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Klassenraumgestaltung: Ideen, Impulse und Hintergrundwissen

Fachartikel
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In diesem Artikel zum Thema Klassenraumgestaltung finden Sie vielfältige Anregungen dazu, wie Sie Unterrichtsräume lernfördernd einrichten können. Dabei stehen die Bedürfnisse der Lernenden und Lehrenden im Vordergrund. "Auch Räume sind Wesen, können heilen, erheben, befrieden, stimulieren – oder krank machen und verderben." (Mahlke 1998: 13) Vielen Klassen- und Unterrichtsräumen mangelt es an pädagogisch sinnvollen Konzepten zur Gestaltung. Dabei trägt die Konstellation des Raumes maßgeblich dazu bei, ob sich Menschen in ihrer Umgebung wohlfühlen und konzentrieren können, ob sie sich sicher fühlen, ob sie ruhig oder unruhig sind und ob sie angeregt oder gelangweilt werden. Dieser Einfluss kann vom architektonischen Entwurf bis zur Auswahl der Möbel reichen. Nicht auf alles hat die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer Einfluss. In diesem Artikel sollen Ideen berücksichtigt werden, die in einem gegebenen Gebäude oder Raum auf Ebene der Klasse, gegebenenfalls unter Einbeziehung von Fachlehrkräften und Eltern, realisiert werden können. Gemeinsam gestalten Die gemeinsame Gestaltung des Raumes mit den Schülerinnen und Schülern zusammen hat positive Aspekte auf das soziale Miteinander und auf Raumaneignungsprozesse, die für das persönliche Wohlfühlen von zentraler Bedeutung sind. Eine Variable ist dabei das aktive Steuerungsverhalten der Lehrkraft. Je zuverlässiger die Klasse zusammenarbeitet, je demokratischer ihre Entscheidungsprozesse sind und je eigenverantwortlicher sich alle einbringen, desto mehr kann sich die Lehrkraft im Hintergrund halten. Aber auch in Klassen, in denen es Schwierigkeiten gibt, kann die gemeinsame Gestaltung des Klassenraumes genutzt werden, um an eben diesen Problemen zu arbeiten. In jedem Fall sollten sowohl die beteiligten Lehrkräfte als auch die Lernenden bereit sein, Zeit und Energie in das Projekt zu stecken. Es sollte als Teil des Unterrichts fest eingeplant werden und nicht nebenbei geschehen. Nutzbare Unterrichtsstunden sind beispielsweise Klassenlehrer-, Projekt- oder Werkunterricht. Wünsche erarbeiten In einem ersten Schritt erhebt die Klasse gemeinsam die Mängel, die sie an dem Klassenraum in seinem aktuellen Zustand wahrnimmt. Dazu können Arbeitsblätter verwendet werden, in die die Schülerinnen und Schüler entweder in Einzel- oder in Gruppenarbeit Wünsche schreiben. Die Wünsche werden in der Klasse ausgewertet und demokratisch zur Abstimmung gestellt. Dabei macht die Lehrkraft transparent, dass sie bei bestimmten Vorschlägen ein Vetorecht hat. Das betrifft vor allem finanzielle Fragen, Fragen der Sicherheit im Klassenraum und Fragen zum pädagogischen Wert des Klassenraums (Menikheim 2000: 93). Es besteht allerdings durchaus auch die Möglichkeit, die Lernenden Entscheidungen gegen den Rat der Lehrkraft treffen zu lassen. Wenn sich die Klasse beispielsweise mehrheitlich für eine Gestaltung in zahlreichen intensiven Farben, in sehr dunklen Farben oder ähnlichem entscheidet, kann dem nachgegeben werden, sofern die Möglichkeit besteht, es im Nachhinein zu korrigieren. Es sollte in diesem Fall das Budget für einen zweiten Anstrich zur Verfügung stehen. Der pädagogische Wert in Bezug auf Erfahrung, Problemlösungsstrategien, Kritikfähigkeit und eine erneute Entscheidungsfindung ist in diesem Fall sehr hoch. Raumaufteilung Grundsätzlich sollte die Raumaufteilung zu den im Unterricht verwendeten Methoden passen. Denkbar sind Zonen für Frontalunterricht, für Bewegung, für Gruppenarbeit, zum Stehen und als Ruhe-, Einzelarbeits- oder Rückzugsbereich. Denkbar ist auch die Einteilung in einen Instruktions-, einen Interaktions- und einen Elektronikbereich (Leitner 2014). Durch eine Sitzordnung im Halbkreis oder U kann sowohl lehrkraftorientiert als auch kommunikativ gearbeitet werden. Der Raum innerhalb des Halbkreises kann für Arbeitsphasen mit Bewegung genutzt werden. Aus heilpädagogisch inspirierten Richtungen, wie beispielsweise im Würzburger Modell, wird die Bedeutung von Rückzugsräumen betont, die den Lernenden ermöglicht, freiwillig zwischen Gemeinschaft und Individualität zu wählen (Menikheim 2000: 9). Aus der Praxis sind außerdem Leseecken oder Arbeitsecken bekannt, die für den binnendifferenzierten Unterricht genutzt werden können. Zur Abgrenzung können Raumteiler verwendet werden, die sich je nach Methode oder Unterrichtssituation verändern lassen. Viele Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler empfinden Raumteiler jedoch als unpraktisch, unästhetisch und die Raumwirkung störend. Alternativ bietet sich eine Raumaufteilung über Farbgestaltung an, über die Beleuchtungsgestaltung (Menikheim 2000: 78) oder über kleinere Elemente wie Säulen, Pfosten (Menikheim 2000: 80) oder auch Pflanzen. Sie sind nicht ganz so flexibel, bedingt aber auch