So sichern Schulen die Unterrichtsversorgung trotz Lehrermangel

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veröffentlicht am 23.06.2026

Der Lehrkräftemangel bleibt bundesweit ein zentrales Problem für Schulen. Mit tausenden offenen Stellen, Mehrarbeit für vorhandene Lehrkräfte und neuen Unterrichtsmodellen müssen Schulen und Bildungspolitik reagieren.

Lehrermangel als Daueraufgabe im Schulalltag

Der Lehrkräftemangel ist kein vorübergehendes Problem mehr - er ist zur Dauerbaustelle im deutschen Bildungssystem geworden. Bundesweit fehlen Tausende Lehrkräfte an den Schulen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise waren Anfang Juni 2026 rund 4.822 feste Lehrerstellen unbesetzt, obwohl das Bundesland in den vorangegangenen vier Jahren über 12.600 neue Stellen geschaffen hatte. Diese Zahlen verdeutlichen: Selbst bei erheblichen zusätzlichen Einstellungen schließt sich die Lücke nicht schnell genug.

Die Ursachen für den anhaltenden Mangel liegen auf der Hand. Die Schülerzahlen in Deutschland wachsen weiterhin. Nach Prognosen der Bildungsministerkonferenz werden bis zum Jahr 2032 rund 600.000 zusätzliche Kinder und Jugendliche das Bildungssystem durchlaufen. Gleichzeitig fehlen ausreichend ausgebildete Absolventinnen und Absolventen: Im Zeitraum 2025 bis 2027 werden nach Modellrechnungen nur rund 23.400 Neuabsolventen einem Bedarf von 26.400 Personen gegenüberstehen.

Auswirkungen auf den Unterricht und die Unterrichtsorganisation

Die Folgen des Mangels bekommen Lehrkräfte, Schulleitungen und Lernende täglich zu spüren. Unterrichtsausfälle, die Belastung von bereits vorhandenen Lehrkräften durch Mehrarbeit und die Vergrößerung von Klassen sind direkte Konsequenzen. Um die Unterrichtsversorgung zu sichern, greifen Kultusministerien zu verschiedenen Instrumenten - einige davon sind umstritten.

Instrumente und neue Ansätze

Eine weit verbreitete Maßnahme ist die Abordnung von Lehrkräften. Dabei werden Lehrkräfte von ihrer Stammschule an unterversorgte Schulen verlegt, oft um akute Engpässe zu überbrücken. Sachsen etwa kündigte an, in der kommenden Schulperiode noch mehr Abordnungen einzusetzen, um Unterrichtsausfälle zu reduzieren. Der Erfolg dieser Maßnahme ist gemischt: Während der Unterrichtsausfall in Sachsen im ersten Halbjahr 2025/26 erstmals seit zehn Jahren sank, kritisieren Lehrerverbände, dass dies auf Kosten der betroffenen Lehrkräfte gehe, die über ihre Regelarbeitszeit hinaus belastet werden.

Parallel suchen Schulen und Kultusministerien nach innovativen Lösungsansätzen. Die Digitalisierung des Unterrichts rückt dabei in den Fokus. Brandenburg etwa prüft Fernunterricht auch an allgemeinbildenden Schulen. Ein Modellprojekt an Berufsschulen zeigt, dass zwei Klassen parallel von einer Lehrkraft mit Unterstützung von Kameras, Bildschirmen und stabilen Internetverbindungen unterrichtet werden können. Sachsen-Anhalt erprobt mit dem Projekt „Lernwelt" Online-Stunden, Avatare und künstliche Intelligenz.

Experten warnen allerdings vor zu großen Erwartungen: Selbstlernzeiten und Hybridunterricht funktionieren besonders bei Schülerinnen und Schülern mit wenig Vorwissen oder geringen Selbstregulationskompetenzen nur mit zusätzlicher Unterstützung. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz empfiehlt solche Formate daher primär für die Oberstufe.

Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung

Bundesländer setzen auf ein Maßnahmenbündel, um mit dem Mangel umzugehen:

  • Mehr Quer- und Seiteneinsteiger: Über zehn Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen haben mittlerweile keine anerkannte Lehramtsprüfung absolviert. Diese werden meist berufsbegleitend qualifiziert.
  • Verlängerung der Arbeitszeit: Verschiedene Bundesländer setzen auf unbegrenzte Zusatzstunden oder verzichten auf den bisherigen Ruhestand mit Erreichen eines bestimmten Alters.
  • Wiedereinstieg von Pensionären: Länder bieten Anreize für aus dem Ruhestand zurückgekehrte Lehrkräfte.
  • Finanzielle Anreize: Besonders in ländlichen Regionen werden Zulagen und Bonuszahlungen erprobt, um Lehrkräfte zur Bewerbung zu bewegen.

Forderungen der Verbände: Langfristige statt Notlösungen

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) betonen: Ohne strukturelle Reformen wird sich die Lage nicht verbessern. Der „Bildungsrat von unten", ein Bündnis aus der Bildungspraxis, fordert statt kurzfristiger Notmaßnahmen eine Reform der Lehrerbildung und temporäre Kürzungen in der Stundentafel, anstatt unbegrenzte Mehrarbeit für Lehrkräfte.

Für Schulleitung und Lehrkräfte heißt dies konkret: Informieren Sie sich über die Maßnahmen Ihres Bundeslandes, nutzen Sie Möglichkeiten wie Überlastungsanzeigen bei Mehrarbeit und setzen Sie sich in Personalräten und Gremien für eine bessere Personalausstattung ein. Gleichzeitig können digitale Formate, wenn sinnvoll eingesetzt, tatsächlich Entlastung bringen.

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