• Schulstufe
  • Klassenstufe
  • Schulform
  • Fach
  • Materialtyp
  • Quelle7
Sortierung nach Datum / Relevanz
Kacheln     Liste

Datenschutz im Homeschooling: Was Lehrkräfte wissen müssen

Fachartikel
5,99 €

In diesem Interview beantwortet Experte Yakup Saygin Fragen rund um das Thema "Datenschutz im Homeschooling" und geht darauf ein, was Schulen und Lehrkräfte dazu wissen müssen. Die Digitalisierung hat in vielen Lebensbereichen Einzug gehalten und ist aus dem Alltag, auch den der Schülerinnen und Schüler, kaum noch wegzudenken. Viele besitzen ein Smartphone, kommunizieren in sozialen Netzwerken sowie über Messenger und auch das digitale Lernen nimmt eine immer größere Rolle ein. Insbesondere in Zeiten von hybridem Lernen und Schulschließungen, in denen Homeschooling stattfindet, gilt es, die Digitalität für den Unterricht und die Kommunikation zu nutzen. Bei allen Chancen und Vorteilen, die mit dieser Entwicklung einhergehen, sollte man aber auch mögliche Probleme und Herausforderungen in den Blick nehmen. Dazu gehören unter anderem die IT-Sicherheit und in diesem Zusammenhang der Datenschutz. Worauf muss diesbezüglich geachtet werden und wie kann der Unterricht (von) zuhause sicherer umgesetzt werden? Yakup Saygin von der sayTEC AG, einem Unternehmen für die Entwicklung von IT-Security-Lösungen, geht im Interview auf Fragen zum Thema "Datenschutz im Homeschooling: Was Lehrkräfte wissen müssen" ein. Herr Saygin, wie schätzen Sie die derzeitige IT-Sicherheit deutscher Schulen und ihrer Homeschooling-Angebote ein? Als problematisch. Zu lange wurde die Digitalisierung der Schulen nur halbherzig vorangetrieben. Vielerorts sind Hard- und Software veraltet, sind Netzwerke nicht ausreichend ausgebaut, mangelt es Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern an erforderlichem Wissen und Sicherheitsbewusstsein. Als es zur Corona-Krise kam, wurde kurzerhand von Präsenz-Unterricht auf Homeschooling umgeschaltet. IT-Sicherheit und Datenschutz wurden, um weiterhin unterrichten zu können, nicht die notwendige Priorität gegeben. Das rächt sich nun. Denn Cyberkriminelle wissen um die Schwachstellen der digitalen Infrastrukturen deutscher Schulen und der unsicheren Heim-PCs/-Netzwerke. Welche datenschutzrechtlichen Herausforderungen bringt das Homeschooling mit sich? Seit 2018 gelten hinsichtlich des Datenschutzes die Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung ( EU-DSGVO ) auch für Schulen. Informelle Selbstbestimmung ist ein Grundrecht, für Lernende, Lehrende, Eltern und das übrige Schulpersonal gleichermaßen. Schulen haben die Zugriffsrechte auf die von ihnen gespeicherten Daten so zu gestalten, dass Unbefugte sich von außen oder innen keinen Zugriff verschaffen können. Dies gilt sowohl für personenbezogene Daten als auch für Unterrichts- und Prüfungsumgebungen. Auch klassische Aufgaben der IT, wie Verfügbarkeit und verlässliche Wiederherstellbarkeit der Daten sowie die flexible und bedarfsgerechte Skalierung der IT-Ressourcen stellen Schulen vor große Probleme. Die Nutzung von internationalen Cloud-Diensten kann ebenfalls schnell zum Datenschutzproblem werden, zum Beispiel wenn personenbezogene Daten bei US-Cloud-Anbietern gespeichert werden. Neben den bekannten technischen Schwachstellen von öffentlichen Clouds geht es gerade in Bereichen wie Bildung, Gesundheit und Verkehr auch um die Souveränität der IT-Infrastrukturen . Dabei gibt es gerade aus Deutschland "Plug & Play"-Lösungen, die leistungsfähige, effiziente, hochsichere und autonome Bildungsclouds ermöglichen. Wie kann Homeschooling sicher gestaltet werden? Beim Homeschooling findet der Unterricht weitgehend vollständig auf der digitalen Ebene statt. Eine zentral aufgestellte Bildungscloud in Form einer symmetrischen Hyperconverged Infrastructure ( HCI ) kann von vielen regionalen Schulen gleichzeitig genutzt werden. Die Kosten werden so deutlich reduziert, die Sicherheit gleichzeitig erhöht. Beim Zugriff mit dem Anwender-PC auf das Netzwerk bieten "Plug & Play"-Lösungen wie unsere VPSC-Technologie eine durchgehend hohe Sicherheit auf der gesamten Kommunikationsstrecke und auf den Endgeräten. Die Kommunikation erfolgt abgekapselt, unsichtbar und mehrstufig verschlüsselt aus dem Arbeitsspeicher, die Arbeitsumgebung ist gegenüber dem unsicheren Internet immer geschützt. Die nach heutigem Stand bekannten Schwachstellen der VPN-Technologie wären so beseitigt. Wie können Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte bezüglich IT-Sicherheit und Datenschutz besser auf das Homeschooling im eigenen Zuhause vorbereitet werden? In einem Leben, in dem Digitalität eine immer gewichtigere Rolle einnimmt, muss selbstverständlich das Sicherheitsbewusstsein von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und auch den Eltern angehoben werden. Dennoch darf eine gute Remote-Access-Lösung nicht vom Wissensstand des Anwenders abhängen. Sie muss hochsichere Kommunikation gewährleisten, unabhängig vom Anwender, dem eingesetzten PC und dem Zugriffsort. Gleichzeitig muss sie für unerfahrene Anwender intuitiv funktionieren. Auch hierbei kann man zum Beispiel die Stärken der VPSC-Technologie nutzen. In diesem Zusammenhang wird jeder Anwender-PC einfach zum Klassen-PC gemacht, auf dem sich Lehrkräfte und Lernende sofort austauschen können. Die vorhandene pädagogische Umgebung lässt sich einfach einbinden, sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte nehmen wie gewohnt am Unterricht teil. Wie können Unterricht, Prüfungen und Daten ausfallsicher verfügbar gemacht werden? Neben einem geschütztem Schulserver und sicherem Remote Access ist es wichtig, dass neben einer Backup-Lösung auch eine verlässliche Wiederherstellung sichergestellt ist. Denn nur letztere versetzt eine Schule in die Lage, zum Beispiel im Fall eines Ransomware-Angriffs, bei dem Hacker die Daten der Schule verschlüsseln, die im Backup abgesicherten Daten mit möglichst geringem Zeitverlust und ohne größere Komplikationen wiederherzustellen. Symmetrische HCI-Lösungen punkten auch in diesem Fall. Sie ermöglichen Klassenunterricht vor Ort und von außen, pädagogische Anwendungen und sogar ganze Klassenzimmer können eingebunden werden. Sie bieten hohe Leistung, Verfügbarkeit und beliebige Skalierbarkeit, auch Services wie Network-, Storage-, Computing-, Firewall-, Loadballencer as a Service lassen sich jederzeit einfach integrieren. Welche Maßnahmen empfehlen Sie, um den digitalen Unterricht insgesamt besser vor Cyber-Angriffen zu schützen? Durch VPSC und symmetrische HCI-Lösungen kann sämtlichen sicherheitsrelevanten Fragen der Gegenwart begegnet werden. Effektiv helfen wird nur ein kombinierter Einsatz von Technik und Bildung . Schulen werden virtuelle Netzwerke mit rollenbasierten Zugängen einrichten müssen. Zu raten wäre auch, Verbindungen nur noch rein auf Anwendungsebene umzusetzen. Beim Kauf von IT-Lösungen sollte auf "Made in Germany" oder "Made in Europe" geachtet werden, um nicht mit der bereits erwähnten DSGVO in Konflikt zu geraten. Regelmäßige automatische Updates sämtlicher Schul-Software sollten ebenso Standard sein wie die Benennung von jeweils einer Ansprechpartnerin oder einem Ansprechpartner für Datenschutz und IT-Sicherheit. Und dann: Bildung, Bildung, Bildung. Schulungen von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und Eltern zur Anhebung des IT-Sicherheitsbewusstseins werden unerlässlich sein, wenn Schulen die Risiken von Cyber-Angriffen im Homeschooling auf ein vertretbares Minimum reduzieren wollen.

  • Fächerübergreifend

Die Kultur der Digitalität – es geht nicht vorrangig um Tablets, Apps und Tools. Es geht um…