veränderbar. Außerdem sind sie von der Klasse gestaltbar, sodass sie in den Raumaneignungsprozess einbezogen werden können. Farben Raumfarben spielen bei der Gestaltung einer Klasse eine wichtige Rolle. Daher sollte die Auswahl einer neuen Wandfarbe und das gemeinsame Streichen der Klasse in Erwägung gezogen werden. Grundsätzlich sollten die Farben nicht zu dunkel und zu gesättigt sein. Nach Menikheim sollten nicht zu viele unterschiedliche Farben verwendet werden. Je höher die Anzahl der Farben, desto wichtiger ist es, diese geschickt aufeinander abzustimmen (Menikheim 2000: 60). Mahlke rät zu einer Gestaltung vorwiegend in zwei Komplementärfarben, wobei er Grün-Rot oder Ocker-Blau empfiehlt (Mahlke und Schwarte 1991: 91f.). Materialien Die Frage nach Materialien stellt sich vor allem bei der Gestaltung von Einrichtungsgegenständen wie Pinnwänden, raumstrukturierenden Elementen, Vorhängen (Vor allem bei textilen Wandbehängen und Vorhängen sind dabei die Brandschutzverordnungen zu berücksichtigen.), Fußbodenbelägen, Aufbewahrungsmöbeln, Tischen und Stühlen. Natürlichen, die Sinne ansprechenden Materialien sollte dabei der Vorzug gegeben werden. Ein weiteres Kriterium für die Auswahl ist die selbstständige Reparierbarkeit. Während die meisten Plastik- oder Spanplatte-Plastik-Produkte die Sinne wenig ansprechen und schon bei leichten Beschädigungen abgenutzt und schäbig aussehen, können natürliche Materialien mehr Kratzer und Dellen vertragen, ohne ihre Ästhetik zu verlieren. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler sie mit etwas Know-How selbstständig pflegen. Im Würzburger Modell wird in diesem Zusammenhang mit Öl oder Wachs behandeltes Massivholz als Material für Möbel empfohlen (Menikheim 2000: 64). Wird die Klassenraumstaltung mit dem Werkunterricht kombiniert, können die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel auch Regale, Borde und Tischplatten selbst anfertigen. Das so erworbene Fachwissen stellt ebenso wie die Erfahrung der konkreten Nutzbarkeit im Schulalltag einen wichtigen Beitrag zu Selbstermächtigung und Raumaneignung dar. Außerdem schützt das selbstständige Anfertigen von Einrichtungsgegenständen nachhaltig gegen Vandalismus. Schalldämmung In vielen Schulgebäuden ist bei der Planung und Erbauung viel zu wenig an die Schalldämmung gedacht worden. Als Folge davon ist Schulunterricht häufig mit einer erheblichen Lärmbelastung für Lernende und Lehrende verbunden. Jugendliche vergessen diesen Aspekt häufig beim Sammeln der gestalterischen Ideen, sind dann aber unter Umständen auch sehr froh, wenn der Raum leiser wird. Eine professionelle Schalldämmung ist sehr wünschenswert. Wo dies nicht möglich ist, kann möglicherweise mit einer Schaumstoffdämmung an der Decke, mit Pflanzen und textilen Wandbehängen gearbeitet werden. Falls möglich, können auch Teppiche beim Dämmen helfen. Dabei sind bewegliche Einzelteppiche in jedem Fall fest verlegter Meterware vorzuziehen. Sie können wesentlich leichter gereinigt werden und lassen sich außerdem zur Raumstrukturierung einsetzen. Einzelplätze Neben der Wandfarbe ist die Gestaltung der Tische ein sehr bestimmendes ästhetisches Element im Raum. Einerseits bieten kleine, bewegliche Tische, die sich für die Gruppenarbeit zu Polygonen zusammenstellen lassen, viele praktische Vorteile. Sie haben aber häufig den Nachteil, dass das Material nicht sehr ansprechend ist. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler sie nicht selbst gestalten. Aus einer ganzheitlichen, heilpädagogisch inspirierten Sicht kann das Bauen eines eigenen Arbeitstisches oder zumindest einer Tischplatte (Menikheim 2000: 99) eine sehr positive Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler haben. Menikheim schlägt vor, den Werkunterricht der siebten Klasse dafür zu nutzen, die Tische zum Beispiel aus Dachlatten zu bauen. Jede Schülerin und jeder Schüler verwendet diesen Tisch dann die gesamte Schullaufbahn hindurch und nimmt ihn in jede folgende Klasse mit. Fazit Die Gestaltung eines Klassenraumes nimmt mitunter viel Zeit in Anspruch. Entscheiden Sie ganz individuell in Abstimmung mit den zeitlichen und finanziellen Mitteln, in welcher Form Sie den Raum mit Ihrer Lerngruppe gestalten wollen. Nutzen Sie dabei diese unterstützenden Anregungen und passen Sie sie an Ihre Bedürfnisse an. Selbstverständlich ergeben sich im Verlauf eines Schuljahres neben einem derart umfangreichen Projekt auch immer wieder einmal Phasen, in denen Ihre Schülerinnen und Schüler ihren täglichen Lernraum ein Stück weit verändern können. Weniger aufwändig ist beispielsweise das Ausstellen von gemalten Bildern, ein Geburtstagskalender mit Fotos der Lernenden oder die Erarbeitung von Klassenregeln , die schließlich auf einem großen Poster für alle sichtbar präsentiert werden. Auf diese Weise können Sie das Lernklima verbessern, und der Klassenraum wirkt gleich viel persönlicher. Viel Freude beim Gestalten, Lehren und Lernen in Ihrem Klassenraum!

