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Nationalitätenpolitik gegenüber der deutschen Minderheit in der Sowjetunion von 1917 bis zur…

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Die Lernenden setzen sich anhand dieses Grundlagentextes mit der von Repression und Misstrauen geprägten Situation der deutschen Minderheit in Russland auseinander.Nach der Machtergreifung der Bolschewiki wurde die deutsche Bevölkerung der Sowjetunion systematisch unterdrückt, deportiert und zwangsarbeitsmobilisiert. Um 1990 kam es zu massenhaften Ausreise. Die "Russlanddeutschen" wurden bis heute nicht vollständig rehabilitiert. Alfred Eisfeld beschreibt in diesem Artikel, der auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung einsehbar ist, die Situation der deutschen Minderheit in Russland. Auf dieser Grundlage erlangen die Schülerinnen und Schüler ein tieferes Verständnis für die Auswanderungsbewegungen und massenweisen Ausreise dieser Minderheit und reflektieren, was Heimat bedeutet. Die Materialien sind in keinen methodisch-didaktisch Kontext eingebettet. Deshalb sollten sie seitens der Lehrkraft vor- und nachbereitet werden. Sachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler setzen sich grundlegend mit der Geschichte der Deutschen als ethnische Minderheit in Russland auseinander. erfahren, dass die deutsche Bevölkerung systematisch unterdrückt, deportiert und zwangsarbeitsmobilisiert wurde. können auf dieser Grundlage Auswanderungsbewegungen und die massenweise Ausreise der deutschen Minderheit nachvollziehen. Methodenkompetenz Die Schülerinnen und Schüler wenden elementare Schritte der Interpretation von Textquellen und der Analyse von Sekundärliteratur sach- und themengerecht an. nutzen grundlegende Arbeitsschritte zur sach- und fachgerechten Informationsentnahme und Erkenntnisgewinnung aus Karten. benennen den Hauptgedanken eines Textes, stellen gedankliche Verknüpfungen dar und erschließen die Bedeutung von Aussagen. vergleichen Informationen, stellen Verbindungen zwischen ihnen her und erklären Zusammenhänge. Urteilskompetenz Die Schülerinnen und Schüler analysieren und beurteilen Sachverhalte im Hinblick auf Interessenbezogenheit, beabsichtigte und unbeabsichtigte Nebenfolgen sowie ideologische Implikationen. prüfen, ob der erreichte Wissenstand als Basis für ein Urteil zureichend ist. formulieren in Ansätzen begründete Werturteile bzw. revidieren bestehende Werturteile aufgrund neu gewonnener Informationen.

  • Geschichte / Früher & Heute / Politik / WiSo / SoWi
  • Sekundarstufe I, Sekundarstufe II

Daily Good News: positive Vibes und empowernde Beispiele zum nachhaltigen Unterrichten

Fachartikel
5,99 €

Die Corona-Pandemie, Klimawandel, Umweltzerstörung, Artensterben, Inflation, Krieg, Terrorismus, Menschenrechtsverletzungen: Immer neue und bedrohliche Nachrichten in den Medien prägen unseren Alltag und unsere psychische Verfassung. Der Fachartikel zeigt Wege aus dem mentalen Krisenmodus auf und welche Rolle Schule dabei spielen kann. "We are unstoppable, another world is possible!" Demospruch Es ist die mediale Ökonomie des Negativen, die das Verbreiten guter Nachrichten bis heute so schwer macht. Tägliche Schreckensmeldungen beherrschen die Nachrichten und sozialen Medien. Denn noch immer lautet der bekannteste und vorherrschende Selektionsmechanismus im Journalismus : Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten, da sie die meiste Aufmerksamkeit erzielen. An diese einseitige Sicht- und Darstellungsweise in den Medien und sozialen Netzwerken haben wir uns schon lange gewöhnt. Aber die immer neuen Negativ-Schlagzeilen, insbesondere aus den letzten Jahren, fordern ihren Tribut: Klimawandel , Umweltzerstörung, Artensterben, Pandemien , Inflation , Krieg , Terrorismus, Menschenrechtsverletzungen. Die Folgen der andauernden bedrohlichen Berichterstattung manifestieren sich bei Jung und Alt immer öfter in einem mentalen Krisenmodus . Zukunftsängste statt Zuversicht Nach zwei Jahren Pandemie und anderen Katastrophen steht fest: Kinder und Jugendliche gehören zu den größten Verlierern dieser Krise und brauchen jetzt viel Unterstützung und Hilfe . Eine zunehmend überlastete Kinder- und Jugendpsychiatrie warnt vor gravierenden Langzeitfolgen wie Depressionen, Angststörungen und Aggressivität . Wie kann Schule als wichtiger Lebens- und Lernort von Kindern und Jugendlichen auf diese zusätzliche Misere reagieren, wenn es keine adäquaten bildungspolitischen Lösungen zur Abhilfe gibt, wenn von staatlicher Seite keine Entlastung zu erwarten ist? Welche pädagogischen Möglichkeiten bleiben den Lehrkräften und Schulleitungen trotz der negativen Stimmungslage, jungen Menschen eine andere Weltsicht und ein positives Zukunftsbild zu vermitteln?

  • Politik / WiSo / SoWi / Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben / Religion / Ethik

