Neue Mehrheit, neue Schulpolitik: Was der AfD-Wahlsieg für Ihren Unterricht bedeuten könnte

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veröffentlicht am 08.09.2026

Die AfD ist bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft geworden, hat aber die absolute Mehrheit verfehlt. Für Schulen und Lehrkräfte sind insbesondere die bildungspolitischen Forderungen der Partei relevant. Darunter Änderungen bei Schulpflicht, Unterrichtsgestaltung, Lehrmitteln und politischer Bildung.

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD nach dem vorläufigen Endergebnis 43,8 Prozent der Stimmen erreicht. Die CDU kommt auf 17,2 Prozent, die SPD auf 9,3 Prozent, Bündnis 90/Die Grünen auf 8,9 Prozent und Die Linke auf 8,6 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zieht mit 5,3 Prozent erstmals in den Landtag ein. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent.

Die AfD erhält damit 39 der 90 Sitze, verfehlt jedoch die absolute Mehrheit. Eine Regierungsbildung ist deshalb nur mit Unterstützung mindestens einer weiteren Partei möglich. CDU, SPD, Grüne und Linke haben eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Das BSW hat Gespräche mit allen Parteien angekündigt. Ob und in welcher Form die AfD an der Landesregierung beteiligt wird, ist daher offen.

Bildungspolitische Forderungen der AfD

Das AfD-Regierungsprogramm „Das Land zuerst" sieht einen grundlegenden Umbau des Bildungssystems in Sachsen-Anhalt vor. Die Partei möchte die bisherige Schulpflicht durch eine „Bildungspflicht" ersetzen. Eltern sollen dadurch grundsätzlich zwischen dem Besuch einer Schule und Unterricht zu Hause wählen können.

Für die Schulen fordert die AfD eine stärkere Konzentration auf die Vermittlung von Lesen, Schreiben, Rechnen und Fachwissen. Im Unterricht sollen nach den programmatischen Vorstellungen der Partei wieder stärker Frontalunterricht, regelmäßige Übungsaufgaben, Wiederholungen und Leistungskontrollen eingesetzt werden. Die Lehrkraft soll dabei vor allem als Autorität und Wissensvermittlerin auftreten; die im Programm kritisch betrachtete Rolle der Lehrkraft als „Lernbegleiter" soll zurückgedrängt werden.

Auch die Auswahl von Lehr- und Lernmitteln soll stärker zentral gesteuert werden. Das Programm hält es für möglich, landesweit einheitliche, vom Bildungsministerium festgelegte Materialien für einzelne Schulformen und Jahrgangsstufen einzusetzen. Dadurch würden Schulen und Lehrkräfte bei der Auswahl von Schulbüchern, digitalen Angeboten und ergänzenden Unterrichtsmaterialien weniger eigene Entscheidungsspielräume haben.6

Bei der Digitalisierung setzt die AfD auf eine spätere Nutzung digitaler Medien. Sie fordert ausdrücklich, eine „Frühdigitalisierung" zu vermeiden. In der Grundschule sollen nach den veröffentlichten Programmaussagen vor allem Stift, Heft und gedruckte Bücher eingesetzt werden. Informatik soll dagegen als eigenständiges Pflichtfach ausgebaut werden.

Weitere Forderungen betreffen die Schulstruktur und die Schullaufbahn. Die AfD stellt die Einführung beziehungsweise Wiedereinführung von Haupt- und Realschulen zur Diskussion und befürwortet verbindlichere Schullaufbahnempfehlungen. Zudem wendet sie sich gegen Teile der gegenwärtigen Inklusionspolitik und fordert eine stärkere Differenzierung nach Leistungsniveau und Schulform.

Im Bereich der politischen und gesellschaftlichen Bildung möchte die Partei die Landeszentrale für politische Bildung abschaffen und durch ein „Landesinstitut für staatspolitische Bildung und kulturelle Identität" ersetzen. Außerdem sollen Schulen nach den Programmaussagen stärker nationale Geschichte, kulturelle Traditionen und eine positive Identifikation mit Deutschland vermitteln. Regenbogenflaggen an Schulen sollen nicht mehr gezeigt werden; stattdessen sieht das Programm eine stärkere Präsenz nationaler Symbole vor.

Konkrete Vorschläge zur Sicherung der Unterrichtsversorgung und zur langfristigen Gewinnung und Qualifizierung von Lehrkräften enthält das Programm nach der Analyse des Stifterverbands dagegen nur in begrenztem Umfang. Eine umfassende Strategie gegen den erwarteten Lehrkräftemangel wird dort nicht beschrieben.

Was davon könnte umgesetzt werden?

Die Wahl eines Parlaments setzt einzelne Forderungen nicht unmittelbar in geltendes Recht um. Für Änderungen des Schulgesetzes, der Lehrpläne oder der Lehrkräftebildung wären parlamentarische Mehrheiten und teilweise weitere rechtliche Voraussetzungen erforderlich. Zudem sind Schulen an das Grundgesetz, die Landesverfassung und bestehende Bildungsstandards gebunden.

Eine AfD-geführte Landesregierung hätte im Bereich Schule grundsätzlich weitreichende Zuständigkeiten, da Bildungspolitik überwiegend Ländersache ist. Welche Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden könnten, hinge jedoch von Mehrheiten, Gerichtsentscheidungen, Haushaltsmitteln und der konkreten Ausgestaltung ab.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Für Ihren Unterricht bedeutet das Wahlergebnis zunächst keine unmittelbare Änderung. Die AfD kann ihre bildungspolitischen Forderungen erst dann umsetzen, wenn sie dafür parlamentarische Mehrheiten erhält und die Vorhaben mit Landesverfassung, Grundgesetz sowie bestehenden Bildungsstandards vereinbar sind. Beobachten Sie deshalb die Gespräche zur Regierungsbildung und mögliche Gesetzesänderungen, insbesondere zur Schulpflicht, zur Schulstruktur, zur Inklusion, zur politischen Bildung und zum Einsatz von Lehr- und Lernmitteln. Prüfen Sie Ihre Unterrichtsplanung darauf, an welchen Stellen aktuelle landespolitische Entscheidungen sachlich aufgegriffen werden können. Besonders geeignet sind die Fächer Politik, Sozialkunde, Geschichte, Deutsch und Ethik ab der Sekundarstufe I. Eine Unterrichtseinheit zur Frage „Wer entscheidet über Inhalte, Methoden und Materialien in der Schule?" kann Schülerinnen und Schülern außerdem den Zusammenhang zwischen Wahlen, Landespolitik und ihrem eigenen Schulalltag verdeutlichen. Tauschen Sie sich im Kollegium darüber aus, welche schulischen Entscheidungen bislang vor Ort getroffen werden und welche Auswirkungen veränderte Landesvorgaben auf Unterrichtsplanung, Kooperationen und die Zusammenarbeit mit Eltern haben könnten.

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