  • Fächerübergreifend

Rituale im Unterricht: feste Strukturen für die Sekundarstufe

Fachartikel
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Dieser Fachartikel stellt Rituale für den Unterricht vor, die je nach Bedürfnis der Klasse oder der Lehrkraft zur Begrüßung, als Auszeit zwischendurch oder auch zum Abschied eingeführt werden können, um den Lernenden der Sekundarstufen Sicherheit zu vermitteln und Stress zu vermeiden. Rituale werden häufig als typisches Merkmal der Elementarstufenpädagogik wahrgenommen. Mit ihnen kann die Lehrkraft bestimmte soziale Verhaltensweisen fördern, das Miteinander stärken und den Schülerinnen und Schülern im Alltag durch Routine Sicherheit vermitteln. In der Sekundarstufe können Rituale aber ebenso erfolgreich eingesetzt werden - sofern sie zur Altersgruppe passen. Wozu Rituale? Verschiedene Situationen oder Schwierigkeiten legen das Einüben eines entsprechenden Rituals nahe, zum Beispiel: zähe Reaktionen der Schülerinnen und Schüler, mangelnde Motivation und verzögerte Arbeitsabläufe fremdelndes Verhalten der Schülerinnen und Schüler untereinander, mangelndes Vertrauen Unruhe, Lärm und Ablenkungen emotionale Schwierigkeiten einzelner Schülerinnen oder Schüler, zum Beispiel Wutausbrüche oder Ängste heterogene Gruppen, beispielsweise in Integrationsklassen Diese Grundkonstellationen lassen sich in verschiedenen der hier vorgestellten Rituale bearbeiten. So kann eine anonyme Klassenatmosphäre sowohl durch Begrüßungsrituale als auch durch Spiele zwischendurch oder gemeinsames Aufräumen aufgelöst werden. Einige Beispiele dafür werden nun im Folgenden vorgestellt und erläutert: Hemmungen abbauen: begrüßen und verabschieden In einer Klasse mit Konflikten oder mangelndem Miteinander kann das Ritual zum Stundenbeginn oder zum Ende darin bestehen, dass sich die Schülerinnen und Schüler die Hand geben und mit einer bestimmten Formel begrüßen oder verabschieden. Das kann ein schlichtes "Guten Morgen!" sein oder eine Bekräftigung wie "Auf gute Zusammenarbeit!". Zum Abschied kann die Lehrkraft den Tag des nächsten Fachunterrichts ansagen, zum Beispiel "Dann sehen wir uns am Montag wieder!" und die Schülerinnen und Schüler verabschieden sich mit "Bis Montag!". Die Formel kann in der Klasse ausgehandelt werden, sollte dann aber beibehalten werden. In kleineren Klassen können sich alle Jugendlichen die Hand geben, in größeren Klassen die Sitznachbarinnen und -nachbarn vor, hinter und neben den Lernenden. Struktur geben: einsteigen und aufräumen In einer fahrigen, zu mangelnden Strukturen neigenden Gruppe, vor allem mit jüngeren Schülerinnen und Schülern und auch in Integrationsklassen, kann es eine fokussierende Wirkung haben, wenn nach der Begrüßung eine Schülerin oder ein Schüler an die Tafel geht, um Tag, Datum und Schulfach anzuschreiben. Dazu sagt sie oder er zum Beispiel: "Heute ist Dienstag, der dritte Mai, und wir haben jetzt Biologie". Wer an die Tafel kommt, entscheidet entweder die Lehrkraft spontan oder die Klasse folgt einem vorher vereinbarten Ablauf, wie zum Beispiel der Sitzreihenfolge. Zwischendurch können kleine Aufräumsequenzen die Stunde strukturieren und gleichzeitig eine kurze geistige Auszeit ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler heften ihre Arbeitsblätter weg, packen ihre Stifte ins Mäppchen und schauen, ob an ihrem Platz Müll liegt. Konzentration fördern: spielen, singen und lesen Spiele können zu Stundenbeginn oder zwischendurch als Pausenritual die Konzentration fördern und die Stimmung verbessern. "Galgenraten" oder eine kurze Runde "Stadt-Land-Fluss" lenken die Aufmerksamkeit nach vorn an die Tafel. "Schnick-Schnack-Schnuck/Schere-Stein-Papier" lenkt die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler aufeinander, und die Lehrkraft kann später wieder darauf Bezug nehmen. So können die Lernenden zum Beispiel in Gruppen eingeteilt werden: Die, die das Spiel gewonnen haben, und die, die verloren haben, arbeiten dann im weiteren Verlauf zusammen. Eine ähnliche Funktion wie ein kurzes Spiel als Auszeit zwischendurch kann auch ein Lied haben. Diese Option sollte allerdings nur gewählt werden, wenn alle Schülerinnen und Schüler mitsingen, beziehungsweise wenn die Lehrkraft sie dazu motivieren kann. