Erste G9-Absolventen in Nordrhein-Westfalen: Gymnasien meistern Umstellung mit umfassender Modernisierung

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veröffentlicht am 17.06.2026

Nach Jahren der Debatte kehren die Gymnasien in Nordrhein-Westfalen vollständig zu neun Schuljahren zurück. Im Schuljahr 2026/2027 legen die ersten Absolventinnen und Absolventen des neuen G9-Modells ihr Abitur ab - und die Landesregierung nutzt diese Transformation gleichzeitig für eine grundlegende Modernisierung der Lehrpläne.

Ein Schritt zu mehr Entlastung und Gestaltungsfreiheit

Seit August 2019 kehren die Gymnasien in Nordrhein-Westfalen schrittweise zum neunjährigen Bildungsgang (G9) zurück. Im Schuljahr 2026/2027 wird ein großer Meilenstein erreicht: Der erste neu strukturierte G9-Jahrgang wird sein Abitur ablegen. Damit endet eine fast zwei Jahrzehnte währende schulpolitische Debatte, die das Bundesland intensiv geprägt hat.

Die Rückkehr vom achtjährigen Gymnasium (G8) zum neunjährigen (G9) kam einer expliziten Forderung von Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen sowie Schülern nach. Zum Schuljahr 2019/2020 sind mit wenigen Ausnahmen alle Gymnasien auf G9 umgestellt - auf Grundlage einer Leitentscheidung der damaligen Landesregierung, die damit dem Wunsch der meisten Beteiligten Rechnung trug.

Modernisierte Kernlehrpläne für die digitalisierte Welt

Mit der Rückkehr zu G9 hat das Schulministerium einen bedeutenden Modernisierungsschub für alle Gymnasien genutzt. Die Kernlehrpläne wurden intensiv überarbeitet und gezielt an die Bedingungen einer digitalisierten Welt angepasst. Dabei spielte die Vermittlung von Medienkompetenz und Medienbildung eine zentrale Rolle: Sie wurden auf Grundlage des Medienkompetenzrahmens NRW als Querschnittsaufgabe über alle Fächer hinweg verankert.

Ein bedeutsamer Schritt war auch die Einführung des neuen Fachs Wirtschaft-Politik, das eine vorher bestehende Lücke im Fächerkanon schließt. Lehrkräfte profitieren zusätzlich von erheblicher Gestaltungsfreiheit: Schulen können Ergänzungsstunden flexibel einsetzen, Pausenzeiten selbst gestalten und Profilbildungen (etwa im bilingualen oder MINT-Bereich) eigenständig ausgestalten.

Mehr Zeit für Lernende und Lehrkräfte

Das G9-Modell bietet Schülerinnen und Schülern mit einer zusätzlichen Schuljahrgangsstufe mehr Raum für Vertiefung, individuelle Förderung und persönliche Schwerpunktsetzung. Mit der sechsjährigen Sekundarstufe I sind insgesamt 188 Wochenstunden vorgesehen - die gleiche Anzahl wie in anderen Schulformen der Sekundarstufe I. Dies ermöglicht „einen Betrieb nahezu ohne verpflichtenden Nachmittagsunterricht". Gleichzeitig können Schulen besondere Profile und gezielte Förderung realisieren.

Für den Übergang zur gymnasialen Oberstufe nahm das Schulministerium ebenfalls sorgfältig Lösungen vor: Bündelungsgymnasien wurden geschaffen, um Schülerinnen und Schülern von anderen Schulformen einen Weg ins Gymnasium zu ermöglichen.

Aufstockung von Lehrkräftestellen und Schulraum

Die Umstellung auf G9 erforderte erhebliche Investitionen. Aufgrund der zusätzlichen Jahrgangsstufe ergab sich zum Schuljahr 2026/2027 ein Mehrbedarf von rund 4.200 Lehrerstellen. Um diesen Bedarf zu decken, wurden bereits im Vorgriff zusätzliche Vorgriffsstellen bereitgestellt - insbesondere für Schulen und Schulformen, die derzeit mit Lehrkräftemangel zu kämpfen haben.

Auch der Raumbedarf ist erheblich: Von 2022 bis 2026 erhielten Schulträger insgesamt 518 Millionen Euro für Investitionen in zusätzlichen Schulraum. Das zeigt das Ausmaß der infrastrukturellen Umgestaltung, die nötig war.

Blick nach vorne: Modernisierung der Oberstufe

Doch damit nicht genug: Das Schulministerium denkt bereits weiter. Im Jahr 2030 soll das erste Abitur unter neuen Rahmenbedingungen stattfinden - mit einer grundlegenden Reform der gymnasialen Oberstufe. Der Verordnungsentwurf zur neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO-GOSt) sieht unter anderem neue Prüfungsformate, ein fünftes Abiturfach und Projektkurse vor. Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz wird unter bestimmten Voraussetzungen in neuen Prüfungsformaten berücksichtigt.

Relevanz für Ihre Unterrichtspraxis

Als Lehrkraft an einem Gymnasium profitieren Sie unmittelbar von dieser Neuerung: Das G9-Modell mit mehr Zeit pro Jahrgang eröffnet Ihnen Spielraum für tieferes Lernen, individuelle Förderung und Profilarbeit. Die modernisierten Kernlehrpläne entsprechen aktuellen Anforderungen der Medienpädagogik und beruflichen Vorbereitung. Mit der zusätzlichen Lehrkräfteausstattung sollten Sie zudem besser ausgelastet sein - eine Entlastung, die auch Ihre Unterrichtsqualität verbessert. Die neuen Flexibilisierungsmöglichkeiten bei Ergänzungsstunden und Pausenzeiten geben Ihrer Schule größere Gestaltungsfreiheit, um Unterricht an die lokalen Bedürfnisse anzupassen.

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