Fachartikel
5,99 €

Angesichts einer sich verändernden Welt müsse sich auch die Schule dringend wandeln. Dass es dazu keineswegs vorrangig Strom bedarf und was "4K", "6P" sowie die derzeitigen Prüfungsformate damit zu tun haben, beschreibt dieser Fachbeitrag von Autor Holger Müller-Hillebrand. Deutschunterricht in Klasse 8. Zunächst kontrolliert der Lehrer, ob auch alle Schülerinnen und Schüler die Hausaufgaben erledigt haben: Die in der vorangegangenen Stunde gelesene Kurzgeschichte "Ein netter Kerl" sollte in Sinnabschnitte eingeteilt und mit Zwischenüberschriften versehen werden. Anschließend darf eine Schülerin den Inhalt der Geschichte zusammenfassen. Danach fragt der Lehrer, was in inhaltlicher Hinsicht besonders auffällig an der Kurzgeschichte sei. Nach drei Fehlversuchen nennt ein Schüler schließlich die gewünschte Antwort: das Lachen. Daraufhin schreibt der Lehrer das Thema der heutigen Stunde an die Tafel: "Die Funktion des Lachens in der Kurzgeschichte 'Ein netter Kerl'". Anschließend sollen die Lernenden herausfinden, welche Figuren wann und wie häufig lachen und wie sie das Lachen jeweils deuten. Nach der etwa 25-minütigen Paar-Arbeit folgt eine Besprechung der Ergebnisse im Unterrichtsgespräch. Ein Fazit hält der Lehrer an der Tafel fest: "Das Lachen steigert sich bis zur Selbstoffenbarung der Protagonistin und bricht dann schlagartig ab." Die Stunde ist zu Ende, als Hausaufgabe erhalten die Lernenden, die Figur der Nanni aus der Kurzgeschichte zu charakterisieren. Was zugespitzt anmuten mag, ist tatsächlich eine durchschnittliche, genauso erlebte und durchaus exemplarische Deutschstunde, wie sie irgendwo in Deutschland tagtäglich so oder vergleichbar gehalten wird. Hausaufgaben ohne Funktion und Anschlusskommunikation, Seminararbeits-Themen statt (echter) Problemstellungen, Ratespiele in Form von Ping-Pong-Gesprächen, fremdbestimmte Aufgaben zum reinen Abarbeiten, ein von der Lehrperson formuliertes Fazit und eine neue Hausaufgabe, die mit dem Erarbeiteten nichts zu tun hat – nicht selten folgen Unterrichtsstunden, keineswegs nur im Fach Deutsch, einer solchen Struktur und Plandidaktik , die weder logisch noch besonders lernförderlich ist. Gewiss, damit kein falscher Eindruck entsteht: Vielfach wird Unterricht natürlich auch partizipativer, anregender und aktivierender gehalten. Und doch folgen Stundenraster bis heute dem seit Jahrzehnten gängigen wie starren Raster Einstieg, Hinführung, Arbeitsphase und Reflexion. (Analoger) Schonraum Schule? Überhaupt: Der Klassenraum ist einer der wenigen Arbeitsplätze, den ein Zeitreisender aus dem frühen 20. Jahrhundert auch heute problemlos erkennen könnte: eine Präsentationsfläche (oftmals tatsächlich noch eine Kreidetafel) und ein Pult, davor in Reihen oder in Hufeisenform mehrere Tische und Stühle. Bei Autowerkstätten, Schneidereien und Büroräumen wäre der Wiedererkennungswert um ein Vielfaches geringer und schwieriger. Zudem ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in nahezu jedem Alltagsbereich (neue) Technik eingekehrt. Ob im (E-)Auto , der Heizungssteuerung oder im Staubsaugroboter – viele Menschen lieben Technik und wissen sie zu schätzen. Zumindest, solange es nicht um Schule geht: Hier verursacht der Einsatz moderner Technik und allein der Begriff "Digitalisierung" bei vielen urplötzlich eine seltsame Abwehrhaltung. Die Schule als analoger Schonraum? Die Schule als Ruhepol inmitten einer immer schneller werdenden Welt? Die Schule als Bewahrstätte traditioneller Lehr- und Lernmethoden, die sich schließlich über Jahrzehnte bewährt hätten? Nichts davon wird funktionieren. Denn wir sind längst drin. Wir stecken mitten in einer Kultur der Digitalität, ob wir das nun gut finden oder nicht. Eine neue Zeit: die Kultur der Digitalität Dieser Begriff geht unter anderem zurück auf ein 2016 erstveröffentlichtes Werk des Medienwissenschaftlers Felix Stalder, der darin ausführt, dass im Zuge des Wandels hin zu solch einer Kultur der Digitalität "eine neue Infrastruktur der Wahrnehmung, der Kommunikation und der Koordination " entstanden sei. Und was der Kulturphilosoph auf den rund 200 Seiten ausführt, beschreibt ziemlich genau, in welch gesellschaftlichem Wandel wir uns gerade befinden. Stalder stellt dabei allerdings nicht die Technik in den Vordergrund, sondern vielmehr die gesellschaftlichen Prozesse, die durch neue Technologien nicht nur angeregt werden, sondern diese vielmehr auch selbst hervorbringen: "Angetrieben wird diese Entwicklung jedoch nicht von der Technologie als solches, sondern durch vielfältige soziale, ökonomische und politische Entwicklungen, die aus jeweils unterschiedlichen Gründen die Komplexität der Gesellschaft erhöhen und neue Verfahren des Umgangs mit dieser Komplexität erfordern. In fast allen diesen Verfahren spielt Technologie eine wichtige Rolle, denn sie erlaubt es, die stark steigende Volumina an Daten und Kommunikation bewältigen zu können und neue Formen des Handelns in der Welt zu entwickeln." In dieser neuen Zeit spielen Referentialität und auch Selbstreferentialität, Gemeinschaftlichkeit sowie Algorithmizität bedeutende Rollen. (Selbst-)Referentialität, also die Fokussierung und Schaffung eines persönlichen, auch subjektiven Bezugssystems, ist angesichts einer stetig über uns schwappenden Flut von Informationen genauso unerlässlich geworden wie Gemeinschaftlichkeit – der und dem Einzelnen ist die Orientierung in einer so komplex gewordenen Umwelt kaum mehr möglich. Algorithmizität bezeichnet schließlich jene Aspekte der kulturellen Prozesse, die inzwischen von Maschinen (vor-)geordnet und von uns häufig weder durchschaut noch hinterfragt werden. Zukunftskompetenzen von Lernenden: Aufgaben abarbeiten oder Projekte selbstständig durchführen? All dies bedingt ebenso, dass wir Lernende heute anders ausbilden und zu anderen Dingen befähigen müssen als einst – denn die Welt, in der wir sie nach ihrer Schulzeit entlassen, hat mit der unserer Schulzeit kaum mehr etwas gemeinsam. Schülerinnen und Schüler, die heute brav dem eng vorgeplanten Unterrichtsgang folgen und vorgefertigte Aufgaben sowie Arbeitsblätter abarbeiten, sollen später häufig selbstständig Projekte durchführen, agil arbeiten und Prozesse optimieren . Doch Bildungsgänge, Schulstrukturen, Lehrpläne, Unterrichtsgerüste sowie Prüfformate sind beharrlich und verweigern sich hartnäckig einer sich verändernden Welt. Worauf sie viel zu wenig Wert legen, sind elementare Kompetenzen und Fähigkeiten, die in einer Kultur der Digitalität dringend benötigt werden. Das "4K-Modell des Lernens" – kurz nach der Jahrtausendwende von "Partnership for 21st Century Learning", einer US-amerikanischen Non-Profit-Organisation entwickelt – beschreibt mit den Aspekten Kommunikation und Kollaboration (andockend an Gemeinschaftlichkeit) kritisches Denken (Algorithmizität) und Kreativität (Referentialität) schon ganz gut, worauf es jetzt ankommt. Doch damit nicht genug: In Zeiten nicht zuletzt durch digitale Prozesse immer brüchiger werdenden Hierarchien geht es heute ebenso um Partizipation (sich einbringen können, an Planung und Vorgehensweise beteiligt werden), angesichts wachsender Vielfalt um Persönlichkeit (im Sinne von Individualität und Entfaltungs-Freiraum) und Perspektivwechsel (als Notwendigkeit, andere Sichtweisen einzunehmen und Empathie zu zeigen), angesichts neuer Herausforderungen bei schnell verfügbarem Wissen um Problemlösen und angesichts des damit einhergehenden Kontrollverlusts um Partnerschaft (verstanden als Form des Vertrauens und der Solidarität).

  • Fächerübergreifend

Rituale im Unterricht: feste Strukturen für die Sekundarstufe

Fachartikel
5,99 €

Dieser Fachartikel stellt Rituale für den Unterricht vor, die je nach Bedürfnis der Klasse oder der Lehrkraft zur Begrüßung, als Auszeit zwischendurch oder auch zum Abschied eingeführt werden können, um den Lernenden der Sekundarstufen Sicherheit zu vermitteln und Stress zu vermeiden. Rituale werden häufig als typisches Merkmal der Elementarstufenpädagogik wahrgenommen. Mit ihnen kann die Lehrkraft bestimmte soziale Verhaltensweisen fördern, das Miteinander stärken und den Schülerinnen und Schülern im Alltag durch Routine Sicherheit vermitteln. In der Sekundarstufe können Rituale aber ebenso erfolgreich eingesetzt werden - sofern sie zur Altersgruppe passen. Wozu Rituale? Verschiedene Situationen oder Schwierigkeiten legen das Einüben eines entsprechenden Rituals nahe, zum Beispiel: zähe Reaktionen der Schülerinnen und Schüler, mangelnde Motivation und verzögerte Arbeitsabläufe fremdelndes Verhalten der Schülerinnen und Schüler untereinander, mangelndes Vertrauen Unruhe, Lärm und Ablenkungen emotionale Schwierigkeiten einzelner Schülerinnen oder Schüler, zum Beispiel Wutausbrüche oder Ängste heterogene Gruppen, beispielsweise in Integrationsklassen Diese Grundkonstellationen lassen sich in verschiedenen der hier vorgestellten Rituale bearbeiten. So kann eine anonyme Klassenatmosphäre sowohl durch Begrüßungsrituale als auch durch Spiele zwischendurch oder gemeinsames Aufräumen aufgelöst werden. Einige Beispiele dafür werden nun im Folgenden vorgestellt und erläutert: Hemmungen abbauen: begrüßen und verabschieden In einer Klasse mit Konflikten oder mangelndem Miteinander kann das Ritual zum Stundenbeginn oder zum Ende darin bestehen, dass sich die Schülerinnen und Schüler die Hand geben und mit einer bestimmten Formel begrüßen oder verabschieden. Das kann ein schlichtes "Guten Morgen!" sein oder eine Bekräftigung wie "Auf gute Zusammenarbeit!". Zum Abschied kann die Lehrkraft den Tag des nächsten Fachunterrichts ansagen, zum Beispiel "Dann sehen wir uns am Montag wieder!" und die Schülerinnen und Schüler verabschieden sich mit "Bis Montag!". Die Formel kann in der Klasse ausgehandelt werden, sollte dann aber beibehalten werden. In kleineren Klassen können sich alle Jugendlichen die Hand geben, in größeren Klassen die Sitznachbarinnen und -nachbarn vor, hinter und neben den Lernenden. Struktur geben: einsteigen und aufräumen In einer fahrigen, zu mangelnden Strukturen neigenden Gruppe, vor allem mit jüngeren Schülerinnen und Schülern und auch in Integrationsklassen, kann es eine fokussierende Wirkung haben, wenn nach der Begrüßung eine Schülerin oder ein Schüler an die Tafel geht, um Tag, Datum und Schulfach anzuschreiben. Dazu sagt sie oder er zum Beispiel: "Heute ist Dienstag, der dritte Mai, und wir haben jetzt Biologie". Wer an die Tafel kommt, entscheidet entweder die Lehrkraft spontan oder die Klasse folgt einem vorher vereinbarten Ablauf, wie zum Beispiel der Sitzreihenfolge. Zwischendurch können kleine Aufräumsequenzen die Stunde strukturieren und gleichzeitig eine kurze geistige Auszeit ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler heften ihre Arbeitsblätter weg, packen ihre Stifte ins Mäppchen und schauen, ob an ihrem Platz Müll liegt. Konzentration fördern: spielen, singen und lesen Spiele können zu Stundenbeginn oder zwischendurch als Pausenritual die Konzentration fördern und die Stimmung verbessern. "Galgenraten" oder eine kurze Runde "Stadt-Land-Fluss" lenken die Aufmerksamkeit nach vorn an die Tafel. "Schnick-Schnack-Schnuck/Schere-Stein-Papier" lenkt die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler aufeinander, und die Lehrkraft kann später wieder darauf Bezug nehmen. So können die Lernenden zum Beispiel in Gruppen eingeteilt werden: Die, die das Spiel gewonnen haben, und die, die verloren haben, arbeiten dann im weiteren Verlauf zusammen. Eine ähnliche Funktion wie ein kurzes Spiel als Auszeit zwischendurch kann auch ein Lied haben. Diese Option sollte allerdings nur gewählt werden, wenn alle Schülerinnen und Schüler mitsingen, beziehungsweise wenn die Lehrkraft sie dazu motivieren kann. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Stunde mit einem Auszug aus einem Jugendbuch zu beginnen (siehe Kaufhold und Kerkhoff 2012: 12) oder abzuschließen. Die Lehrkraft oder ein Lernender liest zum Beispiel die erste Seite eines Jugendromans aus der Schulbibliothek vor. Der Abschluss eines Leserituals sollte nach einer Regel immer gleich verlaufen, um einen fließenden Übergang gestalten zu können. So kann zum Beispiel eine halbe Minute Stille angeschlossen werden, bevor der eigentliche Fachunterricht beginnt oder die Klasse in die Pause geht. Aufmerksam werden: still sein Stille Auszeiten geben den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre Gedanken kurz zu sammeln und bei sich zu sein. Je nach Klassenkonstellation können sie stärker reglementiert oder freier gestaltet werden. In einer unruhigen Klasse kann eine Schweigeminute eingeführt werden. Die Lehrkraft oder ein nach einem bestimmten Turnus ausgewählter Lernender stoppt die Zeit von einer Minute. Währenddessen wird nicht gesprochen (in disziplinierteren Klassen bewegen sich die Jugendlichen auch nicht). Wenn jemand dagegen verstößt, wird die Minute neu gestartet. In Klassen, in denen die stille Minute leichter durchzuführen ist, kann daraus eine Lausch-Minute werden (siehe Inklusion Schule Bayern: 3): Die Jugendlichen sprechen nicht und nehmen eine Minute lang alle Geräusche bewusst wahr, die sie um sich hören. Nach der Minute erzählen zwei oder drei Personen, was sie gehört haben. Die Wirkung dieses Rituals ist meditativer als die durch Disziplin gesteuerte Schweigeminute. Stress abbauen: bewegen Bewegung kann besonders nach konzentrierten Arbeitsphasen, in zappeligen Klassen und in Inklusionsklassen sehr hilfreich sein. Eine Möglichkeit, die ganz non-verbal funktioniert, ist eine Art Kofferpacken mit Bewegungen (siehe Inklusion Schule Bayern: 3): Alle sitzen im Kreis. Die erste Person macht eine Bewegung. Die zweite Person wiederholt sie und ergänzt eine weitere Bewegung. Die dritte Person wiederholt die beiden vorherigen und ergänzt wieder eine Bewegung und so weiter. Eine andere Möglichkeit ist ein verbales Spiel mit einem Ball. Wer den Ball hat, gibt einen Impuls. Dann wirft er oder sie den Ball. Die Person, die fängt, reagiert auf den Impuls, gibt dann einen neuen und wirft den Ball einer dritten Person zu. Dabei kann die Aufgabenstellung variieren, zum Beispiel: Gegensätze finden (groß-klein), ein Wort mit dem Endbuchstaben des letzten Wortes nennen (Blume-Elefant-Tag-Gras), Frage-Antwort-Spiele (Was hast du heute gegessen? - Frühstück.) oder Sätze ergänzen (Heute - habe ich - meinen besten Freund - im Fahrstuhl - getroffen.) Ruhe einkehren lassen Ruhe und Konzentration lassen sich mit ganz kurzen Ritualen fördern, die keinen zusätzlichen Einschnitt im Unterrichtsgeschehen mit sich bringen. Eine Lautstärke- oder Lärm-Ampel misst die Lautstärke im Raum und zeigt dementsprechend grünes, gelbes oder rotes Licht. Bei zu großer Unruhe deutet die Lehrkraft schweigend auf die Ampel. Die Schülerinnen und Schüler schauen nach und nach auf die Ampel, werden ruhiger und sehen, wie sich die Lautstärke nach unten korrigiert. Das schult die Selbstwahrnehmung und damit die Eigenverantwortung. Eine Möglichkeit ohne Hilfsmittel besteht darin, dass die Lehrkraft eine fest definierte Geste vorgibt, beispielsweise eine erhobene Hand oder einen Zeigefinger vor dem Mund. Die Schülerinnen und Schüler, die das mitbekommen, imitieren die Geste und sprechen dabei nicht mehr. So kehrt langsam Ruhe ein. Individuelle Rituale vereinbaren Wenn es in einer Klasse Schülerinnen oder Schüler mit besonderen Schwierigkeiten gibt, kann die Lehrkraft individuelle Rituale mit ihnen vereinbaren. Je nach Klassenkonstellation und Art der Problematik kann das vor der Klasse transparent gemacht werden oder unter vier Augen bleiben. Bei Ängsten, Wutausbrüchen oder nicht kontrollierbarem Bewegungsdrang wie Hyperaktivität kann beispielsweise vereinbart werden, dass die oder der Jugendliche die Klasse verlässt, eine Runde durch das Gebäude geht, vor der Tür zehnmal durchatmet oder etwas anderes tut, was ihr oder ihm in der Situation hilft. Wenn sich die Person besser fühlt, geht sie selbstständig zurück in die Klasse. Oft ist es eine gute Idee, auch die Rückkehr zu ritualisieren, wenn der Lernende sich nicht explizit dagegen ausspricht. So kann die Lehrkraft zum Beispiel fragen: "Geht es dir besser?" und die oder der Jugendliche antwortet kurz. So wird vermieden, dass die Rückkehr zu einem "Zurückschleichen" wird und möglicherweise angstbesetzt ist. Vor der Klasse kann so ein Ritual als selbstverständliche Problemlösungsstrategie dargestellt werden, die Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen, die Schwierigkeiten haben. So werden Schwierigkeiten enttabuisiert und die Extrarolle als vernünftige Maßnahme für ein funktionierendes Miteinander vermittelt. Fazit Ebenso wie alle Methoden und Lerninhalte müssen selbstverständlich auch die Rituale zur Lerngruppe passen. Sie als Lehrkraft entscheiden, welche dieser Ideen zielführend sind zur Verbesserung des Lernklimas beitragen können. Schöpfen Sie aus diesem Pool an Möglichkeiten zur Strukturierung Ihres Unterricht und ändern Sie gegebenenfalls diese Vorschläge nach Bedarf Ihrer Lerngruppe ab. Viel Spaß beim Ausprobieren!

