Auf den Spuren der Verfolgten: Stolpersteine in Frankfurt

Unterrichtseinheit

Diese Unterrichtseinheit thematisiert die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuellen sowie der politisch Verfolgten während des Nationalsozialismus. Dies geschieht anhand einer Exkursion durch Frankfurt am Main und der Suche nach Stolpersteinen.

  • Geschichte / Früher & Heute
  • Sekundarstufe II
  • variabel
  • Außerschulischer Lernort, Arbeitsblatt, entdeckendes Lernen, Recherche-Auftrag, Ablaufplan, Internetressource
  • 2 Arbeitsmaterialien

Beschreibung der Unterrichtseinheit

Stolpersteine sind Teile unserer alltäglichen Welt, deren Präsenz wir in der Regel überhaupt nicht wahrnehmen. Zumindest so lange nicht, bis wir tatsächlich mal über einen von ihnen stolpern. Und selbst dann würdigen die wenigsten diese mit einem zweiten oder gar dritten Blick. Oder gehen so weit, sich über diesen merkwürdigen Stein und seinen Hintergrund zu informieren.

Genau das soll diese Unterrichtseinheit ändern. Sie soll ihren Fokus auf eine Form der historischen Erinnerung richten, die wir oft übersehen, obwohl sie direkt zu unseren Füßen liegt. Mittels des Projekts der Stolpersteine sollen Einzelschicksale von Verfolgten aus der Zeit des Nationalsozialismus beleuchtet werden, um somit einen möglichst differenzierten Überblick über die Hintergründe der Verfolgung zu gewinnen, das Gedenken an die Opfer zu wahren und Geschichte im Alltag zu entdecken und zu erfahren.

Unterrichtsablauf

Inhalt
Sozial- / Aktionsform

Didaktisch-methodischer Kommentar

Lernen am Erinnerungsort

Der Nationalsozialismus und seine Opfer sind fester Bestandteil des Lehrplans beziehungsweise des Kerncurriculums für das Fach Geschichte. Die Einbindung des Projekts der Stolpersteine in den Geschichtsunterricht legt den Fokus auf die Vergegenwärtigung des nationalsozialistischen Terrors und dessen unmittelbare Folgen für die Einzelschicksale der erinnerten Personen. Was den Lernenden in abstrakter Form aus Texten und Beschreibungen aus dem Schulbuch bekannt ist, wird durch die Erfahrung von Erinnerungsorten in der direkten Umgebung nahbar. Aufgrund der lokalgeschichtlichen Ausrichtungen des Projekts der Stolpersteine wird die überaus komplexe Thematik der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Minderheiten während der Zeit des Nationalsozialismus konkretisiert und ermöglicht Schülerinnen und Schülern einen leichteren Zugang.

Rücksicht auf Diversität der Opfergruppen

Das Projekt der Stolpersteine ist darüber hinaus darum bemüht, der Diversität der Opfergruppen des nationalsozialistischen Terrors Rechnung zu tragen: Neben dem Einzelschicksal von Jüdinnen und Juden können auch die Einzelschicksale von Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuellen sowie politisch Verfolgten näher betrachtet werden.

Geschichtsbewusstsein: Vergangenheits- und Erinnerungsbezug im Rahmen zeitgemäßer Erinnerungskultur

Die Schülerinnen und Schüler bilden somit ein differenziertes Geschichtsbewusstsein aus, in welchem Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen Berücksichtigung finden. Hiervon ableitbar ist sodann die gesamtgesellschaftliche Verantwortung des Mahnens und Erinnerns im Sinne einer kollektiven Erinnerungskultur. Das Projekt der Stolpersteine leistet ergo einen elementaren Beitrag zur Demokratieerziehung, die nach wie vor das Fundament unserer Gesellschaft darstellt.

Projektkonzeption und -durchführung

Die Lehrkraft übernimmt in dieser Unterrichtseinheit nur eine anleitende und kontrollierende Funktion. Der Großteil der Umsetzung ist den Lernenden überlassen. Sie formen Teams und planen ihre eigene Route. An dieser Stelle ist eine Absprache mit der Lehrkraft sinnvoll, um sicherzugehen, dass eine Strecke gewählt wird, auf der auch Stolpersteine zu finden sind. Die Schülerinnen und Schüler bereiten sich vor, führen ihre Exkursion selbstständig durch und dokumentieren dabei ihre Funde, sodass sie diese später recherchieren können. Ihre Ergebnisse teilen sie anschließend auf TaskCards mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern. Die Ergebnisse, Erfahrungen und persönlichen Eindrücke werden in der darauffolgenden Unterrichtsstunde im Plenum mit der Lehrkraft besprochen und diskutiert.

Da bei der Durchführung ein hohes Maß an Selbstständigkeit vorausgesetzt wird und die Lernenden die Stadt ohne Beaufsichtigung durch die Lehrkraft erkunden, ist diese Einheit für die Oberstufe geeignet. Das Fotografieren der gefundenen Stolpersteine dient der Kontrolle, um sicherzugehen, dass die Lernenden tatsächlich die Exkursion durchgeführt haben.

Die Länge der Einheit kann variieren und ist davon abhängig, auf welche Weise das Sammeln und die Präsentation der Ergebnisse erfolgen. Es ist zu empfehlen, das Zusammentragen der Ergebnisse in dieser Einheit mithilfe von TaskCards durchzuführen. Dadurch ist ein einfaches, gebündeltes und übersichtliches Sammeln der Ergebnisse möglich. Die Teams können gemeinsam und parallel von zuhause aus ihre Recherche durchführen, hochladen und die Fortschritte der anderen Teams ansehen und kommentieren. Die Einheit kann somit sowohl im Präsenz- als auch im Distanzunterricht ohne größere Abänderungen durchgeführt werden. (Selbstverständlich sind jedoch auch andere Optionen der Ergebnissicherung wie Kurzpräsentationen mit PowerPoint als Alternative denkbar.)

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Unterrichtsmaterial "Auf den Spuren der Verfolgten: Stolpersteine in Frankfurt" zum Download (Word)

Vermittelte Kompetenzen

Fachkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • erleben Geschichte in ihrer näheren/unmittelbaren Umgebung.
  • beschäftigen sich mit den Einzelschicksalen von Verfolgten während des Nationalsozialismus und setzen sich mit der Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung dieser Minderheiten auseinander.
  • lernen eine Form der Erinnerungskultur kennen, die in den Alltag integriert ist.
  • informieren sich über das Projekt der Stolpersteine.

Medienkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • kreieren ihre Route mit Google Maps.
  • recherchieren Informationen im Internet und nutzen Online-Quellen zielgerichtet.
  • tragen ihre Rechercheergebnisse zusammen mit den Fotos der Exkursion bei TaskCards ein und teilen diese mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern.

Sozialkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • arbeiten kooperativ in Zweierteams.
  • bearbeiten den Arbeitsauftrag selbstständig und führen die Exkursion größtenteils in Eigenregie durch.
  • präsentieren ihre Ergebnisse im Plenum.
  • interagieren auf TaskCards mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern.

Autorin

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Hannah Luisa Wittmann

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