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Stunde mit einem Auszug aus einem Jugendbuch zu beginnen (siehe Kaufhold und Kerkhoff 2012: 12) oder abzuschließen. Die Lehrkraft oder ein Lernender liest zum Beispiel die erste Seite eines Jugendromans aus der Schulbibliothek vor. Der Abschluss eines Leserituals sollte nach einer Regel immer gleich verlaufen, um einen fließenden Übergang gestalten zu können. So kann zum Beispiel eine halbe Minute Stille angeschlossen werden, bevor der eigentliche Fachunterricht beginnt oder die Klasse in die Pause geht. Aufmerksam werden: still sein Stille Auszeiten geben den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre Gedanken kurz zu sammeln und bei sich zu sein. Je nach Klassenkonstellation können sie stärker reglementiert oder freier gestaltet werden. In einer unruhigen Klasse kann eine Schweigeminute eingeführt werden. Die Lehrkraft oder ein nach einem bestimmten Turnus ausgewählter Lernender stoppt die Zeit von einer Minute. Währenddessen wird nicht gesprochen (in disziplinierteren Klassen bewegen sich die Jugendlichen auch nicht). Wenn jemand dagegen verstößt, wird die Minute neu gestartet. In Klassen, in denen die stille Minute leichter durchzuführen ist, kann daraus eine Lausch-Minute werden (siehe Inklusion Schule Bayern: 3): Die Jugendlichen sprechen nicht und nehmen eine Minute lang alle Geräusche bewusst wahr, die sie um sich hören. Nach der Minute erzählen zwei oder drei Personen, was sie gehört haben. Die Wirkung dieses Rituals ist meditativer als die durch Disziplin gesteuerte Schweigeminute. Stress abbauen: bewegen Bewegung kann besonders nach konzentrierten Arbeitsphasen, in zappeligen Klassen und in Inklusionsklassen sehr hilfreich sein. Eine Möglichkeit, die ganz non-verbal funktioniert, ist eine Art Kofferpacken mit Bewegungen (siehe Inklusion Schule Bayern: 3): Alle sitzen im Kreis. Die erste Person macht eine Bewegung. Die zweite Person wiederholt sie und ergänzt eine weitere Bewegung. Die dritte Person wiederholt die beiden vorherigen und ergänzt wieder eine Bewegung und so weiter. Eine andere Möglichkeit ist ein verbales Spiel mit einem Ball. Wer den Ball hat, gibt einen Impuls. Dann wirft er oder sie den Ball. Die Person, die fängt, reagiert auf den Impuls, gibt dann einen neuen und wirft den Ball einer dritten Person zu. Dabei kann die Aufgabenstellung variieren, zum Beispiel: Gegensätze finden (groß-klein), ein Wort mit dem Endbuchstaben des letzten Wortes nennen (Blume-Elefant-Tag-Gras), Frage-Antwort-Spiele (Was hast du heute gegessen? - Frühstück.) oder Sätze ergänzen (Heute - habe ich - meinen besten Freund - im Fahrstuhl - getroffen.) Ruhe einkehren lassen Ruhe und Konzentration lassen sich mit ganz kurzen Ritualen fördern, die keinen zusätzlichen Einschnitt im Unterrichtsgeschehen mit sich bringen. Eine Lautstärke- oder Lärm-Ampel misst die Lautstärke im Raum und zeigt dementsprechend grünes, gelbes oder rotes Licht. Bei zu großer Unruhe deutet die Lehrkraft schweigend auf die Ampel. Die Schülerinnen und Schüler schauen nach und nach auf die Ampel, werden ruhiger und sehen, wie sich die Lautstärke nach unten korrigiert. Das schult die Selbstwahrnehmung und damit die Eigenverantwortung. Eine Möglichkeit ohne Hilfsmittel besteht darin, dass die Lehrkraft eine fest definierte Geste vorgibt, beispielsweise eine erhobene Hand oder einen Zeigefinger vor dem Mund. Die Schülerinnen und Schüler, die das mitbekommen, imitieren die Geste und sprechen dabei nicht mehr. So kehrt langsam Ruhe ein. Individuelle Rituale vereinbaren Wenn es in einer Klasse Schülerinnen oder Schüler mit besonderen Schwierigkeiten gibt, kann die Lehrkraft individuelle Rituale mit ihnen vereinbaren. Je nach Klassenkonstellation und Art der Problematik kann das vor der Klasse transparent gemacht werden oder unter vier Augen bleiben. Bei Ängsten, Wutausbrüchen oder nicht kontrollierbarem Bewegungsdrang wie Hyperaktivität kann beispielsweise vereinbart werden, dass die oder der Jugendliche die Klasse verlässt, eine Runde durch das Gebäude geht, vor der Tür zehnmal durchatmet oder etwas anderes tut, was ihr oder ihm in der Situation hilft. Wenn sich die Person besser fühlt, geht sie selbstständig zurück in die Klasse. Oft ist es eine gute Idee, auch die Rückkehr zu ritualisieren, wenn der Lernende sich nicht explizit dagegen ausspricht. So kann die Lehrkraft zum Beispiel fragen: "Geht es dir besser?" und die oder der Jugendliche antwortet kurz. So wird vermieden, dass die Rückkehr zu einem "Zurückschleichen" wird und möglicherweise angstbesetzt ist. Vor der Klasse kann so ein Ritual als selbstverständliche Problemlösungsstrategie dargestellt werden, die Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen, die Schwierigkeiten haben. So werden Schwierigkeiten enttabuisiert und die Extrarolle als vernünftige Maßnahme für ein funktionierendes Miteinander vermittelt. Fazit Ebenso wie alle Methoden und Lerninhalte müssen selbstverständlich auch die Rituale zur Lerngruppe passen. Sie als Lehrkraft entscheiden, welche dieser Ideen zielführend sind zur Verbesserung des Lernklimas beitragen können. Schöpfen Sie aus diesem Pool an Möglichkeiten zur Strukturierung Ihres Unterricht und ändern Sie gegebenenfalls diese Vorschläge nach Bedarf Ihrer Lerngruppe ab. Viel Spaß beim Ausprobieren!

