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Schiller: Wilhelm Tell

Unterrichtseinheit

Mit den klassischen Topoi des Konflikts zwischen Gut und Böse, Freiheit und Unterdrückung und dem Kampf um die wahre Liebe bietet das Schiller-Drama viele kreative Möglichkeiten der Textarbeit. Digitale Technik hilft, die Ergebnisse zu präsentieren und dauerhaft zu sichern.Zum Schillerjahr 2005 leistet eine achte Klasse ihren Beitrag, indem sie die vielfältigen Ergebnisse ihrer Projektarbeit als CD-ROM und Auszüge daraus als Webseiten präsentiert. Die Schülerinnen und Schüler lassen sich von Schillers Enthusiasmus anstecken: Sie verfolgen den Aufstand der Schweizer gegen die Unterdrückung und setzen die Verteidigung der Freiheit mit multimedialen Mitteln um. Der Schweizer Sagenstoff fesselt noch immer, wenn der Held Tell mit dem Gegenspieler Gessler zusammentrifft und die Privatrache des Protagonisten mit dem öffentlichen Aufstand der Eidgenossen in einem Happy-End zusammenfällt. Handlungs- und Schülerorientierung Vorbereitet wird das Projekt im traditionellen Literaturunterricht im Fach Deutsch. Der Unterricht ist handlungsorientiert und schülerzentriert angelegt. Hauptmethode bei der ersten Texterschließung ist das Lesetagebuch, wobei der Unterricht auch durch Leerstellen-Didaktik, einen Textvortrag oder ein Theaterspiel angereichert wird. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten ausgewählte Themen, indem sie computergestützte Präsentationen vorbereiten und anschließend auf CD-ROM publizieren. Fächer verbinden Im vorliegenden Fall war der Deutschlehrer gleichzeitig der ITG-Lehrer ("Informations-technische Grundbildung" in Baden-Württemberg), so dass ein Teil der Computerarbeit in dieses rein technisch ausgerichtete Fach verlagert werden konnte. Flankierend wurde das Fach Geschichte mit den Themen "Feudalismus", "Territorialisierung" und der "Hausmachtpolitik der Habsburger" eingebunden. "Verbundener Deutschunterricht" in Projektform Klassische Literatur und neue Medien sind kein Gegensatzpaar. Texterschließung mit dem Lesetagebuch Ziel ist eine intensive, multiperspektivische Interpretation. Die Organisation des Projekts Achtung bei der Themen- und Aufgabenverteilung sowie bei technischen Fragen. Hinweise zum Nachmachen Tipps zur Projektarbeit und zu Übertragungsmöglichkeiten auf andere Lektüren. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler sollen Inhaltsangaben und Personen-Charakteristiken verfassen. sich durch das Lesetagebuch anregen, kreative Einträge zu fertigen lassen. innere Monologe (zu Tell, Hedwig, Walter) verfassen. einen dramatischen Text verdichten, indem sie als Streitgespräch die Stichomythien auswählen. eine komplexe Personenkonstellation visualisieren und diese Visualisierungstechnik auf eine Szene ihrer Wahl anwenden. ihre Zitiertechnik festigen und mittels exakter Quellenverweise wissenschaftspropädeutisch arbeiten. sich eine rhetorische Grundqualifikation erwerben und sicher vor Publikum referieren können(Stimme, Körperhaltung, Sprechpausen). eine Szene als Spiel einstudieren. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler sollen Texte aus der Textverarbeitung (Word) in eine als Vorlage angebotene HTML-Seite via HTML-Editor (MS Frontpage) beziehungsweise in ein Präsentationsprogramm kopieren. eine persönliche Navigationsseite erstellen und ihre Arbeiten innerhalb der sich entwickelnden Navigationsstruktur rubrizieren. auf ein einheitliches Design ihrer Präsentation achten, die Animationseffekte sachgerecht einsetzen. Präsentationskriterien beachten: Textmenge, serifenlose Schrift, Schriftgröße, Kontraste, Funktion von Grafik und Sound im kommunikativen Korrekturprozess ihre Arbeiten evaluieren und optimieren. Sound und Grafik einfügen, Hyperlinks setzen. ihr Dateistrukturverständnis schärfen, indem sie alle referenzierten Ressourcen im selben Verzeichnis ablegen. Klassische Literatur und neue Medien Das Konzept des Projekts basiert auf dem "verbundenen Deutschunterricht": Ein traditioneller Stoff der deutschen Klassik wird mit modernen Medien verarbeitet. Der Literaturunterricht wird dabei angereichert durch Methoden der modernen Didaktik (Leerstellen-Didaktik), einen Textvortrag und ein Theaterspiel. Die Schülerinnen und Schüler eignen sich das Thema an, indem sie es für einen Vortrag vor Publikum computergestützt verarbeiten und anschließend als CD-ROM publizieren. Zwei unterschiedliche Projektphasen Das Projekt ist geteilt in zwei Unterrichtsphasen. Eine erste (traditionelle) sorgt dafür, dass die Klasse "im und über dem Stoff" steht, was der Abschluss mit einer Arbeit gewährleistet. Erst die zweite Phase ist die eigentliche Projektphase, in der das Lernen stark individualisiert wird, wie es stets Kennzeichen des computergestützten Unterrichts ist. Hier achtet die Lehrkraft immer wieder darauf, dass die Textnähe erhalten bleibt und der Computer sich nicht verselbstständigt. Die Rechenmaschine bleibt stets in einer dienenden Funktion, in diesem Fall leistet sie technische Unterstützung für den jeweiligen Schülerbeitrag zur CD-ROM. Dass der Unterricht trotz ambitionierter Ziele bei den digitalen Kompetenzen im Wesentlichen Deutschunterricht blieb, war den guten Lernvoraussetzungen der Klasse zu verdanken. Durch kreativen Freiraum zum Selbstläufer Ab einem gewissen Punkt wird jedes gut organisierte Unterrichtsprojekt zum "Selbstläufer": Immer mehr Schülerinnen und Schüler bringen eigene Ideen ein und verwirklichen sie. Von der Lehrkraft, die die Machbarkeit im Auge hat, werden sie beraten, angespornt oder gebremst. Besonders beliebt sind bei den Schülerinnen und Schülern fiktive Interviews oder Steckbriefe (im Zusammenhang mit den Personencharakteristika). Die Klasse produziert außerdem eigene Gedichte und Hörspiele. Ein Projekt mit ganzheitlichem Ansatz fördert jedoch auch Arbeiten, die sich ohne Computer realisieren lassen, zum Beispiel selbst gemalte Bühnenbilder. Viel Arbeit wird in die (selbstgestellte) Hausaufgabe verlagert. So kann etwa ein Hörspiel aus technischen und zeitlichen Gründen nicht im Unterricht angefertigt werden. Andere Schülerinnen und Schüler erstellen Comics und Akrosticha. Die in Baden-Württemberg im Schuljahr 2004/05 neu eingeführte GFS (gleichwertige Feststellung von Schülerleistung) bereicherte das Projekt: Eine Gruppe präsentiert ein szenisches Spiel, eine Schülerin eine Arbeit über Schillers Leben und Werk, ein Schüler eine Erörterung zur Modernität Schillers. Inhaltlich durchdringen die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Schichten des Dramas und seines Kontextes. Sie setzen sich auseinander mit dem Autor und der Entstehung des Dramas, dabei insbesondere mit dem Freiheits- und Spielgedanken Schillers, dem Schauplatz Schweiz, der öffentlichen Handlung: die Revolution der Eidgenossen, der privaten, intimen Handlung: Tells Familie und seine Privatrache, der adligen Nebenhandlung: Rudenz zwischen Attinghausen, Berta und Gessler, der Parallelhandlung: der Kaisermörder Parricida. Die Hauptmethode bei der ersten Texterschließung ist das Lesetagebuch, das wunderbare "Anverwandlungen" des literarischen Textes hervorbringt. Ausgehend von Leerstellen im literarischen Text erfassen die Schülerinnen und Schüler das Drama rezeptionsästhetisch. Der Reiz dieser