Bayern stärkt Praxis und digitale Kompetenzen in der Lehrkräftebildung

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Autor: Merle Engeln
veröffentlicht am 03.10.2026

Bayern will Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung von Lehrkräften enger miteinander verbinden. Ein neues Praxisjahr mit mindestens 20 eigenen Unterrichtsversuchen soll angehende Lehrkräfte besser auf den Schulalltag vorbereiten.

Bayern stellt die Lehrkräftebildung neu auf. Der dazu vorgestellte Masterplan soll die drei Ausbildungsphasen - Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung - stärker verzahnen und konsequenter an den Anforderungen des Lehrerberufs ausrichten. Im Mittelpunkt steht ein neues, intensiv begleitetes Praxisjahr.

Mehr Praxis im Lehramtsstudium

Die bisherigen Praktika sollen gebündelt und um rund 50 Prozent auf insgesamt 300 Stunden ausgeweitet werden. Über ein gesamtes Schuljahr hinweg sollen Studierende regelmäßig an einer Schule mitarbeiten und mindestens 20 eigene Unterrichtsversuche durchführen. Begleitet werden sie dabei von Schule und Universität. Die Praxiserfahrungen sollen anschließend wissenschaftlich ausgewertet und reflektiert werden.

Der Masterplan sieht außerdem neue praxisorientierte Lehrveranstaltungen vor. Dabei geht es unter anderem um Classroom Management, den Umgang mit Unterrichtsstörungen, die Beobachtung von Lernfortschritten und gutes Feedback. Mit sogenannten Core Practices sollen zentrale Tätigkeiten des Unterrichtens gezielt trainiert werden. Modellversuche an ausgewählten Hochschulstandorten sollen zeigen, wie sich dieser Ansatz in der Lehrkräftebildung umsetzen lässt.

Lehrkräftebildung für eine vielfältige Schule

Der Masterplan umfasst zehn Handlungsfelder, die drei Säulen zugeordnet sind: Praxisorientierung, Qualitätsentwicklung und Willkommenskultur. Neben der stärkeren Verzahnung von Studium und Schulpraxis sollen auch Inklusion, der Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, Demokratiebildung sowie digitale Bildung und Künstliche Intelligenz verbindlicher in der Ausbildung verankert werden.

Auch die Prüfungen im Vorbereitungsdienst sollen stärker auf die tatsächliche Unterrichtspraxis ausgerichtet werden. Bei mehreren Lehrämtern soll eine Sequenzprüfung eine bisherige einzelne Lehrprobe ersetzen. Dadurch wird nicht nur eine Unterrichtsstunde bewertet, sondern die Entwicklung von Lernen und Kompetenzen über mehrere Stunden hinweg. Die schriftliche Hausarbeit im Zweiten Staatsexamen soll entfallen.

Bessere Übergänge in Studium und Beruf

Der dritte Schwerpunkt betrifft die Begleitung während der Ausbildung und beim Berufseinstieg. Praxiszeiten und die Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen sollen stärker berücksichtigt werden. Dafür werden insgesamt 30 Leistungspunkte ausgewiesen und die Regelstudienzeit entsprechend angepasst. Angebote zu Resilienz, Selbstfürsorge und Beratung sollen angehende Lehrkräfte zusätzlich unterstützen.
Die geplante Neuausrichtung greift zentrale Anforderungen auf, die auch über Bayern hinaus für die Lehrkräftebildung diskutiert werden. Die Kultusministerkonferenz setzt auf einen kumulativen Kompetenzaufbau über Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung hinweg. Fachleute betonen zudem, dass Praxisphasen früh beginnen, curricular eingebunden und wissenschaftlich begleitet werden sollten.
Die Umsetzung des bayerischen Masterplans soll schrittweise erfolgen. Erarbeitet wurde er seit 2024 unter Einbeziehung einer Expertenkommission sowie weiterer Perspektiven aus Wissenschaft, Schulpraxis und Vorbereitungsdienst.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Für Ihren Schulalltag kann die Neuausrichtung bedeuten, dass Praktikantinnen und Praktikanten künftig länger und verbindlicher in Unterrichtsprozesse eingebunden werden. Schulen sollten deshalb früh klären, welche Aufgaben Studierende übernehmen, wie Unterrichtsversuche begleitet und wie Rückmeldungen ausgewertet werden. Ein gemeinsames Beobachtungsraster zu Lernaktivierung, Feedback oder Classroom Management kann dabei helfen. Für erfahrene Lehrkräfte bietet sich die Möglichkeit, die eigene Praxis im Austausch mit Universität und Studienseminar zu reflektieren und neue Impulse für Unterrichtsentwicklung zu nutzen.

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Quellen

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