Sprachsensibilität im Unterricht – Methoden in der Praxis

Fachartikel
5,99 €

In diesem Fachartikel stellt der Autor seine Praxiserfahrungen mit diversen Methoden des sprachsensiblen Unterrichtens vor. Sprachsensibilität ist ein Thema, das angesichts zunehmender sprachlicher Schwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern einen wachsenden Stellenwert in der Didaktik hat, zumal fachliches Lernen an Sprache gekoppelt ist. "Sprachsensibel" unterrichten Sprache hat es manchmal in sich. Im Laufe der Sekundarstufe I und vor allem in der Sekundarstufe II werden Schülerinnen und Schüler immer häufiger mit Fachvokabular konfrontiert, das sie nicht nur verstehen, sondern auch aktiv verwenden sollen. Sowohl in als auch außerhalb der Schule – schließlich lernt man ja "fürs Leben". Für "sprachschwache" Kinder und Jugendliche, die Deutsch erst im schulpflichtigen Alter gelernt haben oder mit geringem Zugang zu Bildung aufgewachsen sind, beschränken sich die sprachlichen Stolpersteine in der Schule nicht nur auf exotisch klingende Fachbegriffe. Für diese Schülerinnen und Schüler stellt die in der Schule genutzte Bildungssprache (im Kontrast zu den verschiedenen Formen von Alltagssprache) eine Schwierigkeit an sich dar. Sprachliche Probleme können vielfältig sein und nicht nur die Wortebene, sondern auch die Syntax betreffen, indem Beziehungen zwischen den Satzteilen oder satzübergreifende Verbindungen nicht erkannt werden. Wer Deutsch als Fremdsprache lernt, hat häufig auch Schwierigkeiten im Bereich der Phonetik. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass sprachliche Hürden fachliches Lernen behindern oder sogar verhindern können. Aus dieser Feststellung ergibt sich der ganzheitliche Ansatz, Sprachdidaktik und Fachdidaktik zu verknüpfen. Der sogenannte "sprachsensible" oder "sprachbewusste" Unterricht zeichnet sich durch den gezielten Einsatz sprachlicher Unterstützungstechniken aus, die – je nach Fachinhalt und Unterrichtssituation – im Vorfeld eingeplant oder aber auch spontan angewendet werden können. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Themas Sprachsensibilität in der Schule steigt - erkennbar an einem breiten Fortbildungsangebot zur Schulung von Lehrkräften. In diesem Fachartikel stelle ich situationsbezogen einige wichtige Methoden des sprachsensiblen Unterrichtens vor. Meine Fallbeispiele sollen demonstrieren, wie sich das Konzept praktisch umsetzen lässt und wie wichtig eine sprachbewusste Unterrichtsgestaltung für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler ist. Aufgabenstellungen Politik-Klausur, Aufgabe 1: "Erläutere die Verfassungsprinzipien der Bundesrepublik Deutschland." – In einem Schülerheft lese ich bei der Korrektur: "Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat, Bundesstaat." – Leider erhält der Schüler für diese Aufgabe nur einen Teil der maximalen Punktzahl. "Aufgabenstellung beachten!" , notiere ich als Randbemerkung. Ich erkläre ihm bei der Rückgabe, dass er die im Prädikat der Aufgabenstellung enthaltene Arbeitsanweisung leider nicht korrekt befolgt hat. Erläutern bedeutet eben nicht bloß auflisten oder benennen. Beispielsweise hätte der Schüler bei der Erläuterung des Begriffs Bundesstaat auf das Prinzip des Föderalismus eingehen können, aus dem sich die Einteilung des Gesamtstaates in 16 Bundesländer ergibt. Zudem hätte er das Vorhandensein der Länderebene als Kernelement der Bundesstaatlichkeit bezeichnen und die Teilung der Gesetzgebung zwischen Bund und Ländern skizzieren können. Dieser Vorfall, der sich zu Beginn meiner Lehrerlaufbahn ereignete, sensibilisierte mich als Lehrkraft für die Wichtigkeit, die in Arbeitsaufträgen enthaltenen Operationen zu verdeutlichen und mit den Lernenden im Unterricht einzuüben. Diese sprachliche Transparenz zahlt sich aus. "Aufgabenstellung beachten" ist bei meinen Korrekturen nur noch eine seltene Randbemerkung. Visualisierung "Greta Thunberg segelt über den Atlantik" , steht in einem Text über die junge schwedische Klimaaktivistin, den ich mit einer Lerngruppe im Politikunterricht besprechen möchte. Meine Schülerinnen und Schüler wissen, dass in der ersten Lesephase zunächst alle unklaren Begriffe zu markieren sind, bevor es um inhaltliche Fragen zum Text geht. Die allermeisten Jugendlichen in der Klasse haben Deutsch erst als Zweitsprache gelernt; außerdem gehören maritime Themen vermutlich nicht zu ihrem Lebensalltag. Ich rechne daher mit einem hohen Klärungsbedarf. Die erste Meldung – eine Schülerin erkundigt sich nach der Bedeutung des Wortes segelt. Von den Mitschülerinnen und Mitschülern erklärt sich niemand bereit, die Frage zu beantworten. Also ist mein Einsatz gefragt: Spontan nehme ich ein Stück Kreide und male ein einfaches, als solches klar erkennbares Segelboot an die Tafel. "Dies ist ein Segel" , erkläre ich und schreibe den Begriff an die entsprechende Stelle. "Segeln ist das dazugehörige Verb." Der Aha-Effekt in der Klasse ist groß. Eine einfache Visualisierung konnte ein zuvor unverständliches Wort verdeutlichen – ohne weitere Erklärungen. Diese Methode wirkt nachhaltig und effektiv, denn ein Bild prägt sich viel besser ein als eine wortreiche Definition. Mit etwas Kreativität lassen sich übrigens sogar abstrakte Begriffe visualisieren. Gerne drücke ich auch Schülerinnen und Schülern die Kreide in die Hand, wenn es um Visualisierungen an der Tafel geht. Schließlich muss man keine Lehrkraft sein, um die Kunst des bildlichen Erklärens zu beherrschen. Pantomime Deutschunterricht, Thema Kurzgeschichten: Auch in dieser Situation habe ich mit den Schülerinnen und Schülern besprochen, dass die Textarbeit mit der Klärung unverständlicher Begriffe beginnt. Es geht um die Kurzgeschichte "Geier" von Theo Schmich; darin wird anfangs der Traum des Ich-Erzählers beschrieben, in dem mobbende Büroangestellte als Geier auf den Schränken des Büros ihres Opfers hocken. – Nach der Bedeutung dieses Verbs wird gefragt. Diesmal meldet sich ein Schüler. Er steht von seinem Platz auf, setzt sich in die Hocke und verharrt einige Sekunden in dieser Position, bis die Mitschülerinnen und Mitschüler seine pantomimische Darstellung registriert haben. Dann reden wir im Plenum über das Wort und damit verwandte Begriffe – in die Hocke gehen, herumhocken . Hocken zu visualisieren wäre mir (und auch den anderen im Klassenraum) spontan schwergefallen. In diesem Fall war Pantomime sicherlich eine geeignetere nonverbale Strategie, um die Bedeutung eines Begriffs darzustellen. Auch diese Methode gehört in das Repertoire des sprachsensiblen Unterrichtens. Umschreibung Wir bleiben in der bereits erwähnten Deutschstunde. "Harold ist zäh" , lautet ein Satz in der Kurzgeschichte "Geier". Ein Schüler erkundigt sich nach der Bedeutung des Wortes zäh . – Dieser Begriff lässt sich nicht so einfach visualisieren oder pantomimisch darstellen. Auf den ersten Blick ein schwieriger Fall. "Ich kenne zähes Fleisch" , äußert sich eine Schülerin, "das kann man nur sehr schwer kauen." Einigen Mitschülerinnen und Mitschülern geht bereits ein Licht auf. Sie übertragen die Eigenschaft des zähen Fleisches auf die literarische Figur Harold in der Kurzgeschichte "Geier". "Das heißt also, dass Harold sich nicht so leicht unterkriegen lässt" , wagt ein Klassenkamerad eine zutreffende Vermutung. "Der ist mit anderen Worten ein ganz harter Typ, den das Schicksal nicht einfach so zerbeißen kann" , fügt ein anderer Schüler hinzu. Durch die Umschreibung des Begriffs haben die Lernenden bereits eine klare Vorstellung von der Bedeutung im Kontext der Kurzgeschichte. Trotzdem werfen wir noch per Beamer einen gemeinsamen Blick in die Online-Ausgabe eines renommierten Wörterbuchs und erhalten die Bestätigung für die Richtigkeit der Aussagen: Zäh wird in Bezug auf den Charakter eines Menschen als belastbar, ausdauernd und beharrlich definiert. Gezielte Übungen Sprachsensibilität im Unterricht lässt sich auch durch gezielte Übungen praktizieren. Diese sind an die Fachinhalte gekoppelt und betonen dabei sprachliche Aspekte: Lückentexte: Durch das Einsetzen passender Fachbegriffe in einen Lückentext wird den Schülerinnen und Schülern die jeweilige Wortbedeutung im Kontext eines Satzes bewusst. Wortfelder: Die Zuordnung passender Begriffe zu einem Ausgangswort trainiert die Herstellung sprachlicher Verknüpfungen in einem Sinnzusammenhang. Fehlersuche: Bauen Sie Fehler in einen Text ein, die von Ihren Schülerinnen und Schülern gesucht und gefunden werden. Damit üben die Lernenden die Reflexion über Wörter in einem bestimmten Kontext. Legen Sie aber Wert auf eine gründliche Besprechung, sodass sich keine Fehler einprägen. Fazit Fachliches Lernen ist nur auf der Grundlage von Sprache möglich. Daher sollten Sie als Lehrkraft ein Bewusstsein für die sprachlichen Hürden in den Fächern haben, die Sie unterrichten. Thematisieren Sie die fachspezifischen sprachlichen Anforderungen in intensiver Form und wenden Sie situationsgerecht Unterstützungstechniken des sprachsensiblen Unterrichtens an. Empfehlenswert ist zudem eine Sensibilisierung des gesamten Kollegiums für die Thematik im Rahmen einer Fortbildung. Literaturtipps Sie möchten mehr über Sprachsensibilität im Unterricht erfahren? – Dann gebe ich Ihnen folgende Literaturtipps: Michalak, Magdalena; Lemke, Valerie; Goeke, Marius: Sprache im Fachunterricht. Eine Einführung in Deutsch als Zweitsprache und sprachbewussten Unterricht, Tübingen 2015. Becker-Mrotzek, Michael; Schramm, Karen; Thürmann, Eike; Vollmer, Helmut (Hrsg.): Sprache im Fach. Sprachlichkeit und fachliches Lernen, Münster 2013.