  • Pädagogik

Vom Refendariat zur "vollen Stelle" – worauf Sie beim Berufseinstieg achten sollten

Fachartikel
5,99 €

Dieser Fachartikel zum Thema "Berufseinstieg" vermittelt Referendarinnen und Referendaren ein realistisches Bild von typischen Herausforderungen, die der Berufseinstieg mit einer "vollen Stelle" mit sich bringt. Vor allem zeigt er aber durch praktische Hinweise auf, wie der Start in diesen neuen Lebensabschnitt gut zu meistern ist. Ohne Schwimmflügel im tiefen Wasser Von einer ausgelassenen Partystimmung konnte keine Rede sein, als wir Referendarinnen und Referendare Ende Januar 2005 ein letztes Mal im Studienseminar zusammenkamen, um im Rahmen einer kleinen Zeremonie die Staatsexamenszeugnisse entgegenzunehmen. Die Freude darüber, die Mühen des Referendariats "geschafft" zu haben, wurde spürbar von einem Gefühl der Anspannung gedämpft, die eindeutig mit dem nahenden 1. Februar zusammenhing. Ab diesem Datum sollte für die allermeisten von uns ein neuer Lebensabschnitt beginnen – zusammengefasst mit der Formel "neue Schule, volle Stelle". Die volle Konzentration auf die Lehrproben, die Staatsexamensprüfung und die Stellensuche hatte während des Referendariats kaum Gelegenheit geboten, sich intensiv mit der "Zeit danach" zu befassen. "Erst einmal das Referendariat bestehen, alles andere wird schon werden", war bei vielen Referendarinnen und Referendaren eine sehr verständliche (und letztlich notwendige Gelassenheit spendende) Grundhaltung gewesen. Nun aber ließ sich die nächste "Welle", die beruflich auf uns zurollte, nicht mehr verdrängen. Der "richtige" Berufseinstieg mit 26 Wochenstunden an einer neuen Schule fühlte sich für mich – um es wieder metaphorisch auszudrücken – wie ein Sprung in tiefes Wasser an, wo ich fortan ohne Schwimmflügel meine Bahnen zu schwimmen hatte. Durchaus etwas neidisch schaute ich, damals ein End-Zwanziger, auf die älteren Lehrkräfte, mit denen ich nun "in einer Liga spielte". Deren Souveränität, Routine, Erfahrungsschatz und Materialbestand hätte ich gerne schon gehabt. Heute weiß ich: Am Sammeln eigener Erfahrungen führt kein Weg vorbei. Ja, die ersten Monate des Berufseinstiegs mit dem Status "Beamter auf Probe" waren – gefühlt – eine harte Zeit, zumal die anstehende Prüfung zur "Lebenszeit-Verbeamtung" wie im Referendariat für einen unangenehmen Leistungsdruck sorgte. Viele gestandene Kolleginnen und Kollegen, die heute ihren Ruhestand genießen, haben mich damals in meiner Rolle als "Neuling" unterstützt. Ein gutes Kollegium ist in dieser Phase von großem Wert. In diesem Fachartikel möchte ich meine Erfahrungen mit heutigen Referendarinnen und Referendaren, die auf den Berufseinstieg mit "voller Stelle" zusteuern, teilen. Dabei geht es mir nicht nur darum, die spezifischen Herausforderungen bewusst zu machen, sondern in der Praxis bewährte Wege der Bewältigung aufzuzeigen. Frühzeitig, vorausschauend und klug planen Vorausschauend zu denken, wichtige Termine sowohl im Kalender als auch im Hinterkopf zu haben und Ihre private Lebensplanung mit den Pflichten in Einklang zu bringen, haben Sie wahrscheinlich schon in der Schule, während des Studiums oder spätestens im Referendariat gelernt. Trotzdem sollten Sie als Berufsanfängerin und Berufsanfänger besonders auf eine penible Planung achten, um böse Überraschungen und den damit verbundenen Stress zu vermeiden. Investieren Sie so früh wie möglich eine Stunde (oder mehr), um das vor Ihnen liegende Halbjahr zu planen. Erkundigen Sie sich im Terminplan der Schule (oder direkt bei der Schulleitung oder im Kollegium) nach wichtigen "Deadlines" – vor allem für die Mitteilung des Leistungsstands und die Eingabe von Zeugnisnoten. Filtern Sie die Konferenzen und außerunterrichtlichen Aktivitäten, bei denen Sie zur Teilnahme verpflichtet sind, aus der Informationsflut des Schultermin-Plans heraus und tragen Sie diese – ebenso wie die "Deadlines" – in Ihren privaten Kalender ein. Dieses "allgemeine" Termingerüst kennen Sie sicherlich bereits aus dem Referendariat. Wenn Sie aber nun Ihren neuen Stundenplan für die erste "volle Stelle" heranziehen, werden Sie einen gravierenden Unterschied feststellen. Jetzt beginnt die eigentliche Planungsarbeit. Die Anzahl der Klassenarbeiten und Klausuren in einem Fach pro Halbjahr ist festgelegt. Die Termine dafür müssen Sie allerdings selbst setzen, sofern es sich nicht um "Parallelarbeiten" handelt – auch danach sollten Sie sich frühzeitig erkundigen. Weitere Punkte, die Sie bei Ihrer Halbjahresplanung unbedingt berücksichtigen sollten, sind besondere Projekte, Exkursionen, Klassenfahrten und – nicht zu unterschätzen – die Einarbeitung in neue Themen. All diese Aktivitäten kosten Zeit und Kraft. Ob Sie in dem vor Ihnen liegenden Schulhalbjahr viel oder wenig Stress erleben werden, hängt vor allem von der Planung Ihrer Korrekturen ab. Wer "korrekturintensive" Fächer wie Deutsch oder Englisch unterrichtet, wird bereits im Referendariat ein Gespür für den Zeitaufwand bekommen haben, der damit verbunden ist. Planen Sie gerade in diesen Fächern großzügige Korrektur-Zeiträume ein. Wer dagegen eine Woche vor den Zeugniskonferenzen noch eine Leistungskurs-Klausur schreiben lässt, darf sich nicht über sieben Nächte am Schreibtisch wundern. Korrektur-Stressphasen lassen sich auch dadurch abmildern, dass Sie Arbeiten in "Nebenfächern" zwischen den Hauptfach-Terminen platzieren. Rechnen Sie aber vorsichtshalber immer damit, dass die Phase vor den Zeugniskonferenzen am Halbjahresende sehr stressig wird. Klassenfahrten und Projekte sollten Sie lieber durchführen, wenn die Noten feststehen und eingetragen sind. Dies gilt übrigens auch für größere private Vorhaben: Halten Sie die Feier Ihres runden Geburtstags, Ihrer Verlobung oder gar Ihrer Hochzeit von den schulischen "Deadlines" fern. Vorbereitungsaufwand realistisch gestalten Vielen Referendarinnen und Referendaren gibt ein minutiöser Ablaufplan Sicherheit bei der Durchführung einer Unterrichtsstunde. Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger mit einem Hang zum Perfektionismus, die an dieser Form der sehr detaillierten Stundenplanung festhalten, werden sich allerdings während der ersten Wochen mit der "vollen Stelle" von diesem Vorgehen trennen müssen. Der Autor spricht da aus Erfahrung. Sie werden merken, dass Sie angesichts der hohen Anzahl an Unterrichtsstunden sehr schnell eine Souveränität entwickeln, die Ihnen die Professionalität gibt, den Unterricht ohne minutiösen Ablaufplan zu gestalten und flexibel auf Abweichungen zu reagieren. Wenn Ihnen dann bewusst ist, dass die Qualität der Stunde nicht davon abhängt, ob Sie ein gewisses Teilziel in Minute 7 oder erst in Minute 15 erreicht haben, strahlen Sie eine professionelle Gelassenheit aus, die Ihr Profil als Lehrerin oder Lehrer vor der Klasse stärkt. Umgekehrt können Sie sich ausmalen, welche Wirkung Sie bei den Lernenden erzielen, wenn Sie verkrampft ins Schwitzen geraten, weil Sie in Minute 14 noch nicht das Teilziel erreicht haben, das für Minute 7 vorgesehen war. Zudem werden Sie feststellen, dass eine minutiöse Planung jeder einzelnen Unterrichtsstunde bei einer "vollen Stelle" zeitlich und kräftemäßig nicht durchzuhalten ist. Stellen Sie sich vor, dass Sie nach einem Schultag mit sieben Stunden erschöpft nach Hause kommen. Der Kühlschrank ist leer, es muss eingekauft werden. Um 16 Uhr steht ein Zahnarzttermin auf dem Programm, um 18 Uhr haben Sie Badminton-Training. Auf dem Schreibtisch warten noch zwei Heftstapel, die korrigiert werden wollen. Um fit zu sein, wenn der Wecker am nächsten Tag kurz vor sechs Uhr klingelt, benötigen Sie Ihre sieben Stunden Nachtschlaf. Sie müssen außerdem ja noch essen und trinken und möchten vielleicht noch die eine oder andere Nachricht in Ihren sozialen Netzwerken beantworten. – Wie wollen Sie da die sieben Stunden des nächsten Schultags bis ins letzte Detail planen? – Und wenn Sie dann auch noch Kinder haben… Es hat selbstverständlich seinen Sinn, dass Sie im Referendariat lernen, eine Unterrichtsstunde strukturiert zu planen und dafür mit viel Kreativität und Präzision passendes Material zu gestalten. Beim Antritt Ihrer "vollen Stelle" kommt es aber nicht mehr darauf an, tagtäglich Ihr didaktisches Geschick unter Beweis zu stellen. Sie dürfen – und müssen – sich von Ihrem "inneren Fachleiter" trennen. Von nun an zählt nämlich vor allem Pragmatismus. Greifen Sie – statt mit viel Zeit und Kraft (und einem oft mageren Ergebnis) das Rad für jede Stunde neu erfinden zu wollen – auf bewährte Lehrwerke oder fertig konzipiertes Online-Material zurück, wie Sie es unter anderem bei Lehrer-Online finden. Und kooperieren Sie mit netten Kolleginnen und Kollegen. Nur so lässt sich der neue Schulalltag bewältigen. Fragen statt verzagen Wo muss ich eigentlich die schriftliche Entschuldigung der Schülerin abheften? Wie bewerte ich Rechtschreibfehler in einer Geschichtsklausur? Wer gibt mir eine Fernbedienung für die Beamer? – Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Gerade in der Phase Ihres Berufseinstiegs schießen Ihnen immer neue Fragen in den Kopf wie Pilze aus dem Boden. Sicherlich werden sich die Schulleitung und das Kollegium an Ihrer neuen Schule bemühen, Sie über die wichtigsten Abläufe und Regeln im Schulbetrieb aufzuklären, aber den Grad an "Betreuung", den Sie im Referendariat erfahren haben, bekommen Sie bestimmt nicht. Sie müssen also fest damit rechnen, dass noch viele Fragen offen bleiben werden und zunächst permanent neue Fragen hinzukommen – vor allem, wenn Sie erstmals eine Klassenleitung übernehmen. Nachzufragen oder gar um Hilfe zu bitten, wenn man mal nicht weiterkommt, kollidiert bei vielen mit dem Anspruch, nach außen hin perfekt zu wirken. Schließlich geht es ja um das Image, das man in den ersten Wochen an der neuen Schule aufbaut. – Wer aus diesem falschen Stolz heraus darauf verzichtet, scheinbar "peinliche" Fragen zu stellen oder Hilfe anzunehmen, bereitet sich sehr viel unnötigen Stress und wird erst recht in einige "Fettnäpfchen" treten. Gerade als Pädagoginnen und Pädagogen sollten wir gelassen mit "Fehlern" umgehen – auch mit "Anfängerfehlern". Sie können sich sicher sein, dass auch Ihre Schulleiterin oder Ihr Schulleiter in der Phase des Berufseinstiegs nicht alle Prozeduren des Schulalltags perfekt beherrscht hat. Haben Sie also keine Angst, sich zu blamieren, und fragen Sie nach, statt zu verzagen. Nutzen Sie die Fragen auch als Gesprächsanlässe, um Ihre neuen Kolleginnen und Kollegen besser kennenzulernen. Und tauschen Sie sich vor allem intensiv mit anderen Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern aus, die sich in derselben Situation wie Sie befinden. Ein solches Informationsnetzwerk, das die sozialen Medien einbezieht, nimmt Ihnen Hemmungen und gibt Ihnen Sicherheit. Nein sagen können Während man als Lehrerin oder Lehrer im Unterricht in der Regel abgeschottet sein eigenes Süppchen kocht, gelten außerunterrichtliche Aktivitäten als Möglichkeit, sich in unserem Beruf zu profilieren – vor allem, wenn es später um eine Beförderungsoption geht. Engagement zu zeigen gehört für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger zum guten Ton dazu, gerade im Hinblick auf eine "Lebenszeit-Verbeamtung". Daher kann es durchaus sinnvoll sein, die Leitung eines Projekts oder einer AG zu übernehmen. Wenn man auch noch echte Freude an der Sache hat, wird die außerunterrichtliche Tätigkeit den Schulalltag bereichern. Als jemand, der gerne schreibt, war ich beispielsweise sehr froh, an meiner neuen Schule die Redaktion der Schulzeitung leiten zu dürfen. Vergessen Sie jedoch bei allem Eifer nicht, dass der Unterricht Ihr Kerngeschäft ist. Ich habe einige neue Lehrkräfte erlebt, die zunächst kraftstrotzend anfingen, in vielen außerunterrichtlichen Töpfen zu rühren, nach einiger Zeit aber sichtlich erschöpft wirkten, da sie sich offensichtlich übernommen hatten. Die Grundregel für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sollte demnach lauten: Ich komme erst einmal mit meinem Unterricht klar und beurteile dann, für welche außerunterrichtlichen Tätigkeiten ich noch Kapazitäten habe. Kurz gefasst: Nichts überstürzen. Viele junge Lehrerinnen und Lehrer realisieren zunächst nicht, dass es niemanden gibt, der ihren Übereifer ausbremst und ihnen sagt: "Es ist genug." Gerade in der Phase des Berufseinstiegs sollten Sie selbst daher ein klares Bewusstsein für die Grenzen Ihrer Belastbarkeit haben und diese respektieren. Schwieriger ist es natürlich, wenn von außen – womöglich sogar von der Schulleitung – Ansprüche an Sie gestellt werden, die Ihnen Bauchschmerzen bereiten. Ja, es gibt die Tendenz, dass bei der Verteilung neuer (und nicht immer angenehmer) Aufgaben vorrangig junge Lehrkräfte gefragt werden, die Gründe dafür liegen auf der Hand. Stellen Sie sich vor, dass Sie in der Pause im Lehrerzimmer sitzen und plötzlich ein Studiendirektor auf Sie zukommt: "Wir brauchen noch dringend jemanden für die Arbeitsgruppe Schulstatistik." Sie schlucken und denken: "Noch ein Projekt?" Sie engagieren sich doch schon in der Umwelt-AG, in der Steuergruppe und im Planungsteam Schüleraustausch. Ein Kollege scherzte mal, in solchen Situationen könne man nur spontan mit "ja" oder "ja, gerne" antworten. Das wäre allerdings fatal. – Vermeiden Sie voreilige Zusagen, wenn Sie sich überrumpelt fühlen, und bestehen Sie auf Bedenkzeit, um eine Entscheidung zu treffen, mit der Sie gut leben können. Vor allem aber: Wagen Sie ein Nein und begründen Sie es sachlich – mit der Vielzahl an anderen außerunterrichtlichen Projekten, bei denen Sie sich bereits engagieren, oder mit dem Anspruch, sich erst einmal voll auf das Kerngeschäft – den Unterricht – konzentrieren zu wollen. Dieses Argument ist unschlagbar. Fazit Die Phase des Berufseinstiegs mit einer "vollen Stelle" nach dem Referendariat ist eine anspruchsvolle Zeit. Machen Sie sich die Belastungen, die auf Sie warten, frühzeitig bewusst und planen Sie Ihre Zeit- und Kraftressourcen sinnvoll ein. Vergessen Sie vor allem nicht, dass es auch ein Leben "neben der Schule" gibt. Die sogenannte Work-Life-Balance ist in diesem Zusammenhang kein hohles Schlagwort, sondern eine wichtige Orientierungshilfe, damit Sie nicht verkrampfen, sondern auch im Schulstress gelassen bleiben können.

