Digitaler Jugendschutz: Warum junge Menschen nicht weniger, sondern bessere Regeln wollen

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Autor: Merle Engeln
veröffentlicht am 19.09.2026

Die Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt" hat ihren Abschlussbericht vorgelegt. Kinder und Jugendliche fordern darin mehr Sicherheit, ohne aus der digitalen Welt ausgeschlossen zu werden – der Deutsche Philologenverband verlangt nun verbindliche politische Konsequenzen.

Kinder und Jugendliche werden an der Debatte beteiligt

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) begrüßt den Abschlussbericht der Expertenkommission "Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt". Der Bericht ergänzt die im Juni veröffentlichten 56 Handlungsempfehlungen um die Ergebnisse von Beteiligungsformaten mit Kindern und Jugendlichen sowie um Erkenntnisse aus Expertenhearings.

Im Mittelpunkt steht ein ausgewogener Ansatz: Kinder und Jugendliche sollen im digitalen Raum geschützt und zugleich dazu befähigt werden, digitale Angebote selbstbestimmt zu nutzen. Die jungen Menschen, die an den Beteiligungsformaten teilgenommen haben, fordern nach Darstellung des DPhV nicht weniger Digitalität, sondern mehr Sicherheit. Sie sehen insbesondere die Anbieter digitaler Plattformen in der Verantwortung, suchtfördernde Mechanismen zu begrenzen und ihre Angebote altersgerecht zu gestalten.

Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hatte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren in Workshops nach ihren Erfahrungen, Problemen und Lösungsvorschlägen gefragt. Die Ergebnisse flossen in die Arbeit der Expertenkommission ein. Auch bei einem Hearing im Februar 2026 konnten Jugendbeiräte ihre Perspektiven und Stellungnahmen einbringen.

Plattformen sollen stärker in die Verantwortung genommen werden

Der DPhV fordert, die Empfehlungen in verbindliches Recht zu überführen. Dazu gehören aus Sicht des Verbandes unter anderem technisch wirksame Altersbeschränkungen, sichere Voreinstellungen und gesetzliche Vorgaben für das Produkt-Design digitaler Plattformen. Der Verband kritisiert, dass Schulen und Familien die Folgen problematischer Anwendungen nicht allein auffangen können.

Die Kommission verbindet drei Ziele: Schutz, Befähigung und Teilhabe. Auch die Abschluss-Empfehlungen richten sich deshalb nicht nur an Politik und Plattform-Anbieter, sondern ebenso an Eltern, Schulen, Jugendhilfe und Gesundheitswesen. Für Schulen bedeutet das, Medienbildung nicht auf die Bedienung digitaler Anwendungen zu reduzieren. Lernende benötigen auch Möglichkeiten, Risiken zu erkennen, Entscheidungen zu begründen und ihre eigenen Erfahrungen einzubringen.

Beteiligung als Bestandteil demokratischer Bildung

Die Forderung nach mehr Mitsprache endet nicht bei Fragen des digitalen Jugendschutzes. Der Kinderrechte-Index des Deutschen Kinderhilfswerks zeigt, dass nur 29 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen angeben, in der Schule häufig mitbestimmen zu können. Beteiligung muss daher im Schulalltag konkret erfahrbar werden – etwa bei Regeln für die Handynutzung, bei der Gestaltung von Lernzeiten oder bei der Entwicklung eines schulischen Medienkonzepts.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Nutzen Sie das Thema als Anlass für eine strukturierte Beteiligungsrunde in Ihrer Klasse. Lassen Sie die Lernenden sammeln, welche digitalen Angebote sie nutzen, wo sie sich unsicher fühlen und welche Regeln sie für fair und wirksam halten. Prüfen Sie anschließend gemeinsam, welche Vorschläge in eine Klassen- oder Schulvereinbarung übernommen werden können. Wichtig ist, transparent zu machen, welche Entscheidungen tatsächlich beeinflussbar sind und wie die Rückmeldungen weitergegeben werden. So wird Beteiligung mehr als eine Befragung und demokratische Medienbildung praktisch erlebbar.

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Quellen

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