Falsche Schulabschlüsse in Niedersachsen: Zeugnisse werden korrigiert

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veröffentlicht am 17.08.2026

An einer Oberschule in Vechta haben mehr als 100 Schülerinnen und Schüler offenbar zu niedrige Schulabschlüsse erhalten. Das Kultusministerium will die Zeugnisse korrigieren, die Betroffenen informieren und mögliche Nachteile für Bildungs- und Berufswege ausgleichen.

Ein fehlerhaft ausgestelltes Zeugnis kann weitreichende Folgen haben. Es entscheidet unter anderem darüber, welche Ausbildung begonnen oder welche weiterführende Schule besucht werden kann. An der Geschwister-Scholl-Oberschule in Vechta wurden nun zahlreiche Abschlussentscheidungen aus mehreren Jahrgängen überprüft.

107 Abschlussentscheidungen waren fehlerhaft

Nach einer amtlichen Untersuchung wurden zwischen dem Schuljahr 2019/20 und dem Schuljahr 2025/26 insgesamt 107 Abschlussentscheidungen nicht entsprechend den geltenden Vorgaben getroffen. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler hatten demnach die Voraussetzungen für einen höherwertigen Abschluss erfüllt, erhielten aber einen niedrigeren Abschluss.

In 56 Fällen hätte der erweiterte Sekundarabschluss I vergeben werden müssen. Weitere 49 Schülerinnen und Schüler hätten den Sekundarabschluss I - Realschulabschluss erhalten müssen. Darüber hinaus stellte die Untersuchung weitere fehlerhafte Entscheidungen fest.

Aufmerksam wurde das Kultusministerium durch die Beschwerde einer ehemaligen Schülerin. Anschließend wurden die Abschlusszeugnisse der Schule umfassend überprüft. Auch eine weitere Schule, an der die frühere Schulleitung tätig war, wurde untersucht. Dort wurden neun fehlerhafte Zeugnisse aus den Jahren 2019 und 2020 festgestellt. Systematische Fehler in späteren Jahrgängen habe die Prüfung dort nicht ergeben.

Korrektur der Zeugnisse und Unterstützung für Betroffene

Die Geschwister-Scholl-Oberschule arbeitet daran, die Zeugnisse zu berichtigen. Die Betroffenen sollen über die Änderungen informiert und dabei unterstützt werden, mögliche Nachteile auszugleichen. Das kann beispielsweise notwendig sein, wenn ein falscher Abschluss den Zugang zu einer Ausbildung, einer weiterführenden Schule oder einem anderen Bildungsweg erschwert hat.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg entschuldigte sich bei den Betroffenen. Das Ministerium wolle Transparenz schaffen, die Fehler korrigieren und klären, wie es zu den falschen Entscheidungen kommen konnte und warum sie über einen längeren Zeitraum unentdeckt blieben.

Bedeutung für Schulen und Lehrkräfte

Der Fall zeigt, wie wichtig klare Verfahren bei Abschlussentscheidungen sowie eine sorgfältige Dokumentation und Kontrolle sind. Für Schulleitungen und Lehrkräfte bedeutet dies, rechtliche Vorgaben regelmäßig zu prüfen und Zuständigkeiten im Kollegium eindeutig zu regeln. Das niedersächsische Kultusministerium informiert auf seiner Webseite über die verschiedenen Schulabschlüsse nach dem neunten und zehnten Schuljahrgang.

Für die betroffenen Jugendlichen steht zunächst die individuelle Aufarbeitung im Mittelpunkt. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob auch an weiteren Schulen vergleichbare Fehler aufgetreten sind. Eine zentrale Anlaufstelle beim Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Osnabrück soll Betroffenen Fragen beantworten und sie bei der weiteren Klärung unterstützen.

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