  • Fächerübergreifend

Podcast "Homeschooling hautnah" Folge 3: Gymnasiallehrer aus Eschborn

Blog

In der dritten Ausgabe des Podcasts "Homeschooling hautnah" berichtet ein Gymnasiallehrer aus dem hessischen Eschborn, wie die ersten Wochen des Homeschoolings aus seiner Sicht liefen und auch welche Perspektiven sich in Hinblick auf den DigitalPakt ergeben können. Drei Wochen Homeschooling sind nun Geschichte. Wie sieht der Alltag der Lehrkräfte mittlerweile aus? Wie praktikabel ist die die aktuelle Vorgehensweise? Welche Erkenntnisse konnten bisher schon für die Zukunft gewonnen werden? Diese und viele weitere Fragen beantwortet uns ein Lehrer eines Gymnasiums aus dem hessischen Eschborn. Neue Wege gehen Geregelte Arbeitszeiten gibt es praktisch nicht mehr: Da der Weg morgens zur Schule wegfällt und sämtliche Arbeit in den eigenen vier Wänden stattfindet, ist diese auch unstrukturierter geworden. Das größte Problem dabei ist es, neue Material- und Kommunikationsformen zu finden. Wie diese aussehen, ist jeder Lehrkraft selbst überlassen. Es gibt keine zentrale Schulplattform, über die Kommunikation stattfindet oder Arbeitsaufträge verteilt werden. Dies geschieht in der Regel über E-Mail mit den Lernenden. Die Schule lässt den Lehrkräften dabei allerdings auch viel Freiraum zur eigenen Gestaltung. Wichtig ist lediglich, dass überhaupt Austausch stattfindet. Eltern als Ersatz für die Lehrkraft? Die aktuell praktizierte Form des Unterrichts funktioniert unter den gegebenen Umständen. Unterricht ist jedoch immer auch als kommunikativer und sozialer Prozess zu verstehen. Dieser Prozess kann allerdings zur Zeit nicht stattfinden. Dies führt nicht zuletzt auch zu einer gewissen Anspannung unter den Lehrkräften, aber vor allem auch unter den Eltern: Welche Rolle sollen diese jetzt übernehmen? Müssen Eltern dafür sorgen, dass die Arbeitsaufträge korrekt bearbeitet werden? Die Antwort darauf ist: Nein! Auch jetzt ist es nicht Aufgabe der Eltern zu kontrollieren, wie die Kinder und Jugendlichen ihre Arbeit erledigen. Es reicht darauf zu achten, dass überhaupt gearbeitet wird. Chance für den DigitalPakt Trotz vieler Probleme und Hürden ist diese Zeit auch eine Chance: Für die Zukunft sind nun viele Lehrerinnen und Lehrer, Lernende und auch Eltern vorbereitet. Das ist nicht auf eine mögliche weitere Krise bezogen. Vielmehr wird aktuell die Chance geboten , digitales Lernen und Lehren auszuprobieren und daraus etwas mitzunehmen, sodass Schule insgesamt digitaler werden kann.

