Abitur-Regelungen der KMK: Philologenverband fordert Mindestanforderungen und klarere Bestehensgrenzen

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veröffentlicht am 07.07.2026

Der Deutsche Philologenverband kritisiert aktuelle Regelungen der Kultusministerkonferenz zum Abitur: Fachliche Defizite könnten zu leicht ausgeglichen werden, außerdem würden Notenschwellen Spitzennoten rechnerisch begünstigen. Für Lehrkräfte stellt sich damit die Frage, wie Leistungsbewertung, Vergleichbarkeit und fachliche Standards in der gymnasialen Oberstufe verlässlich gesichert werden können.

Wie aussagekräftig ist das Abitur als Hochschulzugangsberechtigung und welche Mindeststandards müssen dafür gelten? Der Deutsche Philologenverband (DPhV) fordert eine Nachschärfung aktueller Abiturregelungen der Kultusministerkonferenz (KMK). Im Mittelpunkt stehen zwei Punkte: die Zulassung zur Abiturprüfung trotz wiederholter Defizite in einzelnen Fächern sowie die Frage, ab welcher Leistung eine Abiturprüfung als bestanden gelten soll.

Mindestanforderungen im Abitur: Streit um Kompensation von Defiziten

Nach Darstellung des DPhV erlauben die KMK-Regelungen, dass ein Teil der in die Abiturwertung eingebrachten Kurse unterhalb der Bestehensschwelle liegt. Aus Sicht des Verbands kann das dazu führen, dass Lernende in einem Fach über längere Zeit durchgängig schwache Leistungen zeigen und dennoch zur Abiturprüfung zugelassen werden, wenn andere Fächer dies rechnerisch ausgleichen.

Der Verband hält das für problematisch, weil die Allgemeine Hochschulreife nicht nur einen Gesamtdurchschnitt abbilden solle, sondern auch grundlegende fachliche Mindestniveaus sichern müsse. Als Lösung schlägt der DPhV eine fachbezogene Mindestbestehensregelung vor: Auch wenn ein begrenzter Anteil an Defiziten insgesamt möglich bleibt, solle in jedem belegten Fach mindestens die Hälfte der eingebrachten Kurse mit ausreichender Leistung bewertet sein.

Was das für Lehrkräfte in der Oberstufe bedeutet

Für Lehrkräfte berührt die Debatte zentrale Fragen der Unterrichts- und Prüfungspraxis. Welche Signale sendet ein System, in dem längerfristige Defizite in einzelnen Fächern formal ausgeglichen werden können? Und wie lassen sich Förderkonzepte, individuelle Schwerpunktsetzungen und verlässliche Standards so austarieren, dass Leistungsbewertungen für Lernende, Eltern sowie Hochschulen und Ausbildungsbetriebe transparent bleiben.

Notenschwellen und Bestehensgrenze: Diskussion um "Noteninflation"

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Bewertung von Abiturprüfungen. Der DPhV kritisiert, dass Abiturklausuren bereits ab 45 Prozent der erreichbaren Leistung als bestanden gelten können und dass die Schwellen für sehr gute Noten rechnerisch so gesetzt seien, dass Spitzennoten häufiger vergeben werden könnten, ohne dass die fachlichen Anforderungen zwingend steigen. Der Verband fordert daher, die Bestehensgrenze für Abiturprüfungsklausuren auf 50 Prozent anzuheben.

Hintergrund der Diskussion ist die Sorge, dass Noten ihre Orientierungsfunktion verlieren, wenn sie weniger klar an Leistungsniveaus gekoppelt sind. Für Lehrkräfte ist dabei besonders relevant, wie Bewertungsvorgaben die Motivation, die Erwartungshaltungen an Aufgabenformate und die Vergleichbarkeit zwischen Ländern beeinflussen können.

Vergleichbarkeit und Qualitätssicherung: Rolle der KMK im Abitur

Die KMK verweist in diesem Themenfeld grundsätzlich auf länderübergreifende Vereinbarungen zur gymnasialen Oberstufe und zum Abitur, die eine gemeinsame Struktur sichern sollen. Dazu gehören Vorgaben zu Prüfungsfächern, zur Einbindung der Qualifikationsphase in die Gesamtnote sowie zu fachlichen Anforderungen über einheitliche Prüfungsanforderungen und Bildungsstandards in zentralen Fächern.

Für Schulen und Lehrkräfte stellt sich damit praktisch die Frage, welche Stellschrauben am stärksten zur Qualitätssicherung beitragen: verbindliche Mindestanforderungen pro Fach, transparente Bestehensgrenzen, praxistaugliche Bewertungsmaßstäbe. Oder eine Kombination, die sowohl Vergleichbarkeit als auch pädagogische Gestaltungsspielräume erhält.

Impuls für die Unterrichtspraxis: transparente Regeln und Gesprächsanlässe

Unabhängig von der Position zeigt die aktuelle Debatte: Für die Arbeit in der gymnasialen Oberstufe sind klare und gut kommunizierte Regeln zur Leistungsbewertung zentral. Lehrkräfte können den Anlass nutzen, um in Fachschaften und in der Oberstufenkoordination zu klären, wie Mindeststandards, Fördermaßnahmen und Bewertungskriterien an der eigenen Schule transparent gemacht werden und wie Lernende frühzeitig Rückmeldung erhalten, bevor Defizite über mehrere Halbjahre verfestigt sind.

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