  • Fächerübergreifend

Rechenschwäche in der Sekundarstufe

Fachartikel
5,99 €

Der Fachartikel gibt einen Überblick über das Phänomen der Rechenschwäche – auch Dyskalkulie oder Anarithmie genannt – und befasst sich mit ihren Erscheinungsformen in der Primarstufe. Anhand exemplarischer Fallbeispiele zeigt der Beitrag die Relevanz dieser Thematik im Bereich der Sekundarstufe auf. Von Rechenschwäche sind etwa fünf Prozent der Grundschülerinnen und -schüler betroffen, dies entspricht also etwa einem Kind pro Klasse. Dennoch hat das Phänomen der Rechenschwäche im Gegensatz zur Legasthenie bisher nur in begrenztem Maße Eingang in das öffentliche Bewusstsein gefunden. Flächendeckende Fördermaßnahmen stehen aktuell nicht allen rechenschwachen Lernenden zur Verfügung. Insofern ist derzeit nicht davon auszugehen, dass der Anteil rechenschwacher Lernender in der Sekundarstufe viel geringer ist (vgl. Ulm 2020, S. 16). Natürlich liegt nicht bei jedem Jugendlichen, der im Bereich der Sekundarstufen-Mathematik schlechte Leistungen zeigt, eine Rechenschwäche vor. Umgekehrt haben rechenschwache Schülerinnen und Schüler aber erhebliche Schwierigkeiten, die für die Sekundarstufe vorgesehenen Kompetenzen zu erwerben, sodass derartige Probleme Hinweise auf das Vorliegen einer Rechenschwäche sein können. Wann spricht man also wirklich von einer Rechenschwäche ? Was ist Rechenschwäche? Während Schwierigkeiten beim Rechnen mitunter als Dyskalkulie, Rechenstörung oder Anarithmie bezeichnet werden (Lorenz und Radatz 1993, S. 17), ist im mathematik-didaktischen und pädagogischen Kontext der synonyme Begriff Rechenschwäche verbreitet. Er bringt zum Ausdruck, dass es sich nicht um eine unheilbare Krankheit, sondern um eine Beeinträchtigung handelt, die vermieden, durch gezieltes Training gemindert oder sogar überwunden werden kann (vgl. Ulm 2020, S. 11). Der Begriff Rechenschwäche bezeichnet einen Mangel an tragfähigen Grundvorstellungen zu natürlichen Zahlen und Operationen mit natürlichen Zahlen, welcher sich in einer Vielzahl von Erscheinungsformen äußern kann (vgl. Ulm 2020, S. 11). Schipper (2005, S. 20 f.) stellt beispielweise die folgenden vier Symptomfelder heraus: Verfestigtes zählendes Rechnen Rechenschwachen Kindern gelingt es nicht, sich im Laufe der Primarstufe vom zählenden Rechnen zu lösen. Selbst bei einfachen Rechnungen werden typischerweise die Finger verwendet, die oftmals geschickt unter dem Tisch versteckt werden. Einseitige Vorstellungen von Zahlen und Operationen Schülerinnen und Schülern mit einer Rechenschwäche fehlt es in der Regel an anschaulichen Vorstellungen zu den grundlegenden Rechenoperationen und einem Verständnis für die Struktur des Dezimalsystems als Stellenwertsystem, das für das Rechnen mit großen Zahlen grundlegend ist. Probleme bei der Richtungsunterscheidung Ein hoher Prozentsatz von rechenschwachen Kindern ist auch nach dem zweiten Schuljahr nicht sicher bei der Unterscheidung von rechts und links, was ihnen viele mathematische Lerninhalte (beispielsweise den Zahlenstrahl) erschwert. Intermodalitätsprobleme Beim Mathematiklernen werden verschiedene Darstellungsformen verwendet: Mathematische Zusammenhänge werden etwa durch entsprechende Materialhandlungen ausgedrückt, mithilfe von Bildern veranschaulicht oder in symbolischer Form dargestellt. Rechenschwachen Kindern bereitet der gedankliche Wechsel zwischen den Darstellungsformen häufig Probleme. Anschauungsmaterialien und Rechnungen haben für sie folglich oft wenig miteinander zu tun. Rechenschwache Kinder haben also dauerhafte und schwerwiegende Schwierigkeiten beim Rechnen, die durch undifferenziertes Weiterlernen im regulären Unterricht nicht ausgeglichen werden können. Rechenschwäche bezieht sich dabei in jedem Fall auf die Lehrplaninhalte der Jahrgangsstufen eins bis vier. Warum ist dies dennoch auch ein Thema für die Sekundarstufe?