  • Fächerübergreifend

Klassenraumgestaltung: Ideen, Impulse und Hintergrundwissen

Fachartikel
5,99 €

In diesem Artikel zum Thema Klassenraumgestaltung finden Sie vielfältige Anregungen dazu, wie Sie Unterrichtsräume lernfördernd einrichten können. Dabei stehen die Bedürfnisse der Lernenden und Lehrenden im Vordergrund. "Auch Räume sind Wesen, können heilen, erheben, befrieden, stimulieren – oder krank machen und verderben." (Mahlke 1998: 13) Vielen Klassen- und Unterrichtsräumen mangelt es an pädagogisch sinnvollen Konzepten zur Gestaltung. Dabei trägt die Konstellation des Raumes maßgeblich dazu bei, ob sich Menschen in ihrer Umgebung wohlfühlen und konzentrieren können, ob sie sich sicher fühlen, ob sie ruhig oder unruhig sind und ob sie angeregt oder gelangweilt werden. Dieser Einfluss kann vom architektonischen Entwurf bis zur Auswahl der Möbel reichen. Nicht auf alles hat die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer Einfluss. In diesem Artikel sollen Ideen berücksichtigt werden, die in einem gegebenen Gebäude oder Raum auf Ebene der Klasse, gegebenenfalls unter Einbeziehung von Fachlehrkräften und Eltern, realisiert werden können. Gemeinsam gestalten Die gemeinsame Gestaltung des Raumes mit den Schülerinnen und Schülern zusammen hat positive Aspekte auf das soziale Miteinander und auf Raumaneignungsprozesse, die für das persönliche Wohlfühlen von zentraler Bedeutung sind. Eine Variable ist dabei das aktive Steuerungsverhalten der Lehrkraft. Je zuverlässiger die Klasse zusammenarbeitet, je demokratischer ihre Entscheidungsprozesse sind und je eigenverantwortlicher sich alle einbringen, desto mehr kann sich die Lehrkraft im Hintergrund halten. Aber auch in Klassen, in denen es Schwierigkeiten gibt, kann die gemeinsame Gestaltung des Klassenraumes genutzt werden, um an eben diesen Problemen zu arbeiten. In jedem Fall sollten sowohl die beteiligten Lehrkräfte als auch die Lernenden bereit sein, Zeit und Energie in das Projekt zu stecken. Es sollte als Teil des Unterrichts fest eingeplant werden und nicht nebenbei geschehen. Nutzbare Unterrichtsstunden sind beispielsweise Klassenlehrer-, Projekt- oder Werkunterricht. Wünsche erarbeiten In einem ersten Schritt erhebt die Klasse gemeinsam die Mängel, die sie an dem Klassenraum in seinem aktuellen Zustand wahrnimmt. Dazu können Arbeitsblätter verwendet werden, in die die Schülerinnen und Schüler entweder in Einzel- oder in Gruppenarbeit Wünsche schreiben. Die Wünsche werden in der Klasse ausgewertet und demokratisch zur Abstimmung gestellt. Dabei macht die Lehrkraft transparent, dass sie bei bestimmten Vorschlägen ein Vetorecht hat. Das betrifft vor allem finanzielle Fragen, Fragen der Sicherheit im Klassenraum und Fragen zum pädagogischen Wert des Klassenraums (Menikheim 2000: 93). Es besteht allerdings durchaus auch die Möglichkeit, die Lernenden Entscheidungen gegen den Rat der Lehrkraft treffen zu lassen. Wenn sich die Klasse beispielsweise mehrheitlich für eine Gestaltung in zahlreichen intensiven Farben, in sehr dunklen Farben oder ähnlichem entscheidet, kann dem nachgegeben werden, sofern die Möglichkeit besteht, es im Nachhinein zu korrigieren. Es sollte in diesem Fall das Budget für einen zweiten Anstrich zur Verfügung stehen. Der pädagogische Wert in Bezug auf Erfahrung, Problemlösungsstrategien, Kritikfähigkeit und eine erneute Entscheidungsfindung ist in diesem Fall sehr hoch. Raumaufteilung Grundsätzlich sollte die Raumaufteilung zu den im Unterricht verwendeten Methoden passen. Denkbar sind Zonen für Frontalunterricht, für Bewegung, für Gruppenarbeit, zum Stehen und als Ruhe-, Einzelarbeits- oder Rückzugsbereich. Denkbar ist auch die Einteilung in einen Instruktions-, einen Interaktions- und einen Elektronikbereich (Leitner 2014). Durch eine Sitzordnung im Halbkreis oder U kann sowohl lehrkraftorientiert als auch kommunikativ gearbeitet werden. Der Raum innerhalb des Halbkreises kann für Arbeitsphasen mit Bewegung genutzt werden. Aus heilpädagogisch inspirierten Richtungen, wie beispielsweise im Würzburger Modell, wird die Bedeutung von Rückzugsräumen betont, die den Lernenden ermöglicht, freiwillig zwischen Gemeinschaft und Individualität zu wählen (Menikheim 2000: 9). Aus der Praxis sind außerdem Leseecken oder Arbeitsecken bekannt, die für den binnendifferenzierten Unterricht genutzt werden können. Zur Abgrenzung können Raumteiler verwendet werden, die sich je nach Methode oder Unterrichtssituation verändern lassen. Viele Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler empfinden Raumteiler jedoch als unpraktisch, unästhetisch und die Raumwirkung störend. Alternativ bietet sich eine Raumaufteilung über Farbgestaltung an, über die Beleuchtungsgestaltung (Menikheim 2000: 78) oder über kleinere Elemente wie Säulen, Pfosten (Menikheim 2000: 80) oder auch Pflanzen. Sie sind nicht ganz so flexibel, bedingt aber auch veränderbar. Außerdem sind sie von der Klasse gestaltbar, sodass sie in den Raumaneignungsprozess einbezogen werden können. Farben Raumfarben spielen bei der Gestaltung einer Klasse eine wichtige Rolle. Daher sollte die Auswahl einer neuen Wandfarbe und das gemeinsame Streichen der Klasse in Erwägung gezogen werden. Grundsätzlich sollten die Farben nicht zu dunkel und zu gesättigt sein. Nach Menikheim sollten nicht zu viele unterschiedliche Farben verwendet werden. Je höher die Anzahl der Farben, desto wichtiger ist es, diese geschickt aufeinander abzustimmen (Menikheim 2000: 60). Mahlke rät zu einer Gestaltung vorwiegend in zwei Komplementärfarben, wobei er Grün-Rot oder Ocker-Blau empfiehlt (Mahlke und Schwarte 1991: 91f.). Materialien Die Frage nach Materialien stellt sich vor allem bei der Gestaltung von Einrichtungsgegenständen wie Pinnwänden, raumstrukturierenden Elementen, Vorhängen (Vor allem bei textilen Wandbehängen und Vorhängen sind dabei die Brandschutzverordnungen zu berücksichtigen.), Fußbodenbelägen, Aufbewahrungsmöbeln, Tischen und Stühlen. Natürlichen, die Sinne ansprechenden Materialien sollte dabei der Vorzug gegeben werden. Ein weiteres Kriterium für die Auswahl ist die selbstständige Reparierbarkeit. Während die meisten Plastik- oder Spanplatte-Plastik-Produkte die Sinne wenig ansprechen und schon bei leichten Beschädigungen abgenutzt und schäbig aussehen, können natürliche Materialien mehr Kratzer und Dellen vertragen, ohne ihre Ästhetik zu verlieren. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler sie mit etwas Know-How selbstständig pflegen. Im Würzburger Modell wird in diesem Zusammenhang mit Öl oder Wachs behandeltes Massivholz als Material für Möbel empfohlen (Menikheim 2000: 64). Wird die Klassenraumstaltung mit dem Werkunterricht kombiniert, können die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel auch Regale, Borde und Tischplatten selbst anfertigen. Das so erworbene Fachwissen stellt ebenso wie die Erfahrung der konkreten Nutzbarkeit im Schulalltag einen wichtigen Beitrag zu Selbstermächtigung und Raumaneignung dar. Außerdem schützt das selbstständige Anfertigen von Einrichtungsgegenständen nachhaltig gegen Vandalismus. Schalldämmung In vielen Schulgebäuden ist bei der Planung und Erbauung viel zu wenig an die Schalldämmung gedacht worden. Als Folge davon ist Schulunterricht häufig mit einer erheblichen Lärmbelastung für Lernende und Lehrende verbunden. Jugendliche vergessen diesen Aspekt häufig beim Sammeln der gestalterischen Ideen, sind dann aber unter Umständen auch sehr froh, wenn der Raum leiser wird. Eine professionelle Schalldämmung ist sehr wünschenswert. Wo dies nicht möglich ist, kann möglicherweise mit einer Schaumstoffdämmung an der Decke, mit Pflanzen und textilen Wandbehängen gearbeitet werden. Falls möglich, können auch Teppiche beim Dämmen helfen. Dabei sind bewegliche Einzelteppiche in jedem Fall fest verlegter Meterware vorzuziehen. Sie können wesentlich leichter gereinigt werden und lassen sich außerdem zur Raumstrukturierung einsetzen. Einzelplätze Neben der Wandfarbe ist die Gestaltung der Tische ein sehr bestimmendes ästhetisches Element im Raum. Einerseits bieten kleine, bewegliche Tische, die sich für die Gruppenarbeit zu Polygonen zusammenstellen lassen, viele praktische Vorteile. Sie haben aber häufig den Nachteil, dass das Material nicht sehr ansprechend ist. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler sie nicht selbst gestalten. Aus einer ganzheitlichen, heilpädagogisch inspirierten Sicht kann das Bauen eines eigenen Arbeitstisches oder zumindest einer Tischplatte (Menikheim 2000: 99) eine sehr positive Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler haben. Menikheim schlägt vor, den Werkunterricht der siebten Klasse dafür zu nutzen, die Tische zum Beispiel aus Dachlatten zu bauen. Jede Schülerin und jeder Schüler verwendet diesen Tisch dann die gesamte Schullaufbahn hindurch und nimmt ihn in jede folgende Klasse mit. Fazit Die Gestaltung eines Klassenraumes nimmt mitunter viel Zeit in Anspruch. Entscheiden Sie ganz individuell in Abstimmung mit den zeitlichen und finanziellen Mitteln, in welcher Form Sie den Raum mit Ihrer Lerngruppe gestalten wollen. Nutzen Sie dabei diese unterstützenden Anregungen und passen Sie sie an Ihre Bedürfnisse an. Selbstverständlich ergeben sich im Verlauf eines Schuljahres neben einem derart umfangreichen Projekt auch immer wieder einmal Phasen, in denen Ihre Schülerinnen und Schüler ihren täglichen Lernraum ein Stück weit verändern können. Weniger aufwändig ist beispielsweise das Ausstellen von gemalten Bildern, ein Geburtstagskalender mit Fotos der Lernenden oder die Erarbeitung von Klassenregeln , die schließlich auf einem großen Poster für alle sichtbar präsentiert werden. Auf diese Weise können Sie das Lernklima verbessern, und der Klassenraum wirkt gleich viel persönlicher. Viel Freude beim Gestalten, Lehren und Lernen in Ihrem Klassenraum!

  • Fächerübergreifend

Algorithmen im Alltag

Fachartikel

Dieser Fachartikel zu Algorithmen im Alltag verfolgt das Ziel, ein Verständnis für das Wesen eines Algorithmus zu entwickeln. Der Artikel wurde im Kontext des von der Deutschen Telekom Stiftung geförderten Programms "Digitales Lernen Grundschule" entwickelt. Hintergründe zum Projekt Im Rahmen des Teilprojekts "Algorithmen im Alltag" entstand im Bereich Informatik der Universität Potsdam ein Leitfaden für Lehrkräfte. Hier werden Beispiele gezeigt, die der direkten Erfahrungswelt der Kinder entsprechen. Dabei finden sich immer wieder fächerverbindende Elemente zu den Inhalten des Deutsch-Unterrichts . Ziel dieses Projekts war es, dass die Kinder ein Verständnis für das Wesen eines Algorithmus entwickeln . Anknüpfend an eigene Alltagserfahrungen werden sie schrittweise und altersgerecht mit dem Wesen eines Algorithmus bekannt gemacht. Algorithmen entdecken und untersuchen Die Lebenswelt von Schülerinnen und Schülern ist nicht zuletzt durch Smartphones, soziale Netzwerke oder auch Sprachassistenten von Produkten der Informatik durchzogen. Die digitalen Systeme und Produkte treffen regelmäßig selbstständig Entscheidungen. Beispiele hierfür sind personalisierte Werbung oder automatisch generierte Wiedergabelisten bei Musikstreaming-Diensten. Diese Entscheidungen erfolgen über ausgeklügelte Algorithmen. Warum Algorithmen im Alltag? Auch fernab von der Informatik kommen Lernende immer wieder mit Algorithmen in Kontakt, zum Beispiel bei der Frage, wie mit möglichst wenigen Geldscheinen ein bestimmter Geldbetrag bezahlt werden kann. Doch auch bei sämtlichen Tätigkeiten und Vorgängen, die wir durchführen, ohne dass wir uns Gedanken über die Struktur der Abläufe machen, liegen Algorithmen zugrunde. Was sind Algorithmen? Eine einheitliche Definition des Begriffs existiert nicht und er wird in der Literatur unterschiedlich behandelt. Für die Grundschule reicht es jedoch aus, Algorithmen als eindeutige und präzise Handlungsvorschrift zum Lösen eines Problems zu verstehen. Diese Handlungsvorschriften bestehen aus Elementaranweisungen, die eine bestimmte Aktion oder Handlung vom Ausführenden erwarten. Dabei sind Algorithmen grundsätzlich in Abfolgen und Sequenzen strukturiert, wobei je eine Anweisung nach der anderen abgearbeitet wird. Mehrere gleiche Elementaranweisungen werden als Wiederholung zusammengefasst. Müssen bei komplexen Algorithmen Entscheidungen zwischen mehreren Alternativen getroffen werden, spricht man von Verzweigungen. Algorithmen beschreiben und verstehen Um Algorithmen als alltägliche Vorgänge zu entdecken und zu verstehen, bietet es sich an, diese zunächst zu beschreiben. Dies macht eine Kommunikation darüber erst möglich. Eine Beschreibung kann dabei die reale Welt nie vollständig abbilden. Die Beschreibung der Welt und auch von Algorithmen ist maßgeblich von der Wahrnehmung abhängig. Um diese individuellen Erfahrungen kommunizierbar zu machen, wird Sprache benötigt. Dies wird zum Beispiel bei der Beschreibung von Vorgängen sichtbar: Es wird ein Muster erkannt und dieses in einen Gesamtzusammenhang eingeordnet. Diese Muster im Gesamtzusammenhang können dabei als Algorithmus identifiziert werden. Die Beschreibung eines Vorgangs erfolgt dabei meist sehr kleinschrittig , wobei jeder Schritt und somit jede Teilhandlung in der Beschreibung auch einer real ausführbaren Handlung entspricht. Wie detailliert Teilhandlungen beschrieben werden oder beschrieben werden müssen, ist sowohl vom Verfasser als auch vom Adressaten abhängig. Ist beispielsweise das "Tee-Kochen" eine Teilhandlung, werden alle dazugehörigen Handlungen meist direkt verstanden (Wasserhahn öffnen, Teebeutel in die Tasse hängen und so weiter). Diese können jedoch auch einzeln als Teilhandlungen aufgefasst werden. Sobald eine Vorgangsbeschreibung dazu dient, andere Personen aufzufordern, ein Problem zu lösen oder einen Ablauf nachzumachen, kann die Beschreibung als Algorithmus aufgefasst werden. Von der Beschreibung zum Algorithmus Bei der Beschreibung von Algorithmen muss stets zwischen drei verschiedenen Abstraktionsebenen unterschieden werden: die Text-, die Bild- und die Befehlsebene. Textebene Fertigen Schülerinnen und Schüler beispielsweise eine Anleitung für das Kakao-Kochen an, könnte diese folgendermaßen aussehen: "Zunächst muss man einen halben Liter Milch abmessen und erwärmen. Danach muss man Kakao-Pulver hinzugeben." Hierbei wird bereits abstrahiert, indem der Vorgang versprachlicht wird: Alle subjektiv unwichtigen Informationen (Kühlschrank öffnen, Milch herausnehmen, Temperatur der Milch, ...) werden ausgelassen. Daran angeschlossen kann durch Bilder weiter abstrahiert werden. Bildebene Bei Bildern ist grundsätzlich zwischen zwei Arten zu unterscheiden: Bilder (Comics, Karikaturen, ...) und Abbilder (zum Beispiel Fotos). Ein Abbild kann nur wiedergeben, aber nicht beschreiben. Karikaturen haben aber auch immer einen beschreibenden Charakter. Werden Vorgänge durch Bilder beschrieben, wird deutlich, welche Schritte der Algorithmus durchläuft. Bilder können jedoch nie alle Informationen zeigen, die in einem Text enthalten wären. Somit wird hier eine weitere Abstraktionsstufe erreicht. Bilder allein reichen jedoch nicht unbedingt, um Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass hinter alltäglichen Prozessen Algorithmen versteckt sind. Befehlsebene Die nächste Stufe könnte sein, für die Bilder einzelne Überschriften in Befehlsform zu finden. Am Beispiel des Kakao-Kochens könnte das sein: "Nimm einen Messbecher und miss 500 ml Milch ab!". Diese Abstraktionsebene sollte nun alle typischen Merkmale eines Algorithmus beinhalten und erfassen. Anregungen für den Unterricht Hilfreich ist es zunächst, die Ausgangslage der Schülerinnen und Schüler zu reflektieren. Das gelingt in besonderer Weise mithilfe der Checkliste (siehe Download). Um ein Gefühl für den Folge-Aspekt eines Algorithmus zu gewinnen, bietet sich ein Ausgangsbeispiel an. Algorithmen werden häufig vor allem mit der Mathematik verknüpft. Bei dem Ausgangsbeispiel handelt es sich aber idealerweise um einen außermathematischen Algorithmus . Mit diesem Beispiel wird die Angst vor dem Begriff des Algorithmus genommen und gleichzeitig auch gezeigt, dass Algorithmen nicht zwangsläufig nur in der Mathematik vorkommen. Ein einfaches Einstiegsbeispiel – beispielsweise das Teekochen (siehe Arbeitsblatt) – bildet hierfür die Basis. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in Kleingruppen mit bis zu vier Kindern. Zunächst erhalten sie die Bilderfolge auf farbigem Tonpapier (Bild 1: Tasse wird aus Schrank genommen: gelb; Bild 2: Teebeutel wird genommen: blau, Bild 3: Wasserkocher wird befüllt: pink). Hierzu äußern sie sich spontan und schreiben einen kurzen Text dazu. Danach lesen sie den Text und markieren die drei Handlungen im Text mit der passenden Farbe: Tasse aus dem Schrank: gelb Teebeutel aus der Kiste: blau Wasser in den Wasserkocher: pink Anschließend erhalten sie die drei Satz-Streifen auf farbigem Tonpapier. Diese wurden zuvor von der Lehrkraft in ausreichender Menge erstellt. Nimm die Tasse! (gelb) Nimm den Teebeutel! (blau) Fülle den Wasserkocher! (pink) Mit jeder Abstraktionsebene wird die Beschreibung reduziert und dadurch die Bedeutsamkeit der Reihenfolge der einzelnen Schritte hervorgehoben. Auch können die Kinder eine eigene Foto-Sequenz zum Tee-Kochen mithilfe eines Tablets entwickeln. Sie erstellen eine Bilder-Sequenz hierzu, drucken diese aus und versehen diese mit den passenden Satz-Streifen. Darüber hinaus trainieren die Schülerinnen und Schüler abschließend das Bilden von Imperativsätzen.

