Resiliente Lehrkräfte im Fokus: Bildungsgewerkschaften verabschieden Berliner Erklärung
Bildungsgewerkschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz treffen sich seit 19 Jahren zum trinationalen Austausch. Auf ihrer Konferenz in Berlin Anfang Juni 2026 verabschiedeten sie eine gemeinsame Erklärung, die Demokratiebildung, Lehrkräftegesundheit und Schulqualität miteinander verbindet.
Grenzübergreifender Austausch stärkt Bildungspolitik
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) und die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst Österreich (GÖD) arbeiten seit 2007 zusammen. Einmal jährlich treffen sich Vertreterinnen und Vertreter dieser drei Organisationen zum Trinationalen Treffen, um grenzübergreifend Herausforderungen des Schulalltags zu erörtern, Best-Practice-Beispiele auszutauschen und gewerkschaftliche Positionen zu entwickeln.
Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des VBE, betont die Bedeutung dieses Netzwerks: "Der grenzüberschreitende Austausch ist bereits seit 19 Jahren eine verlässliche Grundlage für gemeinsame Positionen und fachlichen Fortschritt. Mit der gemeinsamen Berliner Erklärung wird deutlich: Die Herausforderungen im Bildungsbereich sind groß, aber sie lassen sich gemeinsam besser angehen."
Berliner Erklärung: Eine starke Demokratie braucht starke Schulen
Im Zentrum der diesjährigen Gespräche in Berlin stand das Thema "Resiliente Lehrkräfte". Dieses verband zwei zentrale Aspekte: die Gesundheit von Lehrkräften als Grundlage guter Bildung und die Demokratiebildung in zunehmend polarisierten Gesellschaften. Die Bildungsgewerkschaften verdeutlichten dabei einen wichtigen Zusammenhang: Schulen müssen junge Menschen nicht nur fachlich stärken, sondern sie auch dazu befähigen, in einer polarisierten und vielfältigen Gesellschaft Orientierung zu finden und demokratische Verantwortung zu übernehmen.
Simone Fleischmann, stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbundes und Tarifunion (dbb), unterstützte diesen Ansatz mit einem impulsgebenden Beitrag zur Demokratiebildung in gespaltenen Gesellschaften.
Gesundheit und Arbeitsbelastung als zentrale Faktoren
Gleichzeitig wurde auf der Konferenz deutlich: Lehrkräfte können diese anspruchsvolle Aufgabe nur erfüllen, wenn ihre Gesundheit geschützt wird, ihre Arbeitsbelastung begrenzt bleibt und ihre professionelle Arbeit gesellschaftliche Anerkennung erfährt. Die gemeinsame Berliner Erklärung bündelt diese Erkenntnisse und formuliert klar, was Schulen und die Menschen vor Ort benötigen: verlässliche Rahmenbedingungen, ausreichende Ressourcen und politische Priorität.
Umgang mit Digitalisierung und Schulbau
Weitere Diskussionspunkte des Treffens waren der Umgang mit neuen digitalen Technologien, die Arbeitszeit von Lehrkräften sowie innovative Ansätze im Schulbau. Diese Themen verdeutlichten, dass ein neues Gesamtkonzept erforderlich ist, das pädagogische Qualität, Gesundheitsschutz, ausreichend Zeit und moderne Infrastruktur zusammendenkt. Nur so lässt sich Bildung im deutschsprachigen Raum - dem DACH-Verbund - nachhaltig voranbringen.
Die trinationale Initiative zeigt: Bildung ist keine nationale, sondern eine europäische Aufgabe. Der regelmäßige Austausch zwischen Fachleuten und Gewerkschaften aus verschiedenen Ländern bietet Lehrkräften Impulse für ihre tägliche Arbeit und trägt zu einer evidenzgestützten Bildungspolitik bei.
Externe Quellen
- Verband Bildung und Erziehung (VBE): Trinationales Treffen - Resiliente Lehrkräfte im FokusDie Pressemitteilung des VBE dokumentiert das trinationale Treffen in Berlin und die Verabschiedung der gemeinsamen Berliner Erklärung zur Stärkung von Demokratiebildung und Lehrkräftegesundheit.
- Bundeszentrale für politische Bildung: Demokratie und BildungDie Bundeszentrale erläutert den wechselseitigen Zusammenhang zwischen Bildung und Demokratie: Das Recht auf Bildung ist eine Errungenschaft der Demokratie, und Demokratien sind auf breite Bildung ihrer Bürgerinnen und Bürger angewiesen.
- Senatsverwaltung für Bildung Berlin: Politische Bildung an Berliner SchulenBerlin fördert politische Bildung als zentralen Bestandteil der Schulentwicklung. Dabei geht es darum, dass Schülerinnen und Schüler sich zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern entwickeln und Demokratie im Schulleben erleben können.
- GEW Berlin: Bildung für die DemokratieDie Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erörtert, wie Schulen Demokratie konkret gestalten und gleichzeitig die Gesundheit und Widerstandskraft von Lehrkräften stärken können.