  • Mathematik / Rechnen & Logik

Leichte Sprache – verständliche Sprache

Fachartikel
5,99 €

Dieser Fachartikel beschäftigt sich mit der sogenannten "Leichten Sprache", einer vereinfachten Form der Standardsprache, die in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten zum Einsatz kommt. Ursprünglich diente sie als Instrument, um auch Menschen mit Behinderung "die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft" zu ermöglichen (UN-Behindertenrechtskonvention 2006). Auch für die Schule geht es um einen wichtigen Aspekt von Inklusion und Exklusion: Wie können Lehrpersonen durch eine einfache, verständliche Sprache alle Schülerinnen und Schüler erreichen? Der Artikel stellt hierfür wichtige Regeln vor. Ich verstehe nur Bahnhof! Lehrerinnen und Lehrer verfügen über eine hohe Sprachkompetenz. Sie stammen überwiegend aus gebildeten Familien, haben eine gymnasiale Schullaufbahn absolviert oder das Abitur auf einem anderen Weg geschafft, ein Hochschulstudium abgeschlossen und den Vorbereitungsdienst beziehungsweise das Referendariat durchlaufen. Sie leben seit ihrer Kindheit, so könnte man sagen, in der Blase eines gebildeten Milieus, in dem Kommunikation auf elaboriertem Niveau stattfindet und anspruchsvolle Medien genutzt werden. Und dennoch kennt bestimmt jede und jeder folgende Erfahrung: Man muss ein amtliches Schreiben lesen und versteht nur Bahnhof! Was bedeuten bloß all diese Begriffe? Was steht denn jetzt in diesem ewig langen Satz? Was meint dieses Bandwurmwort aus mindestens fünf aneinandergehängten Nomen? Und wieso können die nicht eine größere Schrift wählen, da braucht man ja eine Lupe! Für viele unserer Schülerinnen und Schüler sind aber auch ganz "normale" Texte aus dem Unterricht so schwer zu verstehen, dass ihnen Zukunftsaussichten, zum Beispiel eine Berufsausbildung, versperrt bleiben – ein Problem, das nicht nur zu prekären individuellen Lebensverhältnissen führt, sondern auch gesellschaftliche Folgen hat. Die Verwendung der "Leichten Sprache" kann dabei helfen, die Situation von "sprachschwachen Lernern" (Leisen 2013) und Lernerinnen, mit und ohne Migrationshintergrund, zu verbessern. Leichte Sprache – Was ist das? Die Idee einer vereinfachten Sprache stammt aus der People-First-Bewegung in den USA, die sich vor etwa 50 Jahren für die Rechte von Menschen mit Lernschwierigkeiten engagierte und zum Beispiel unverständliche Gesetzestexte in einfache Sprache übersetzte. In Deutschland verbreitete sich Leichte Sprache zu Beginn der 1990er Jahre zunächst in der Behindertenselbsthilfebewegung und führte 2006 zur Gründung des Vereins "Netzwerk Leichte Sprache". Dort sind Übersetzerinnen und Übersetzer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Politikerinnen und Politiker tätig und setzen sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung, Lernschwächen oder sonstigen sprachlichen Schwächen zur gesellschaftlichen Teilhabe befähigt werden. Eine besondere Rolle kommt dabei den Adressatinnen und Adressaten von Texten in "Leichter Sprache" zu: Sie überprüfen, ob diese ihre Funktion erfüllen. Regeln für Leichte Sprache Der Verein bietet die kompletten Regeln für "Leichte Sprache" an. Die wichtigsten Regeln im Überblick: Benutzen Sie bekannte und kurze Wörter. Wenn Sie schwierige Wörter, Fremd- und Fachwörter benutzen: Erklären Sie in einem eigenen Satz, was sie bedeuten. Verwenden Sie für eine Sache immer dasselbe Wort. Verzichten Sie auf Synonyme. Sprachschwache Lernende werden durch verschiedene Begriffe für ein und dieselbe Sache verunsichert. Zerlegen Sie zusammengesetzte Wörter in ihre Teile. Schreiben Sie diese mit Bindestrich, um ihre Bestandteile zu verdeutlichen. Verwenden Sie keine Abkürzungen. Schreiben Sie die dahinterstehenden Ausdrücke aus. Formulieren Sie kurze Sätze (Faustregel: etwa acht Wörter). Verwenden Sie Hauptsätze (Parataxe, Satzreihen). Vermeiden Sie Nebensätze (Hypotaxe), die im Deutschen durch die Satzklammer (Prädikat am Ende) besonders schwer zu verstehen sind. Packen Sie nur eine Information in einen Satz. Drücken Sie sich eindeutig aus. Verzichten Sie auf Metaphern und bildhafte Ausdrücke. Verzichten Sie auf Ironie. Nennen Sie konkrete Beispiele für abstrakte Zusammenhänge. Benutzen Sie viele Verben und wenige Substantive. Benutzen Sie Verben im Aktiv. Passivsätze sind schwerer zu verstehen. Verzichten Sie auf den Konjunktiv. Vermeiden Sie den Genitiv. Verwenden Sie stattdessen Formulierungen mit "von" (Annas Eltern = die Eltern von Anna). Wählen Sie für selbst erstelltes Arbeitsmaterial eine leicht lesbare Schrift und Schriftgröße, zum Beispiel Arial 14. Serifenschriften wie Times New Roman sind schwerer zu lesen. Lassen Sie genug Abstand zwischen den Zeilen. Gliedern Sie Ihren Text durch Absätze und Überschriften. Wählen Sie ein linksbündiges Layout, auch für die Überschriften. Benutzen Sie Bilder und Zeichnungen zur Visualisierung. Für die mündliche Kommunikation lässt sich ergänzen: Artikulieren Sie klar und deutlich. Vermeiden Sie Dialekt. Sprechen Sie langsam. Sprechen Sie so laut, dass alle im Raum Sie gut hören können. Halten Sie beim Sprechen Blickkontakt. So können die Zuhörenden Ihre Mundbewegungen beobachten und Sie besser verstehen. Lassen Sie auch Ihren Körper sprechen. Setzen Sie Gesten und Mimik ein. Nutzen Sie visuelle Unterstützungsmittel: Symbole, Bilder, Wortkarten und so weiter. Leichte Sprache in der Schule? In allen Schularten, auch im Gymnasium, ist Heterogenität in den Klassenzimmern zum Normalzustand geworden. Viele Schülerinnen und Schüler sind mit einer anderen Herkunftssprache aufgewachsen, die sie weiterhin zu Hause, in der Familie und teilweise im Freundeskreis sprechen. Deutsch haben sie nicht systematisch wie eine Fremdsprache erlernt, sondern oft nur rudimentär als Zweitsprache durch das Leben in Deutschland erworben – oder sie sind, wie die Flüchtlinge aus der Ukraine , gerade dabei, dies zu tun. Aber auch Kinder und Jugendliche mit Deutsch als Muttersprache zeigen zunehmend sprachliche Defizite, die sie am Lernen hindern und ihre Bildungslaufbahn bremsen. Ziele von Leichter Sprache Durch den gezielten Einsatz von "Leichter Sprache" im Unterricht kann den Kindern und Jugendlichen das Lernen erleichtert oder sogar erst ermöglicht werden. Denn durch einfach formulierte Fragen, Aussagen, Anweisungen, Aufgaben und so weiter erreicht die Lehrperson alle Schülerinnen und Schüler, auch diejenigen, die mit "normalen" oder komplizierten Texten überfordert wären. Leichte Sprache ermöglicht einen barrierefreien Zugang zu Bildung und Weltwissen für alle und ist ein Beitrag zur Inklusion. Natürlich gibt es auch Einwände gegen "Leichte Sprache" in der Schule. Führt sie nicht zu Niveauverlust und Leistungsverfall? Können komplexe Gedanken überhaupt in einfacher Sprache ausgedrückt werden? Versperrt man den Kindern und Jugendlichen nicht den Zugang zu Wissenschaft und Kultur? Stigmatisiert man Menschen, indem man sie der Zielgruppe von "Leichter Sprache" zuordnet, und bewirkt damit das Gegenteil von Inklusion? Diese Fragen werden kontrovers diskutiert. Prominenter Vertreter der Gegenposition zur Forderung nach Leichter Sprache ist der Philosoph Konrad Paul Liessmann. In seiner polemischen Streitschrift "Geisterstunde" (Liessmann 2004) beklagt er die "Praxis der Unbildung", zu der auch die Verwendung vereinfachter Sprache gehöre. Aber werden hier nicht Ursache und Wirkung verwechselt? Schlechte Leistungen sprachschwacher Schülerinnen und Schüler werden nicht durch einfache Sprache verursacht, sondern durch eine zu schwierige Bildungssprache . Leichte Sprache darf nicht als Selbstzweck verstanden werden, sondern als wirksames, vorübergehend eingesetztes Mittel, um Kinder und Jugendliche in ihren sprachlichen und fachlichen Kompetenzen zu fördern. Sowohl das individuelle als auch das Leistungsniveau der ganzen Lerngruppe sollen dadurch gesteigert werden. Elaborierte Sprache ist das Ziel, Leichte Sprache der Weg dorthin. Die zentrale Frage ist deshalb: Will ich als Lehrperson durch meine Unterrichtssprache alle mit ins Boot nehmen oder möchte ich gar nicht (immer) von jedem und jeder verstanden werden? Sprache ist der Schlüssel zur Welt (Wilhelm von Humboldt). Manche Menschen brauchen eine Sonderanfertigung dieses Schlüssels: Für Blinde wurde die Braille-Schrift erfunden, um ihnen die Teilhabe an Schriftkultur und Bildung zu ermöglichen; hörgeschädigte Menschen kommunizieren über Gebärdensprache und können dadurch – in vereinfachter Form – am politischen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen, zum Beispiel durch die Übersetzung politischer Reden in Gesten. Auch für Geheimsprachen, die sich nur an einen begrenzten Kreis von Personen richtet, braucht man einen speziellen Schlüssel. Leichte Sprache ist ein Universalschlüssel für alle und soll jungen Menschen helfen, die Sprache des Unterrichts nicht als exklusive Geheimsprache zu erleben. Literaturverzeichnis Leisen, Josef (2013). Handbuch Sprachförderung im Fach. Sprachsensibler Fachunterricht in der Praxis. Grundlagenteil. Stuttgart: Ernst Klett Sprachen.

