Bayerische Lehrerverbände warnen vor Personalmangel an Schulen

News
Basis
veröffentlicht am 11.08.2026

Zum Ende des Schuljahres 2025/2026 sehen die bayerischen Lehrerverbände die Schulen an einem kritischen Punkt. Sie fordern verlässliche Rahmenbedingungen, ausreichend Personal und stärkere Unterstützung für Lehrkräfte, Schulleitungen und multiprofessionelle Teams.

Verbände beklagen wachsende Belastungen

Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) warnt vor einer zunehmenden Überlastung der Schulen im Freistaat. Lehrkräfte und weiteres schulisches Personal hätten im vergangenen Schuljahr nicht nur unterrichtet, sondern auch Konflikte gelöst, Krisen begleitet, individuelle Förderung organisiert und zusätzliche gesellschaftliche Aufgaben übernommen.

Als Gründe nennen die Verbände eine zunehmend heterogene Schülerschaft, steigende psychische Belastungen, mehr Gewaltvorfälle und komplexere pädagogische Anforderungen. Schulen seien längst nicht mehr nur Lernorte, sondern auch Schutzräume, Integrationsorte und wichtige Anlaufstellen für Kinder, Jugendliche und Familien.

Stellenmoratorium sorgt für Kritik

Besonders kritisch bewerten die Lehrerverbände das angekündigte Stellenmoratorium für das Schuljahr 2026/2027. Nach ihrer Einschätzung könnte die Begrenzung zusätzlicher Stellen dazu führen, dass Schulen trotz steigender Anforderungen und Schülerzahlen nicht ausreichend verstärkt werden. Größere Klassen, mehr Vertretungsunterricht und zusätzliche Aufgaben erschwerten dann individuelle Förderung, Präventionsarbeit und Beziehungsarbeit.

Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus bestätigt, dass für das Schuljahr 2026/2027 keine zusätzlichen Lehrerplanstellen zur Verfügung stehen. Es verweist zugleich auf ein Maßnahmenpaket zur Sicherung der Unterrichtsversorgung. Dieses setzt unter anderem auf die Gewinnung neuer Lehrkräfte, eine verstärkte Nutzung vorhandener Personal-Ressourcen und eine Anpassung des Bedarfs an die Situation vor Ort.

Forderung nach multiprofessionellen Teams

Die abl fordert neben ausreichend Lehrkräften auch mehr multiprofessionelle Teams. Schulsozialarbeit, pädagogische Fachkräfte, Verwaltungspersonal und weitere Unterstützungsangebote könnten dazu beitragen, Lehrkräfte von Aufgaben zu entlasten, die nicht unmittelbar zum Unterricht gehören.

Bereits im Juni hatte der Bayerische Philologenverband darauf hingewiesen, dass zusätzliche Dokumentationspflichten, digitale Dauer-Erreichbarkeit und neue organisatorische Anforderungen häufig auf die bestehende Arbeitsbelastung aufgeschlagen würden. Aus Sicht des Verbands sollten neue Aufgaben nur dann eingeführt werden, wenn zugleich eine gleichwertige Entlastung erfolgt.

Personal als Voraussetzung für gute Schule

Die Debatte über die Personalausstattung berührt damit nicht nur die Unterrichtsversorgung, sondern auch die Gesundheit der Beschäftigten und die Qualität des schulischen Zusammenlebens. Der Deutsche Philologenverband verweist zudem auf den bundesweiten Mangel an qualifizierten Lehrkräften und fordert eine bessere Abstimmung zwischen Lehrkräfte-Ausbildung und tatsächlichem Bedarf.

Die bayerischen Verbände sehen Investitionen in Bildung deshalb als langfristige Investitionen in gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie. Für das kommende Schuljahr verlangen sie vor allem verlässliche Personal-Planung, ausreichende Vertretungs-Reserven und mehr Zeit für Prävention, Beziehungsarbeit und individuelle Förderung.

ANZEIGE

Comenius-Medaille 2026