  • Mathematik / Rechnen & Logik

Elektrochemische Spannungsreihe - virtuelle Ermittlung

Kopiervorlage / Interaktives

Die Animation zur virtuellen Ermittlung einer Spannungsreihe macht das unsichtbare Geschehen in galvanischen Zellen sichtbar und interaktiv erfahrbar. In zwei Szenen kombinieren Schülerinnen und Schüler Halbzellen, messen Spannungen, ordnen Reduktionsmittel ein und erstellen Schritt für Schritt ihre eigene Spannungsreihe. Unterstützt durch virtuelle Messdaten und visuelle Spannungsskalen entsteht ein klarer, strukturiert nachvollziehbarer Lernprozess – ideal für experimentorientierten Chemieunterricht mit digitalem Mehrwert. Die Animation zur virtuellen Ermittlung einer Spannungsreihe ist ein interaktives Programm, das aus zwei Szenarien besteht. Im ersten Teil (Button "Versuch") erwartet die Schülerinnen und Schüler eine virtuelle Experimentier- und Messumgebung aus U-Rohr, digitalem Multimeter und einer interaktiven Halbzellenauswahl über ein Menü. Das Ziel in dieser Szene besteht darin, verschiedene Halbzellen zu kombinieren, die Spannungen des jeweiligen galvanischen Elements zu messen und diese Werte zu speichern. Dazu wird beim Betätigen des Schalters ein Ereignisfenster eingeblendet, in dem die eingesetzten Halbzellen benannt werden (Formelschreibweise: Metall/Metallsalz) und die Spannung des galvanischen Elements angezeigt wird. Schülerinnen und Schüler müssen jetzt entscheiden, welche Rolle die linke Halbzelle spielt: Donatorhalbzelle oder Akzeptorhalbzelle. Die Bildung eines Belags auf einer der beiden Elektroden (mögliche Abscheidung) bzw. das Auflösen (Verjüngung) der anderen wird in der Animation nicht gezeigt. Deshalb können Schülerinnen und Schüler über die Einblendung eines Trickfilms mit animierten Elektrodenreaktionen die richtige Entscheidung treffen. Abschließend muss der "Merken-Button" zum Speichern der Ergebnisse bei jedem neuen Versuch gedrückt werden. Von Versuch zu Versuch wird den Lernenden zunächst die Reihenfolge vom starken zum schwachen Reduktionsmittel stückweise bewusst, zum Teil unterstützt durch die Vorerfahrung mit eventuell früheren real durchgeführten Tauchversuchen. Gleichzeitig werden jetzt auch die unterschiedlichen Spannungen allmählich dahingehend reflektiert, dass eine Reihenfolge der Halbzellen mit "Spannungsabständen" erfassbar wird und man damit Voraussagen über die Spannung anderer Halbzellenkombinationen machen kann. Letztere Überlegung macht dann eine Auswertung der Messdaten notwendig. Dies geschieht in der zweiten Szene (Button "Auswertung"). Der Auswertungsbildschirm enthält eine vorgegebene Spannungsskala von 0 – 2,2 V. Über die Betätigung der Buttons "Messdaten" und "Symbole" werden zwei Fenster geöffnet. Die Halbzellensymbole lassen sich aus dem Fenster heraus verschieben und neben der Skala positionieren. Laut Aufgabenstellung muss die Halbzelle, die gegenüber allen anderen Halbzellen als Donatorhalbzelle fungiert, dem Wert Null zugeordnet werden. Alle anderen untersuchten Halbzellen werden entsprechend den Spannungen aus der eigenen Messdatensammlung zugeordnet. Um die Spannungsabstände visuell hervorzuheben, können über eine Toolbox (Button "Toolbox") sogenannte "Spannungslineale" eingeblendet werden. Zur Anpassung der Lineale kann ein neuer Spannungswert (bitte mit Dezimalpunkt!) eingegeben und mit der Maus (!) direkt unterhalb des angezeigten Wertes bestätigt ("OK-Button") werden. Ebenso befindet sich dort ein "Verschieben-Button", mit dem das angepasste Spannungslineal positioniert werden kann. Zur Sicherung der Ergebnisse bzw. für eine spätere Aussprache im Plenum dient ein Arbeitsblatt als Protokoll. Ebenso können Programmergebnisse per Beamer oder über die digitale Tafel von einer Arbeitsgruppe präsentiert werden. Technische Information zur Animation Als Voraussetzung für den Einsatz der Animation im Unterricht benötigt man einen Computer oder ein Tablet sowie einen Internetzugang.Die ursprüngliche Konzeption des Animationsprogramms sah zwei Aufgaben vor: 1. Erkundung eines galvanischen Zink-Kupfer-Elements, mit Veranschaulichung (animiert) der unterschiedlichen Lösungsbestreben der Metalle in beiden Halbzelle (Donator oder Akzeptor) und der daraus resultierenden Richtung des elektrischen Stroms. 2. Virtuelle Entwicklung einer Spannunngsreihe (Thema II). Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler kombinieren virtuell verschiedene Halbzellen zu galvanischen Elementen, führen Spannungsmessungen durch und speichern diese im Computer-Programm. analysieren und bewerten animierte Modelle jeweils zweier Metalle in ihren Metallsalzlösungen und leiten daraus Redoxeigenschaften der beiden Metalle ab. ordnen die untersuchten Halbzellen aufgrund der erhaltenen Messwerte einer Spannungsskala zu. leiten aus der Spannungsreihe die Spannung weiterer Halbzellenkombinationen ab. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler können nach Linkvorgabe eine Online-Animation aufrufen und starten. steuern und wiederholen virtuelle Experimentaktionen und entwickeln daraus mithilfe verschiebbarer Symbole eine grafische Messwertdarstellung am Computer setzen die Animation zielgerichtet ein. zeigen Grenzen der eingesetzten Modellanimation auf. Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler arbeiten konstruktiv beim Auswählen und Beurteilen der Halbzellen galvanischer Elemente zusammen und entwickeln gemeinsam aus virtuell erhaltenen Messwerten unter Beachtung der Fachsprache und formal-chemischen Gesichtspunkten eine Spannungsreihe.

  • Chemie / Natur & Umwelt
  • Berufliche Bildung, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II

Zink-Kohle-Batterie: chemischer Prozess

Kopiervorlage / Interaktives

Welche chemischen Vorgänge laufen in der Zink-Kohle-Batterie beim Anschließen eines Verbrauchers ab? Eine Flash-Animation veranschaulicht die Umwandlung der beteiligten Redoxpartner auf der Teilchenebene. Die digitale Animation veranschaulicht in vereinfachter Form die chemischen Vorgänge innerhalb einer Zink-Kohle-Batterie während der Stromentnahme. Zum Ablauf sind ein Computer oder ein Tablet und ein Internetzugang erforderlich. Das "Innenleben" einer handelsüblichen Batterie kann den Schülerinnen und Schülern an aufgesägten Batterien gezeigt werden. Im Schraubstock eingespannt lässt sich eine Zink-Kohle-Batterie Typ D mit einer kleinen Eisensäge oder einem elektrischen Multifunktionswerkzeug vorsichtig in zwei Hälften auftrennen. Das Anschauungsmaterial liefert den gedanklichen Ausgangspunkt für die Frage nach der Funktion einer solchen Batterie beim Anschließen eines Verbrauchers. Welche chemischen Vorgänge laufen dabei ab? Der Zinkbecher fungiert als Elektronendonator. Zink wird oxidiert. Das ist aus der äußeren Beschriftung mit dem Minus-Symbol ersichtlich. Doch welcher Stoff wird reduziert? Dies wird in der hier vorgestellten Animation veranschaulicht, indem zum einen die Bestandteile des Substanzgemisches im Inneren der Batterie mithilfe von Formeln benannt werden (Ausgangsstoffe in Kugelteilchenmodellen) und zum anderen die chemischen Veränderungen vereinfacht szenisch dargestellt werden (Produkte), wenn der Stromkreis über den Schalter geschlossen wird. Dabei werden die Oxidation von Zink, die Leitung der Elektronen über einen elektrischen Leiter hin zum Verbraucher und die Reduktion von Mangandioxid zeitlich nacheinander animiert vorgestellt, um den Fokus der Schülerinnen und Schüler verstärkt auf die Teilvorgänge zu konzentrieren. Anhand dieser "zeitlichen Akzentuierung" lassen sich leicht Teilgleichungen zu den Redoxvorgängen aufstellen und Oxidationsstufen (Ionenladungen) zuordnen. In der Animation wurden berücksichtigt: 1. Erfassbare Teilreaktionen Zn --> Zn 2+ + 2 e - 2 MnO 2 + 2 H 2 O + 2 e - --> 2 MnOOH + 2 OH - 2 NH 4 + + 2 Cl - + 2 OH - --> 2 NH 3 + 2 Cl - + 2 H 2 O Addiert man die Gleichungen so erhlält man als Gesamtgleichung: Zn + 2 MnO 2 + 2 NH 4 + + 2 Cl - --> [Zn(NH 3 ) 2 ] 2+ + 2 Cl - + 2 MnOOH 2. Redoxsysteme mit Ionenladungen bzw. Oxidationszahlen: Zn/Zn 2+ +IV +III MnO 2 /MnOOH Technische Überlegungen für den Einsatz der Animation bei Präsentationen: Die Animation lässt sich zum Beispiel. per Beamer im Plenum vorstellen. Startet man die Animation, so spielen sich die animierten Redoxprozesse in einer Schleife wiederholt ab. Wird die Animation vom PC oder Laptop zentral bedient, so kann sie von der Referentin oder dem Referenten per Space-Taste gestartet oder gestoppt werden. Mit den Pfeiltasten rechts/links können jeweils einige Bilder vor beziehungsweise zurückgesprungen werden. Damit lassen sich einzelne Redoxschritte langsam "abtasten". Eine Modellierung der Vorgänge wird somit für alle Schülerinnen und Schüler begünstigt. Im Unterrichtsgespräch können Redoxpartner leichter benannt und zum Beispiel an der Tafel fixiert werden. Ebenso kann die Animation bei entsprechender Ausstattung mit PCs oder Tablets und einem vorhandenen Online-Zugang in der selbstständigen Lernendenarbeit eingesetzt werden. Ein Arbeitsblatt dient zur systematischen Erfassung und Sicherung des Redoxvorgangs. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler beschreiben den Aufbau und die Organisation einer Zink-Kohle-Batterie. erkennen anhand der Animation zur Zink-Kohle-Batterie, dass bei der Stromentnahme durch Anschluss eines Verbrauchers innerhalb der Batterie kontinuierlich stoffliche Veränderungen in den beiden Teilen eines Redoxsystems ablaufen (am Zinkbecher bzw. im Braunsteingemisch). setzen dynamische Teilchenmodellszenarien in Reaktionsgleichungen um. leiten aus der Animation ab, dass durch die Kombination und räumliche Trennung geeigneter Reduktions- und Oxidationsmittel chemische Energie gespeichert und durch Anschluss eines Verbrauchers in elektrische Energie umgewandelt werden kann. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler können nach Linkvorgabe eine Online-Animation aufrufen und starten. steuern und wiederholen die Online-Animation über übliche Steuerbuttons. setzen die Animation zielgerichtet ein. Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler arbeiten konstruktiv beim Analysieren der Teilchenvorgänge zusammen und leiten gemeisam unter Beachtung der Fachsprache und formal-chemischen Gesichtspunkten Teilgleichungen ab.