  • Fächerübergreifend

Podcasts im naturwissenschaftlichen Unterricht

Fachartikel
5,99 €

Dieser Fachartikel stellt Vorteile sowohl der Rezeption als auch der Produktion von Podcasts im Unterricht vor und gibt Tipps zur Podcast-Produktion im naturwissenschaftlichen Unterricht. Diese werden anhand von Beispielen aus der Unterrichtspraxis veranschaulicht sowie durch eine nützliche Linkliste gestützt. Die kreative Medienarbeit mit Podcasts im naturwissenschaftlichen Unterricht stellt nicht nur hohe Anforderungen an die Auseinandersetzung mit dem Thema (als Grundlage für das eigene Podcast-Drehbuch), sondern fordert und fördert auch Absprachen und die Disziplin innerhalb einer Gruppe. Ein Schülerkommentar drückt manchmal mehr aus als jedes theoretische Konzept: "Wir haben uns beim Erstellen der Podcasts so intensiv mit den Themen beschäftigt – wenn diese in der Abiturprüfung dran kommen, dann läuft vor unseren Augen der Film ab! Lernen müssen wir für diese Themen nicht mehr." Vorteile der Podcast-Rezeption im Unterricht Unabhängig von Zeit & Ort nutzbar Podcasts sind Audio- oder Videobeiträge, die über das Internet veröffentlicht ("cast" von "Broadcast", also "Rundfunk") und auf Knopfdruck rezipiert werden können ("Pod" als Akronym für "Play on demand"), um sie zu einem individuell passenden Zeitpunkt zu konsumieren. Podcasts werden von Medienanstalten, Institutionen (zum Beispiel TV-Sendern) oder von Privatpersonen zu unterschiedlichsten Fachbereichen und Themen bereitgestellt. Bereicherung des Materialfundus für den Unterricht Podcasts stellen eine wertvolle Bereicherung des Materialfundus für den Fachunterricht dar. Auf bestehende Podcasts zurückzugreifen und sie in den Unterricht zu integrieren, ist der rezeptive Weg: das Konsumieren. Rezeption im individuellen Tempo In der Schule können Podcasts über die Internetseiten von Anbietern wie " Quarks & Co " während der Unterrichtsstunde abgerufen werden. Dadurch, dass Podcasts bequem über das Smartphone oder Tablet abrufbar sind, können Podcasts unkompliziert auch ohne vorhandenen Computerraum in den Unterricht integriert werden. Zudem kann jede Schülerin und jeder Schüler die Arbeitsaufträge zum Podcast im individuellen Tempo bearbeiten und ihn bei Bedarf stoppen oder wiederholen. Nutzung auch am heimischen Endgerät Die im Unterricht verwendeten Podcasts sind natürlich auch zuhause, beispielsweise im Distanz-Unterricht oder in Form einer Hausaufgabe nutzbar, denn selbstverständlich sind sie auch von zu Hause aus abrufbar und können bei Bedarf ebenso auf das eigene mobile Endgerät heruntergeladen werden. Ist auch das persönliche Interesse für ein Thema geweckt, können sich die Lernenden per Podcasts weiter auf dem Laufenden halten und tiefer in die Thematik eindringen. Vorteile der Podcast-Produktion im Unterricht Ergebnissicherung und Öffnung von Schule Eine besondere Chance bietet sich im Zuge des produktiven Einsatzes im Unterricht, also dem Erstellen und Veröffentlichen eigener Podcasts zu speziellen Fachinhalten, da hier die Eingangskanäle Hören und Sehen durch das eigene Handeln bereichert werden. Durch die Veröffentlichung im Internet wirkt das Produkt nicht nur im eigenen Klassenzimmer oder verschwindet in der Schublade, sondern ist weltweit jederzeit für interessierte Personen verfügbar und kommentierbar. Dies öffnet den Lernort Schule und macht Arbeitsergebnisse transparent.

