Unterrichtsmaterialien zum Thema "Förderschule"

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Digitalkamera im Unterricht mit geistig Behinderten

Unterrichtseinheit

Wer mit Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung" am Computer arbeitet, muss sich oft fragen lassen, ob nicht für diese Schülerschaft andere Inhalte wichtiger sind. Das hier beschriebene Lernangebot zum Umgang mit neuen Medien richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Abschlussstufe der Schule für geistig Behinderte.Diese Jugendlichen leben in einer Welt, die entscheidend durch neue Medien geprägt ist. Die Befähigung der Schülerinnen und Schüler, diese Medien zu nutzen, ist ein Schritt zum möglichst selbst bestimmten Leben in sozialer Integration und entspricht damit der Zielsetzung unserer Schulart. Darüber hinaus ermöglichen es neue Medien den Jugendlichen, bestimmte behinderungsbedingte Schwierigkeiten leichter zu überwinden. Handhabung der Digitalkamera und Herstellung der Computer-Anleitung Die Schülerinnen und Schüler kannten die Digitalkamera aus dem Schulalltag schon, dort allerdings aus Zusammenhängen, in denen Lehrkräfte sie zur Dokumentation von Schul- und Sportfesten oder ähnlichem benutzten. So hatten alle großes Interesse daran, die Kamera selbst bedienen zu lernen. Den dazu nötigen Ablauf (Kamerariemen umlegen, Diskette einlegen, Kamera einschalten, Objektivdeckel abnehmen, auslösen) erlernten die Jugendlichen schnell durch Nachahmung und Übung. Vorzüge der Digitalkamera Die Digitalkamera bietet gerade für Schülerinnen und Schüler mit geistiger Behinderung wesentliche Vorteile gegenüber einer herkömmlichen Kleinbildkamera. Mehrwert neuer Medien Durch den Umgang mit der Digitalkamera können Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung" sinnvoll an die Nutzung neuer Medien herangeführt werden. Computerbedienung nach eigener Anleitung In der selbst erstellten Bild-Anleitung ist jeder Arbeitsschritt auf einem Foto festgehalten. Der Gesamtablauf läßt sich in drei Teilziele gliedern. Leporello Die Anleitung in Form eines Leporellos ermöglicht die Nutzung der Bildfolge auf verschiedene Art und Weise. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, möglichst selbstständig mit Kamera und Computer umzugehen. sich eine Bedienungsanleitung für den Computer erstellen, die der Lesefähigkeit angepasst ist. lernen, die Handlungsanleitung zur möglichst selbständigen Computerbedienung zu nutzen. Kamera und Computer als Werkzeug zur Kommunikationserweiterung nutzen. die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen im Umgang mit dem Computer erleben. Dies führt zur Erhöhung des Selbstwertgefühls. in gegenseitiger Hilfe das erworbene Wissen an ihre Mitschüler weitergeben. Das Sucherdisplay auf der Rückseite der Kamera ermöglicht die Auswahl des Bildausschnittes, ohne dass die Kamera ans Auge gehalten werden muss. Dadurch bleibt den Jugendlichen ihre Gleichgewichtskontrolle erhalten. Sie können besser Mitbewegungen vermeiden, die sonst beim Auslösen zum Verwackeln führen. Außerdem ist es bei dieser "körperfernen" Art zu fotografieren besser möglich, Unterstützung beim Festhalten des Apparats und der Korrektur des Bildausschnitts zu leisten und so der Schülerin oder dem Schüler Erfolgserlebnisse zu sichern. Durch die direkte Speicherung der Bilder auf der Diskette muss nicht erst ein Film "abfotografiert" werden, ehe man die Bilder ansehen kann. Es ist jederzeit möglich, die entstandenen Bilder am Computer zu betrachten, den Bedürfnissen entsprechend zu bearbeiten (zurechtzuschneiden) und besonders gelungene Bilder auszudrucken. Da Disketten preiswert sind und immer wieder formatiert und wiederverwendet werden können, stehen dem Ausprobieren des Mediums auch keine finanziellen Grenzen entgegen. Die Schülerinnen und Schüler erleben den Prozess vom Fotografieren bis zum Ausdruck des Fotos im Ganzen, ohne dass ein Fotogeschäft einen "unsichtbaren" Zwischenschritt übernimmt. Die digitalen Bilder können im Computer gespeichert und bearbeitet, später auch im Internet präsentiert oder per E-Mail verschickt werden. Die Schülerinnen und Schüler erleben bei verschiedenen Schulveranstaltungen, dass fotografiert wird und können schon wenig später die Fotos von allen auf dem Bildschirm im Foyer betrachten. Dadurch sind sie damit