Lehrergesundheit: Wie Schulen die Belastbarkeit von Lehrkräften beeinflussen

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veröffentlicht am 26.05.2026

Etwa ein Drittel der Lehrkräfte fühlt sich überlastet - ein Problem, das nicht erst seit der Pandemie besteht. Die Bildungsforscherin Bärbel Wesselborg erklärt, welche Faktoren zu Stress führen und wie Schulen durch eine gesundheitsförderliche Unterrichtsgestaltung die Situation verbessern können.

Belastungsfaktoren im Lehrerberuf

Die Zahlen zur Lehrergesundheit sind alarmierend: Zwischen zehn und 30 Prozent der Lehrkräfte leiden unter einer Erschöpfungssymptomatik. Die Ursachen sind vielfältig und lassen sich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Lehrkräfte arbeiten in ständiger Interaktion mit ihren Lernenden. Während sie ihren Unterricht gestalten, müssen sie gleichzeitig auf die Bedürfnisse der Klasse eingehen und alle Schülerinnen und Schüler mitnehmen. Dies erfordert eine hohe Kooperationsbereitschaft der Lernenden - scheitert diese, entsteht Stress.

Der größte Belastungsfaktor ist dabei gleichzeitig auch die stärkste Ressource: der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern. Wenn diese Interaktion gut funktioniert, gibt sie Lehrkräften den größten positiven Rückhalt. Unmotivierte und undisziplinierte Lernende führen hingegen zu erheblichen Belastungen, oft verbunden mit einem hohen Lärmpegel in der Klasse.

Arbeitsbedingungen und ihre Auswirkungen

Ein weiterer wesentlicher Stressfaktor sind die Arbeitsbedingungen. Lehrkräfte haben einen geteilten Arbeitsplatz: Der Unterricht findet in der Schule statt, Vor- und Nachbereitung, Korrekturen und Elternkontakte erfolgen meist zu Hause. Dies führt dazu, dass viele Lehrkräfte als "Halbtagskräfte" wahrgenommen werden - eine Wahrnehmung, die die Belastung zusätzlich erhöht.

Das Arbeitspensum ist oft sehr hoch, mit Zeitspitzen in Korrekturphasen und durch zusätzliche Aufgaben und Ämter. Schulen haben immer mehr Verwaltungsaufgaben und Dokumentationspflichten zu bewältigen. Hinzu kommen mögliche Konflikte im Kollegium und mit der Schulleitung. Viele Lehrkräfte finden es schwierig, beim Arbeiten zu Hause Beruf und Privatleben voneinander zu trennen.

Ein besonderer Aspekt betrifft Teilzeitarbeit: Während das Unterrichtsdeputat reduziert wird, verteilen sich viele andere Aufgaben und Ämter auf alle Lehrkräfte - unabhängig von ihrer Arbeitszeit. Dies führt dazu, dass sich Frauen, die häufiger in Teilzeit arbeiten, stärker belastet fühlen als Männer.

Wie ein Schultag die Lehrkräfte belastet

Schulforscher der Universität Bremen haben nachgewiesen, dass die psychophysische Erschöpfung im Laufe eines Unterrichtstages zunimmt. Der Tag beginnt oft mit Ermahnungen auf dem Schulhof und endet nach sechs bis sieben Stunden nonstop Unterricht - meist ohne Hohlstunde. Die kurzen Pausen zwischen den Stunden bieten wenig Erholung; stattdessen schnellt die Anstrengung sogar noch in die Höhe, weil Lehrkräfte von Raum zu Raum wechseln, Fragen beantworten und organisatorische Dinge regeln müssen.

Der oft unterschätzte Lärmpegel nimmt im Laufe des Tages zu - besonders in älteren Schulgebäuden, die sehr schallintensiv sind. Ein Rückzugsort zur Erholung existiert in den meisten Schulen nicht.

Unterrichtsgestaltung als Schlüssel zur Gesundheit

Eine ermutigende Erkenntnis aus der Forschung: Lehrkräfte, die es schaffen, klare Regeln durchzusetzen und einen schülerorientierten Unterricht zu praktizieren, sind weniger gestresst. Gleichzeitig ist der Lärmpegel in ihren Klassen geringer. Klassischer Frontalunterricht wirkt sich hingegen besonders anstrengend aus - wenn Lehrkräfte 45 Minuten vorne stehen und sprechen.

Besonders erfreulich: Eine Umstellung auf schülerorientierten Unterricht mit klaren Regeln und gutem Klassenklima verbessert nicht nur die Lehrergesundheit, sondern auch die Unterrichtsqualität. Alle im Klassenzimmer profitieren davon.

Wie Schulen vorgehen können

Schulen, die das Thema Lehrergesundheit in den Fokus rücken möchten, können mit einem Pädagogischen Tag beginnen. Dabei lassen sich externe Unterstützung nutzen, Probleme identifizieren und gemeinsam Lösungsansätze entwickeln.

Ein gemeinsames pädagogisches Leitbild hilft dabei, grundsätzliche Fragen zu klären: Wie gehen wir mit störenden oder belasteten Lernenden um? Wo können wir uns gegenseitig unterstützen? Eine Feedbackkultur mit kollegialem Coaching - etwa wenn zwei Lehrkräfte sich gegenseitig im Unterricht begleiten und Rückmeldung geben - bietet wichtige Entwicklungsmöglichkeiten. Allerdings fällt vielen Lehrkräften solche Zusammenarbeit schwer, da Unterricht oft noch als Privatsache gilt.

Ideal ist auch, wenn es Rückzugsräume in der Schule gibt. Wo dies nicht möglich ist, kommt es darauf an, Lehrkräfte darin zu stärken, ihren Unterricht gesundheitsförderlicher zu gestalten. Ein positiver Rückhalt durch das Kollegium und die Schulleitung stärkt die Lehrergesundheit genauso wie eine gelungene Interaktion mit den Lernenden.

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