Mehr Sicherheit, nicht weniger Digitalität - Jugendliche fordern Konsequenzen
Der Deutsche Philologenverband begrüßt den Abschlussbericht der Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt". Aus Sicht des Verbands zeigen die Stimmen von Kindern und Jugendlichen sowie die Expertenhearings deutlichen Handlungsbedarf bei Plattformen, Politik und Gesellschaft.
Die Debatte über den Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt geht in eine neue Phase. Der Deutsche Philologenverband (DPhV) begrüßt den am 11. September 2026 veröffentlichten Abschlussbericht der Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt". Der Bericht ergänzt die bereits im Juni vorgestellten 56 Handlungsempfehlungen um die Ergebnisse eines Beteiligungsprozesses mit Kindern und Jugendlichen sowie um Stellungnahmen aus Expertenhearings.
Sicherheit und Selbstbestimmung im digitalen Raum
Nach Darstellung des DPhV wünschen sich die beteiligten Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren kein weniger digitales Leben, sondern mehr Sicherheit. Sie sehen insbesondere die Plattformanbieter in der Verantwortung, suchtfördernde Mechanismen abzuschalten und Algorithmen so zu gestalten, dass sie Minderjährige besser schützen.
Auch die Hearings mit Fachleuten aus Medizin, Psychologie, Pädagogik, Jugendhilfe und Polizei hätten den Handlungsbedarf bestätigt. Der DPhV verweist zudem auf die aus seiner Sicht negativen Auswirkungen übermäßiger Mediennutzung auf Lernleistung, Konzentrationsfähigkeit und soziales Miteinander. Soziale Medien, algorithmische Mechanismen und KI-gestützte Anwendungen müssten deshalb stärker reguliert werden. Gleichzeitig bleibe eine entwicklungsförderliche Medienbildung notwendig.
Verbindliche Regeln für Plattformen und Schulen
Der Verband fordert gesetzliche Vorgaben für das Produktdesign digitaler Plattformen. Das Prinzip "Safety by design und by Default" solle nach seiner Position verbindliches Recht werden. Dazu gehörten technisch wirksame Altersbeschränkungen, der Abbau suchtfördernder Funktionen und eine stärkere Haftung der Anbieter für Schäden, die durch ihr Produktdesign entstehen.
Auch eine Altersgrenze von 13 Jahren wird in der Mitteilung thematisiert. Bundesbildungsministerin Prien werbe für eine europäische Regelung, schließe einen nationalen Alleingang jedoch nicht mehr aus. Der DPhV betont, dass europäische Lösungen weiterhin das Ziel seien, nationale Maßnahmen aber nicht auf unbestimmte Zeit aufgeschoben werden dürften.
Für Schulen verweist der Verband auf Schleswig-Holstein. Dort gilt nach seinen Angaben ein Nutzungsverbot privater Endgeräte in Grundschulen und bei weiterbildenden Schulen. Der DPhV sieht neben der Politik auch Eltern, Kindertagesstätten, Schulen, Jugendhilfe, Gesundheitswesen und Plattformanbieter in der Verantwortung. Die Expertenkommission habe ein Sofortprogramm bis Ende 2026 vorgeschlagen.
Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag
Für Ihren Unterricht bedeutet die Debatte, Regeln zur privaten und schulischen Mediennutzung regelmäßig zu überprüfen. Besprechen Sie mit einer Klasse der Jahrgangsstufen 5 bis 8, welche Funktionen sozialer Plattformen Aufmerksamkeit binden und welche Schutzmaßnahmen Jugendliche selbst erwarten. Die Ergebnisse können in eine gemeinsame Vereinbarung zur Gerätenutzung einfließen. Sinnvoll sind außerdem der Austausch im Kollegium, die Einbindung der Eltern und die gezielte Recherche nach Unterrichtsmaterialien zur Medienbildung.
Informations-, Fortbildungs- und Unterrichtsmaterial zum Thema
- Schulische Medienkonzepte und Medienentwicklungsplanung
Am 15. März 2019 hat der Bundesrat den Weg frei gemacht für eine Grundgesetzänderung, die es dem Bund ermöglicht, die Digitalisierung an Schulen mit Milliardenhilfen voranzutreiben. Um finanzielle…
- Jugendmedienschutz
Neben vielen positiven Aspekten der digitalen Medien haben auch diese ihre Schattenseiten, insbesondere in Form von problematischen, "nicht jugendfreien" Inhalten. Schulen müssen sich daher mit diesem…
Aktuelle Bildungsnachrichten direkt auf Ihr Smartphone
Bleiben Sie über wichtige Entwicklungen in Schule und Bildung informiert und abonnieren Sie den WhatsApp-Kanal von Lehrer-Online.
Neue Unterrichtsmaterialien, Unterrichtsideen und weitere Empfehlungen finden Sie alle zwei Wochen in unserem Lehrer-Online-Newsletter.
Quelle
- Deutscher Philologenverband: Expertenkommission: DPhV begrüßt Einbeziehung der Stimmen von Kindern und Jugendlichen / Hearings bestätigen Handlungsdruck / Empfehlungen müssen jetzt in verbindliches Recht verwandelt werden - bereitgestellte PDF-Datei „DPhV_PM_2026_09_11_AbschlussExpertenkommission.pdf"