vertraut, dass man mittels eines Computers digitale Fotos vielen zugänglich machen kann. Um die Fotos betrachten und ausdrucken zu können, ist die Auseinandersetzung mit dem Computer als Werkzeug zur Bildbearbeitung notwendig. Die selbst gemachten Fotos können den Jugendlichen als Kommunikationsmittel und -grundlage oder als Hilfsmittel zum Abarbeiten einer Handlungsschrittfolge dienen. Dadurch wird die Kommunikationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler erheblich erweitert. Gegenüber herkömmlichen Kleinbildkameras bietet die Digitalkamera gerade für diese Schülerinnen und Schüler viele Vorteile Neue Medien bieten vielfältige Chancen, die kommunikativen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zu erweitern: durch Kommunikation über selbst gemachte Fotos für Jugendliche, die sich nicht oder nicht verständlich lautsprachlich äußern können oder durch angepasste Möglichkeiten der Internet- und E-Mail-Nutzung. Mithilfe von Textverarbeitungsprogrammen mit Rechtschreibprüfung gelingt es viel leichter, lesbare Mitteilungen zu verfassen. Es ist beispielsweise einfacher, einen Buchstaben auf der Tastatur wiederzuerkennen, als ihn selbst aus dem Gedächtnis zu reproduzieren. Mit speziellen Programmen, die als Lern-Umgebung konzipiert sind, ist es möglich, zum Beispiel Baupläne zu entwerfen, ohne selbst mit Lineal und Dreieck exakt zeichnen können zu müssen. Da kein Jugendlicher der Klasse längere Texte sinnentnehmend lesen kann, lag es nahe, gemeinsam eine Bild-Anleitung herzustellen, für die jeder Schritt fotografiert wurde. Der Gesamtablauf lässt sich in drei Teilziele gliedern. Für jeden Bereich wurden die einzelnen Arbeitsschritte auf Fotos festgehalten. Die Strukturierung durch Farben sollte den Schülerinnen und Schülern helfen, einen für sie zu umfangreichen Vorgang in überschaubare Teile zu gliedern. Fotos zusammengehöriger Arbeitsschritte wurden mit der selben Farbe hinterlegt. Computer läuft Zu jedem Arbeitsschritt wurde ein Foto erstellt und in der dem Ablauf entsprechenden Reihenfolge sortiert. Alle Fotos, die mit dem Prozess verbunden sind, den Computer zu starten, wurden mit einem roten Rahmen hinterlegt. Erster Schritt: Stecker in die Steckdose Zweiter Schritt: Computer anstellen Ergebnis: Computer läuft Foto ansehen Alle Bilder, die in diesen Kontext gehören, wurden mit einem blauen Rahmen hinterlegt. Von "Maus klicken" über "Zeichen anklicken", "Diskette einschieben", "Bild öffnen" bis zu "Foto ansehen" wurden alle Teilziele dieser Handlungsanweisung anschaulich dargestellt. Drucken Die Fotos, die den Prozess des Druckens zeigen, wurden mit einem gelben Rahmen hinterlegt. Erster Schritt: Drucker anschalten Zweiter Schritt: Drucker anklicken Dritter Schritt: Drucken Zur Darstellung des Handlungsablaufs bietet sich als Form ein Leporello an, da so verschiedene Möglichkeiten bestehen, die Bildfolge zu sehen und zu benutzen. Bildquelle: Alle Bilder auf dieser Seite by Andrea Schenck Die Computer-Anleitung in Form eines Leporellos kann Seite für Seite wie ein Buch durchgeblättert werden. Jedes Teilziel mit seinen Unterschritten kann mit den dazugehörigen Fotos separat dargestellt werden. Die farbliche Kennzeichnung hilft bei der Orientierung. Das aufgeklappte Leporello zeigt den Handlungsablauf vom Anschalten des Computers bis zum ausgedruckten Foto. Das fertige Anleitungsbuch wird von den Schülerinnen und Schülern mit PCS-Piktogrammen (Picture Communication Symbols) für Fotografieren und Computer gekennzeichnet. Diese gemeinsame Arbeit an der eigenen Anleitung half den Schülerinnen und Schülern sehr beim Verständnis der Struktur des Arbeitsablaufes. Die Nutzung der Digitalkamera führte so zugleich zu einem sinnvollen Ergebnis, das durch den persönlichen Bezug der Herangehensweise den Möglichkeiten der geistig behinderten Schülerinnen und Schülern voll entsprach: Auf den Bildern ist nicht irgendein Computer zu sehen, sondern der aus unserem Klassenraum. Und noch Monate nach dem Fotografieren erkannten die Schülerinnen und Schüler wieder, zu wem die Hand gehört, die die Diskette einschiebt oder die Maus bewegt. Durch diese Nähe zum eigenen Erleben ist viel leichter einzusehen, dass der abgebildete Ablauf tatsächlich zum gewünschten Ergebnis führen wird - schließlich hat es offensichtlich schon einmal funktioniert.