  • Pädagogik

Den Schulanfang in Klasse 1 gestalten

Fachartikel

Die vorliegende Ideen- und Materialsammlung soll dabei helfen, der Lehrperson sowie den Schülerinnen und Schülern einen gelungenen Schulstart zu ermöglichen. Schulische Abläufe sollen transparent vermittelt und Orientierung im Raum "Schule" gegeben werden, sodass der neue Lebensraum zu einem bekannten und vertrauten Ort wird. Dabei teilt sich der Fachartikel in die vier Themenblöcke "Vor der Einschulung", "Tag der Einschulung", "Die ersten Schultage" sowie "Kennenlernspiele". Für Erstklässlerinnen und Erstklässler in ganz Deutschland steht ein großer Tag bevor: Sie werden eingeschult! Diese Tipps für den Schulstart in der Grundschule hilft Lehrpersonen, Schulanfängerinnen und Schulanfängern einen wunderbaren Anfang ihrer Schullaufbahn zu gestalten. Das hier vorgestellte Material ist als Sammlung einzelner Module zu verstehen, die in die einzelnen Schulstunden eingebaut werden können. Schwerpunktmäßig nimmt das Material Bezug zu basalen Kompetenzen, ohne die eine erfolgreiche Mitarbeit in der Grundschule nicht denkbar ist. Dem "sozialen Miteinander" wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt, damit Konflikte erst gar nicht – oder so wenig wie möglich – erfahrbar sind, sondern von vornherein respektvolles und entgegenkommendes Verhalten erwartet und gelehrt und gelernt werden kann. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Kennenlernen Ihrer neuen Klasse!

  • Pädagogik

Berufseinstieg: für die Zukunft ist es nie zu früh

Fachartikel / Video-Tutorial

REWE bietet mit vielfältigen Einstiegsmöglichkeiten echte Perspektiven für Schülerinnen und Schüler. Mit einer frühen Bewerbung steigen die Chancen für den Wunsch-Ausbildungsplatz. REWE zeigt, wie der Einstieg ins Berufsleben gelingt.

  • Berufsvorbereitung /Berufsalltag / Arbeitsrecht

Recht am eigenen Bild - Darf ein Kind über eine Veröffentlichung entscheiden?