Methode liegt im ständigen Perspektivenwechsel. Die so gestaltete multiperspektivischen Interpretation erleichtert das Literaturverständnis: Ihr vom Produzenten (in diesem Fall Schiller) eingeschriebener Sinn verschmilzt mit der Subjektivität der jugendlichen Leserinnen und Leser. Das Lesetagebuch arbeitet außerdem ganzheitlich und bringt auch bildnerische Produkte hervor, die später als Material für die elektronische Verarbeitung zur Verfügung stehen. Vorschläge Bei dieser Didaktik bringt die Lehrkraft in kurzen Sequenzen Strukturen, Deutungen, Interpretationen ein, die sich an der Schillerforschung orientieren. Dokumentiert werden diese vertiefenden Einsichten in der Regel in einem Tafelanschrieb. Interpretationskategorien können dabei sein: Idylle sowie Störung der Idylle durch Natur (Gewitter, Sturm) und Gesellschaft, öffentliche und private Konflikte, Gemeinschaft (Eidgenossen) und Einzelkämpfertum (Tell), der Held und seine Gegenspieler, Stichomythie, die Struktur des 5-Akt-Dramas mit Peripetie, der philosophische Hintergrund (Rütli). Diktat Da das Lesetagebuch sukzessive erstellt wird, wächst die Qualität der Einträge durch den so strukturierten begleitenden Unterricht. Auch ein Übungsdiktat bietet die Möglichkeit, die Interpretation in eine inhaltliche Progression zu bringen. Die für 13-Jährige schwierige Rütli-Szene wird dabei durch ein Lehrerskript umschifft, das die Aufmerksamkeit der Klasse auf das Wesentliche konzentriert und Interpretationsvorgaben macht. Die Phase des traditionellen Unterrichts schließt mit einer Klassenarbeit ab. Damit befinden sich die Schülerinnen und Schüler inhaltlich voll "im Stoff" und können anschließend selbstständig im computergestützten Projektunterricht arbeiten. Ohne Planung läuft nichts Wichtigstes Instrument des Projektmanagements ist ein Planungsplakat, das sowohl im Computerraum aushängt als auch elektronisch zur Verfügung steht (siehe Download). Auf diesem Plakat stehen anfänglich 30 Themenvorschläge der Lehrkraft. Wer ein Thema bearbeiten möchte, trägt sich ein. Schnell wächst diese Themenübersicht durch analoge oder neue kreative Ideen der Schülerinnen und Schüler. Einige Mitglieder der Klasse klärten ihre neue Idee mit dem Lehrer ab, andere arbeiteten völlig selbstständig und notierten ihren Beitrag lediglich, damit ihn die Lehrkraft zur Kenntnis nehmen konnte. Am Ende standen 350 Dateien zur CD-ROM-Verarbeitung zur Verfügung. Demo-Versionen helfen Hürden zu überwinden Bei einigen Schülerinnen und Schülern traten Kreativitätshemmungen oder ein "Arbeitsstau" auf. Um diese Probleme zu beheben, hielt der Lehrer zur Anregung immer wieder Demo-Versionen bereit. Sie bündeln für jeweils circa fünf Minuten die Aufmerksamkeit der Klasse auf das sukzessive Erlernen einzelner Programmtechniken oder -Fertigkeiten und vermitteln Anregungen. Weitere Instruktionen erfolgten individualisiert durch die Lehrkraft und die Computerfreaks der Klasse. In jedem Fall sollten alle Schülerinnen und Schüler immer mindestens 20 Minuten am Stück ungestört an ihrem Beitrag arbeiten können. Dateimanager fungieren als Assistenten Das schließlich auf 350 Beiträge angewachsene Projekt konnte von der Lehrkraft allein nicht mehr überblickt werden. Es kommt daher darauf an, schon in einem frühen Stadium ein bis zwei Personen als Dateimanager einzubinden. Eine wichtige Hilfe im Datendschungel sind Normen für die Vergabe von Dateinamen: So muss jede Person einem sinnigen Dateinamen ihre Initialen voranstellen, so dass die Dateimanager schnell die entsprechenden Schülerarbeiten über die alphabetische Sortierung verwalten können (Beispiel: "mc-int.st..htm" - Schülerin Miriam Cheniti hat ein Interview mit Stauffacher als HTM-Seite gefertigt.). Zur Steigerung der Effektivität kann man die Klasse nicht intensiv genug auf diese Speicherkultur hinweisen. Die Dateimanager haben auch die Aufgabe, immer wieder "Datenschrott" zu löschen. Offener Dateiaustausch Im Schulnetz bietet es sich an, in einem gemeinsamen Tauschverzeichnis zu arbeiten, in dem alle Mitglieder der Klasse alle Rechte haben. Das macht die wechselseitige Verlinkung und die Bezugnahme auf Dateien von Mitschülern möglich. Klassen, die diese Offenheit nicht würdigen und aus Bosheit oder Scherz Daten von Mitschülern verändern, sind nicht projektreif. Wichtig ist auch der Hinweis, dass Sounds, die in PowerPoint eingebunden werden, unbedingt im selben Verzeichnis abgespeichert werden müssen. Dieses Tauschverzeichnis - von Datenschrott bereinigt - ist später der Spiegel für die CD-ROM. Entlastung durch selbstständiges Arbeiten und Experten Ist ein Projekt gut und straff organisiert, so dass es der Klasse über die erste Aufgabe hinaus schnell Erfolgserlebnisse vermittelt, entwickelt es sich zum "Selbstläufer". Kreative Jugendliche produzieren neue Ideen, entwerfen innovative Designs und technische Lösungen und wirken auf ihre Mitschüler einfach ansteckend. So sind nur zwei Personen bei der einen Pflichtaufgabe geblieben. Sehr viele Mitglieder der Klasse haben vier bis sechs Arbeiten beigesteuert, eine Schülerin produzierte gar 20 (!) Arbeiten und hat sich dabei völlig selbstständig fächerverbindend sowohl in die Psyche der Figuren wie in den historischen Kontext eingearbeitet. Die Jugendlichen entwickelten sich also im Laufe des Projekts zu Expertinnen und Experten, die ihr Wissen anderen zur Verfügung stellen und die Lehrkraft entlasten. Experten unseres Projektes gab es für: Bildbearbeitung, das einlesen des Sounds und den Soundschnitt, Internetrecherche, Digitalkamera und Scannen, Dateiverwaltung, Verlinkung und Navigation, das Brennen der CD-ROM, die Gestaltung des Booklets und Labels. Personenkonstellationen visualisieren In seiner ganzen Komplexität ist das Projekt sicherlich nicht zu kopieren. Teilaspekte können aber sehr wohl übernommen werden. Zu fast allen Ganzschriften, die als Lektüre im Unterricht gelesen werden, bietet es sich beispielsweise an, eine Personenkonstellation zu erstellen. Die Lehrkraft gibt in diesem Zusammenhang eine kurze (keineswegs perfekte) Lehrerdemo, die Klasse erarbeitet die Konstellation der Figuren anschließend selbst. Hilfreich können in diesem Zusammenhang kurze 5-Minuten-Inputs der Lehrkraft zur Computertechnik sein. Zitieren in Sprechblasen Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Schülerinnen und Schülern elektronisch zwei Grafiken von literarischen Konfliktpersonen zu gegeben. Sie versehen die Figuren dann mit Sprech- und Denkblasen und füllen sie mit Originalzitaten aus einem Textausschnitt, der eine Eskalation beschreibt. Die entstehende Text- und Bilder-Folge wird animiert und vor der Klasse vorgetragen. Denkbar ist dieses Vorgehen zum Beispiel bei: Maria Stuart (III,4), bei Peripetien klassischer Dramen oder bei Homo Faber (Debatte über Mensch und Technik zwischen Faber und Hannah, S. 75 und S. 169f). Achtung bei Dateinamen Achten Sie bitte bei der Arbeit mit einer ganzen Klasse darauf, dass jede Person den Dateinamen mit ihren Initialen versieht und dass alle Dateien in einem einzigen Verzeichnis gespeichert werden. So gibt es beim Dateitransfer keine Pannen mit Sounds und Links. Tipps zur Bewertung Die Projektbeiträge der Schülerinnen und Schüler wurden als Klassenarbeit gewertet. Dafür mussten sie ihre besten Beiträge einreichen. Neben den inhaltlichen Aspekten wurden "digitale" Leistungen und soziale Kompetenzen bewertet. Das Raster der Benotung wird auf einem Formblatt übersichtlich dargestellt (siehe Beispiel im Download). Wie immer bei intensiv betreuten Projekten fallen solche Arbeiten besser aus als traditionelle Klassenarbeiten (im beschriebenen Projekt zu Wilhelm Tell lag der Durchschnitt bei 2,1). Schillers "Wilhelm Tell" gehört zum Literaturkanon der Klasse 8. 