  • Biologie / Ernährung und Gesundheit / Natur und Umwelt / Informatik / Wirtschaftsinformatik / Computer, Internet & Co. / Chemie / Natur & Umwelt / Geographie / Jahreszeiten / Physik / Astronomie / Mathematik / Rechnen & Logik / Technik / Sache & Technik

Fantasiereisen: Einsatz im Unterricht und Hörbeispiele

Kopiervorlage / Video-Tutorial

In diesem Arbeitsmaterial finden Sie Impulse zur Durchführung von Fantasiereisen im Unterricht sowie 12 Hörbeispiele von Fantasiereisen. Der Druck auf die Schulen hat sich in der Vergangenheit stark erhöht. Schülerinnen und Schüler aller Schularten stehen häufig unter großem Leistungsdruck, lernen aber selten, mit diesem Druck adäquat umzugehen. Auch die Lehrkräfte werden mit den Auswirkungen dieses Leistungsdrucks konfrontiert. Oft sind ganze Klassen nach Prüfungen oder anstrengenden Stunden nicht mehr aufnahmefähig und reagieren mit Desinteresse und Aufmerksam­keitsverweigerung, oder sie stören den Unterricht. Mithilfe von verschiede­nen Strategien wie Bewegungsübungen, Frischluftzufuhr, kleinen Pausen, Exkursionen oder abwechslungsreichen didaktischen Methoden kann man die Aufnahmefähigkeit der Jugendlichen steigern. Eine weitere Methode, die sich in den letzten Jahren auch in der Sekundarstufe I etabliert hat, sind Fantasiereisen. Mehr Hintergrundinfos finden Sie im Fachartikel "Fantasiereisen: Wie funktioniert die Methode?" . Rahmenbedingungen Bevor die Hörbeispiele gestartet werden, sollte schon Ruhe in der Klasse herrschen, am besten bereits 20 bis 30 Sekunden lang. Anders als bei vorgelesenen Reisen, bei denen die Lehrkraft auf plötzlich auftauchende Störungen noch eingehen kann und auch einzelne Phasen je nach Situation ausdehnen oder kürzen kann, gibt es diese Möglichkeit beim Abspielen einer Audiodatei nicht. Wenn hier etwas Unvorhergesehenes geschieht – ein Niesanfall, ein Öffnen der Tür oder eine Durchsage –, sollte noch einmal von vorne begonnen werden. Die 12 Hörbeispiele aus diesem Beitrag (siehe Downloadbereich) dauern einige Minuten, zusammen mit der Vorbereitung und einer kurzen Aufwachphase ist eine Reise in circa zehn Minuten abgeschlossen. Ideal wäre es, wenn der Klassenraum ruhig liegt und nicht der Unterricht der Nachbarklassen zu hören ist. Die Schülerinnen und Schüler können und sollen es sich auf ihren Stühlen bequem machen, und wer möchte, kann auch den Kopf auf die auf dem Tisch verschränkten Arme legen und die Augen schließen. Geschlossene Augen sind zwar keine zwingende Notwendigkeit, aber den meisten Jugendlichen fällt die Konzentration dann leichter. Einigen fällt es dagegen leichter, mit offenen Augen zu träumen. Doch achten Sie darauf, dass sich Mitschülerinnen und Mitschüler dadurch nicht gestört fühlen. Obwohl die Jugendlichen während der Reise nicht miteinander agieren, ist es sehr wichtig, dass untereinander sowie zwischen der Klasse und der Lehrperson ein Vertrauensverhältnis herrscht. Ist das nicht der Fall, sind die Schüler oft nicht bereit, sich auf die Methode einzulassen. Wenn es möglich ist und die Lehrkraft nicht als "Aufpasserin" fungieren muss, kann und soll er auch selbst an der Reise teilnehmen. Freiwilligkeit ist mit die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg der Metho­de. Normalerweise braucht es nicht viel Überzeugungsarbeit, wenn Schülerinnen und Schüler sich zehn Minuten lang in einen schlafähnlichen Zustand versetzen lassen sollen, bei dem sie nichts weiter zu tun haben, als zuzuhören. Wenn es aber einzelne oder mehrere Lernende darauf anlegen, die Methode zu stö­ren, wird ihnen das sicher gelingen. In solchen Fällen ist es günstig, einen "Plan B" zu haben, der vorab klärt, wie man mit solchen Fällen umgeht. Beispielsweise können diese Lernenden gebeten werden, solange in eine andere Klasse zu wechseln, oder sie könnten in einem anderen Zimmer mit einer anderen Aufgabe versorgt werden. Störendes Verhalten ist oft ein Zeichen für Unsicherheit. Sie tritt besonders hervor, wenn die Lernenden nicht wissen, was auf sie zukommt. Hier hilft manchmal schon eine ausführliche Erklärung der Methode (siehe "Vor der ersten Fantasiereise"). Nach der Reise kann es vorkommen, dass die Lernenden nicht sofort hellwach sind, sondern noch ein wenig Zeit brauchen. In diesem Fall sollte einfach noch 30 Sekunden Stille herrschen.