Fachartikel
5,99 €

Dieser Fachartikel zum Urheberrecht an Schulen befasst sich mit dem Recht von Kindern und Jugendlichen am eigenen Bild. Der Artikel beantwortet unter anderem die Frage, ob ein Kind über die Veröffentlichung entscheiden darf. Das Urheberrecht in Deutschland regelt unter anderem die Rechte eines Menschen am eigenen Bild. Diese gelten nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch für Kinder. Wird ein Kind während einer Schulveranstaltung oder auf einer Klassenfahrt fotografiert, müssen die Lehrkräfte Sorge tragen, dass diese Bilder nicht ohne Erlaubnis des Kindes oder eines Erziehungsberechtigten veröffentlicht, verbreitet oder vervielfältigt werden. Andernfalls müssen die Lehrkräfte mit juristischen Konsequenzen rechnen. Der Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. klärt auf seinem kostenlosen Ratgeberportal auf. Was versteht man unter dem "Urheberrechtsgesetz"? Unser tägliches Leben wird durch eine Vielzahl von Gesetzen und Vorschriften bestimmt und geregelt. Eines davon ist das sogenannte Urheberrechtsgesetz, kurz UrhG, bei dem es sich um eine Zusammenstellung von Rechtsvorschriften rund um das Urheberrecht handelt und welches auch in der Schule und während schulischer Veranstaltungen Anwendung findet. Definiert wird im Urheberrechtsgesetz zum Beispiel, welche Werke als schützenswert gelten, welche Rechte ein Urheber hat, wie lang das Urheberrecht gilt und welche Ansprüche bei einer widerrechtlichen Urheberrechtsverletzung bestehen. Was versteht man unter dem "Recht am eigenen Bild"? Das Recht am eigenen Bild wird in Deutschland durch die Urheberrechtsgesetze geregelt. Grundsätzlich definiert es das Recht eines jeden Menschen, selbst darüber zu entscheiden, ob ein Foto, auf dem man zu sehen ist, veröffentlicht oder vervielfältigt werden darf. Daher dürfen Fotos, die fremde oder dritte Personen abbilden, nur mit deren Einverständnis im Internet hochgeladen oder anderweitig verbreitet werden. Welche Rechte gelten für Kinder? Wie schon erwähnt, gilt das Recht am eigenen Bild für jede Person, egal ob es sich dabei um Erwachsene oder Minderjährige handelt. Daher dürfen grundsätzlich auch Kinder selbst entscheiden, ob ein Bild von ihnen verbreitet werden darf oder nicht. Diese Vorschrift wird durch das sogenannte "Kunsturheberrechtsgesetz" (KunstUrhG) definiert und stellt einen wichtigen Bestandteil der Persönlichkeitsrechte eines jeden Menschen dar. Die Persönlichkeitsrechte sollen wiederum dazu beitragen, dass jeder Mensch seine Persönlichkeit frei entfalten kann und vor Eingriffen in die Lebens- oder Freiheitsbereiche geschützt wird. Daher gilt das Kunsturheberrechtsgesetz sowohl für Kinder als auch für Erwachsene - und das nicht nur zu Lebzeiten, sondern auch bis zu zehn Jahre nach dem Tod der jeweiligen abgebildeten Person. Wer entscheidet über das Recht am eigenen Bild bei Kindern? Obwohl Kinder und Jugendliche grundsätzlich das Recht haben, selbst über die Veröffentlichung ihrer Bilder zu entscheiden, gestaltet sich dies in der Realität häufig etwas schwieriger. Das gilt besonders für Kleinkinder: Diese verstehen in der Regel nicht, worum es sich beim Recht am eigenen Bild handelt und welchen Zweck das Gesetz verfolgt. Doch auch Grundschulkindern und teilweise auch Jugendlichen fehlt häufig die Weitsicht und Erfahrung, um einschätzen zu können, welche Auswirkung die Veröffentlichung eines Bildes für sie haben kann. Daher sieht das Gesetz bestimmte Altersgrenzen vor, bis zu dem die Eltern über das Recht am Bild eines Kindes entscheiden. Bis zum siebten Lebensjahr können ausschließlich die Eltern darüber entscheiden, welches Foto ihres Kindes veröffentlicht wird. Lehrkräfte, die Fotos von Kindern zu schulischen Zwecken schießen und veröffentlichen möchten, zum Beispiel bei einer Ausstellung in der Schule oder auf der Webseite der Schule, sind demnach dazu verpflichtet, die Eltern um Erlaubnis zu bitten. Dies schließt vor allem die Verbreitung über die sozialen Netzwerke oder WhatsApp ein. Ab dem achten und bis zum siebzehnten Lebensjahr teilen sich die Eltern die Entscheidungsgewalt mit den Sprösslingen. Nur, wenn beide Parteien mit der Veröffentlichung einverstanden sind, darf diese auch stattfinden. Das bedeutet, dass ein Kind nicht völlig selbstständig entscheiden darf, welche Fotos es auf den sozialen Plattformen hochlädt. Ebenso wenig darf ein Elternteil jedoch ein Bild des Kindes ohne dessen Einverständnis veröffentlichen. Über den Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V., einem Zusammenschluss von Rechtsjournalistinnen und Rechtsjournalisten sowie Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten aus ganz Deutschland, die Rechtsbeiträge zu verschiedensten Themen auf den Portalen arbeitsvertrag.org, scheidung.org, abmahnung.org und rechtsanwaltfachangestellte.org veröffentlichen. Der Verband wurde im August 2015 von dem Rechtsanwalt Mathis Ruff in Berlin ins Leben gerufen. Übergeordnetes Ziel ist es, umfassende Informationsportale zu schaffen, auf denen sich interessierte Bürgerinnen und Bürger über sämtliche relevanten Rechtsbereiche in Deutschland informieren können. Zudem wird ein deutschlandweites Anwaltsverzeichnis aufgebaut und gepflegt. Der Verband sieht sich an dieser Stelle ausschließlich als Informationsplattform und bietet daher keine Rechtsberatung an.

  • Fächerübergreifend

Ist das Streikverbot für Beamte verfassungsgemäß?

Fall des Monats

Das Streikverbot ist ein Grundsatz des Beamtentums in Deutschland – und bleibt als solcher bestehen. Es steht nicht dem Grundsatz der Völkerrechtsfreundlichkeit des Grundgesetzes entgegen. Das entschied das Bundesverfassungsgericht. Denn die Zuerkennung eines Streikrechts würde das System des deutschen Beamtenrechts infrage stellen. Aber warum ist das so?

  • Fächerübergreifend

Albert Camus' "L'hôte" genau lesen

Fachartikel

Dieser Fachartikel zu zu Camus Erzählung "L'hôte" (1952-1957) beruht auf dem literaturdidaktischen Modell des "genauen Lesens" (Chirollo/Schröder, 2017). Er erläutert die fachdidaktischen Überlegungen, die der Unterrichtseinheit zugrunde liegen.

  • Französisch

Angebote zu entwicklungspolitischen Themen

Fachartikel

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung hat sich globale Ziele für eine bessere Welt gesetzt. Die Kinderhefte des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bereiten die entwicklungspolitischen Themen Hunger und Armut, fairer Handel sowie Meeresschutz kindgerecht auf.

  • Ich und meine Welt / Geographie / Jahreszeiten / Biologie / Ernährung und Gesundheit / Natur und Umwelt

Können Bugwellenstunden am Ende der Laufbahn finanziell abgegolten werden?

Fall des Monats

Endlich die Seele baumeln lassen können: Der lang ersehnte Ruhestand steht bevor. Doch was passiert mit den Überstunden, die über die reguläre Arbeitszeit hinaus geleistet wurden und nicht abgebaut werden konnten? Werden noch offene am Ende der Laufbahn ausbezahlt?