200 Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Schiller-Dramas und kurz vor dem Auftakt zum Schillerjahr 2005 wollte es die Klasse nicht bei der herkömmlichen Text- und Interpretationsarbeit im Schulheft belassen. Die Begeisterung des Lehrers für produktionsorientierten Unterricht koinzidierte mit den Lerninteressen der Klasse und gemeinsam beschlossen sie, zum Schillerjahr 2005 eine multimediale Lehr- und Lern-CD-ROM zu gestalten. Kreative Texte, Präsentationen und Hintergrundinformationen Mehr als 350 Schülerarbeiten fasst die CD-ROM "Friedrich Schiller: Wilhelm Tell" zusammen. Präsentationen zu Personenkonstellationen des Dramas oder Personencharakteristiken als Ergebnisse der klassischen Textarbeit gehören ebenso dazu wie kreative Ausdrucksformen (innere Monologe, Comics oder Persiflagen). Selbstverständlich dürfen Informationen zum Schauplatz Schweiz und zu den historischen Hintergründen nicht fehlen. Die komplette CD-ROM kann in das Schulnetzwerk kopiert werden. Zwei Navigationswege sind möglich: eine themenorientierte Navigation, die detailliert alle thematischen Aspekte als Links anbietet, und eine personenorientierte (auf einem Klassenfoto klickt man auf einen Schülerkopf und kommt so zu den jeweiligen Arbeiten). Für fremde Schulklassen bietet sich selbstverständlich der thematische Zugang an, doch für die Schülerinnen und Schüler der Projektklasse war es wichtig, die eigenen Arbeiten schnell aufrufen zu können. Als Start-Oberfläche wurden HTML-Dateien gewählt, da eine Navigation über den Browser generell schneller und übersichtlicher als über PowerPoint ist. Die Schülerbeiträge (im Format .doc, .ppt, .jpg, .htm oder .mp3) erscheinen im Hauptframe. Die Navigationsleiste bleibt stets sichtbar. Recherche- und Interpretationshilfe Eine Klasse, die sich mit dem Tell-Stoff befasst, kann dann anhand der thematischen Navigation viele Rechercheaufgaben erledigen. Ihre Aufgabe ist es dabei, Funde in eigenen Dateien (mit einem Textverarbeitungsprogramm) zu speichern oder auf Papier zu protokollieren. Folgende Beispielfragen, die je nach dem Kenntnis- und Leistungsstand der Klasse variieren, sind in diesem Zusammenhang denkbar: Welche Charakterzüge zeichnen Tell, Stauffacher, Gertrud, Gessler und andere aus? Wem schlagen die Kinder in der Familie Tell nach? Welche Argumente bringen Rudenz zum Wechsel der Partei? Skizziere die Eskalation in der Apfelschussszene. Zeige im Atlas die Schauplätze der Handlung. Exzerpiere wichtige Daten aus dem Leben Schillers. Wer hat das Drama vertont? Welche Führungspersonen stehen für die drei Urkantone? Male das Wappen von Uri. Die Aufgabe könnte auch darin bestehen, sich mit einem Themenaspekt (inhaltlich und PowerPoint-technisch) so vertraut zu machen, dass mithilfe der PowerPoint-Präsentation ein Vortrag vor der Klasse gehalten werden kann. Anregungen für Lehrkräfte Aber auch für Lehrkräfte ist die CD-ROM eine Fundgrube, um Anregungen für offenen Unterricht zu erhalten. Speziell für sie gibt es auf der CD-ROM Informationen zur Projektidee und zur Didaktik.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben / Geschichte / Früher & Heute
  • Sekundarstufe I

Rilke: Der Panther – Text und Kontext

Unterrichtseinheit

In dieser Unterrichtseinheit zum Gedicht "Panther" von Rainer Maria Rilke wird die Lust an und auf Lyrik geweckt und die Leselust der Schülerinnen und Schüler gefördert.Wozu Lyrik heute? Diese Frage, berühmt geworden als Titel einer Arbeit von Hilde Domin ("Wozu Lyrik heute? Dichtung und Leser in der gesteuerten Gesellschaft". Fischer TB 1968), wird von Schülerinnen und Schülern vermutlich mit einem Achselzucken abgetan. Doch die Begeisterung für Songtexte zeigt, dass ein Bedürfnis nach lyrischen Texten da ist, dass sie im Alltag der Jugendlichen eine Rolle spielen. Die Unterrichtseinheit zu Rilkes "Panther" will einem Klassiker der deutschen Lyrik eine Art "Sitz im Leben zuweisen", die Lust an und auf Lyrik wecken und die Leselust fördern. Der Computer wird als praktisches Arbeitsmittel eingesetzt, die Auflösung des traditionellen linearen Lesens als Chance aufgegriffen, um Texte in vielfältige Beziehungen zu setzen und für die Interpretation zu nutzen.Die Konzeption des Unterrichts zu Rilkes "Der Panther" ist einerseits sehr ergebnisorientiert, denn sie zielt auf ein echtes (digitales) Produkt, ermöglicht andererseits ein ergebnisoffenes Arbeiten, das im Sinne konstruktivistischer Lerntheorien vielfältige individuelle Lösungen erlaubt. Herangehensweise Gedichte sind Texte, die sich vielen Leserinnen und Leser nur schwer erschließen. Sie fordern uns auf, genau hinzusehen. Während die Methoden des verzögerten Lesens (das Weglassen der Überschrift, das Zerschnippeln in Zeilen) in der Mittelstufe meist noch "funktionieren", fühlen sich die jungen Erwachsenen in der Kursstufe oft zu sehr gegängelt oder gar unterfordert, wenn ihnen - so ihr Eindruck - ein Text als Rätsel vorgelegt wird. Textrezeption als Basis für Hypertextproduktion Die Produktion von Hypertexten zwingt dazu, die verschiedenen Texte und Bilder, die ursprünglich nicht zusammengehören, miteinander in Beziehungen zu setzen und dabei logische Hierarchien aufzubauen. Man muss also die Sache genau durchdenken, gleichzeitig aber auch die angesprochenen Personen, also die potentiellen LeserInnen und deren Bedürfnisse nach Information, Anregung und Orientierung vorausschauend berücksichtigen. Präsentation als Zielsetzung Rilkes "Panther" wird als ganzer Text präsentiert, jedoch nicht allein, sondern im Verbund mit ganz unterschiedlichen Texten - fiktional erzählenden, autobiografischen, interpretierenden - und mit Bildern: "Der Panther" wird zum Ausgangstext eines Hypertextes, den die Schülerinnen und Schüler selbst erstellen und der im öffentlichen Raum Bestand haben muss - sei es kurs- oder schulintern, sei es im Netz. Motivationssteigerung Dass die Aussicht auf eine Veröffentlichung im Netz nicht nur die Motivation steigert, sondern auch zu sorgfältigem Arbeiten im Team zwingt, liegt auf der Hand. Medienkompetenz wird hier im doppelten Sinn erworben - als praktische Nutzungs- und Gestaltungskompetenz, aber auch als Beurteilungskompetenz gegenüber einem Medium, das auf Jugendliche eine große Faszination ausübt, die kritisches Denken oft verdrängt. Unterrichtsmaterial Diese Texte und Bilder, die sich auf je unterschiedliche Weise mit dem Gedicht "Der Panther" beschäftigen, bilden die Grundlage für die Unterrichtseinheit. Unterrichtsablauf Die einzelnen Unterrichtsschritte werden hier erläutert. Die Schülerinnen und Schüler finden einen Zugang zur Lyrik. setzen ein Gedicht mit anderen Texten und Bildern in Kontext. lernen hypertextlich denken und arbeiten. erstellen einen eigenen Hypertext und präsentieren ihn. Herangehensweise Gedichte sind Texte, die sich vielen LeserInnen nur schwer