Demokratiebildung im Unterricht stärken: Was die Petition für Schulen bedeutet

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Autor: Peter Wigand
veröffentlicht am 14.09.2026

Mehr als 250.000 Menschen haben die Petition "Schule zeigt Haltung - Lehrkräfte stärken gegen Hass und Hetze" unterzeichnet. Ein breites Bündnis fordert klare Leitlinien, Rechtssicherheit und zusätzliche Ressourcen für demokratische Bildung an Schulen.

Mehr als 250.000 Menschen haben sich hinter eine bundesweite Petition zur Stärkung der Demokratie an Schulen gestellt. Am 1. September 2026 übergab ein Bündnis aus der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung, der Bundesschülerkonferenz, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Teachers for Future Germany, Greenpeace und Eltern gegen Rechts die Unterschriften an die Kultusministerkonferenz.

Die Initiative "Schule zeigt Haltung - Lehrkräfte stärken gegen Hass und Hetze" richtet sich gegen Einschüchterung und politische Instrumentalisierung von Schule. Sie fordert unter anderem klare Leitlinien und mehr Rechtssicherheit für Lehrkräfte, Beratungsangebote sowie zusätzliche Ressourcen für politische Bildung und demokratische Schulentwicklung.

Demokratiebildung als gemeinsame Aufgabe

Die Initiatorinnen und Initiatoren verstehen Demokratiebildung nicht nur als Aufgabe des Politik- oder Geschichtsunterrichts. Schülerinnen und Schüler sollen Menschenrechte, demokratische Verfahren und politische Urteilsfähigkeit kennenlernen und zugleich erfahren, dass ihre Beteiligung im Schulalltag zählt.

Damit wird ein Verständnis aufgegriffen, das auch in den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung verankert ist. Demokratie soll demnach Ziel, Gegenstand und Praxis schulischer Bildung sein. Beteiligung, Verantwortung und der Umgang mit kontroversen Positionen gehören damit sowohl in den Unterricht als auch in die Gestaltung des Schullebens.

Lehrkräfte wünschen sich mehr Rückhalt

Die Forderung nach Unterstützung trifft auf einen konkreten Bedarf in den Schulen. Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers zeigen, dass rund die Hälfte der befragten Lehrkräfte mehr Aktivitäten zur Demokratiebildung an ihrer Schule wünscht. Als Hindernisse werden unter anderem fehlende Zeit und mangelndes Fachwissen genannt. Zugleich fühlen sich einige Lehrkräfte im Umgang mit politischen Äußerungen und einem vermeintlichen Neutralitätsgebot unsicher.

Die Kampagne will hier Orientierung geben. Lehrkräfte sollen politische Themen sachlich und kontrovers behandeln können, ohne menschenfeindliche Aussagen unwidersprochen stehen lassen zu müssen. Der Beutelsbacher Konsens mit seinem Überwältigungsverbot, dem Kontroversitätsgebot und der Aufforderung zur politischen Aktivierung bietet dafür einen wichtigen Bezugsrahmen. Er verlangt keine politische Beliebigkeit, sondern eine fachlich begründete und grundrechtsorientierte Auseinandersetzung.

Beteiligung braucht Zeit und Strukturen

Demokratiebildung lässt sich nicht auf einzelne Projekttage reduzieren. Sie zeigt sich auch darin, wie Klassenregeln entstehen, wie Konflikte bearbeitet werden und ob Schülerinnen und Schüler bei Entscheidungen der Schule mitwirken können. Studien weisen darauf hin, dass Beteiligungsmöglichkeiten in deutschen Schulen vor allem bei alltäglichen Regeln bestehen, während die Mitsprache bei Unterrichtsinhalten oder schulweiten Entscheidungen deutlich seltener ist.

Für Schulen entsteht daraus eine doppelte Aufgabe: Sie müssen demokratische Lerngelegenheiten schaffen und Lehrkräfte zugleich vor Angriffen, Überforderung und rechtlicher Unsicherheit schützen. Die Petition versteht die Übergabe der Unterschriften deshalb als Aufforderung an Politik und Schulaufsicht, verlässliche Rahmenbedingungen für diese Arbeit zu schaffen.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Prüfen Sie im Kollegium, an welchen Stellen Lernende bereits mitentscheiden und wo Beteiligung erweitert werden kann. Ein Klassenrat, eine gemeinsame Regelberatung oder eine Unterrichtseinheit zu aktuellen politischen Aussagen kann ein konkreter Einstieg sein. Legen Sie außerdem fest, wie Ihre Schule auf diskriminierende oder menschenfeindliche Äußerungen reagiert und an wen sich Lehrkräfte bei Unsicherheiten wenden können. Nutzen Sie eine pädagogische Konferenz oder einen Studientag, um schulinterne Absprachen, Beratungswege und passende Fortbildungen zur Demokratiebildung zu entwickeln.

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