Was gute Lehrkräftebildung mit Demokratie zu tun hat

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Autor: Merle Engeln
veröffentlicht am 12.09.2026

Der Deutsche Philologenverband und elf Fachverbände warnen vor weiteren Kürzungen in der Lehrkräftebildung. Fachwissen, fachdidaktische Kompetenz und der wissenschaftliche Umgang mit Quellen, Evidenz und Mehrdeutigkeit seien entscheidend für eine wirksame Demokratiebildung.

Demokratiebildung gehört zum Bildungsauftrag von Schule. Sie erschöpft sich jedoch nicht in der Vermittlung politischer Institutionen oder demokratischer Werte. Schülerinnen und Schüler müssen auch lernen, Fakten von Meinungen zu unterscheiden, Quellen kritisch zu prüfen, Unsicherheiten auszuhalten und unterschiedliche Positionen sachlich zu beurteilen. Dafür benötigen sie fachlich und fachdidaktisch qualifizierte Lehrkräfte.

Fachlichkeit als Grundlage für Demokratiebildung

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) hat gemeinsam mit elf Fachverbänden auf die Bedeutung einer fundierten Lehrkräftebildung hingewiesen. Anlass sind drei anstehende Landtagswahlen und die Sorge, dass die Qualität der Lehrkräftebildung durch Kürzungen und eine Schwächung fachlicher Standards weiter unter Druck geraten könnte. Besonders kritisch sehen die Verbände eine unzureichende Qualifizierung von Quer- und Seiteneinsteigenden sowie eine mögliche Verkürzung des Referendariats.

Nach Einschätzung des DPhV braucht Demokratiebildung Zeit für Reflexion, Hospitationen und individuelles Feedback. Werden eigenverantwortlicher Unterricht, Seminarverpflichtungen und Prüfungen in einer verkürzten Ausbildungsphase verdichtet, kann dies die professionelle Entwicklung angehender Lehrkräfte erschweren.

Demokratiebildung als Aufgabe aller Fächer

Die Fachverbände betonen, dass Demokratiebildung eine fächerübergreifende Aufgabe ist. Politik und Geschichte schaffen wichtige Grundlagen für das Verständnis demokratischer Institutionen, historischer Entwicklungen und gesellschaftlicher Konflikte. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) empfiehlt deshalb unter anderem, diese Fächer sowie den Sachunterricht zu stärken und Demokratiebildung in allen Fächern zu verankern.

Auch im Mathematik-, Naturwissenschafts- und Informatik-Unterricht spielt der wissenschaftliche Umgang mit Evidenz eine Rolle. In Sprachen, Literaturen, Sport und Kunst können Lernende Perspektivenvielfalt, begründete Urteile und den Umgang mit Mehrdeutigkeit erproben. Demokratiebildung wird so nicht auf einzelne Projekttage oder Unterrichtseinheiten begrenzt, sondern Teil einer fachlich fundierten Schulkultur.

Kontroversen sachlich bearbeiten

Für den Unterricht bedeutet das auch, gesellschaftliche Konflikte nicht grundsätzlich auszusparen. Lehrkräfte müssen kontroverse Themen fachlich einordnen, unterschiedliche Positionen sichtbar machen und zugleich darauf achten, dass Lernende nicht diskriminiert oder eingeschüchtert werden. Die SWK verweist darauf, dass eine fachliche Ausbildung Lehrkräfte dabei unterstützt, Kontroversen aufzugreifen, zu moderieren und durch Sachinformationen sowie geeignete Rechercheaufträge zu ergänzen.

Der DPhV und die Fachverbände fordern deshalb, die Fachlichkeit in allen Phasen der Lehrkräftebildung zu stärken. Außerdem solle die verbindliche Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz bereits in der ersten Phase der Ausbildung verankert werden.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Für Ihren Unterricht bedeutet das: Planen Sie kontroverse Themen so, dass Lernende zwischen Behauptungen, Belegen und Bewertungen unterscheiden können. Im Politik- oder Geschichtsunterricht bietet sich eine Quellenprüfung zu aktuellen Wahlkampfaussagen an; in Naturwissenschaften kann die Klasse den Unterschied zwischen Messdaten und deren Interpretation untersuchen. Nutzen Sie Fachkonferenzen, Fortbildungen und kollegialen Austausch, um gemeinsame Kriterien für sachliche Diskussionen und den Umgang mit Unsicherheit zu entwickeln.

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Quellen

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