erschließen. Sie fordern uns auf, genau hinzusehen. Während die Methoden des verzögerten Lesens (das Weglassen der Überschrift, das Zerschnippeln in Zeilen) in der Mittelstufe meist noch "funktionieren", fühlen sich die jungen Erwachsenen in der Kursstufe oft zu sehr gegängelt oder gar unterfordert, wenn ihnen - so ihr Eindruck - ein Text als Rätsel vorgelegt wird. Textrezeption als Basis für Hypertextproduktion Die Produktion von Hypertexten zwingt dazu, die verschiedenen Texte und Bilder, die ursprünglich nicht zusammengehören, miteinander in Beziehungen zu setzen und dabei logische Hierarchien aufzubauen. Man muss also die Sache genau durchdenken, gleichzeitig aber auch die angesprochenen Personen, also die potentiellen LeserInnen und deren Bedürfnisse nach Information, Anregung und Orientierung vorausschauend berücksichtigen. Präsentation als Zielsetzung Rilkes "Panther" wird als ganzer Text präsentiert, jedoch nicht allein, sondern im Verbund mit ganz unterschiedlichen Texten - fiktional erzählenden, autobiografischen, interpretierenden - und mit Bildern: Der Panther wird zum Ausgangstext eines Hypertextes, den die SchülerInnen selbst erstellen und der im öffentlichen Raum Bestand haben muss - sei es kurs- oder schulintern, sei es im Netz. Motivationssteigerung Dass die Aussicht auf eine Veröffentlichung im Netz nicht nur die Motivation steigert, sondern auch zu sorgfältigem Arbeiten im Team zwingt, liegt auf der Hand. Medienkompetenz wird hier im doppelten Sinn erworben - als praktische Nutzungs- und Gestaltungskompetenz, aber auch als Beurteilungskompetenz gegenüber einem Medium, das auf Jugendliche eine große Faszination ausübt, die kritisches Denken oft verdrängt. Präsentation als Zielsetzung Rilkes "Panther" wird als ganzer Text präsentiert, jedoch nicht allein, sondern im Verbund mit ganz unterschiedlichen Texten - fiktional erzählenden, autobiografischen, interpretierenden - und mit Bildern: Der Panther wird zum Ausgangstext eines Hypertextes, den die SchülerInnen selbst erstellen und der im öffentlichen Raum Bestand haben muss - sei es kurs- oder schulintern, sei es im Netz. Motivationssteigerung Dass die Aussicht auf eine Veröffentlichung im Netz nicht nur die Motivation steigert, sondern auch zu sorgfältigem Arbeiten im Team zwingt, liegt auf der Hand. Medienkompetenz wird hier im doppelten Sinn erworben - als praktische Nutzungs- und Gestaltungskompetenz, aber auch als Beurteilungskompetenz gegenüber einem Medium, das auf Jugendliche eine große Faszination ausübt, die kritisches Denken oft verdrängt. Zunächst müssen Materialien gesammelt und/oder bereit gestellt werden. Alle Texte sind über den Buchhandel und über öffentliche Bibliotheken leicht zugänglich oder gehören sogar zum Bestand der schulinternen Lehrerbibliothek. Einige Gedichte und Bilder können Sie gleich hier für den Einsatz im Unterricht downloaden. Hersberger Malertreff - Bilder zu Rilkes "Panther" Diese Bilder verschiedener Malerinnen und Maler sind im Bildungswerk Schloss Hersberg, Immenstaad am Bodensee, entstanden. Die Aufgabe war: Setzen Sie das Gedicht malerisch um. Beim Vergleich der Bilder mit fotografischen Abbildungen aus Biologiebüchern wird klar, dass Malen und Zeichnen hier eine Form der Interpretation sind. Die Bilder können auch als Anregung aufgenommen werden, den Text durch ein Layout zu gestalten und damit zu deuten. Hartmut von Hentig. Meine deutschen Gedichte Eine Sammlung: Erhard Friedrich gewidmet. Seelze: Kallmeyer bei Friedrich in Velber 1999. S.578 Der Pädagoge und Philologe Hartmut von Hentig ordnet den Panther in das Kapitel "Bilder malen" ein. Der kurze Einleitungstext des Kapitels erklärt diese Einordnung und weist auf Parallelen zwischen der modernen bildenden Kunst und den Gedichten des Kapitels hin. Text- und Bildrezeption Methodisch beginnt die Unterrichtseinheit mit einer Stationenarbeit im Klassenzimmer - nicht im PC-Raum. Die Texte werden vergrößert fotokopiert und am besten in zwei bis drei Exemplaren im Raum ausgehängt. Die Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, alle Texte zu lesen (und die Bilder anzuschauen) und sich auf einer Art Laufzettel Notizen dazu zu machen. Um Staus zu vermeiden, bereitet die Lehrkraft dazu am besten Zettel mit den Nummern der Stationen vor und lost die jeweilige Anfangsstation aus. Weiter geht es dann im Uhrzeigersinn. Diskussion Schon hier werden sich ganz von selbst erste Gespräche über die Texte entwickeln. Der Ausgangstext - Rilkes "Panther" - wird immer wieder neu gelesen, das Textverständnis erweitert und vertieft sich im hermeneutischen Sinn. Verknüpfungen Die Schülerinnen und Schüler bilden Kleingruppen und versuchen, die Texte und Bilder (sowie gegebenenfalls andere Materialien aus dem Unterricht oder Websites) mit dem "Panther" in Beziehung zu setzen. Auf einem Papierbogen (DIN A 3) entwerfen sie die Struktur eines Hypertexts, sie verlinken die Texte, indem sie mit Hilfe ihrer Notizen "Platzhalter", Post-it-Zettel mit den wichtigsten Stichworten, aufkleben. Interpretation Auch formale Entscheidungen über die Hyperlinks, etwa ob sie von einzelnen Wörtern des Gedichts ausgehen oder von Begriffen einer Schaltfläche neben dem Text (Frame), müssen diskutiert werden und führen dabei in Interpretationsfragen. Dabei wird schnell klar, dass die Verlinkung der Texte allein nicht ausreicht. Textproduktion Erläuternde Einleitungen oder Kommentare müssen geschrieben werden. Da dies bei den Romanen, die übrigens allesamt ein ausgesprochenes Lesevergnügen sind, nur möglich ist, wenn diese im Ganzen zumindest kursorisch gelesen werden, bieten sich Buchvorstellungen oder Referate dazu an. Leseförderung entsteht so als Nebeneffekt. Kurzpräsentation Die verschiedenen Gruppenergebnisse werden im Plenum vorgestellt und diskutiert. Offline-Konzeption Die Fassung, die ins Netz gestellt werden soll, wird auf Packpapier mit den fotokopierten Texten (Bildern) vorbereitet. Die Verlinkung erfolgt mit Wollfäden. Die verschiedenen Hierarchieebenen werden dabei deutlich - und Spaß macht die Arbeit auch. Online-Realisation Erst jetzt geht es an den PC. Die technische Umsetzung des Hypertexts - das Einscannen oder Eintippen der Texte und der Umgang mit einem html-Editor - schreckt die Lehrkraft wahrscheinlich mehr als die SchülerInnen. Das Produkt der Arbeit kann den Schülerinnen und Schüler auf verschiedene Arten zur Verfügung gestellt werden: auf Diskette oder CD-ROM, am besten natürlich als "echte" Website. Auch hier kann die Lehrkraft fest auf die Ideen und das Engagement einiger Computer-Freaks bauen, die sich ohne Rücksicht auf den Schulgong darum kümmern, dass alles bestens läuft. Allen Anfängerinnen und Anfängern sei gesagt: Es ist nicht so schwer, wie man meint. Zur Not kauft man sich ein Computer-Handbuch und übt zu Hause. Natürlich bietet sich hier auch die Chance, die Lehrerrolle wirklich einmal an Schülerinnen und Schüler abzugeben, die sich auf diese Aufgabe allerdings vorbereiten müssen - auch methodisch. Im Portal Lehrer-Online ist eine Unterrichtseinheit von Claudia Mutter zu Rilkes Dinggedicht "Der Panther" veröffentlicht. Unter der Überschrift Text und Kontext weist eine kurze Einführung in das Thema ein und stellt tabellarisch die wichtigsten Fakten zur Unterrichtseinheit dar, wie sie