  • Chemie / Natur & Umwelt
  • Sekundarstufe II

Klassenfahrten: Bedeutung und Zielsetzung

Fachartikel
5,99 €

Dieser Fachartikel beschreibt die Bedeutung von Klassenfahrten aus Sicht der Organisierenden und richtet sich an alle Lehrerinnen und Lehrer. Dabei geht es vor der Planung und Durchführung einer Klassenfahrt zunächst darum, die Zielsetzung der Fahrt zu definieren und sich die zahlreichen Gründe für eine gemeinsame Reise mit der Klasse bewusst zu machen. Gemeinsam mit der Klasse zu verreisen bedeutet für die Lehrkraft stets eine große Verantwortung im Hinblick auf die Aufsichtspflicht. Aber was gehört eigentlich zu einer durchdachten, zielgerichteten, für die jeweilige Schülergruppe passenden und letztlich nachhaltig gelungenen Klassenfahrt dazu? Die Kurzfassung: gründliche Planung und Vorbereitung, die gelungene Durchführung und auch die Nachlese. In diesem Artikel soll es nun zunächst aber darum gehen, zu erläutern, warum die gemeinsame Fahrt mit der Klasse ein so wichtiges Abenteuer darstellt. Jede Lehrerin und jeder Lehrer, jedes Elternteil und letztlich jede Person, die einmal eine Klassenfahrt erlebt hat, wird ohne Zögern zustimmen, dass Klassen-, Stufen- oder Kursfahrten zu den wichtigsten und prägenden Projekten der Schullaufbahn gehören. Egal, wie jung oder alt Sie heute sind: Woran erinnern Sie sich zuverlässig, wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit zurückdenken? Eben! Dabei sollte möglichst jede Klassenfahrt für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte zu einer wunderbaren und nachhaltig positiven Erfahrung werden. Bei meinen eigenen Klassenfahrten denke ich an Stockbrot und Nachwanderung, an Zahnpasta unter Türklinken, an Klopapiergirlanden im Treppenhaus und an den zugenähten Schlafanzug des Lehrers. Kommt auch Ihnen etwas davon bekannt vor? Bedeutung der Klassenfahrt für die Lernenden Die Perspektive von Lehrkräften und Begleitpersonen auf Klassenfahrten ist selbstverständlich eine völlig andere als die der Schülerschaft: viel Arbeit und vielleicht auch zähe Diskussionen im Vorfeld und auf Tour dann ein Übermaß an Verantwortung bei tagelangem Schlafmangel und die permanente Sorge um das Wohl einer Schar meist pubertierender Jugendlicher. Und doch ist es das alles wert! Denn die Klassenfahrt ist auch eine Zeit neuer, oft verblüffender Erfahrungen mit jungen Menschen, die man eigentlich schon gut zu kennen glaubte. Gemeinsam auf Tour zu gehen macht einfach Freude – fast immer auch den Lehrpersonen. Die andere Form des Zusammenseins fördert das Sozialverhalten und den positiven Umgang miteinander. Sie macht aus der Klasse ein Team. Sie fördert das Selbstbewusstsein und macht die Gemeinschaft stark. Sie macht selbstständig, schafft Erinnerungen; im Idealfall überwiegend gute, aber eben auch wertvolle weniger gute und in jedem Fall solche, die wahrscheinlich sehr lange nachwirken. Manchmal ein Leben lang. Kein Wunder, denn Klassenfahrten stehen für Freiheit: Freiheit von Eltern, von Zwängen, von Terminen – und das nicht nur bei den Lernenden. Vielleicht auch, wenigstens zeitweise, Freiheit vom Smartphone. Klassenfahrten verschaffen allen Reisenden Glücksmomente, vielleicht aber auch Traurigkeit. Sie können eine gute Gelegenheit sein, auch mal Aggression und Frust zuzulassen und zu bewältigen, Beziehungen zu klären und zu entwickeln. Die Fahrt kann ein großer Spaß sein, kann Liebe erleben lassen, oft die erste. Von den größten und unwahrscheinlichsten Katastrophenszenarien einmal abgesehen sind Klassenfahrten fast immer vor allem einfach wunderschön. Spätestens im Rückblick. Für manche Kinder bedeutet eine Klassenfahrt zudem die einzige Möglichkeit, überhaupt zu reisen. Einfach, weil es – aus familiären, wirtschaftlichen oder anderen Gründen – keine anderen Reisen für sie gibt. Für diese Kinder hat eine Klassenfahrt einen unermesslichen Wert. Kurz: die Bedeutung von Klassenfahrten kann kaum überschätzt werden. Und gerade deshalb ist bei den Verantwortlichen, bei Lehrkräften und Begleitpersonen sowie den Veranstaltern auch der Druck so hoch. Organisation der Klassenfahrt Auf den ersten Blick scheint die Organisation einer gelungenen Klassenfahrt ganz einfach: Ziel und Termin festlegen, Unterkunft buchen, Busunternehmen beauftragen, Geld einsammeln und los geht es. Wenn alles gut läuft, werden alle Schülerinnen und Schüler am Ende vollzählig, möglichst gesund und unverletzt wieder abgeliefert. Fertig. Fertig? Von wegen. Klassenfahrten sind anstrengend und machen eine Menge Arbeit – und zwar schon lange, bevor es überhaupt losgeht. Die einbezogenen Schülerinnen und Schüler können sich nicht einigen. Dabei haben sie manchmal völlig unrealistische Vorstellungen zum Reiseziel, zur Unterkunft, zum Programm. Und dann die Eltern! Wollen alles besser wissen, sind misstrauisch, kritisch und kleinkariert. Zu teuer wird die ganze Sache sowieso, und die Kolleginnen und Kollegen widersprechen sich mit ihren Tipps auch gegenseitig: Rom ist immer schön – Rom ist zu heiß! Weimar ist das Zentrum der Klassik – Weimar ist das Zentrum der Langeweile! Hotels sind besser als Jugendunterkünfte – Hotels sind zu teuer! Der Bus ist das einzig Wahre – der Bus ist ein Alptraum auf Rädern! Kommt man erst mal in den Niederungen der Detailplanung an, wird es erst richtig aufreibend: Welcher Kollege, welche Kollegin fährt eigentlich mit? Wer wäre bereit und letztlich nicht Belastung, sondern eine Hilfe, auch bei der Organisation? Natürlich will man auch nicht mit jedem der Kollegen losziehen, Sympathie spielt schließlich auch eine Rolle. Eigentlich ist ja auch gar keine Zeit für eine Klassenfahrt. Die vielen Schulprojekte, Fortbildungen, Schulveranstaltungen, Sprechtage. Und alles andere im Lehrplan geht natürlich vor. Die "verlorene Zeit" muss ja irgendwie wieder reingeholt werden. Die Vertretungsproblematik und vielleicht dazu noch Missgunst im Kollegium, die ganzen Haftungsfragen, die unklaren Regelungen zu Fahrtkostenerstattungen für Lehrkräfte, Versicherung, Aufsichtspflicht und andere juristische Fragen, die Thematik Reiserecht ganz grundsätzlich – alles Hürden. Und privat muss ja auch alles geregelt werden für eine mehrtägige Abwesenheit von zu Hause. Dazu kommen noch – vielleicht schwierige –Schülerinnen und Schüler und anspruchsvolle Eltern. Das Beste wäre also: gar keine Klassenfahrt!? Das ist natürlich Unfug. Die Klassenfahrt gehört nicht nur zu den bedeutendsten persönlichen und kollektiven Erfahrungen jeder Schulklasse und häufig auch der Lehrkräfte. Die Klassenfahrt bietet eine besondere Gelegenheit zum Lernen außerhalb der Schule. Sinnvoll und zielgerichtet geplant, können die Tage am "außerschulischen Lernort" unvergleichlich produktiv sein – vor allem jenseits des Lehrplans. Eine Klassenfahrt kann die Lebenskompetenz und den Blick über den Tellerrand schärfen, Stärken und Grenzen erkennen lassen, sogar Berufswünsche reflektieren helfen. Lernenden diese Erfahrung vorzuenthalten hieße auch den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule links liegen lassen. Und deswegen finden, allen Hürden zum Trotz, unglaublich viele Klassenfahrten statt. Die etwa 8,36 Millionen Schülerinnen und Schüler an Allgemeinbildenden Schulen in Deutschland bilden, bei durchschnittlich etwa 21 Lernenden pro Klasse, fast 400.000 Schulklassen. Im Primarbereich der Schulen dürften erfahrungsgemäß nur sehr wenige mehrtägige Klassenfahrten stattfinden. Anders in den Klassenstufen der Sekundarstufen I und II, auf die etwa 60 Prozent der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler entfallen – also etwa 5,2 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Geht man davon aus, dass die Lernenden dieser Klassenstufen während ihrer Schullaufbahn sicherlich alle drei bis vier Jahre mehrtägige Klassenfahrten absolvieren, gehen jährlich etwa 25 bis 35 Prozent der 5,2 Millionen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II auf Klassenfahrt. Angesichts dieser beeindruckenden Zahlen darf man sich darüber wundern, dass ein derart komplexes und wichtiges Thema wie die Klassenfahrt weder in der Lehrerausbildung noch in der Fortbildung Erwähnung findet. Zu diesem frappierenden Mangel hinzu kommt der immer wieder zu Recht beklagte Missstand unzureichender Reisekostenerstattungen für die begleitenden Lehrkräfte. Deshalb gilt allen, die es dennoch machen, Respekt. Die vielen Schülerinnen und Schüler, die in Deutschland jedes Jahr auf Tour gehen, sind ihren Pädagoginnen und Pädagogen sowie Begleitpersonen dankbar für das Glück, an einer Klassenfahrt teilnehmen zu dürfen und dieses einmalige Erlebnis genießen zu können. Fazit Es ist gar nicht so schwer, eine gelungene Klassenfahrt zu realisieren, die Lernenden und Begleitpersonen gleichermaßen starke, sinnvolle, nachhaltige Erlebnisse verschafft, an die sich garantiert alle Beteiligten noch sehr, sehr lange erinnern werden. Auch wenn am Ende einige gute Vorsätze, diverse Habseligkeiten und viele Nerven auf der Strecke geblieben sein werden: Ein bisschen Schwund ist immer. Aber das wunderbare, lehrreiche, unersetzliche Abenteuer Klassenfahrt entschädigt für sehr, sehr vieles.

