Bayerische Lehrerverbände warnen vor Personalmangel an Schulen
Zum Ende des Schuljahres 2025/2026 sehen die bayerischen Lehrerverbände die Schulen an einem kritischen Punkt. Sie fordern verlässliche Rahmenbedingungen, ausreichend Personal und stärkere Unterstützung für Lehrkräfte, Schulleitungen und multiprofessionelle Teams.
Verbände beklagen wachsende Belastungen
Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) warnt vor einer zunehmenden Überlastung der Schulen im Freistaat. Lehrkräfte und weiteres schulisches Personal hätten im vergangenen Schuljahr nicht nur unterrichtet, sondern auch Konflikte gelöst, Krisen begleitet, individuelle Förderung organisiert und zusätzliche gesellschaftliche Aufgaben übernommen.
Als Gründe nennen die Verbände eine zunehmend heterogene Schülerschaft, steigende psychische Belastungen, mehr Gewaltvorfälle und komplexere pädagogische Anforderungen. Schulen seien längst nicht mehr nur Lernorte, sondern auch Schutzräume, Integrationsorte und wichtige Anlaufstellen für Kinder, Jugendliche und Familien.
Stellenmoratorium sorgt für Kritik
Besonders kritisch bewerten die Lehrerverbände das angekündigte Stellenmoratorium für das Schuljahr 2026/2027. Nach ihrer Einschätzung könnte die Begrenzung zusätzlicher Stellen dazu führen, dass Schulen trotz steigender Anforderungen und Schülerzahlen nicht ausreichend verstärkt werden. Größere Klassen, mehr Vertretungsunterricht und zusätzliche Aufgaben erschwerten dann individuelle Förderung, Präventionsarbeit und Beziehungsarbeit.
Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus bestätigt, dass für das Schuljahr 2026/2027 keine zusätzlichen Lehrerplanstellen zur Verfügung stehen. Es verweist zugleich auf ein Maßnahmenpaket zur Sicherung der Unterrichtsversorgung. Dieses setzt unter anderem auf die Gewinnung neuer Lehrkräfte, eine verstärkte Nutzung vorhandener Personal-Ressourcen und eine Anpassung des Bedarfs an die Situation vor Ort.
Forderung nach multiprofessionellen Teams
Die abl fordert neben ausreichend Lehrkräften auch mehr multiprofessionelle Teams. Schulsozialarbeit, pädagogische Fachkräfte, Verwaltungspersonal und weitere Unterstützungsangebote könnten dazu beitragen, Lehrkräfte von Aufgaben zu entlasten, die nicht unmittelbar zum Unterricht gehören.
Bereits im Juni hatte der Bayerische Philologenverband darauf hingewiesen, dass zusätzliche Dokumentationspflichten, digitale Dauer-Erreichbarkeit und neue organisatorische Anforderungen häufig auf die bestehende Arbeitsbelastung aufgeschlagen würden. Aus Sicht des Verbands sollten neue Aufgaben nur dann eingeführt werden, wenn zugleich eine gleichwertige Entlastung erfolgt.
Personal als Voraussetzung für gute Schule
Die Debatte über die Personalausstattung berührt damit nicht nur die Unterrichtsversorgung, sondern auch die Gesundheit der Beschäftigten und die Qualität des schulischen Zusammenlebens. Der Deutsche Philologenverband verweist zudem auf den bundesweiten Mangel an qualifizierten Lehrkräften und fordert eine bessere Abstimmung zwischen Lehrkräfte-Ausbildung und tatsächlichem Bedarf.
Die bayerischen Verbände sehen Investitionen in Bildung deshalb als langfristige Investitionen in gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie. Für das kommende Schuljahr verlangen sie vor allem verlässliche Personal-Planung, ausreichende Vertretungs-Reserven und mehr Zeit für Prävention, Beziehungsarbeit und individuelle Förderung.
Externe Links
- Deutscher Philologenverband: Bayerische Lehrerverbände zum Schuljahresabschluss: Resilienz braucht ausreichend Personal und verlässliche Rahmenbedingungen
Die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände warnt vor wachsenden Belastungen an Schulen und kritisiert das angekündigte Stellenmoratorium für das Schuljahr 2026/2027.
- Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Personalplanung
Das Kultusministerium erläutert die bayerische Personalplanung und verweist auf die besonderen Herausforderungen durch steigende Schülerzahlen und fehlende zusätzliche Lehrerplanstellen.
- Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus: Für einen Stundenplan, auf den sich unsere Schulen verlassen können
Das Ministerium stellt Maßnahmen zur Sicherung der Unterrichtsversorgung im Schuljahr 2026/2027 vor. Dazu gehören die Gewinnung neuer Lehrkräfte, eine stärkere Nutzung vorhandener Personal-Ressourcen und eine Anpassung des Bedarfs.
- Deutscher Philologenverband: bpv zur Bildungsministerkonferenz in Bayern - Wer starke Bildung will, muss Lehrkräftegesundheit stärken
Der Bayerische Philologenverband fordert angesichts zusätzlicher Aufgaben, wachsender Dokumentationspflichten und digitaler Dauer-Erreichbarkeit wirksame Entlastung und mehr Unterstützungspersonal.
- Deutscher Philologenverband: In der Lehrkräfteausbildung gibt es Verbesserungsbedarf
Der Beitrag thematisiert den bundesweiten Lehrkräftebedarf, fehlende Stellen und den notwendigen Ausbau von Ausbildung, Berufseinstieg und Unterstützungsangeboten.
