GEW fordert Reform des Vorbereitungsdienstes in Thüringen
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen hat eine Petition für bessere Bedingungen im Vorbereitungsdienst gestartet. Im Mittelpunkt stehen mehr Mitbestimmung, transparentere Prüfungsanforderungen, eine Begrenzung der Unterrichtsverpflichtung und eine bessere Bezahlung für angehende Lehrkräfte. Für Schulen ist das Thema relevant, weil der Vorbereitungsdienst eine zentrale Phase ist, um Lehrkräfte für den Beruf zu gewinnen und im System zu halten.
Der Vorbereitungsdienst in Thüringen rückt erneut in den Fokus der Bildungsdebatte. Die GEW Thüringen hat Anfang Juni eine Petition gestartet, mit der sie bessere Ausbildungsbedingungen für angehende Lehrkräfte erreichen will. Nach Angaben der Gewerkschaft soll der Vorbereitungsdienst eine Phase sein, die qualifiziert und stärkt - nicht eine Zeit, die durch Überlastung, unklare Strukturen und Unsicherheit geprägt ist.
Was die GEW für angehende Lehrkräfte fordert
Konkret verlangt die GEW Änderungen an der Thüringer Verordnung über die Ausbildung und Zweite Staatsprüfung für die Lehrämter. Genannt werden starke Mitbestimmungsrechte, transparente Prüfungsanforderungen, eine Begrenzung der Unterrichtsverpflichtung sowie eine bessere Bezahlung im Vorbereitungsdienst. Für Lehrkräfte und Schulleitungen ist das ein wichtiges Signal, weil die Ausbildungsphase darüber mitentscheidet, ob Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger langfristig im Schuldienst bleiben.
So ist der Vorbereitungsdienst in Thüringen derzeit geregelt
Offiziell gehört der Vorbereitungsdienst in Thüringen zur zweiten Phase der Lehrkräftebildung und umfasst die pädagogisch-praktische Ausbildung an Studienseminaren und Ausbildungsschulen. Für das Lehramt an Grundschulen dauert er grundsätzlich 18 Monate, für Regelschulen, Gymnasien, berufsbildende Schulen und Förderpädagogik grundsätzlich 24 Monate. Die Zweite Staatsprüfung schließt diese Phase ab; der Prüfungszeitraum für die praktischen und mündlichen Prüfungen beginnt frühestens vier Monate vor dem Ende des Vorbereitungsdienstes.
Für die Dauer des Vorbereitungsdienstes erhalten Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter Anwärterbezüge nach dem Thüringer Besoldungsgesetz. Das Serviceportal Thüringen beziffert den Grundbetrag derzeit mit monatlich circa 1.500 Euro. Zugleich setzt das Land seit Februar 2026 Sonderzuschläge von 70 Prozent für Lehramtsanwärterinnen und -anwärter ein, die in Mangelfächern oder besonders vom Lehrermangel und Unterrichtsausfall betroffenen Regionen unterrichten. Die Kultusministerkonferenz nennt für den Prognosezeitraum bis 2035 zudem besonders knappe Bedarfe in Mathematik, Physik, Informatik, Chemie sowie Musik und Kunst. Ein Leitfaden des Staatlichen Studienseminars Erfurt für das Lehramt an Grundschulen beschreibt darüber hinaus bis zu 15 Stunden Ausbildungsunterricht sowie in der Regel acht Wochenstunden selbstständig zu erteilenden Unterricht pro Ausbildungshalbjahr.
Warum Änderungen aus Sicht der Schulen notwendig sind
Der Reformdruck hat auch mit der Personalsituation zu tun. Das Thüringer Bildungsministerium betont 2026, dass der Handlungsdruck trotz Fortschritten hoch bleibt - besonders in Mangelfächern, an Regel- und Förderschulen sowie im ländlichen Raum. Zusätzlich verweist das Ministerium auf Regionen, die weiterhin besonders stark von Lehrermangel und Unterrichtsausfall betroffen sind. Nach Berichten zur Unterrichtsversorgung lag der Unterrichtsausfall in Thüringen zuletzt weiterhin auf einem hohen Niveau. Für Thüringen wurden 2026 zuletzt Werte von 9,1 bis 9,2 Prozent genannt. Praktisch heißt das: Von 100 geplanten Unterrichtsstunden fallen rund neun Stunden ersatzlos aus. Der Unterrichtsausfall ist somit besser als im Vorjahr mit etwa 11,0 bis 11,1 Prozent, bleibt aber aus schulischer Sicht hoch, da fast jede zehnte Stunde fehlt.
Für die Unterrichtspraxis bedeutet das: Wenn der Vorbereitungsdienst als überlastend erlebt wird, verschärft das die Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung. Werden Ausbildung, Betreuung, Prüfungen und Unterrichtsverpflichtung dagegen nachvollziehbar und verlässlich gestaltet, kann das Schulen entlasten und den Berufseinstieg für junge Lehrkräfte attraktiver machen.
Externe Links
- Die Zeit: GEW startet Petition zum Vorbereitungsdienst für LehrerZEIT-Meldung zur Petition der GEW Thüringen
- Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Thüringen: VorbereitungsdienstThüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur - Informationen zum Vorbereitungsdienst
- Online-Verwaltung Thüringen: Thüringer Verordnung über die Ausbildung und Zweite Staatsprüfung für die LehrämterBürgerservice Thüringen - Thüringer Verordnung über die Ausbildung und Zweite Staatsprüfung für die Lehrämter
- Kultusministerkonferenz: Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland 2025 – 2035
Bericht der Kultusministerkonferenz zu Lehrkräfteeinstellungsbedarf und -angebot in der Bundesrepublik Deutschland 2025 - 2035.
- Die zeit: Weniger Unterricht an Thüringer Schulen ausgefallen
Mitteilung zur Unterrichtsversorgung in Thüringen.