  • Deutsch  / Kunst
  • Sekundarstufe I, Primarstufe

Begegnungen auf Augenhöhe: Blicke auf die Welt

Unterrichtseinheit

Schülerinnen und Schüler einer Schule mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt setzen sich mit der eigenen und fremden Perspektive auf die Welt auseinander und nutzen dabei digitale Medien."Begegnungen auf Augenhöhe" ist ein kubim-Modellprojekt an einer Berliner Schule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung". Schülerinnen und Schüler der Abschlussstufe setzen sich künstlerisch mittels digitaler Fotografie und Video damit auseinander, dass jeder von uns die Welt aus der eigenen Perspektive betrachtet und deshalb ganz eigene Ansichten von unserer Welt gewinnt. Dies spiegelt sich im Arbeitsprozess der Schülerinnen und Schüler und ebenso im Aufbau der Abschlussausstellung wider, in der die Fotos und Videos jeweils auf Augenhöhe der Macher installiert sind. Perspektivwechsel im fotografischen Prozess Jeder von uns betrachtet die Welt aus seiner subjektiven Perspektive - meist ohne darüber zu reflektieren. Diese Tatsache führt oft zu Missverständnissen im Umgang mit anderen Menschen. Für sie sind ganz andere Dinge "offensichtlich" als für einen selbst. Das Projekt "Begegnungen auf Augenhöhe" soll geistig behinderte Jugendliche für die Auseinandersetzung mit diesem Phänomen sensibilisieren und ihnen adäquate künstlerische Ausdrucksmittel dafür an die Hand geben. Das Projekt zielt auf eine möglichst selbstbewusste Aussage der Schülerinnen und Schüler über ihre Sicht auf die Welt. Dementsprechend sollen sie möglichst umfassend selbst handeln. Dabei waren zwei Dinge als Rahmenbedingungen wesentlich: genügend Zeit und eine den Schülerfähigkeiten entsprechende laufende Projektdokumentation. Die Projektkonzeption Subjektive Perspektiven von der Fotografie bis zur Ausstellung werden reflektiert. Die methodische Aufbereitung Der Projektverlauf zeigt eine intensive Auseinandersetzung mit der Augenhöhe. Die didaktische Umsetzung Selbstbewusstes, selbstständiges Arbeiten und Rücksichtnahme werden trainiert. Technische Hinweise Der Einsatz der Technik erfordert Grundregeln und eine didaktische Reduktion. Inhaltliche Ziele Die Schülerinnen und Schüler sollen eigene Eindrücke mittels Fotografie und Video darstellen. unterschiedliche Sichtweisen als gleichberechtigt anerkennen. emphatische Fähigkeiten der Wahrnehmung eines schwerst behinderten Menschen entwickeln. die Besonderheiten der Bewegung und des Arbeitstempos anderer tolerieren lernen. Ziele im Bereich der Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler sollen digitale Bildmedien als Werkzeug der Selbstdarstellung anstelle lautsprachlicher Kommunikation einsetzen. grundlegende Methoden der Dokumentation der eigenen Arbeit erlernen. Thema Begegnungen auf Augenhöhe Autorin Andrea Schenck Fach Kunst und Werkstattunterricht Zielgruppe Sekundarstufe I und II Zeitraum 6 Wochen à 10 Unterrichtsstunden Verlaufsplan Verlaufsplan Begegnungen auf Augenhöhe zur Unterrichtseinheit Medien 2 digitale Fotokameras, digitale Videokamera, Farbdrucker, Videorecorder, Monitore und Beamer Software Bildbearbeitungsprogramm (zum Beispiel Micrografx Picture Publisher) Voraussetzungen Grundkenntnisse in digitaler Fotografie, Video und Bildbearbeitung Jeder von uns betrachtet die Welt aus seiner subjektiven Perspektive - meist ohne darüber zu reflektieren. Diese Tatsache führt oft zu Missverständnissen im Umgang mit anderen Menschen, für die ganz andere Dinge "offensichtlich" sind als sie vom eigenen Standpunkt aus betrachtet erscheinen. Das Projekt "Begegnungen auf Augenhöhe" sensibilisiert geistig behinderte Jugendliche für