  • Fächerübergreifend

Theaterstück an Osnabrücker Schule – unzulässige politische Parteinahme?

Fall des Monats

Die Aufführung des von Lernenden selbst verfassten Theaterstücks "Danke dafür, AfD" erboste die AfD Niedersachsen: Sie sah hierin eine unzulässige Neutralitätsverletzung des Staates gegeben. Wie entschied das Gericht? Der konkrete Fall: Schülertheaterstück erbost AfD Die AfD Niedersachsen wandte sich gerichtlich gegen die Aufführung des Theaterstücks "Danke dafür, AfD" an einer Schule in Osnabrück im Mai 2019. In dem von Schülerinnen und Schülern selbstverfassten Theaterstück setzten sie sich kritisch mit Äußerungen der Partei auseinander. Die AfD rügte, in der Theateraufführung sei eine Neutralitätsverletzung des Staates durch unzulässige Parteinahme zu sehen. Es werde eine kausale Verbindung zwischen dem Holocaust und der AfD unterstellt und suggeriert, dass die AfD einen neuen Holocaust beabsichtige beziehungsweise menschenverachtende Maßnahmen billige. Es werde der Anschein erweckt, dass die Partei den Nationalsozialismus befürworte und zu Gewalt und Schusswaffengebrauch insbesondere gegenüber Ausländern an Landesgrenzen aufrufe und insgesamt keine demokratischen Ziele verfolge. Schulen seien kein Raum für die Darstellung von politischem Aktivismus, weshalb das Theaterstück nicht hätte aufgeführt werden dürfen, so Vertreterinnen und Vertreter der Partei. Die Entscheidung des Gerichts Das zuständige Verwaltungsgericht in Hannover sah dies anders, wie dessen Urteil vom 6. September 2023 verdeutlicht (AZ: 6 A 2084/20): Das Theaterstück sei letztlich keine Meinungsäußerung der Lehrkräfte, sondern das Ergebnis eigenständiger Arbeit der Schülerinnen und Schüler. Es wurde klargestellt, dass keine inhaltliche Einflussnahme durch Lehrerinnen und Lehrer stattfand und diese auch nicht dazu verpflichtet waren, das Stück zu unterbinden. Die Kunstfreiheit der Lernenden (Art. 5 Abs. 3 GG) schützt das Theaterstück, selbst wenn es von manchen Betrachterinnen und Betrachtern als politisch oder agitativ betrachtet werden mag. Die AfD konnte auch keine schwerwiegende Beeinträchtigung ihres Persönlichkeitsrechts nachweisen. Die 6. Kammer betonte in diesem Sinne, dass die Darstellung der AfD im Theaterstück nur eine von mehreren möglichen Interpretation sei und das Recht auf politische Chancengleichheit (Art. 21 GG) nicht verletzt werde. Ein weiterer Punkt der Klage, in dem die AfD ein fachaufsichtsrechtliches Einschreiten des Kultusministeriums gegen die Schule forderte, wurde als unzulässig abgewiesen. Fazit: Schule bleibt als kultureller Freiraum erhalten. Weiterführende Informationen unter: www.anwaltauskunft.de .

  • Fächerübergreifend

Pubertätswegweiser für Jugendliche: "Bin ich richtig?"

Fachartikel
5,99 €

In diesem Fachartikel wird der Pubertätswegweiser für Jugendliche "Bin ich richtig?" vorgestellt. Das Interview beantwortet Fragen zur Entstehung, zu einzelnen Kapiteln sowie zur Kern-Botschaft des Ratgebers und informiert über Anlaufstellen und Ansprechpartner bei auffälligen Störungsbildern. Die Pubertät ist eine der schwersten Lebensphasen, die man durchlaufen muss. Der Körper verändert sich und die Gefühle spielen verrückt. Fast alle Jugendlichen fragen sich beispielsweise, wer sie sind, ob sie richtig sind oder ob sie gemocht werden. Der Pubertätswegweiser für Jugendliche soll ihnen dabei helfen, diese kritische Zeit zu bewältigen. Was es mit diesem Ratgeber auf sich hat, erfahren Sie in unserem Interview mit Dr. Hans Hopf. Wie entstanden die Idee und die Fragen zum "Pubertätswegweiser"? Die Idee zu diesem Buch stammt von Corinna Leibig. Aus ihrer Arbeit mit Jugendlichen hat sie die Fragen entwickelt und das gesamte Buch gestaltet. Der Mabuse Verlag hat uns beide zusammengeführt, weil wir Autoren des Verlags sind. Corinna Leibig: In meiner Arbeit mit Jugendlichen tauchten immer wieder unterschwellig die gleichen Fragen auf und ich hatte die Idee, diese Fragen zu sammeln. Als Jugendliche hatte ich mir immer eine Art schlaues Buch, einen Lebensratgeber gewünscht. Während der Konzeptionsphase zu "Bin ich richtig?" fand ich im Buchhandel nur Ratgeber für Eltern oder Pädagoginnen und Pädagogen, aber nicht für Jugendliche selbst. Daraus entstand die Vision, etwas auf Augenhöhe zu schaffen, das Jugendliche auch visuell anspricht, ihnen Spaß macht und im besten Fall Anstoß zur Selbsthilfe gibt. Mit Herrn Hopf habe ich dafür einen kompetenten Projekt-Partner gefunden, der viel Erfahrung und Empathie mitbringt. Warum hat das Buch den Titel "Bin ich richtig?" und nicht zum Beispiel "Wer bin ich?"? Corinna Leibig: In der Konzeptionsphase von "Bin ich richtig?", habe ich das Buch "Du bist einzigartig" von Dan Svarre gelesen – es hat mich sehr inspiriert. Er unterscheidet zwischen Selbstwert und Selbstvertrauen. Ein intakter Selbstwert ist wie ein stabiles Fundament unter einem Haus. Wenn das Gefühl wertvoll und richtig zu sein in der Kindheit nicht genügend vermittelt werden konnte, kann man zu einem gewissen Teil selbst daran arbeiten. Mit "Bin ich richtig?" will ich so früh wie möglich den Anstoß dazu geben, das Selbstwertgefühl zu stärken. Dafür habe ich Affirmationen und Übungen entwickelt, die dabei helfen können. Je früher man lernt, sich selbst zu helfen, beziehungsweise aktiv Hilfe einzufordern, desto leichter hat man es später im Leben. Stellen junge Frauen in der Pubertät dieselben Fragen wie junge Männer? In dem von mir verfassten Ratgeberteil weise ich auf die unterschiedlichen Verarbeitungsformen von Mädchen und Jungen hin. Die Verarbeitung von Konflikten ist bei Mädchen deutlich nach innen gerichtet und autoaggressiv, darum können sie in der Pubertät und danach Essstörungen, selbstverletzendes Verhalten und Depressionen entwickeln. Jungen haben mehr Probleme mit der Beherrschung von aggressiven Affekten, sie neigen darum zu sozial störenden Verhaltensweisen mit Aggressionen und Hyperaktivität. Darum haben junge Frauen und junge Männer unterschiedliche Probleme und stellen auch andere Fragen. Welche Fragen sind aus Ihrer Erfahrung heraus für die meisten Jugendlichen besonders relevant? Gibt es eine "Kern-Botschaft" für Jugendliche? Drei zentrale Konflikte müssen gelöst werden: Im Tierreich ist Sexualität ein reines Triebgeschehen, der Geschlechtsakt ist ein ausschließlich physischer Vorgang. Menschliche Sexualität spielt sich jedoch überwiegend in Gedanken und Fantasien ab. Darum lassen die erotischen und sexuellen Fantasien, Absichten und Handlungen die Adoleszenz zu einem aufwühlenden Abenteuer werden. Auf diesen Ansturm der Sexualität ist ein Kind nur selten vorbereitet. Eine weitere zentrale Aufgabe der Adoleszenz ist es, dass sich sowohl Mädchen als auch Jungen von ihren Eltern lösen und einen Partner suchen und meist finden. Im Laufe der Zeit finden sie zu einer eigenen Identität. "Wer bin ich?" ist die zentrale Frage! Die ererbten Anlagen werden mit den Ansprüchen aus Familie und Gesellschaft und mit den sozialen Bezügen verbunden. Diese neue Struktur heißt auch Identität, sie zu finden ist ein lebenslanger Vorgang. Haben Sie ein Lieblingskapitel? Es existieren zwei krisenreiche Zeiten im Leben: Die Pubertät und das Alter. Zu beiden Zeiten machen sich Traumafolgen besonders bemerkbar, weil die Fähigkeit, Konflikte zu bewältigen und Ängste abzuwehren, jetzt geringer ist. Das Kapitel "Tod, wohin bringst Du mich?" ist eine Verbindung dieser beiden Lebensstufen. Die Übungen und Hilfestellungen klingen einfach und einleuchtend, aber die Umsetzung gestaltet sich vermutlich schwieriger. Was ist, wenn die Übungen nicht greifen? Übungen und Hilfestellungen sind bei normalen Entwicklungen sehr nützlich, doch sie greifen nur im Normalfall. Auch Entspannungsübungen und Autogenes Training können bei schweren Störungen nur begrenzt weiterhelfen. Bei einer krankheitswertigen Symptomatik sollte eine Psychotherapie angestrebt werden. In Deutschland bezahlen die Krankenkassen die analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sowie die Verhaltenstherapie. Bei Fragen zum Thema kann man sich an folgende Anlaufstellen wenden, die im Buch aufgegriffen werden: Schulpsychologische oder Psychologische Beratungsstellen niedergelassene Kinder- und Jugendlichen-Psychiater oder -Psychotherapeuten (Informationen dazu über Krankenkassen, im Internet oder bei Berufsverbänden) "Nummer gegen Kummer" (kostenfreie Telefonberatung für Kinder, Jugendliche und Eltern in Deutschland) "GeFühle fetzen" (Webseite für Jugendliche in Krisen) Was raten Sie Lehrkräften und Eltern im Umgang mit Pubertierenden? Welches Verhalten ist sinnvoll, welches ist eher hinderlich? Gibt es auch einen Wegweiser für Erwachsene zur Begleitung von Pubertierenden? Ich war Vater von drei Kindern in der Pubertät, Lehrer und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut. Was Jugendliche nicht mögen, sind "Besserwisserei und Klugscheißerei" – wie einer meiner Söhne einst feststellte. Notwendig ist fortwährendes Verständnis dafür, in welch krisenreicher Zeit sich junge Menschen befinden. Jugendliche, sowohl weibliche wie männliche, können sehr arrogant sein und Erwachsene zielsicher an jener Stelle treffen, an der sie besonders verletzlich ist. Dies kann in ihnen blitzartig heftige Gefühle und Rachebedürfnisse mobilisieren. Hier liegt die größte Gefahr, dass vorschnell gehandelt wird, in Worten oder Aktionen. In der Regel erzeugen wir damit Situationen, die wir wenig später bedauern. Bei heftigen Affekten sollten wir also immer erst durchatmen und nachdenken! Welche Signale können darauf hinweisen, dass es sich nicht mehr um übliche Pubertätsfragen, sondern um Störungsbilder handelt? Was raten sie Lehrkräften oder Eltern in solchen Fällen? Wie im Buch erwähnt, können während der Pubertät so gut wie alle psychischen, somatoformen und psychosomatischen Symptome kurzzeitig aufflammen. Sie bilden sich in den meisten Fällen genauso zurück, wie sie entstanden sind. Sollte ein Symptom längere Zeit anhalten, so ist es ratsam, praktizierende Fachleute oder Beratungsstellen aufzusuchen. Entscheidend ist auch die Qualität des Störungsbildes. Besonders hellhörig sollte man bei Essstörungen, Zwangsstörungen und depressiven Entwicklungen sein. Gab es so kurz nach der Veröffentlichung schon Resonanz auf den Wegweiser? Wenn ja, nehmen Pubertierende den Wegweiser an beziehungsweise ernst? Einige Kolleginnen und Kollegen von mir haben das Buch im Wartezimmer liegen. Sie haben beobachtet, dass es von vielen Eltern fotografiert wurde. Einige Eltern haben mir auch berichtet, dass sie das Buch ihren jugendlichen Kindern geschenkt haben. Bislang weiß ich jedoch nicht, wie Jugendliche mit dem Buch umgehen. Ich habe ja meine E-Mail-Adresse im Buch vermerkt, falls jemand weitere Fragen hat. Bislang hat mir noch niemand geschrieben.

  • Biologie / Ernährung und Gesundheit / Natur und Umwelt / Pädagogik
ANZEIGE