  • Fächerübergreifend
  • Sekundarstufe I, Sekundarstufe II, Berufliche Bildung

Klassenfahrten: Bedeutung und Zielsetzung

Fachartikel
5,99 €

Dieser Fachartikel beschreibt die Bedeutung von Klassenfahrten aus Sicht der Organisierenden und richtet sich an alle Lehrerinnen und Lehrer. Dabei geht es vor der Planung und Durchführung einer Klassenfahrt zunächst darum, die Zielsetzung der Fahrt zu definieren und sich die zahlreichen Gründe für eine gemeinsame Reise mit der Klasse bewusst zu machen. Gemeinsam mit der Klasse zu verreisen bedeutet für die Lehrkraft stets eine große Verantwortung im Hinblick auf die Aufsichtspflicht. Aber was gehört eigentlich zu einer durchdachten, zielgerichteten, für die jeweilige Schülergruppe passenden und letztlich nachhaltig gelungenen Klassenfahrt dazu? Die Kurzfassung: gründliche Planung und Vorbereitung, die gelungene Durchführung und auch die Nachlese. In diesem Artikel soll es nun zunächst aber darum gehen, zu erläutern, warum die gemeinsame Fahrt mit der Klasse ein so wichtiges Abenteuer darstellt. Jede Lehrerin und jeder Lehrer, jedes Elternteil und letztlich jede Person, die einmal eine Klassenfahrt erlebt hat, wird ohne Zögern zustimmen, dass Klassen-, Stufen- oder Kursfahrten zu den wichtigsten und prägenden Projekten der Schullaufbahn gehören. Egal, wie jung oder alt Sie heute sind: Woran erinnern Sie sich zuverlässig, wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit zurückdenken? Eben! Dabei sollte möglichst jede Klassenfahrt für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte zu einer wunderbaren und nachhaltig positiven Erfahrung werden. Bei meinen eigenen Klassenfahrten denke ich an Stockbrot und Nachwanderung, an Zahnpasta unter Türklinken, an Klopapiergirlanden im Treppenhaus und an den zugenähten Schlafanzug des Lehrers. Kommt auch Ihnen etwas davon bekannt vor? Bedeutung der Klassenfahrt für die Lernenden Die Perspektive von Lehrkräften und Begleitpersonen auf Klassenfahrten ist selbstverständlich eine völlig andere als die der Schülerschaft: viel Arbeit und vielleicht auch zähe Diskussionen im Vorfeld und auf Tour dann ein Übermaß an Verantwortung bei tagelangem Schlafmangel und die permanente Sorge um das Wohl einer Schar meist pubertierender Jugendlicher. Und doch ist es das alles wert! Denn die Klassenfahrt ist auch eine Zeit neuer, oft verblüffender Erfahrungen mit jungen Menschen, die man eigentlich schon gut zu kennen glaubte. Gemeinsam auf Tour zu gehen macht einfach Freude – fast immer auch den Lehrpersonen. Die andere Form des Zusammenseins fördert das Sozialverhalten und den positiven Umgang miteinander. Sie macht aus der Klasse ein Team. Sie fördert das Selbstbewusstsein und macht die Gemeinschaft stark. Sie macht selbstständig, schafft Erinnerungen; im Idealfall überwiegend gute, aber eben auch wertvolle weniger gute und in jedem Fall solche, die wahrscheinlich sehr lange nachwirken. Manchmal ein Leben lang. Kein Wunder, denn Klassenfahrten stehen für Freiheit: Freiheit von Eltern, von Zwängen, von Terminen – und das nicht nur bei den Lernenden. Vielleicht auch, wenigstens zeitweise, Freiheit vom Smartphone. Klassenfahrten verschaffen allen Reisenden Glücksmomente, vielleicht aber auch Traurigkeit. Sie können eine gute Gelegenheit sein, auch mal Aggression und Frust zuzulassen und zu bewältigen, Beziehungen zu klären und zu entwickeln. Die Fahrt kann ein großer Spaß sein, kann Liebe erleben lassen, oft die erste. Von den größten und unwahrscheinlichsten Katastrophenszenarien einmal abgesehen sind Klassenfahrten fast immer vor allem einfach wunderschön. Spätestens im Rückblick. Für manche Kinder bedeutet eine Klassenfahrt zudem die einzige Möglichkeit, überhaupt zu reisen. Einfach, weil es – aus familiären, wirtschaftlichen oder anderen Gründen – keine anderen Reisen für sie gibt. Für diese Kinder hat eine Klassenfahrt einen unermesslichen Wert. Kurz: die Bedeutung von Klassenfahrten kann kaum überschätzt werden. Und gerade deshalb ist bei den Verantwortlichen, bei Lehrkräften und Begleitpersonen sowie den Veranstaltern auch der Druck so hoch. Organisation der Klassenfahrt Auf den ersten Blick scheint die Organisation einer gelungenen Klassenfahrt ganz einfach: Ziel und Termin festlegen, Unterkunft buchen, Busunternehmen beauftragen, Geld einsammeln und los geht es. Wenn alles gut läuft, werden alle Schülerinnen und Schüler am Ende vollzählig, möglichst gesund und unverletzt wieder abgeliefert. Fertig. Fertig? Von wegen. Klassenfahrten sind anstrengend und machen eine Menge Arbeit – und zwar schon lange, bevor es überhaupt losgeht. Die einbezogenen Schülerinnen und Schüler können sich nicht einigen. Dabei haben sie manchmal völlig unrealistische Vorstellungen zum Reiseziel, zur Unterkunft, zum Programm. Und dann die Eltern! Wollen alles besser wissen, sind misstrauisch, kritisch und kleinkariert. Zu teuer wird die ganze Sache sowieso, und die Kolleginnen und Kollegen widersprechen sich mit ihren Tipps auch gegenseitig: Rom ist immer schön – Rom ist zu heiß! Weimar ist das Zentrum der Klassik – Weimar ist das Zentrum der Langeweile! Hotels sind besser als Jugendunterkünfte – Hotels sind zu teuer! Der Bus ist das einzig Wahre – der Bus ist ein Alptraum auf Rädern! Kommt man erst mal in den Niederungen der Detailplanung an, wird es erst richtig aufreibend: Welcher Kollege, welche Kollegin fährt eigentlich mit? Wer wäre bereit und letztlich nicht Belastung, sondern eine Hilfe, auch bei der Organisation? Natürlich will man auch nicht mit jedem der Kollegen losziehen, Sympathie spielt schließlich auch eine Rolle. Eigentlich ist ja auch gar keine Zeit für eine Klassenfahrt. Die vielen Schulprojekte, Fortbildungen, Schulveranstaltungen, Sprechtage. Und alles andere im Lehrplan geht natürlich vor. Die "verlorene Zeit" muss ja irgendwie wieder reingeholt werden. Die Vertretungsproblematik und vielleicht dazu noch Missgunst im Kollegium, die ganzen Haftungsfragen, die unklaren Regelungen zu Fahrtkostenerstattungen für Lehrkräfte, Versicherung, Aufsichtspflicht und andere juristische Fragen, die Thematik Reiserecht ganz grundsätzlich – alles Hürden. Und privat muss ja auch alles geregelt werden für eine mehrtägige Abwesenheit von zu Hause. Dazu kommen noch – vielleicht schwierige –Schülerinnen und Schüler und anspruchsvolle Eltern. Das Beste wäre also: gar keine Klassenfahrt!? Das ist natürlich Unfug. Die Klassenfahrt gehört nicht nur zu den bedeutendsten persönlichen und kollektiven Erfahrungen jeder Schulklasse und häufig auch der Lehrkräfte. Die Klassenfahrt bietet eine besondere Gelegenheit zum Lernen außerhalb der Schule. Sinnvoll und zielgerichtet geplant, können die Tage am "außerschulischen Lernort" unvergleichlich produktiv sein – vor allem jenseits des Lehrplans. Eine Klassenfahrt kann die Lebenskompetenz und den Blick über den Tellerrand schärfen, Stärken und Grenzen erkennen lassen, sogar Berufswünsche reflektieren helfen. Lernenden diese Erfahrung vorzuenthalten hieße auch den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule links liegen lassen. Und deswegen finden, allen Hürden zum Trotz, unglaublich viele Klassenfahrten statt. Die etwa 8,36 Millionen Schülerinnen und Schüler an Allgemeinbildenden Schulen in Deutschland bilden, bei durchschnittlich etwa 21 Lernenden pro Klasse, fast 400.000 Schulklassen. Im Primarbereich der Schulen dürften erfahrungsgemäß nur sehr wenige mehrtägige Klassenfahrten stattfinden. Anders in den Klassenstufen der Sekundarstufen I und II, auf die etwa 60 Prozent der Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler entfallen – also etwa 5,2 Millionen Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Geht man davon aus, dass die Lernenden dieser Klassenstufen während ihrer Schullaufbahn sicherlich alle drei bis vier Jahre mehrtägige Klassenfahrten absolvieren, gehen jährlich etwa 25 bis 35 Prozent der 5,2 Millionen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II auf Klassenfahrt. Angesichts dieser beeindruckenden Zahlen darf man sich darüber wundern, dass ein derart komplexes und wichtiges Thema wie die Klassenfahrt weder in der Lehrerausbildung noch in der Fortbildung Erwähnung findet. Zu diesem frappierenden Mangel hinzu kommt der immer wieder zu Recht beklagte Missstand unzureichender Reisekostenerstattungen für die begleitenden Lehrkräfte. Deshalb gilt allen, die es dennoch machen, Respekt. Die vielen Schülerinnen und Schüler, die in Deutschland jedes Jahr auf Tour gehen, sind ihren Pädagoginnen und Pädagogen sowie Begleitpersonen dankbar für das Glück, an einer Klassenfahrt teilnehmen zu dürfen und dieses einmalige Erlebnis genießen zu können. Fazit Es ist gar nicht so schwer, eine gelungene Klassenfahrt zu realisieren, die Lernenden und Begleitpersonen gleichermaßen starke, sinnvolle, nachhaltige Erlebnisse verschafft, an die sich garantiert alle Beteiligten noch sehr, sehr lange erinnern werden. Auch wenn am Ende einige gute Vorsätze, diverse Habseligkeiten und viele Nerven auf der Strecke geblieben sein werden: Ein bisschen Schwund ist immer. Aber das wunderbare, lehrreiche, unersetzliche Abenteuer Klassenfahrt entschädigt für sehr, sehr vieles.