die Auseinandersetzung mit diesem Phänomen und gibt ihnen adäquate künstlerische Ausdrucksmittel dafür an die Hand. Ausgehend von den Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler ist es notwendig, die Projektidee möglichst anschaulich erfassbar zu machen. Der Begriff Augenhöhe wird hierfür gewählt. Einerseits benennt er eine klar messbare Größe, und andererseits enthält er darüber hinaus im Konzept "Perspektive" eine philosophische Komponente. Die Schülerinnen und Schüler im Projekt sind unterschiedlich groß (messbarer Augenhöhen-Unterschied) und zum anderen in ihrer Bewegungsfähigkeit unterschiedlich stark beeinträchtigt. So sitzt eine Schülerin im Rollstuhl und der schwer behinderte Mitschüler ist durch seine Spastik meist in eine Körperhaltung gezwungen, die seine Augen schräg nach oben lenkt. Die Schülerinnen und Schüler dokumentieren ihre Augenhöhe durch digitale Fotos und Videos. Aufnahmen von gemeinsamen Orten wie dem Schulfoyer, dem Schulhof, dem Pausenflur oder der Weg vom Schuleingang bis in die Klasse sollen dabei individuell gewählten Motiven gegenübergestellt werden. So werden beide Aspekte des Begriffs Augenhöhe verdeutlicht: die messbare und die subjektive Größe. Als Projektergebnis wird eine Ausstellung im Schulgebäude geplant, bei der die einzelnen Fotos und Videos in der Augenhöhe der Fotografin oder des Filmers installiert sind. Dadurch wird den Betrachterinnen und Betrachtern der Entstehungszusammenhang deutlich: Das Nachvollziehen der Künstler-Sichtweise geschieht tatsächlich durch eine veränderte Körperhaltung, die als Sinnbild eines Hineinversetzens in den Anderen verstanden werden kann. Man begibt sich über die Fotos und Videos auf die Augenhöhe der beteiligten Schülerinnen und Schüler und hat dadurch die Chance, ihre Perspektive kennen zu lernen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Bildquelle: Alle Bilder auf dieser Seite by Andrea Schenck. Um die eigene Augenhöhe zu verdeutlichen, schneidet die Gruppe zunächst aus schwarzem Fotokarton Rahmen aus, die den Bildausschnitt begrenzten. So konnte der normale Weitwinkel-Effekt des menschlichen Auges reduziert werden. Die Unterschiede zwischen den Augenhöhen wurden so deutlich sichtbar. Außerdem bewirkte der Rahmen, der auch auf den Fotos erkennbar war, dass der bewusst gewählte Ausschnitt als künstlerische Leistung für die Betrachterin und den Betrachter sichtbar blieb. Die Rahmen wurden durch die Befestigung an entsprechend langen Stäben gleichzeitig zur Hilfe beim Einhalten der gewünschten Höhe: Die eigene Augenhöhe musste nicht immer neu gemessen werden, stattdessen konnte die Kamera am Rahmen ausgerichtet werden. Dadurch wurde der Blickwinkel klar definiert und eine Beschränkung auf die Sicht geradeaus mit gerade gehaltenem Blick erreicht. Nachdem die Schülerinnen und Schüler ihre Fotos an verschiedenen gemeinsamen und individuellen Orten in der Schule gemacht und danach ausgedruckt hatten, wurden sie in Vorbereitung der Ausstellung an der Wand der Computerwerkstatt in der jeweiligen Augenhöhe befestigt. So erhielten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, ihre Aufnahmen miteinander zu vergleichen und die Sichtweise ihrer Mitschüler kennen zu lernen. Der schwerst behinderte Schüler wurde als Gast in das Projekt einbezogen. Er war selbst kaum zu einer Äußerung seiner Befindlichkeit in der Lage. Was er visuell wahrnimmt, war nicht bekannt. Die Werkstattschülerinnen und -schüler identifizierten seine Blickrichtung mit Hilfe eines Rahmens und fotografierten dann, was man sah, wenn man in die gleiche Richtung schaute. Dazu mussten sie ihren eigenen Blickwinkel verlassen und die Sichtweise