hier wiedergegeben werden: Diese Angaben sind richtig und sinnvoll. Der benötigte Zeitraum wurde großzügig bemessen. Die Medien können bei Bedarf durch andere, gleichwertige Medien ersetzt werden. Auf Grund dieser Angaben kann sich der Besucher der Einstiegsseite entschließen, die angebotenen Materialien zur Unterrichtseinheit herunterzuladen. Zu diesem Zweck werden drei Dateien angeboten: beschreibung.pdf (124242 Byte) - Ein PDF-Dokument mit ausführlicher Beschreibung der Unterrichtseinheit panther_bilder.zip (116667 Byte)- Ein Zip-Archiv mit drei künstlerischen Darstellungen von Pantern als jpg-Grafiken panther_rilkes_tiergedichte.rtf (24337 Byte) - Das Gedicht Der Panther und weitere Tiergedichte Rilkes als rtf-Datei Das PDF-Dokument enthält auf fünf Seiten einen didaktisch-methodischen Kommentar mit Aussagen zur Herangehensweise, zu Textrezeption als Basis für Hypertextproduktion, Präsentation als Zielsetzung und Motivationssteigerung. Es folgt eine Vorstellung von Texten und Bildern für den Unterricht, wobei namentlich Auszüge aus Ulla Hahns Das verborgene Wort, Henning Boetius, Phönix aus der Asche, Ruth Klüger, weiter leben: Eine Jugend, Wolfgang Leppmann, Des Schrecklichen Ende und nochmals Ulla Hahn, Gedichte fürs Gedächtnis genannt werden. Mit diesen und weiteren, selbst recherchierten Materialien lässt sich der daran anschließende Aufbau der Unterrichtseinheit bestreiten. Dabei kommen verschiedene Arbeitsformen zum Einsatz: Stationenarbeit und Diskussion dienen der Text- und Bildrezeption, in Gruppenarbeit werden Verknüpfungen, Interpretation, Textproduktion und Kurzpräsentation vorbereitet, die Ergebnissicherung wird offline konzipiert und online realisiert. Den Abschluss bildet eine allgemeine Präsentation der Schülerarbeiten auf elektronischem Weg (Diskette, CD-ROM oder Internet). Claudia Mutters Unterrichtsmodell ist gut durchdacht, enthält alle für die unterrichtliche Umsetzung notwendigen Hinweise und viele Materialien und spricht die Schüler durch die Einbeziehung der neuen Medien in besonderer Weise an. Die skizzierte Vorgehensweise ist dazu geeignet, die Schülerinnen und Schüler zu weiterer Beschäftigung mit Lyrik und der Lektüre motivverwandter Texte zu motivieren. Die Unterrichtseinheit "Der Panther" ist ein Beispiel für eine Vielzahl ausgesucht gelungener, von FachkollegInnen entwickelten und erprobten und im Portal Lehrer-Online kostenlos herunter zu ladenden Materialien. Günther Neumann ist bayerischer Landesbeauftragter für Computereinsatz im Fachunterricht Deutsch.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Sekundarstufe II

Schlagwort Globalisierung

Unterrichtseinheit

Verschiedene Perspektiven des Phänomens Globalisierung sollen in dieser Unterrichtsreihe reflektiert und in Beziehung zu eigenen Erfahrungen und Standpunkten gesetzt werden, um das Schlagwort Globalisierung semantisch zu erweitern.In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts suchte man in Wörterbüchern den Begriff Globalisierung vergebens. Inzwischen gehört das Schlagwort zum allgemein geläufigen Wortschatz. Auf Chancen und Risiken der Globalisierung verweisen Politiker gerne. Mit der Konkurrenzfähigkeit auf globalisierten Märkten wird von Wirtschaftsexperten viel rechtfertigt, sei es den Abbau von Arbeitsplätzen oder die Senkung von Löhnen. Unternehmen verlangen mit dem Verweis auf Globalisierung vom Staat steuer- und abgabengünstige neue Modelle und drohen mit der Abwanderung in andere Weltregionen. Von Globalisierung reden auch die, die das Internet als Möglichkeit zu globaler Kommunikation über alle Grenzen hinweg bis in alle Winkel der Erde anpreisen.Diese Anregung zur Durchführung einer Unterrichtsreihe besteht aus mehreren Bausteinen. Die Bausteine 3, 4, 5 und 6 können entweder komplett in fortlaufenden Unterrichtsschritten oder in Form von Lernstationen angeboten werden. Didaktische Vorbemerkung Globales Lernen als pädagogische Antwort auf Globalisierung Baustein 1 Vorstellungen der Jugendlichen zur Globalisierung als Ausgangspunkt: eine Bestandsaufnahme Baustein 2 Auseinandersetzung mit der multimedialen CD-ROM "Globalisierung" Baustein 3 Globalisierung betrifft viele Lebenszusammenhänge des Einzelnen Baustein 4 Positionen zur Globalisierung - Offizielle Stimmen aus der Bundesrepublik Baustein 5 Positionen zivilgesellschaftlicher Initiativen zur Globalisierung Baustein 6 Karikaturen als Stimmen aus dem Süden zur Globalisierung Die Schülerinnen und Schüler sollen auf die Komplexität von Globalisierung aufmerksam werden, eigene Vorstellungen formulieren und nach der Auseinandersetzung mit anderen Definitionen erweitern können. in ihrer eigenen Lebenswelt auf Globalisierungstendenzen und Folgen von weltweiten Globalisierungsprozessen aufmerksam werden und diese in Ansätzen beschreiben können. darauf aufmerksam werden, dass Globalisierung in den verschiedenen Regionen der Welt unterschiedlich empfunden und interpretiert wird. Thema Globalisierung - ein umstrittener Begriff Autor Martin Geisz Fach SoWi, Politik, Gemeinschaftskunde Zielgruppe Klassen 10 bis 13 Zeitumfang 8-12 Unterrichtsstunden Technische Voraussetzungen Computer mit Internetzugang, Textverarbeitungsprogramm In der Formulierung auf dem Hamburger Bildungsserver heißt es: "Wir verstehen Globales Lernen als pädagogische Antwort auf Globalisierung. Sie macht als Weiterentwicklung des Dritte-Welt-Unterrichts und der Eine-Welt-Pädagogik Zukunftsfähigkeit zum (lebenslangen) Lernziel." Wie sollen Lehrerinnen, Lehrer, Schülerinnen und Schüler mit einem Schlagwort umgehen, das ihnen in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen so undifferenziert präsentiert wird? Wie sollen sie selbst einen eigenen Standpunkt finden? Ein Grundansatz sollte bei der Durchführung dieser Unterrichtseinheit immer vermittelt werden, den die Werkstatt Oekonomie wie folgt formuliert: "Wichtiger aber ist, dass 'Globalisierung' (was das im Einzelnen auch immer sein mag) kein Naturereignis ist, dem Gesellschaften hilflos ausgesetzt wären: Globalisierung wird gemacht und damit ist Globalisierung auch in Grenzen steuerbar. Daher ist es höchste Zeit, der Selbst-Entmachtung der Politik im Zeichen des Fetisch Globalisierung eine neue Ermächtigung demokratischer Politik zur Regulierung der Wirtschaft entgegenzusetzen. Globalisierung verlangt politische Offensiven. In diesem Unterrichtsvorschlag soll der Begriff "Globalisierung" selbst zum Gegenstand von Lernbemühungen werden. Es geht allerdings nicht um eine endgültige Klärung der Begrifflichkeit, sondern um eine Annäherung an das, was sich hinter dem Begriff verbergen kann. Kein schulisches Thema scheint mir so eng mit den Möglichkeiten, Chancen und Gefährdungen von Neuen Medien, insbesondere des Internets, verbunden zu sein, wie die Auseinandersetzung mit Globalisierung. Einerseits ist das WWW Ergebnis von Globalisierungsbemühungen und -tendenzen, andererseits ist es das Medium, mit dem kritische Informationen zum Thema weltweit veröffentlicht werden. Es ist das Medium für Befürworter und Kritiker gleichzeitig. Recherchieren Die freie Recherche ist nicht mehr allein das Privileg von wenigen (Redakteuren, Autoren, Spezialisten), sondern wird allen ermöglicht, die Zugang zum Internet haben. Dass damit neue Probleme aufkommen, ist klar. Hier