Leseförderung im Unterricht: Warum sinnerfassendes Lesen in Deutschland wichtiger wird

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Autor: Merle Engeln
veröffentlicht am 28.09.2026

Die Lesekompetenz hat sich in Österreich weiter verschlechtert. Auch für Deutschland zeigen aktuelle Studien erheblichen Handlungsbedarf: Sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen wächst der Anteil der Menschen mit geringen Lesekompetenzen. Für Schulen stellt sich damit die Frage, wie sinnerfassendes Lesen nachhaltig gefördert werden kann.

Lesekompetenz wird zum Thema für alle Bildungsbereiche

Die Ö1-Sendung "Verstehen Sie, was Sie lesen?" beschäftigt sich mit der Frage, ob sinnerfassendes Lesen als zentrale Kulturtechnik an Bedeutung verliert. Anlass sind aktuelle Befunde zur Lesekompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Österreich.

Nach Angaben des Österreichischen Rundfunks gilt fast ein Drittel der 16- bis 65-Jährigen in Österreich als leseschwach. Das entspricht rund 1,7 Millionen Menschen. Bei 28 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger bestehen demnach bereits bei einfachen Texten erhebliche Verständnisschwierigkeiten.

Lesekompetenz bedeutet dabei mehr, als Wörter flüssig lesen zu können. Wer Texte sicher versteht, muss Informationen entnehmen, Zusammenhänge herstellen, Aussagen bewerten und Inhalte auf neue Situationen übertragen. Diese Fähigkeiten sind nicht nur im Deutsch-Unterricht relevant, sondern auch beim Bearbeiten von Sachaufgaben, beim Verstehen naturwissenschaftlicher Erklärungen oder bei der Einordnung politischer Informationen.

Deutschland zeigt ähnliche Befunde

Auch in Deutschland weisen aktuelle Studien auf eine problematische Entwicklung hin. Die internationale PIAAC-Studie 2023 untersucht die Grundkompetenzen von Erwachsenen zwischen 16 und 65 Jahren. Danach verfügen rund 20 Prozent der Erwachsenen in Deutschland über geringe Lesekompetenzen. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung ist dieser Anteil von 17 auf 20 Prozent gestiegen.

Die Ergebnisse sind nicht vollständig mit den österreichischen Daten vergleichbar, weil die Studien unterschiedliche Altersgruppen, Definitionen und Testverfahren verwenden. Die Grundtendenz ist jedoch ähnlich: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung hat Schwierigkeiten, selbst einfache schriftliche Informationen sicher zu erfassen und zu nutzen.

Auch bei Schülerinnen und Schülern zeigt sich Handlungsbedarf. Laut Bildungsbericht "Bildung in Deutschland 2026" verfehlten 15 Prozent der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler den Mindeststandard im Lesen für den Ersten Schulabschluss. Beim Mindeststandard für den Mittleren Schulabschluss lag der Anteil bei rund einem Drittel. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 weisen ebenfalls auf einen Rückgang der Lesekompetenz deutscher 15-Jähriger hin.

Soziale Herkunft und digitale Medien

In Österreich wie in Deutschland hängt der Bildungserfolg weiterhin stark mit der sozialen Herkunft zusammen. Der deutsche Bildungsbericht zeigt, dass Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien deutlich häufiger grundlegende Kompetenzanforderungen im Lesen verfehlen. Leseförderung ist daher auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit.

Digitale Medien verändern zugleich, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene Informationen aufnehmen. Kurze, visuell aufbereitete Beiträge können einen schnellen Zugang ermöglichen, ersetzen aber nicht automatisch die Fähigkeit, längere und komplexe Texte zu verstehen. Die JIM-Studie 2025 zeigt, dass Jugendliche digitale Medien zunehmend für Information und Nachrichten nutzen. Schule muss deshalb Leseförderung und Medienbildung stärker miteinander verbinden.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Fördern Sie das Textverständnis regelmäßig in allen Fächern. Lassen Sie Lernende zentrale Aussagen markieren, Begriffe klären, Schlussfolgerungen formulieren und die Glaubwürdigkeit verschiedener Quellen prüfen. Vergleichen Sie beispielsweise einen längeren Zeitungsartikel mit einem kurzen Beitrag aus sozialen Medien zum gleichen Thema. So lernen Schülerinnen und Schüler, Informationen nicht nur schnell aufzunehmen, sondern sie zu verstehen, einzuordnen und für eigene Entscheidungen zu nutzen. Besonders wirksam sind kurze, wiederkehrende Leseaufgaben statt einzelner großer Fördermaßnahmen.

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Quellen

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