des schwerst behinderten Schülers einnehmen. Nach Abschluss des Foto-Teils im Projekt sollte durch Videoaufnahmen festgehalten und gezeigt werden, wie die beteiligten Schülerinnen und Schüler ihre Umgebung in Bewegung wahrnehmen. Das Medium Video bat die Möglichkeit, auch Bewegungsbesonderheiten der einzelnen Klassenmitglieder abzubilden, die die eigene Sicht auf die Welt beeinflussen: zum Beispiel ruhiges Rollstuhlrollen oder stark athetotische Bewegungen. Für die Videoaufnahmen wurden zwei Themen gestellt. Als erstes sollte jeder den eigenen Weg von der Schultür bis ins eigene Klassenzimmer filmen. Danach sollten alle individuell eine selbstgewählte Lieblingstätigkeit aufzeichnen. Hierbei war es nötig, dass die Kamera von einer Mitschülerin oder einem Mitschüler geführt wurde. Eine Ausstellung konnte schließlich alle entstandenen Fotos und Videos präsentieren. Sie wurden jeweils in Augenhöhe des Künstlers oder wie beim Gastschüler in seiner individuellen Blickrichtung installiert. Bei der Betrachtung der Bilder ließ sich auf diese Weise die Künstlersicht wahrnehmen und nachvollziehen. Zur Identifikation gab es in der Ausstellung von allen Beteiligten zusätzlich ein Foto, dass die Augen des Betreffenden im Rahmen zeigte. Diese Bilder waren in der Ausstellung integriert und nahmen dabei noch einmal spiegelbildlich das Thema Augenhöhe auf, wodurch die Beschriftung der Ausstellung überflüssig wurde. Das Projekt zielt auf möglichst selbstbewusste Aussagen der Schülerinnen und Schüler über ihre Sicht der Welt. Dementsprechend sollen sie möglichst umfassend selbst handeln. Als Rahmenbedingungen waren dabei zwei Dinge wesentlich: genügend Zeit und eine den Schülerfähigkeiten entsprechende laufende Projektdokumentation. Die Schülerinnen und Schüler brachten ganz individuelle Fähigkeiten und Grenzen in das Projekt ein, sowohl im Hinblick auf ihre vorhandenen Kenntnisse im Umgang mit digitaler Technik als auch Bewegungs- und Kommunikationsmöglichkeiten. Die Gehörlosigkeit eines Schülers bildete eine zusätzliche Herausforderung für alle Teammitglieder. Um jeder Schülerin und jedem Schüler Raum und Zeit zum Handeln zu geben, waren die Bedingungen im Projekt ideal: Meist war es möglich, dass zwei Jugendliche miteinander mit Unterstützung durch einen Erwachsenen arbeiteten. Durch die lange Projektdauer war außerdem genügend Zeit, alle Schritte selbstständig von den Schülerinnen und Schülern vollziehen zu lassen. Fotoapparat und Stativ wurden von den Schülerinnen und Schülern selbst eingerichtet, die Fotos formatiert, ausgedruckt und laminiert, die Videokamera bedient. Auch ein neu erworbener Drucker wurde von der Klasse gemeinsam ausgepackt und anhand der beiliegenden Kurzanleitung größtenteils selbstständig installiert. Im Laufe des Projekts entwickelten sie hierdurch eine große Sicherheit in den wiederkehrenden Abläufen. Sehr selbstverständlich und erfolgreich klickten sie sich durch die Menüs zur Druckereinstellung. Diese Herangehensweise birgt natürlich das Problem, dass die Schülerinnen und Schüler Zeiten erleben, in denen sie auf ihre Mitschüler warten müssen und inzwischen selbst nicht weiterarbeiten können. Die Rücksichtnahme auf das Tempo Anderer stellte so manchen auf eine harte Geduldsprobe: besonders einen Schüler, der, teilweise zu Recht, seine technischen Fertigkeiten höher als die seiner Mitschüler einschätzte. In der Auseinandersetzung mit diesem Aushaltenmüssen bot sich jedoch gerade für ihn die Chance, sich der philosophischen Dimension des Projektthemas zu stellen. Er erlebte unmittelbar, dass seine Ergebnisse genauso wertgeschätzt wurden wie die seiner Teamkollegen und dass die Ausstellung gerade durch die individuellen Besonderheiten der Fotos und Filme interessant wurde. 