Deutsches Schulbarometer 2026: Was Lehrkräfte am meisten belastet – und welche Unterstützung sie brauchen
Verhaltensauffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen werden für Lehrkräfte zunehmend zur größten Herausforderung im Schulalltag. Das zeigt das Deutsche Schulbarometer 2026. Die Ergebnisse liefern auch Hinweise, welche Fortbildungen, Strukturen und Unterstützungsangebote Lehrkräfte im Unterricht konkret entlasten können.
Viele Lehrkräfte erleben, dass es im Klassenzimmer schwieriger wird, eine stabile Lernatmosphäre zu sichern. Das Deutsche Schulbarometer 2026 legt dazu neue Zahlen vor und macht sichtbar, wo Lehrkräfte aktuell den größten Druck spüren und welche Hebel Schulen und Unterstützungssysteme aus Sicht der Befragten stärken können.
Aktuelle Herausforderungen im Unterricht: Verhalten, Heterogenität, Zeit
Als größte berufliche Herausforderung nennen 46 Prozent der befragten Lehrkräfte das Verhalten ihrer Schülerinnen und Schüler. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Häufig geht es dabei um problematisches Sozialverhalten, mangelnde Motivation sowie psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen.
An zweiter Stelle folgt die Heterogenität in den Klassen: 34 Prozent empfinden die großen Leistungsunterschiede beziehungsweise vielfältige Lernvoraussetzungen als besonders belastend.
Auf Platz drei stehen Arbeitsbelastung und Zeitmangel (27 Prozent). Für die Unterrichtspraxis bedeutet das: Klassenführung, Beziehungsarbeit, Differenzierung und Krisenintervention konkurrieren immer stärker mit der Zeit für Fachunterricht, Diagnostik und Förderung.
Fortbildung für Lehrkräfte: KI, psychische Gesundheit und Klassenführung im Fokus
Die Befragung zeigt auch, welche Themen Lehrkräfte in Fortbildungen besonders nachfragen. Genannt werden vor allem Angebote zur Nutzung künstlicher Intelligenz (52 Prozent) sowie Fortbildungen zum Umgang mit psychisch belasteten Schülerinnen und Schülern (47 Prozent). 35 Prozent wünschen sich zudem Fortbildungen, um besser mit beruflichen Belastungen umgehen zu können.
Für Schulen und Fortbildungsanbieter ist das ein klarer Hinweis: Neben Fach- und Methodenfragen braucht es stärker praxisnahe Qualifizierung zu Klassenführung, Gesprächsführung, Deeskalation, Kooperation mit Unterstützungssystemen sowie Selbstfürsorge und Team-Entlastung.
Künstliche Intelligenz im Schulalltag: häufiger genutzt, aber mit gemischten Erwartungen
KI-Tools sind im Berufsalltag vieler Lehrkräfte angekommen. Besonders im Bereich der Erstellung von Aufgaben (64 Prozent) und zur Unterstützung der Unterrichtsplanung (58 Prozent). Zugleich bleibt die Sorge, dass KI-Nutzung bei Lernenden zentrale Kompetenzen schwächen könnte, wie etwa beim Schreiben, beim kritischen Denken oder bei sozialen und kommunikativen Fähigkeiten.
Für den Unterricht lohnt sich daher ein doppelter Ansatz: KI kann Lehrkräfte entlasten (Planung, Aufgabenvarianten, Differenzierung). Im Umgang braucht es aber klare Regeln, Transparenz, passende Aufgabenformate und begleitete Reflexion, damit Lernen nicht zu reiner Output-Produktion wird.
Demokratiebildung: Wunsch nach mehr – und Unsicherheit bei „Neutralität“
Fast die Hälfte der Lehrkräfte findet, dass an ihrer Schule mehr für Demokratiebildung getan werden sollte (48 Prozent). Gleichzeitig fühlen sich 18 Prozent durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot gehemmt, wenn politische Themen im Unterricht zur Sprache kommen.
Für die Praxis heißt das: Schulen benötigen handhabbare Absprachen, Fortbildungsangebote und verlässliche Unterstützung, damit Lehrkräfte politische Bildung und den Umgang mit menschenfeindlichen Positionen rechtssicher und pädagogisch professionell gestalten können.
Was Schulen jetzt konkret hilft: Team-Strukturen und multiprofessionelle Unterstützung
Die Ergebnisse unterstreichen, dass Entlastung nicht allein über Fortbildung gelingen kann. In den Empfehlungen wird besonders die Bedeutung multiprofessioneller Teams betont, etwa durch Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und weitere Fachkräfte. Für Lehrkräfte wird es durch klar geregelte Zuständigkeiten, leicht zugänglicher Beratung und verlässlich eingeplanten Teamzeiten spürbar.
Für die Unterrichtsentwicklung bietet die Studie damit auch eine Orientierung: Dort, wo Klassenführung, Förderung und Prävention gelingen sollen, brauchen Lehrkräfte neben Kompetenzen vor allem Zeit, Kooperation und Unterstützung.
Externe Links
- Deutsches Schulportal: Neue Zahlen verraten, was Lehrkräfte am meisten belastet
Hier gelangen Sie zum Artikel zum Thema Belastung von Lehrkräften des Deutschen Schulportals.
- Robert-Bosch-Stiftung: Deutsches Schulbarometer Lehrkräfte 2026
Über den Link gelangen Sie zur Umfrage “Befragung Lehrkräfte” des Deutschen Schulbarometers.
- Tagesschau: Verhalten der Schüler belastet Lehrer zunehmend
Hier gelangen Sie zum Artikel der Tagesschau um Thema wie Lernendenverhalten Lehrkräfte belastet.
- Deutsches Schulportal: 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychisch belastet
Über diesen Link gelangen Sie zu einem Bericht zum Thema psychische Belastung von Schülerinnen und Schüler.