Lehramtsstudium in Mecklenburg-Vorpommern soll praxisnäher werden
Mecklenburg-Vorpommern reformiert das Lehramtsstudium zum Wintersemester 2026/27. Mehr Praxisphasen, ein gemeinsames Sekundarstufenlehramt und neue Studienangebote sollen Studienabbrüche verringern und mehr Lehrkräfte für die Schulen gewinnen.
Der Lehrkräftemangel stellt Schulen in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin vor große Herausforderungen. Gleichzeitig bricht ein erheblicher Teil der Studierenden das Lehramtsstudium ab. Eine Reform der Lehrkräftebildung soll deshalb die Studienbedingungen verbessern und angehende Lehrkräfte früher mit dem Schulalltag vertraut machen.
Gemeinsames Lehramt für die Sekundarstufe
Grundlage der Reform ist das 2025 beschlossene Lehrkräftebildungsgesetz. Die bisherigen Studiengänge für das Lehramt an Regionalen Schulen und für das Gymnasiallehramt werden zu einem gemeinsamen Sekundarstufenlehramt zusammengeführt. Studierende sollen dadurch zunächst eine gemeinsame Ausbildung für die Klassenstufen 5 bis 12 durchlaufen und sich später auf eine Schulform festlegen können.
Nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks brachen in den vergangenen Jahren rund 70 Prozent der Studierenden im Lehramt für Regionale Schulen und etwa 50 Prozent der Studierenden im Gymnasiallehramt ihr Studium ab. Als Gründe gelten neben den Studienbedingungen auch Fachwechsel und persönliche Faktoren. Die Hochschulen wollen unter anderem Überschneidungen im Stundenplan verringern und Studierende organisatorisch entlasten.
Mehr Praxis im Studium und engere Begleitung
Künftig sollen Studierende früher mit Schülerinnen und Schülern arbeiten und den Alltag an Schulen kennenlernen. Zusätzliche Praktika sowie eine intensivere Begleitung durch Mentorinnen und Mentoren sind vorgesehen. Damit soll die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Ausbildung und schulischer Praxis verbessert werden.
Die Reform folgt damit Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz. Diese spricht sich für ein strukturiertes Qualifikationssystem aus, das Studium, Vorbereitungsdienst und Berufseinstieg stärker miteinander verknüpft. Zugleich bleibt die fachwissenschaftliche Qualität der Ausbildung wichtig. Fachleute aus den Hochschulen schlagen deshalb vor, Lehramtsstudierende in bestimmten Fächern stärker getrennt von Studierenden mit wissenschaftlicher Berufsperspektive auszubilden und pädagogische sowie didaktische Inhalte auszubauen.
Für die Schulen kann eine praxisnahe Ausbildung langfristig hilfreich sein. Frühzeitige Erfahrungen im Unterricht ermöglichen es Studierenden, eigene Erwartungen zu überprüfen und professionelle Handlungssicherheit zu entwickeln. Damit die Reform Wirkung zeigt, müssen die Praxisphasen allerdings ausreichend betreut und mit den Hochschulen abgestimmt werden.
Neue Wege in Mathematik und weiteren Fächern
Die Universität Greifswald erweitert ihr Angebot zum Wintersemester 2026/27 um die Fächer Biologie, Informatik und Sozialkunde im Sekundarstufenlehramt.Zusätzlich startet ein viersemestriger Quereinstiegs-Master für Absolventinnen und Absolventen eines mathematisch ausgerichteten Studiums. Der Studiengang vermittelt pädagogische und fachdidaktische Grundlagen und eröffnet anschließend den Weg in den Vorbereitungsdienst.
Ob die Reform tatsächlich mehr Studierende zum Abschluss führt und dem Lehrkräftemangel entgegenwirkt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Entscheidend sind neben der Studienstruktur auch verlässliche Arbeitsbedingungen und eine realistische Vorstellung vom Berufsalltag.
Externe Links
- Norddeutscher Rundfunk: Reform im Lehramt: Mehr Praxis im Studium ab Wintersemester geplant
Der Bericht informiert über die Reform des Lehramtsstudiums in Mecklenburg-Vorpommern. Vorgesehen sind ein gemeinsames Sekundarstufenlehramt, mehr Praxisphasen und ein neuer Quereinstiegs-Master für Mathematik.
- Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern: Reform der Lehrkräftebildung
Das Regierungsportal erläutert das gemeinsame Lehramt für die Klassenstufen 5 bis 12. Studierende sollen sich später für eine Schulform entscheiden können und dadurch flexibler bleiben.
- Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz: Qualität der Lehrkräftebildung sichern
Die Kommission formuliert Empfehlungen für eine wissenschaftsbasierte und strukturierte Lehrkräftebildung. Im Mittelpunkt stehen die verschiedenen Ausbildungsphasen und ihre bessere Verzahnung.
- Universität Greifswald: Bewerbungsphase für das Wintersemester 2026/27 gestartet
Die Universität Greifswald erweitert ihr Studienangebot um Biologie, Informatik und Sozialkunde im Lehramt. Außerdem wird ein Quereinstiegs-Masterstudiengang Mathematik eingerichtet.
- Universität Greifswald: Quereinstiegs-Masterstudiengang
Die Webseite informiert über Zugangsvoraussetzungen und Aufbau des viersemestrigen Masterstudiengangs für Absolventinnen und Absolventen mathematisch ausgerichteter Studiengänge.
