestellte "erhebliche Theoriedefizit der Literaturdidaktik" (Baum 2010, 120; siehe auch Mitterer 2016, 21–23) verantwortlich zu sein. Das hier vorgestellte Modell eines Literaturunterrichts erläutert die theoretischen Überlegungen, die einer Reihe von bei Lehrer-Online publizierten Materialien zugrunde liegen: Albert Camus' "L'Étranger": Einen Schulklassiker genau lesen Albert Camus' "L'Étranger" in sieben Schritten genau lesen Lessings "Emilia Galotti" genau lesen Brechts "Entdeckung an einer jungen Frau" genau lesen Goethes "Ganymed" genau lesen Albert Camus' "L'hôte" genau lesen Georg Büchners "Lenz" genau lesen Friedrich Schiller: "Das Lied von der Glocke" genau lesen Claude Nougaros Chanson "Bidonville" genau lesen Wolfensteins "Städter" genau lesen

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben

Literarisches Verstehen durch "genaues Lesen": Teil II

Fachartikel

In vier Schritten soll in dem vorliegenden Fachartikel ein literaturtheoretisch fundiertes Drei-Phasen-Modell zur Planung von Literaturunterricht skizziert werden, das sowohl für den Deutschunterricht als auch für den Literaturunterricht in den modernen Fremdsprachen Geltungskraft beansprucht. Verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass es in der Literaturdidaktik keinen Konsens mehr darüber gibt, welche Ziele der Literaturunterricht verfolgt und auf welchen Wegen er diese verfolgen soll: Unklar und umstritten ist, was Literatur ist (oder sein könnte) und wofür sie im Unterricht gut und wichtig wäre. Für den desorientierenden Zustand der Disziplin, die sich "in einem Prozess permanenter Transformation" (Mitterer 2016, 19) befindet, scheint uns das von Baum festgestellte "erhebliche Theoriedefizit der Literaturdidaktik" (Baum 2010, 120; siehe auch Mitterer 2016, 21–23) verantwortlich zu sein. Das hier vorgestellte Modell eines Literaturunterrichts erläutert die theoretischen Überlegungen, die einer Reihe von bei Lehrer-Online publizierten Materialien zugrunde liegen: Albert Camus' "L'Étranger": Einen Schulklassiker genau lesen Albert Camus' "L'Étranger" in sieben Schritten genau lesen Lessings "Emilia Galotti" genau lesen Brechts "Entdeckung an einer jungen Frau" genau lesen Goethes "Ganymed" genau lesen Albert Camus' "L'hôte" genau lesen Georg Büchners "Lenz" genau lesen Friedrich Schiller: "Das Lied von der Glocke" genau lesen Claude Nougaros Chanson "Bidonville" genau lesen Wolfensteins "Städter" genau lesen

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Literarisches Verstehen durch "genaues Lesen": Teil III

Fachartikel

In vier Schritten soll in dem vorliegenden Fachartikel ein literaturtheoretisch fundiertes Drei-Phasen-Modell zur Planung von Literaturunterricht skizziert werden, das sowohl für den Deutschunterricht als auch für den Literaturunterricht in den modernen Fremdsprachen Geltungskraft beansprucht. Verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass es in der Literaturdidaktik keinen Konsens mehr darüber gibt, welche Ziele der Literaturunterricht verfolgt und auf welchen Wegen er diese verfolgen soll: Unklar und umstritten ist, was Literatur ist (oder sein könnte) und wofür sie im Unterricht gut und wichtig wäre. Für den desorientierenden Zustand der Disziplin, die sich "in einem Prozess permanenter Transformation" (Mitterer 2016, 19) befindet, scheint uns das von Baum festgestellte "erhebliche Theoriedefizit der Literaturdidaktik" (Baum 2010, 120; siehe auch Mitterer 2016, 21–23) verantwortlich zu sein. Das hier vorgestellte Modell eines Literaturunterrichts erläutert die theoretischen Überlegungen, die einer Reihe von bei Lehrer-Online publizierten Materialien zugrunde liegen: Albert Camus' "L'Étranger": Einen Schulklassiker genau lesen Albert Camus' "L'Étranger" in sieben Schritten genau lesen Lessings "Emilia Galotti" genau lesen Brechts "Entdeckung an einer jungen Frau" genau lesen Goethes "Ganymed" genau lesen Albert Camus' "L'hôte" genau lesen Georg Büchners "Lenz" genau lesen Friedrich Schiller: "Das Lied von der Glocke" genau lesen Claude Nougaros Chanson "Bidonville" genau lesen Wolfensteins "Städter" genau lesen

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Literarisches Verstehen durch "genaues Lesen": Teil IV

