Schulabsentismus verstehen: Impulse für Lehrkräfte
Fehlzeiten haben unterschiedliche Ursachen und sind nicht automatisch mit bewusster Schulverweigerung gleichzusetzen. Bildungsforscherin Christine Sälzer plädiert für frühe, differenzierte Unterstützung und verbindliche Zusammenarbeit.
Fehlzeiten nicht vorschnell bewerten
Warum Kinder und Jugendliche dem Unterricht fernbleiben und wie sie zurückfinden können: Zu diesem Thema hat sich Bildungsforscherin Christine Sälzer in einem Interview der Leuphana Universität Lüneburg geäußert.
Der Begriff Schulabsentismus macht deutlich, dass Fehlzeiten verschiedene Ursachen haben können. Dazu zählen emotionale Belastungen, familiäre Probleme, Konflikte in der Klassengemeinschaft, Lernschwierigkeiten oder das Gefühl, nicht dazuzugehören. Häufiges Fehlen kann den Anschluss an den Unterricht erschweren und das Risiko eines späteren Schulabbruchs erhöhen.
Sälzer spricht sich dafür aus, Fehlzeiten frühzeitig und differenziert wahrzunehmen. Pädagogisch sinnvolle Konsequenzen können dazugehören, sollten aber mit Unterstützung verbunden sein. Schulen sollten zudem nicht allein für die Lösung verantwortlich sein: Erforderlich seien klare Zuständigkeiten und verbindliche Wege der Zusammenarbeit zwischen Schule, Jugendhilfe, Gesundheitswesen und psychosozialen Diensten.
Auch Forschung zur Prävention hebt die Bedeutung systematischer Anwesenheitserfassung hervor. Einheitliche Verfahren können helfen, Entwicklungen früher zu erkennen und passende Unterstützung einzuleiten. Dabei muss die Erfassung dem Schutz der betroffenen Kinder und Jugendlichen dienen und darf nicht zu pauschaler Stigmatisierung führen.
Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag
Wenn Fehlzeiten wiederholt auftreten, dokumentieren Sie diese nach den schulischen Verfahren und suchen Sie früh das Gespräch mit der Schülerin oder dem Schüler. Fragen Sie offen, welche Hürden den Schulbesuch erschweren, ohne die Ursache vorwegzunehmen. Stimmen Sie sich mit Klassenleitung, Schulsozialarbeit und den zuständigen Ansprechpersonen ab. Ein gemeinsamer Rückkehrplan mit kleinen, überprüfbaren Schritten kann helfen, den Kontakt zur Lerngruppe und zum Unterricht wieder aufzubauen.
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Quellen
- Leuphana Universität Lüneburg: „Schulabsentismus“: Wenn Schüler nicht in den Unterricht kommen – https://www.leuphana.de/universitaet/aktuell/ansicht/2026/10/28/schulabsentismus-wenn-schueler-nicht-in-den-unterricht-kommen.html
- PSE Stuttgart-Ludwigsburg: Schulabsentismus wirksam bekämpfen: Die Bedeutung eines einheitlichen Monitorings – https://www.pse-stuttgart-ludwigsburg.de/schulabsentismus-wirksam-bekaempfen-die-bedeutung-eines-einheitlichen-monitorings/