  • Fächerübergreifend

MINT-Berufe im Fokus: Technik und Ingenieurwesen

Fachartikel

Berufsorientierung für junge Frauen: Die Technik-Broschüre von "Komm, mach MINT" gibt spannende Einblicke in den Berufsalltag von Ingenieurinnen und liefert Informationen zu Fachgebieten sowie Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten.

  • Mathematik / Rechnen & Logik / Informatik / Wirtschaftsinformatik / Computer, Internet & Co. / Biologie / Ernährung und Gesundheit / Natur und Umwelt / Chemie / Natur & Umwelt / Physik / Astronomie / Technik / Sache & Technik

Was die DSGVO für Ihre Schule bedeutet

Fall des Monats

Seit Ende Mai 2018 gilt in Deutschland die Europäische Datenschutz-Grundverordnung – kurz EU-DSGVO. Doch was bedeutet die neue Verordnung für Schulen und insbesondere für Lehrerinnen und Lehrer?

  • Fächerübergreifend

Migrationshintergrund: Lernbiografien mit Fluchterfahrungen

Fachartikel
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In diesem Fachartikel zum Thema Flucht und Lernbiografien werden einige wichtige Faktoren vorgestellt, die in den Lernbiografien von geflüchteten Jugendlichen für den weiteren Schulbesuch unter anderem im DaF-/DaZ-Unterricht eine Rolle spielen können. Betrachtet man Lernbiografien von geflüchteten Jugendlichen in Deutschland, ist zunächst zu beachten, dass jede Lernbiografie individuell ist. Dieser Artikel soll daher keineswegs dazu einladen, pauschalisierende Vorannahmen über Geflüchtete unterschiedlichster geografischer und sozialer Herkunft zu fördern. Ziel ist es vielmehr, die Lehrkraft im Vorfeld für die Möglichkeiten zu sensibilisieren und Problemlösungsstrategien zu erörtern, um ihr beispielsweise im Unterricht von Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache zu helfen. Schulunterricht im Herkunftsland Viele Jugendliche mit Fluchthintergrund kennen aus ihrem Herkunftsland frontalen Schulunterricht, in dem vor allem reproduktive Fertigkeiten geschult werden. Das Mitlesen im Chor, die Alphabetisierung über das Auswendiglernen des Alphabets und das Fehlen von Partner- und Gruppenarbeit charakterisieren die Unterrichtserfahrung vieler Schülerinnen und Schüler. Mit kooperativen und eigenverantwortlichen Lernformen umzugehen, muss daher teilweise erst geübt werden. Erfahrungen mit neuen Lernformen Die Praxis zeigt jedoch, dass sich Jugendliche schnell auf neue Unterrichtsformen einlassen können, wenn sie den Lernerfolg erkennen. Zu Anfang eines Schuljahres bieten sich daher spielerische, stark aktivierende Unterrichtseinheiten an, bei denen die Schülerinnen und Schüler den effektiven Lerngewinn nach jeder Einheit klar vor Augen haben. Auch offene Diskussionen in der Klasse, bei denen Schülerinnen und Schüler von ihren Lernerfahrungen erzählen, regen zur Reflexion an. Die Lehrkraft kann in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass die Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich lernen. Sie werden nicht von der Lehrkraft mit Wissen gefüllt, sondern eignen sich Fertigkeiten und Kenntnisse selbst an. Dabei hilft es, aktiv zu sein, was allerdings für viele Flüchtlingskinder neu ist und erst geübt werden muss. Erfahrungen mit körperlichen Strafen in der Schule Im Zusammenhang mit den bisher erlebten Unterrichtsmethoden steht auch die Anwendung von Gewalt durch die Lehrkraft. Je nach Herkunftsland und besuchtem Schultyp, teilweise auch abhängig von einzelnen Lehrkräften, bringen viele Schülerinnen und Schüler Erfahrungen von körperlicher Gewalt und Demütigungen vor der Klasse mit. Klassische Bestrafungsmethoden bestehen neben Schlägen auch darin, dass Schülerinnen und Schüler in anstrengenden und demütigenden Positionen verharren müssen. Wenn sie sich bewegen, weil sie sich abstützen oder anders entlastende Positionen einnehmen wollen, werden sie noch zusätzlich bestraft. Das passiert normalerweise vor den Augen der Klasse. Gründe für Bestrafungen können mangelnde Konzentration, eine falsche Antwort oder auch nur ein unangespitzter Bleistift sein. Vermittlung von Sicherheit vor körperlichen Strafen im Unterricht Eine zielführende Methode, um die Angst vor Strafen im Unterricht abzubauen, ist ein Klassengespräch über die Rechtslage in Deutschland. Es sollte nicht in den allerersten Stunden eines neuen Schuljahrs stattfinden, sondern erst, wenn sich eine gewisse Vertrauensbasis in der Klasse herausbilden konnte. Viele Jugendliche beeindruckt es sehr, wenn sie erfahren, dass eine prügelnde Lehrkraft in Deutschland von der Polizei abgeholt werden würde. Inwieweit in diesem Gespräch auf die Erfahrungen der Jugendlichen eingegangen wird, sollte ihnen selbst überlassen bleiben. Die Rolle der Lehrkraft besteht vor allem darin, die Situation in Deutschland darzustellen. Falls Jugendliche von Strafen berichten