ist besonders das Problem der Verlässlichkeit von Informationen und die Zuverlässigkeit gefundener Adressen zu nennen. Der Umgang mit der wachsenden Komplexität der angebotenen Informationen bleibt wichtiges Unterrichtsthema. Kriterien zur Glaubwüridgkeit von Internetseiten müssen entwickelt und diskutiert werden [vgl. Martin Geisz: Wir sind drin. AOL-Verlag. Lichtenau 2002, S. 7] Eigene Recherche ist in der Arbeit zu allen Bausteinen eine wichtige Aufgabe. Hier scheint mir wichtig, der weitverbreiteten unkritischen Nutzung von Suchmaschinen zu begegnen. Im Baustein 1 kommt der Blick auf Online-Lexika hinzu. Kommunizieren Auch bei der Kontaktaufnahme ergeben sich durch das WWW neue Möglichkeiten: E-Mail, Chat und Newsgroups ermöglichen schnelle und direkte Verbindungen. Diese Möglichkeiten sollen in dieser Unterrichtseinheit genutzt werden. Präsentieren Das Präsentieren von Arbeitsergebnissen für die Gesamtgruppe, aber auch für eine größere interessierte Öffentlichkeit ist in mehreren Bausteinen denkbar. Besonders in Baustein 6 spielen die Möglichkeiten multimedialer Aufbereitung von Informationen eine pädagogisch wichtige Rolle. So können Zusammenhänge wesentlich anschaulicher und differenzierter verdeutlicht und für die Lernbemühungen nutzbar gemacht werden. Die Differenzierungen, die wir Lehrer von global und lokal haben, entsprechen nicht unbedingt der Vorstellungs- und Lebenswelt von Jugendlichen, die die von ihren Lehrkräften gemachten Erfahrungen gar nicht kennen. Wer zum Beispiel den Kalten Krieg aus eigener Anschauung nicht kennt, denkt anders über weltweite Kontaktmöglichkeiten. Für ihre Gegenwart sind Jugendliche Experten. Lehrkräfte kommen an den Vorstellungen von Jugendlichen von Globalisierung nicht vorbei. Ich schlage vor, auf ein gemeinsames Lernen zu setzen, das auch Lehrervorstellungen durchaus grundlegend in Frage stellen kann. Daher favorisiere ich zu Beginn der Unterrichtsreihe eine Unterrichtsorganisation, die zunächst beim einzelnen Schüler ansetzt und dann die Ergebnisse in einer Gruppe vergleichen lässt. 1.Schritt: Einzelarbeit Schülerinnen und Schüler bearbeiten das Arbeitsblatt 1. 2. Schritt: Kleingruppenarbeit Die eigenen Ergebnisse werden in einer kleinen Gruppe (4 Personen) verglichen. Die Gruppe kann abschließend eine gemeinsame Position formulieren. 3. Schritt: Plenum Alle Gruppenergebnisse werden an einer Infowand gesammelt und von der Gesamtgruppe betrachtet. Am Ende der Unterrichtseinheit können die Ergebnisse nochmals mit den ersten Erwägungen verglichen werden. Die CD-ROM "Globalisierung", herausgegeben vom DGB-Bildungswerk bietet eine Fülle von Informationen zum Themenfeld Globalisierung. Wegen des immensen Umfangs empfiehlt es sich, die thematischen Schwerpunkte arbeitsteilig zu behandeln, so dass zum Beispiel in Form von Schülerreferaten einzelne Aspekte angesprochen und vertieft werden. Sollte die CD-ROM nicht vorhanden sein, lohnt sich auch eine Beschäftigung mit dieser Website Infopool Unter dem Menüpunkt "Infopool" bietet die Homepage Infos, die für den Unterricht zum Teil interaktives Anschauungsmaterial bieten. Kolonien-Spiel: Kennen Sie die ehemaligen afrikanischen Kolonien? Fairer Sport - Faire Produktion? Produktion und Marketing von Sportartikeln. Weltweit agierende Konzerne - welche Modelle für weltweite Verflechtungen gibt es? Weltreise einer Jeans - Weltweite Produktion - von der Baumwolle zur Jeans legt das Produkt viele Kilometer zurück. Vergleich verschiedener Länder mit Deutschland. Im Unterricht sollten verschiedene Aspekte zur Sprache kommen. Das Gruppenarbeitsblatt schlägt Schwerpunkte vor. Für die Schwerpunkte "Alltag", "Schule", "Medien" gibt es auf dem Arbeitsblatt Hilfen. 1. Schritt Auswahl des Schwerpunkts aus dem Angebot 2. Schritt Recherchearbeit in den Gruppen 3. Schritt Auswertung der Ergebnisse 4. Schritt Ergänzung der Ergebnisse aus Baustein 1 5. Schritt Präsentation der Ergebnisse in der Gesamtgruppe In diesem Baustein gibt es - durchaus auch aufbauend auf den Arbeitsergebnissen des Bausteins 1 eine Auseinandersetzung mit offiziellen Stimmen aus der BRD zu "Globalisierung". Für die Arbeit sind markante Positionen herausgegriffen. Sie werden in jeweils einem Arbeitsblatt in Auszügen angeboten, sie sind aber auch ungekürzt im WWW verfügbar. Es bietet sich hier an, das Internet als Kommunikationshilfe zu nutzen (E-Mail, Forum). Nach meiner Erfahrung werden Anfragen durch Schülerinnen und Schüler per E-Mail von offizieller Seite oft kompetent beantwortet. Denkbar wäre, in der Gesamtgruppe gezielte Fragen zu erarbeiten und diese an Parteien/Verbände zu richten und die Antworten in einer eigenen Unterrichtssequenz weiter zu bearbeiten. www.bundespraesident.de "Berliner Rede" von Bundespräsident Johannes Rau zum Thema: "Chance, nicht Schicksal - die Globalisierung politisch gestalten" www.bpb.de Enquetekommission des Bundestags "Globalisierung der Weltwirtschaft - Herausforderungen und Antworten" Diese recht umfangreichen Informationen finden sich in unterrichtsgerechten Auszügen wieder auf der Seite des Autors: www.globlern21.de Bei der Arbeit an der Thematik dieses Bausteins gibt es aber auch die Möglichkeit einer eigenständigen vertiefenden Recherche über diese drei Positionen hinaus. Hier werden die WWW-Adressen von parteinahen Stiftungen, dem DGB und NGOs angeboten. www.fes.de Friedrich-Ebert-Stiftung: "Fokus: Globalisierung und Gerechtigkeit" www.kas.de Grundpositionen der Konrad-Adenauer-Stiftung www.venro.org Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen e. V. Von der Mitgliederdatenbank gelangt man auf die Webseiten der einzelnen Mitglieder. In diesem Baustein sollen zivilgesellschaftliche Impulse aufgegriffen werden. Organisationen wie "attac", Greenpeace oder Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit, die sich im Dachverband "VENRO" organisiert haben, haben Globalisierungsprozesse und ihre Folgen bei uns, aber auch in anderen Regionen der Welt im Auge. Im Internetangebot nimmt die kritische Auseinandersetzung mit Globalisierungsprozessen einen wichtigen Stellenwert ein. Zur Bedeutung von Zivilgesellschaften finden Sie hier einige verweisende Links. Im Politikunterricht sind Karikaturen ein beliebtes Unterrichtsmedium. Sie kommentieren, provozieren und erregen Anstoß. Die in diesem Baustein präsentierten Karikaturen von Künstlern aus dem Süden nehmen engagiert zu "Globalisierung" Stellung. Die Grafiken dürfen mit freundlicher Genehmigung des Epd (Evangelischer Pressedienst) hier veröffentlicht und zu Unterrichtszwecken verwendet werden. Betrachtung Die Karikaturen werden im Dateiaustausch des virtuellen Klassenraums bei lo-net abgelegt und dort von den Schülerinnen und Schülern betrachtet Kommentierung Die Schülerinnen und Schüler verschriftlichen ihre Eindrücke im lo-net-Forum und kommentieren die Beiträge der anderen Klassenmitglieder. Erarbeitung Erarbeitung nach den Vorgaben des Arbeitsblatts (eventuell in Kleingruppen, arbeitsteilig) Präsentation Präsentation der Karten an einer Infowand Diskussion Betrachtung in der Gesamtgruppe, Gespräch, Diskussion Betrachtung Die Schülerinnen und Schüler müssen die in mehrere Teile zerschnittene Karikatur wieder zusammensetzen. Analyse Die Lehrperson projiziert die Karikatur mithilfe eines Overheadprojektors.

