Ganztagsbetreuung startet – doch vielerorts wird improvisiert

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Autor: Merle Engeln
veröffentlicht am 21.09.2026

Seit dem 1. August 2026 haben Kinder der ersten Klassenstufe einen Rechtsanspruch auf ganztägige Bildung und Betreuung. Eine Abfrage des Deutschen Schulportals zeigt jedoch: Die Bundesländer sind unterschiedlich gut vorbereitet – und einige Schulen müssen bei Räumen, Essen und Ferienbetreuung pragmatische Lösungen finden.

Rechtsanspruch auf Ganztag startet schrittweise

Mit Beginn des Schuljahres 2026/27 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zunächst für Kinder der ersten Klassenstufe. Der Anspruch umfasst an fünf Werktagen bis zu acht Stunden täglich, einschließlich des Unterrichts. Auch in den Ferien soll eine Betreuung angeboten werden; bis zu vier Wochen Schließzeit pro Jahr sind möglich. Bis zum Schuljahr 2029/30 wird der Anspruch schrittweise auf die Jahrgangsstufen zwei bis vier ausgeweitet.

Der Ausbau soll Familien verlässlich unterstützen und zugleich zu mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen. Ganztägige Angebote können zusätzliche Lernzeiten, Förderung, Bewegung, kulturelle Aktivitäten und soziales Lernen miteinander verbinden. Voraussetzung ist jedoch, dass die Qualität nicht hinter dem quantitativen Ausbau zurückbleibt.

Bundesländer unterschiedlich vorbereitet

Eine Abfrage des Deutschen Schulportals bei den zuständigen Ministerien zeigt große regionale Unterschiede. In Berlin, Hamburg und mehreren ostdeutschen Ländern bestehen bereits umfassende Betreuungsangebote. In anderen Ländern sind noch Versorgungslücken vorhanden, insbesondere mit Blick auf die kommenden Jahrgänge.

In Baden-Württemberg lag die Betreuungsquote im Primarbereich im Schuljahr 2023/24 bei 49 Prozent. Bayern meldete für 2025/26 eine Betreuungsquote von 60 Prozent der Kinder im Grundschulalter. In Niedersachsen soll für den ersten Jahrgang rechnerisch ein Platz zur Verfügung stehen, die Situation kann sich vor Ort jedoch je nach Schulträger und Nachfrage unterscheiden.

Herausforderungen bestehen nicht nur bei der Zahl der Plätze. Schulen benötigen zusätzliche Räume für Mittagessen, Lernzeiten, Freizeitangebote und Rückzug. Außerdem müssen ausreichend pädagogische Fachkräfte gewonnen werden. Der Deutsche Städtetag schätzt, dass bis zum Schuljahr 2029/30 bundesweit rund 600.000 zusätzliche Ganztagsplätze erforderlich sind.

Qualität und Zusammenarbeit im Ganztag

Für Lehrkräfte verändert sich der Schulalltag dort, wo Unterricht, Lernzeiten und außerunterrichtliche Angebote enger miteinander verbunden werden. Lehrer-Online weist darauf hin, dass klare Absprachen zwischen Lehrkräften, pädagogischen Fachkräften, Horten und außerschulischen Partnern notwendig sind.

Ganztag ist deshalb mehr als eine zeitliche Verlängerung des Schultags. Damit Kinder von den zusätzlichen Angeboten profitieren, braucht es gemeinsame pädagogische Ziele, feste Kooperationszeiten und eine Aufgabenverteilung, die den unterschiedlichen Professionen gerecht wird. Die Kultusministerkonferenz betont ebenfalls die Bedeutung geeigneter Räume, verlässlicher Kooperationen und ausreichender Zeit für die Zusammenarbeit.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Für Ihren Schulalltag lohnt es sich, Unterricht und Ganztagsangebote gemeinsam zu planen. Prüfen Sie im Kollegium, welche Lernzeiten sinnvoll mit Förderangeboten, Bewegung oder Arbeitsgemeinschaften verbunden werden können. Legen Sie außerdem Zuständigkeiten für Übergänge, Mittagessen und Elternkommunikation fest. Besonders hilfreich ist eine gemeinsame Wochenplanung mit allen beteiligten Fachkräften. So wird sichtbar, wo Kinder zusätzliche Unterstützung benötigen und an welchen Stellen der Ganztag den Unterricht sinnvoll ergänzt.

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Quellen

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