Fachartikel

In vier Schritten soll in dem vorliegenden Fachartikel ein literaturtheoretisch fundiertes Drei-Phasen-Modell zur Planung von Literaturunterricht skizziert werden, das sowohl für den Deutschunterricht als auch für den Literaturunterricht in den modernen Fremdsprachen Geltungskraft beansprucht. Verschiedene Faktoren haben dazu geführt, dass es in der Literaturdidaktik keinen Konsens mehr darüber gibt, welche Ziele der Literaturunterricht verfolgt und auf welchen Wegen er diese verfolgen soll: Unklar und umstritten ist, was Literatur ist (oder sein könnte) und wofür sie im Unterricht gut und wichtig wäre. Für den desorientierenden Zustand der Disziplin, die sich "in einem Prozess permanenter Transformation" (Mitterer 2016, 19) befindet, scheint uns das von Baum festgestellte "erhebliche Theoriedefizit der Literaturdidaktik" (Baum 2010, 120; siehe auch Mitterer 2016, 21–23) verantwortlich zu sein. Das hier vorgestellte Modell eines Literaturunterrichts erläutert die theoretischen Überlegungen, die einer Reihe von bei Lehrer-Online publizierten Materialien zugrunde liegen: Albert Camus' "L'Étranger": Einen Schulklassiker genau lesen Albert Camus' "L'Étranger" in sieben Schritten genau lesen Lessings "Emilia Galotti" genau lesen Brechts "Entdeckung an einer jungen Frau" genau lesen Goethes "Ganymed" genau lesen Albert Camus' "L'hôte" genau lesen Georg Büchners "Lenz" genau lesen Friedrich Schiller: "Das Lied von der Glocke" genau lesen Claude Nougaros Chanson "Bidonville" genau lesen Wolfensteins "Städter" genau lesen

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Erzählanregung "Martin Luther auf der Wartburg"

Unterrichtseinheit

Das Unterrichtsmaterial "Martin Luther auf der Wartburg" liefert eine Erzählanregung, mit deren Hilfe sich den Lernenden Luthers Zeit auf der Wartburg und seine Bibelübersetzung vergegenwärtigen lässt. Sie gewinnen einen Einblick in die Bedeutung der Bibel für den reformatorischen Aufbruch und machen sich bewusst, wie wichtig eine gelungene Übersetzung für den eigenen Umgang mit biblischen Texten ist.Martin Luther lebte ein knappes Jahr auf der Wartburg und übersetzte dort in nur wenigen Wochen das gesamte Neue Testament aus dem Griechischen in die deutsche Sprache. In Wittenberg arbeitete er anschließend zusammen mit Fachleuten an der Übersetzung des Alten Testaments aus dem hebräischen Urtext. Luthers Übersetzung war nicht die erste, aber mit seiner besonderen Sprachkraft und theologischen Kompetenz schuf er ein Gesamtwerk, das für die lutherischen Kirchen bestimmend war. Im Mittelpunkt der Unterrichtsstunde steht die Erzählung von Luthers Aufenthalt auf der Wartburg und seine Bibelübersetzung. Sie kann vorgelesen oder – noch besser – als Anregung für das eigene freie Erzählen der Lehrkraft dienen. Auch die Verwendung als Lesetext – ganz oder in ausgewählten Abschnitten – bietet sich an. Am Ende der Erzählanregung bieten Gesprächsimpulse Anlass für eine thematische Vertiefung in der Klasse. Die Unterrichtsstunde sollte nach Möglichkeit in einen größeren Unterrichtszusammenhang eingebettet sein, der den Schülerinnen und Schülern vor Beginn der Stunde kurz in Erinnerung gerufen werden sollte. Dazu bieten sich an: a) Luthers Weg vom Thesenanschlag 1517 bis zum Reichstag in Worms und die Folgen. b) Ursprung der biblischen Texte: In welchen Sprachen wurden sie zuerst verfasst und wie kamen die Übersetzungen zu uns.Die Schülerinnen und Schüler entdecken, was Luther im Umgang mit der Bibel ganz besonders wichtig war. nehmen wahr, aus welchen Quellen Luther seine Sprachkraft schöpfte. bedenken, inwiefern Luthers Gesichtspunkte für den Umgang mit der Bibel auch heute noch von Bedeutung sind. lernen, wie sehr das geschriebene Wort aus der zwischenmenschlichen Kommunikation heraus entsteht – und es umgekehrt diese Kommunikation bereichern kann.

  • Religion / Ethik / Geschichte / Früher & Heute / Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Primarstufe, Sekundarstufe I

Unterrichtsmaterial und News für das Fach Deutsch

Hier finden Lehrkräfte der Sekundarstufen I und II kostenlose und kostenpflichtige Arbeitsblätter, Kopiervorlagen, Unterrichtsmaterialien und interaktive Übungen mit Lösungsvorschlägen zum Download und für den direkten Einsatz im Deutsch-Unterricht oder in Vertretungsstunden. Ob Materialien zu Grammatik und Rechtschreibung, kreativem Schreiben, Lyrik, Gedichtanalyse, Lektürearbeit, Drama oder Rhetorik: Dieses Fachportal bietet Lehrerinnen und Lehrern jede Menge lehrplanorientierte Unterrichtsideen, Bildungsnachrichten sowie Tipps zu Apps und Tools für ihren Deutsch-Unterricht an Gymnasien, Gesamt-, Real-, Haupt- und Mittelschulen. 

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