Künstliche Intelligenz im Schulalltag: PISA fordert einen genaueren Blick

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Autor: Merle Engeln
veröffentlicht am 18.09.2026

Die PISA-Studie 2025 untersucht erstmals systematisch, wie Jugendliche in einer digitalen Lernumgebung Probleme lösen und Künstliche Intelligenz nutzen. Die Ergebnisse zeigen: Digitale Werkzeuge können Lernen unterstützen – entscheidend ist jedoch, ob sie eigenständiges Denken fördern oder ersetzen.

PISA untersucht Lernen in der digitalen Welt

An PISA 2025 nahmen mehr als 760.000 15-Jährige aus 91 Ländern und Volkswirtschaften teil. Neben Naturwissenschaften, Mathematik und Lesekompetenz wurde erstmals der Bereich "Lernen in der digitalen Welt" erfasst. Im Mittelpunkt stand das computergestützte Problemlösen: Schülerinnen und Schüler sollten digitale Werkzeuge nutzen, um komplexe Aufgaben zu strukturieren, Lösungswege zu entwickeln und ihr Vorgehen selbstständig zu steuern.

Damit geht es nicht nur um technische Bedienfähigkeiten. Gefragt ist vielmehr, ob Lernende Informationen auswählen, Zusammenhänge erkennen und digitale Werkzeuge zielgerichtet einsetzen können. Diese Fähigkeiten gewinnen angesichts der Verbreitung Künstlicher Intelligenz an Bedeutung.

Künstliche Intelligenz wird bereits häufig genutzt

Die OECD-Daten zeigen, dass Chatbots mit Künstlicher Intelligenz im Lernalltag vieler Jugendlicher angekommen sind. In Deutschland gaben 50 Prozent der Befragten an, mindestens einmal pro Woche einen KI-Chatbot zu nutzen, um Unterstützung beim Lernen zu erhalten. Im OECD-Durchschnitt waren es 46 Prozent.

Die Nutzung allein sagt jedoch wenig über die Qualität des Lernens aus. Ob KI hilfreich ist, hängt davon ab, wie sie eingesetzt wird. Wird eine Anwendung genutzt, um einen Lösungsweg zu prüfen, Fragen zu entwickeln oder Rückmeldungen zu erhalten, kann sie Lernprozesse unterstützen. Übernimmt sie dagegen das Schreiben, Zusammenfassen oder Recherchieren vollständig, besteht die Gefahr, dass zentrale Denk- und Übungsprozesse ausbleiben.

Digitale Ablenkung und flüchtiges Lesen

PISA 2025 verweist zugleich auf Risiken digitaler Medien. Im OECD-Durchschnitt berichten 28 Prozent der Jugendlichen, dass andere Schülerinnen und Schüler in den meisten oder allen naturwissenschaftlichen Unterrichtsstunden durch digitale Geräte abgelenkt werden. Für Deutschland zeigt der Bericht außerdem, dass an 64 Prozent der Schulen ein Verbot privater digitaler Geräte gilt.

Parallel dazu beobachtet die OECD einen Rückgang von Fähigkeiten, die in einer von KI geprägten Welt besonders wichtig sind: Informationen bewerten, Aussagen aus mehreren Quellen miteinander verbinden und Texte kritisch hinterfragen. Der Anteil des „flüchtigen Lesens“, bei dem Texte hastig überflogen und dadurch falsche Antworten gegeben werden, hat sich zwischen 2018 und 2025 nahezu verdoppelt.

Konsequenzen für Unterricht und Medienbildung

Für Schulen bedeutet das nicht, digitale Medien pauschal zurückzudrängen. Notwendig ist ein Unterricht, der zwischen konsumierender und produktiver Nutzung unterscheidet. Lernende sollten KI-Ergebnisse prüfen, Quellen vergleichen, eigene Lösungswege dokumentieren und die Grenzen automatisierter Antworten erkennen.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Planen Sie eine Unterrichtssequenz, in der Schülerinnen und Schüler eine KI-Antwort nicht einfach übernehmen, sondern systematisch überprüfen. Lassen Sie sie Fehler markieren, Aussagen mit zwei verlässlichen Quellen vergleichen und anschließend eine begründete eigene Antwort formulieren. Das eignet sich besonders für Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und Gesellschaftswissenschaften ab Jahrgangsstufe 8. Vereinbaren Sie im Kollegium außerdem gemeinsame Regeln dafür, wann KI als Lernhilfe erlaubt ist und wann der eigenständige Lösungsweg sichtbar bleiben muss.

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