27 Projekttage sind eine lange Zeitspanne - zu lang, um sie im Nachhinein überblicken und detailliert davon berichten zu können. Für die Schülerinnen und Schüler, die in ihrer Kommunikation stark auf Unterstützung angewiesen sind, ist von daher eine Reflexion über ihre Arbeit nur vorstellbar, wenn schon während des Projektverlaufs ständig Informationen gesammelt und konserviert werden. So begann jeder Projekttag mit der Rückschau auf den vorherigen. Während der eigentlichen Projektarbeit war immer eine Person mit einer zweiten Kamera für dokumentarische Tagebuchaufnahmen ausgestattet. Diese Fotos auszudrucken und mit einer kurzen erläuternden Beschriftung in das eigene Projekttagebuch einzufügen, war stets der Beginn des neuen Projekttages. Für die Schülerinnen und Schüler war dieser ritualisierte Ablauf sehr wichtig: Sie forderten von sich aus das "Tagebuch!" als ersten Programmpunkt täglich ein und waren sehr enttäuscht, als einmal die Fotos vom Vortag nicht verfügbar waren. Gern blätterten sie in den Tagebüchern, um sich an den bisherigen Verlauf zu erinnern. Dabei halfen ihnen die Fotos, Einzelheiten oder Anekdoten der einzelnen Tage ins Gedächtnis zu rufen. Alle Fotoaufnahmen entstanden mit vergleichsweise großen digitalen Fotokameras mit Disketten als Speichermedium. Dies hatte den Vorteil, dass auch Schülerinnen und Schüler, die Schwierigkeiten mit der feinmotorischen Koordination hatten, die Kameras und Speichermedien leicht bedienen konnten. Als Bildbearbeitungssoftware wurde Picture Publisher von Micrografx benutzt, den man kostenlos im Internet herunterladen kann. Dieses Programm ist im Layout eng an Microsoft-Office-Programme angelehnt und entspricht damit der Zielsetzung, den Schülerinnen und Schülern möglichst universell anwendbare Grundfertigkeiten im Umgang mit Computern zu vermitteln. Im Umgang mit der verwendeten Technik war es wichtig, bestimmte Sicherheitsregeln so weit zu ritualisieren, dass sie in den Ablauf der Bedienung von Anfang an fest eingebunden waren. Die Regel "1. Schritt: Riemen um den Hals" für die Foto- und Videokamera wurde als wichtigste Voraussetzung für eine gefahrlose Handhabung eingeübt. Auch die Notwendigkeit, bei unerwartet eingeblendeten Warnfenstern nachzufragen und nicht gleich auf "OK" zu klicken, wurde mit den Schülerinnen und Schülern besprochen. So konnte das ganze Team in die Verantwortung für funktionierende Technik einbezogen werden. Einige der Schülerinnen und Schüler waren nicht in der Lage, Schriftsprache sinnentnehmend zu lesen. Inwieweit es dem gehörlosen Schüler möglich war, war nicht zu klären. Ein weiterer Schüler orientierte sich meist an wiedererkannten Wortbildern, anstatt das anstrengende Erlesen in Angriff zu nehmen. Die Herausforderung bestand darin, Abläufe so weit wie nötig zu vereinfachen, um den Schülerinnen und Schülern trotz dieser Hindernisse ein selbstständiges Handeln zu ermöglichen. Die von der Kamera gespeicherten Bilder waren bei einer Auflösung von 72 dpi etwa 360x270 mm groß. Es gab verschiedene Möglichkeiten, die Bildgröße zu verändern. Um den Schülerfähigkeiten gerecht zu werden, wurden die Bilder jedoch nicht auf die gewünschte Größe umgerechnet, sondern in der Druckvorschau an die Papiergröße (für Tagebuchfotos DIN A6, für Ausstellungsfotos DIN A4) angepasst. Nach zwei Wochen Projektlaufzeit war ein Schüler in der Lage, innerhalb der Druckereigenschaften das Papierformat und die Papierqualität ohne Hilfe richtig einzustellen. Auch die anderen benötigten nur noch wenig Unterstützung.

  • Kunst
  • Sekundarstufe I, Sekundarstufe II