und dabei lachen, was nicht ungewöhnlich ist, sollte dieser Schutzmechanismus nicht durchbrochen werden. Er ist ein wichtiges Werkzeug dafür, sich vor der Klasse mitteilen zu können, ohne das Gesicht zu verlieren. Wenn der Verdacht besteht, dass schwere Traumatisierungen in diesem Zusammenhang vorliegen, sollte das Gespräch kurz und auf die deutschen Verhältnisse bezogen bleiben. Dem oder den betreffenden Schülern sollte unter vier Augen die Betreuung durch eine pschologische oder pädagogische Fachkraft angeboten werden. Diskontinuität als erlebte Normalität Viele internationale Jugendliche müssen sich erst daran gewöhnen, dass die Schulpflicht in Deutschland konsequent durchgesetzt wird. Viele Lernbiografien sind von Diskontinuität gekennzeichnet. Faktoren wie weite Schulwege ohne Verkehrsanbindung, die Verpflichtung zur Lohnarbeit oder mangelnde Aufsicht und Kontrolle des Schulbesuchs auch bei kleinen Kindern führen dazu, dass Schülerinnen und Schüler nicht an Kontinuität gewöhnt sind. Der immer gleiche Tagesablauf, den Kinder und Jugendliche in Deutschland spätestens mit der Einschulung kennenlernen, stellt unter Umständen eine ermüdende, zermürbende Erfahrung dar. Ihr eigener Gestaltungsspielraum in Bezug auf ihren Tagesrhythmus ist für den größten Teil des Tages minimiert. Gewöhnung an den täglichen Schulbesuch Um die Kontinuität des Schulbesuchs zu fördern, ist eine gute Betreuung außerhalb der Schule wichtig. Daher sollte bei häufigen Fehlzeiten die Wohngruppe, die zuständigen Sozialarbeiterin oder den Sozialarbeiter, die Familie oder die Pflegefamilie kontaktiert werden. Teilweise ist zudem in den Familien Aufklärungsarbeit nötig. Auch der Umgang mit Krankheiten ist in verschiedenen Kulturen unterschiedlich. Während für einige Jugendliche Kopfschmerzen oder eine leichte Erkältung ein Grund sind, sich einen Tag zu erholen, sind deutsche Jugendliche daran gewöhnt, trotz kleiner Beschwerden, möglicherweise mithilfe von Medikamenten, zum Unterricht zu erscheinen. Hier muss jede Lehrkraft für sich abwägen, zu welchem Verhalten sie in diesem Fall rät. Einerseits ist Überbeanspruchung ungesund, vor allem, wenn dafür schon bei Kindern und Jugendlichen Medikamente verwendet werden, andererseits sollte die spätere Wirklichkeit im Arbeitsleben nicht außer Acht gelassen werden. Besondere Herausforderungen und die eigene Abgrenzung Schülerinnen und Schüler mit Fluchterfahrung bringen möglicherweise traumatische Belastungen mit, die von der Lehrkraft nicht aufgefangen werden können. Wenn Jugendliche in der Klasse depressive Symptomatiken zeigen, auffällig oft über Gewalt oder Tod sprechen, zeitweise nicht "ganz da" oder "sie selbst" zu sein scheinen oder andere Auffälligkeiten zeigen, sollte die Lehrkraft nicht versuchen, mit der Situation allein zurechtzukommen. Hier ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und sich früh Unterstützung durch psychologische oder pädagogische Fachkräfte zu holen. Die Überleitung an die Fachkraft Die Lehrkraft kann die Schülerin oder den Schüler in solchen Fällen unter vier Augen ansprechen und sagen, dass sie wahrgenommen hat, dass es dem oder der Jugendlichen nicht gut geht. Wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkraft und Schülern stabil ist, möchten diese dann häufig die Lehrkraft ins Vertrauen ziehen, die auch möglichst nichts weitersagen soll. Hier muss die Lehrkraft klar sagen, dass sie selbst keine psychologische Hilfe geben kann. Sie verweist an die entsprechende Fachkraft und vermittelt im Idealfall persönlich an diese, indem beispielsweise der erste Termin gemeinsam vereinbart wird. Viele Schülerinnen und Schüler finden es anfangs schwer, einer fremden Person persönliche Dinge anzuvertrauen. Die Lehrkraft kann an dieser Stelle unterstützend tätig sein, indem sie einerseits ihr eigenes Vertrauen gegenüber der Fachkraft zum Ausdruck bringt und sich andererseits inhaltlich aus der psychologischen Arbeit heraushält, sodass der oder die Jugendliche eine Bindung zur Fachkraft aufbaut.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben / DaF / DaZ

Fortbildungsangebot in Form von Fachartikeln

Lehrer-Online ist eine zentrale Anlaufstelle für Lehrkräfte, die eine umfassende Sammlung an Fachartikeln bereitstellt, um Lehrerinnen und Lehrern in ihrer täglichen Arbeit und Weiterbildung zu unterstützen. Mit einer breiten Palette an Themen, von Didaktik und Methodik über Klassenmanagement bis hin zu den neuesten Trends in der Bildungslandschaft, bietet Lehrer-Online wertvolle Einblicke und praktische Tipps, die direkt im Klassenzimmer angewendet werden können. Unsere Fachartikel sind von Expertinnen und Experten verfasst und auf die Bedürfnisse moderner Lehrkräfte zugeschnitten.

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