  • Politik / WiSo / SoWi
  • Sekundarstufe II

Kulturdenkmal - medial erschließen

Unterrichtseinheit

Wie kann ein Kulturdenkmal im schulischen Unterricht erschlossen werden, und welche Rolle können dabei Medien spielen? Die Unterrichtseinheit stellt ein bereits durchgeführtes Projekt vor. Anhand dieses Beispiels werden Möglichkeiten der praktischen Umsetzung sichtbar. Zugleich soll das Projekt dazu anregen, eigene ähnliche Vorhaben zu entwickeln und an den jeweiligen Lernort anzupassen. Das ehemalige Benediktinerinnenkloster St. Johannis in Schleswig bildet den Ausgangspunkt für das einjähriges Schulprojekt der elften Klasse. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich fächerverbindend mit der Geschichte, der heutigen Gestalt und dem Erhalt der mittelalterlichen Klosteranlage auseinander. Dabei entstehen unterschiedliche Projektergebnisse – von einem Klostermodell und einem Brettspiel bis hin zu einem virtuellen Rundgang und einem abschließenden Klosterfest. Das Förderprogramms "denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule" der Deutschen Stiftung für Denkmalschutz unterstützt das durchgeführte Projekt und zeigt beispielhaft, wie die Beschäftigung mit einem Kulturdenkmal vielfältig und praxisnah in den Unterricht eingebunden werden kann. "Alte Gemäuer", so ein Zitat eines Schülers, stoßen bei 16- und 17-Jährigen nicht sofort auf Begeisterung und uneingeschränktes Interesse. Von den am Projekt beteiligten Jugendlichen wussten zu Beginn des Projekts nur wenige von der Existenz des Klosters, niemand kannte seine kunst- und kulturgeschichtliche Bedeutung. Das ungewöhnlich lange Projekt mit einer Laufzeit von einem Schuljahr brauchte eine besonders gut überlegte, nachhaltig wirkende Motivations- und Planungsphase. Projektmethode: Eingangsphase Das Projekt orientiert sich grundsätzlich an den Phasen der Projektmethode nach Karl Frey (Die Projektmethode, 2007). Die Eingangsphase hat zum Ziel, das Interesse der Lerngruppe an der gewählten Thematik zu wecken. Das erscheint nicht ganz einfach: Jugendlichen ein altes Klostergebäude am Stadtrand nahezubringen und sie zu motivieren, ein langes Jahr Engagement und harte Arbeit in dieses Objekt zu investieren, mag zunächst als eine fast unmögliche Aufgabe erscheinen. Es handelt sich nicht um einen Bereich aus ihrer Lebenswelt, und es ist auch kein Thema, das von sich aus neugierig macht. Deshalb wird nach Berührungspunkten und Motivationsstrategien gesucht. Die Schülerinnen und Schüler tragen ihr Vorwissen über das Kloster zusammen, Meinungen und Voreinstellungen zum Objekt werden ausgetauscht. Anschließend werden erste Recherche-Aufgaben zum Kloster verteilt, die in Gruppen zu bearbeiten sind. Ein allererstes Interesse regt sich bereits bei der Verteilung dieser Aufgaben, da die Schülerinnen und Schüler möglichst selbstständig arbeiten sollen, sie bewusst aus der Schule hinaus geschickt und an andere Menschen verwiesen werden. Zudem sollen sie Medien einsetzen, die ihnen vertraut sind: das Internet und Digitalkameras. "Stellen Sie sich mal vor, in der Tourist-Info gibt es überhaupt nichts über das Kloster!" Dieser entrüstet vorgetragene Kommentar einer Schülerin in der zweiten Stunde belegt, dass der motivierende Einstieg erste Wirkungen zeigt. Dem allgemeinen Wunsch, mehr über das Kloster und seine Geschichte zu erfahren, wird mit einem methodischen Wechsel zwischen Begehungen des Klosters, Führungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und eigener Recherche der Arbeitsgruppen an weiteren außerschulischen Orten nachgekommen. Neben einer baugeschichtlich und kunsthistorisch ausgerichteten Begehung ist in dieser Phase eine Führung durch die amtierende Priorin des Klosters besonders motivierend, da sie die Jugendlichen als Person und durch ihr eigenes Engagement für die Sache zu begeistern vermag. Die Erwartungshaltung und das Vertrauen, das von allen außerschulischen Beteiligten in sie gesetzt wird, liefert den Schülerinnen und Schülern zu jedem Zeitpunkt des Projekts wichtige Motivationsschübe. Sie lernen dabei zunehmend eigenständig zu arbeiten und ihr Vorgehen vor sich selbst und vor anderen zu verantworten. Zur gezielten Informationsbeschaffung und -verarbeitung lernen die Schülerinnen und Schüler während der Recherchephase sich einer ganzen Bandbreite wissenschaftlicher Methoden zu bedienen. Dabei stehen traditionelle Methoden, wie Literatur in verschiedenen Bibliotheken zu recherchieren, Texte zu exzerpieren oder Fachvokabular nachzuschlagen, neben der Internetrecherche, die sie systematisch und kritisch zu betreiben lernen. Internetquellen sollen korrekt zitiert werden. Daneben gilt es aber auch, örtliche Archive aufzusuchen, mit Findbüchern zu arbeiten und Archivmaterialien zu bestellen. Handschriften oder Baupläne sollen gelesen und verstanden werden. Internetdatenbanken und digitalisierte Bibliothekskataloge veranschaulichen den Schülerinnen und Schülern, wie traditionelle und mediale Recherchemethoden in den heutigen Kulturwissenschaften ineinandergreifen. Handlungs- und Produktorientierung Handlungs- und Produktorientierung ist eine traditionelle Säule der Kunstdidaktik, die sich im Projektunterricht wiederfindet. Ein entscheidender Wendepunkt des Projekts von der Informationsphase zur Phase der zielgerichteten Arbeit an Produkten wird durch die Einladung an Mitglieder des Freundeskreises des Klosters eingeleitet. Die Idee der Schülerinnen und Schüler ist es, die eigene Arbeit in den Dienst der Öffentlichkeitsarbeit dieses Gremiums zu stellen, um sicher zu gehen, dass die eigenen Initiativen in die richtige Richtung führen. Nach diesem Gespräch entscheiden sich die Schülerinnen und Schüler für fünf Produkte, zu deren Erarbeitung sie sich in neuen Gruppen zusammenfinden. Bei den Entscheidungen spielen neben den Wünschen des Freundeskreises die eigenen Fähigkeiten und Interessen eine wichtige Rolle. Nach den Gesprächen mit dem Arbeitsgruppen entscheiden sich die Schülerinnen und Schüler für fünf Produkte. Virtueller Rundgang durch die Klosteranlage auf CD-ROM Flyer zur Klosteranlage Modell des Klosters und Modellbaubogen Klosterspiel (Brettspiel) Organisation eines Klosterfestes Es zeigt sich, dass die meisten Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen im gestalterischen Umgang mit digitalen Medien sehen und sich zutrauen, diese Fähigkeiten in den Dienst des "alten Gemäuers" und seiner Erhaltung zu stellen. Hier scheinen die Schnittmengen zwischen der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und den Interessen derjenigen zu liegen, die sich für den Erhalt und die Nutzung von Kulturdenkmalen engagieren. Die einzige Gruppe, die für ihr Produkt weitgehend auf den Einsatz digitaler Medien verzichtet, plant die Gestaltung eines Brettspiels. Umsetzungsphase Zu Beginn der Umsetzungsphase formulieren die Gruppen ihre Zielvorstellungen, stellen Arbeitspläne auf und verteilen die Arbeitsaufträge an die Gruppenmitglieder. In dieser Phase brauchen sie die Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer, die darauf achten, dass die Ziele so konkret formuliert werden, dass sie einlösbar und nachprüfbar sind. Die endgültig formulierten Zielvereinbarungen bilden die Grundlage für die Arbeitspläne der Arbeitsgruppen, deren Einhaltung über regelmäßige Protokolle dokumentiert wird. Dabei ergeben sich im Verlauf des Projekts über Selbstreflexionen des Arbeitsstands der Gruppen Korrekturen an den Zielformulierungen, die immer der gemeinsamen Absprache bedürfen. Alle Arbeitsunterlagen sind über ein Internetforum allen Beteiligten jederzeit zugänglich. Die Verknüpfung von "altem Gemäuer" mit neuen Medien kann für die Jugendlichen einen Schlüssel zur eigenen regionalen Kulturgeschichte bedeuten. Die Kenntnisse der Jugendlichen im Umgang mit digitalen Medien finden hier ein Aktionsfeld, auf dem, für sie unerwartet, großer Bedarf für ihre Arbeit besteht. Diejenigen, die sich professionell mit den Objekten des Denkmalschutzes beschäftigen, sind zeitlich kaum in der Lage, Öffentlichkeitsarbeit im notwendigen Umfang zu leisten. Und diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren, verfügen oft nicht in dem Maß über Kenntnisse und Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien wie die Jugendlichen. So finden hier zwei Interessen in sinnvoller Weise zusammen. Die Jugendlichen lernen die Bedeutung von Medien für Öffentlichkeitsarbeit kennen und erfahren, dass ihre Fähigkeiten und Kenntnisse an einer Stelle und von Menschen geschätzt und gebraucht werden, von denen sie es so nicht erwartet hätten. Im Verlauf des Projekts erweitern die Jugendlichen ihre Erfahrungen mit ihnen bekannten Computerprogrammen und experimentieren mit neuen. Sie lernen Programme und Medienangebote gezielt für bestimmte Absichten öffentlichkeitswirksam auszuwählen und einzusetzen. Beispielsweise erarbeiten sie sich bei der Gestaltung des Faltblatts und des virtuellen Rundgangs professionelle Kriterien für die Auswahl von Fotos für Publikationen. Sie lernen bereits beim Fotorundgang auf Bildausschnitt, Belichtung und perspektivische Richtigkeit zu achten, etwa stürzende Linien zu vermeiden. Die Arbeit am Computer erfahren sie als ergänzende, kommunikative und interaktive Gruppenarbeit. Beim Modellbau lernen sie, Dreidimensionalität anhand von Bauplänen, Zeichnungen und Fotos zu rekonstruieren, fehlende Größen bei der Auswertung der Baupläne zu berechnen, Fassaden zeichnerisch zu gestalten, Materialien für ein maßstabgerechtes Modell zu erproben und geeignete Materialien zu wählen. Das Projekt wurde von einem Seminar des Kunsthistorischen Instituts der Christian-Albrechts-Universität Kiel begleitet. Im Rahmen ihrer kunstdidaktischen Ausbildung arbeiten Studentinnen und Studenten inhaltlich und organisatorisch am Projekt mit. Jeweils vor und nach der wöchentlichen Doppelstunde werten die Studierenden den beobachteten und gehaltenen Unterricht aus und bereiten die nächste Stunde gemeinsam vor. Ihre Rolle reicht von der teilnehmenden Beobachtung bis hin zur der Beratung und Mitarbeit in den Gruppen. In ihrem Wissen über das Kloster stehen sie nahezu auf einer Stufe mit den Schülerinnen und Schülern - ihr didaktisches und methodisches Wissen, ihre Erfahrungen im wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeiten und in der Projektarbeit stellen sie dagegen auf eine Stufe mit den Lehrenden. Die Schülergruppen benötigen und akzeptieren die Beratung und Begleitung in ganz unterschiedlicher Weise. Einige holen sich vorrangig technische Hilfe, beispielsweise Beratung bei der Materialwahl für den Modellbau, eine andere Gruppe benötigt dagegen in hohem Maße die Unterstützung bei der Lösung sozialer und kommunikativer Probleme. Ergebnisse und Präsentation Der virtuelle Rundgang durch das Kloster wurde mit den Programmen GIMP und Matchware Mediator 6 Pro erstellt und als CD-ROM in kleiner Auflage produziert. Diese kann vom Freundeskreis vorgeführt und für die Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden. Zudem steht der virtuelle Rundgang auf der Website des Klosters zum Download zur Verfügung. Das Faltblatt zur Klosteranlage erstellten die Schülerinnen und Schüler mithilfe der kostenfreien Programme GIMP und Scribus. Der Freundeskreis des St. Johannisklosters konnte die notwendigen Mittel für den Druck aufbringen. Zudem lässt sich der Flyer auf der Website des Klosters herunterladen. Das Modell des St.-Johannis-Klosters um 1800 steht unter einem Glassturz im Kapitelsaal des Klosters und wird in die Klosterführungen einbezogen. Darüber hinaus erstellten die Schülerinnen und Schüler einen Modellbaubogen der Klosteranlage zum Selberbasteln. Das Arbeiten am Modellbau wurde durch das kostenfreie Programm Google SketchUp unterstützt. Eine Schülergruppe entwickelte und realisierte ein Brettspiel zum Kloster. Das Brettspiel liegt als Prototyp vor und wurde von vielen Spielerinnen und Spielern erfolgreich erprobt. Dieses Ergebnis ist das einzige, das die Schülerinnen und Schüler ohne Einsatz digitaler Medien erstellt und präsentiert haben. Das Klosterfest wurde von einer Schülergruppe organisiert, beworben und vor zahlreichem Publikum durchgeführt. Im Rahmen des Festes übergab eine Schülerin symbolisch die Projektergebnisse an die Priorin und den Vertreter des Freundeskreises. Die beteiligten Studentinnen und Studenten sowie die Projektpartner (Prof. Dr. Uwe Albrecht, CAU Kiel, Friedrich Wenner, Untere Denkmalbehörde Schleswig-Flensburg), die Schulleiter der beiden Schleswiger Gymnasien und natürlich Eltern und Freunde waren anwesend. Eine Musikgruppe der Schule umrahmte das Fest mit mittelalterlicher Musik. Schülerinnen aus dem Projektkurs führten im Kreuzgang eine szenische Lesung zur Geschichte des Klosters auf. Tipps für die Umsetzung Als besonders hilfreich hat sich in der Eingangsphase des Projekts die Zusammenarbeit mit engagierten, fachlichen Partnern vor Ort erwiesen. Eine Führung durch die im St. Johannis-Kloster lebende Priorin Frau Henny von Schiller zeigte Wirkung: Mit ihrem Witz und ihrer Aufgeschlossenheit den Jugendlichen gegenüber hatte sie großen Anteil an der wachsenden Begeisterung für das Projekt. Eine kunsthistorische Führung durch Professor Uwe Albrecht vom Kunsthistorischen Institut der Universität Kiel, Gespräche mit einem Mitarbeiter der regionalen Denkmalschutzbehörde und mit Mitgliedern des Freundeskreises schufen das notwendige Verständnis für die komplexen Probleme der Restaurierung und Finanzierung. Diese Begegnungen und Erfahrungen mit engagierten Menschen vor Ort hatten großen Anteil daran, dass die Jugendlichen für sich selbst entschieden, die Öffentlichkeitsarbeit des Klosters unterstützen zu wollen und eigene entsprechende Arbeitsvorhaben zu entwickeln. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind projektorientiertes, selbstbestimmtes Arbeiten nicht gewöhnt und müssen deshalb langsam an die zuverlässige, eigenverantwortliche Arbeit in Gruppen herangeführt werden. Den Jugendlichen wurde die Entscheidung selbst überlassen, in welcher Form sie ihre Arbeitskraft eines Schuljahres in dieses Umfeld einbringen wollen. Bei der Formulierung der Zielvorstellungen sollte sehr darauf geachtet werden, dass diese so konkret wie möglich die angestrebten Ziele benennen, so dass deren Einlösung bei Abschluss des Projekts nachprüfbar ist. Ebenso wichtig ist es, die Gruppen bei der Erstellung ihrer Arbeitspläne zu beraten, regelmäßige Protokolle der Gruppentreffen abzurufen, realistische Terminfestlegungen einzufordern und deren Einhaltung zu überprüfen. Sehr empfehlenswert ist die regelmäßige Präsentation des Arbeitsstandes vor außenstehenden Personen. Anlässlich eines Elternabends stellten die Schülergruppen ihre Arbeiten vor Eltern, Lehrerinnen und Lehrern vor. Und während einer Studienfahrt nach Benediktbeuern wurde der Arbeitsstand vor einer anderen Schülergruppe präsentiert, die ebenfalls ein Projekt im Rahmen des "denkmal-aktiv"-Programms durchführte. Jede dieser Zwischenpräsentationen führte zu einem deutlich spürbaren Motivations- und Arbeitsschub. Besonders vor der konkurrierenden Schülergruppe wollte man sich nicht blamieren. Solche Zwischenpräsentationen können für die Schülerinnen und Schüler einen Rahmen liefern, der die lange Projektlaufzeit in überschaubare Zeitabschnitte teilt und das Formulieren und Erreichen von Zwischenzielen auch aus Schülersicht sinnvoll macht. Ein Erfolgsrezept bestand nach übereinstimmender Ansicht der beteiligten Lehrerinnen und Lehrer darin, den Schülerinnen und Schülern von Anfang an zu signalisieren, dass in diesem Projekt anders als in schulischen Veranstaltungen die Verantwortung für das Gelingen der Arbeitsvorhaben den außenstehenden Partnern gegenüber bei ihnen lag und nicht von der Instanz Schule abgefangen werden würde. Die Schülerinnen und Schüler traten selbst als Fragende, Forschende und als Akteure auf. Ihnen wurde in diesem Projekt auch von der anderen Seite Vertrauen und Offenheit entgegengebracht. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler sollen die Relevanz und den Wert von Kulturerbe und Denkmalschutz an einem regionalen Beispiel erfahren. das Recherchieren und wissenschaftliche Arbeitsmethoden kennen lernen. anhand eines regionalen Beispiels ihr kunsthistorisches Wissen vertiefen. Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler sollen die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern kennen lernen. die Interessenvielfalt gesellschaftlicher Gruppierungen erfahren und ihre eigenen Interessen mit denen anderer abstimmen. zielstrebig und zuverlässig an einer termingerechten Umsetzung arbeiten und dabei lernen, innere und äußere Widerstände zu überwinden. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler sollen die Bedeutung von Medien für die Öffentlichkeitsarbeit kennen lernen. Medienangebote gezielt auswählen und sie für bestimmte Ziele und Absichten einsetzen. Qualitätsmaßstäbe für den Umgang mit digitalen Fotografien und Layoutprogrammen kennenlernen. die Arbeit am Computer als ergänzende, kommunikative und interaktive Gruppenarbeit verstehen.

  • Kunst / Kultur
  • Sekundarstufe I, Sekundarstufe II
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