  • Fächerübergreifend

Sprachbarrieren im Unterricht – und wie sie beseitigt werden können

Fachartikel
5,99 €

Dieser Fachartikel schärft den Blick von Lehrkräften auf sprachliche "Barrieren" für Lernende in ihrem Fachunterricht und zeigt einige praxiserprobte Möglichkeiten auf, mit denen sich Verständnisschwierigkeiten auf sprachlicher Ebene beseitigen lassen. Auf die Sprache kommt es an – auch in "nicht-sprachlichen" Fächern! Ich unterrichte bereits viele Jahre an einer kaufmännischen Schule. Eine Welt, die nur aus Zahlen besteht – könnten Außenstehende zunächst denken. Viele neue Schülerinnen und Schüler staunten nicht schlecht, als die Personalchefin eines Ausbildungsbetriebs im Rahmen eines Bewerbungstrainings einmal sagte, dass Deutsch in ihren Augen das wichtigste Schulfach sei. Sprache "stecke halt überall drin", so ihre einleuchtende Begründung – ob beim Formulieren eines Geschäftsbriefs , beim Lesen einer Bedienungsanleitung, beim Auswerten einer Wirtschaftsstatistik, bei der Erklärung eines komplizierten Rechenwegs oder bei der Beschreibung eines chemischen Experiments. Diese Sichtweise ist nachvollziehbar. Demnach steht und fällt schulischer Erfolg mit der Sprachbeherrschung – auch in nicht-sprachlichen Fächern. Beispiele für Sprachbarrieren im Unterricht Viele Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Fachrichtungen teilen meine Erfahrung, dass Schülerinnen und Schüler sprachliche Probleme im Unterricht oft nicht thematisieren – ob aus Scham, Bequemlichkeit oder Desinteresse. Uns Lehrkräften ist dadurch häufig nicht bewusst, dass unser Unterricht die vor uns sitzenden Kinder und Jugendlichen sprachlich überfordert. "Sprachbarrieren" werden besonders oft beim Umgang mit Texten deutlich. Auf der Ebene der Aussprache von Wörtern sind sie sofort erkennbar – beispielsweise wenn ein Schüler das Wort gestrig als "geschtrig" vorliest. Verständnisschwierigkeiten in den Bereichen Wortschatz und Wortbedeutung sind allerdings nicht auf Anhieb offenkundig, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht direkt um eine Klärung bitten. Was ist ein Überhangmandat? Was bedeutet das Wort ambitioniert? – Fachsprache und Fremdwörter haben es aus der Sicht der Lernenden oft "in sich". Dies gilt auch für Abkürzungen – wie zum Beispiel BIP für Bruttoinlandsprodukt. Altmodische und in der Jugendsprache eher selten verwendete Redewendungen – beispielsweise "etwas geht zur Neige" – kommen als Hürden hinzu, gerade für Schülerinnen und Schüler mit einer anderen Muttersprache als Deutsch. Zudem können sprachliche Mittel wie Metaphorik, Ironie oder Umschreibungen verwirrend wirken, wenn ihre Intention nicht erkannt wird. Wenn Schülerinnen und Schüler bei Klassenarbeiten oder Klausuren abwegige Ergebnisse liefern, könnte die Ursache nicht in einer mangelnden Vorbereitung liegen, sondern schlichtweg daran, dass die Aufgabenstellung nicht korrekt verstanden wurde. Vielleicht hat eine Schülerin ein Phänomen bloß beschrieben, obwohl in der Arbeitsanweisung eine Erläuterung der Zusammenhänge gefordert war. In diesem Fall wird die Aufgabenbearbeitung natürlich nicht den Anforderungen gerecht. Auch ein komplizierter, verschachtelter Satzbau kann für viele Schülerinnen und Schüler zur Sprachbarriere werden. Manche verlieren durch eingeschobene Nebensätze den Überblick. Verständnisschwierigkeiten entstehen auch durch die Verbstellung in Haupt- und Nebensätzen, trennbare Verben und den Einsatz vieler Hilfs- und Modalverben. Kommen etliche und möglicherweise auch noch unbekannte Satzzeichen – wie der von mir sehr oft verwendete Gedankenstrich – hinzu, ist für viele Lernende die Verwirrung perfekt. Neben dem Bereich des Lesens und Verstehens von vorgegebenen Texten tauchen sprachliche Hürden vor allem beim eigenständigen Formulieren auf – insbesondere in schriftlicher Form. Hier reichen die Sprachbarrieren vom mangelnden aktiven Wortschatz, mit der Folge, dass das Ausdrucksvermögen sehr begrenzt ist, über Schwierigkeiten bei der Anwendung grammatischer Regeln bis hin zu Problemen beim Satzbau, die sich häufig auch auf die Zeichensetzung auswirken. Maßnahmen, die (einige) Sprachbarrieren beseitigen können Der Abbau von "Sprachbarrieren" in Ihrem Fachunterricht setzt erstens ein Problembewusstsein bei Ihnen als Lehrkraft und zweitens Ihre Bereitschaft zum Handeln voraus. Thematisieren Sie zunächst den Stellenwert von Sprache in Ihrem Fach, sensibilisieren Sie Ihre Schülerinnen und Schüler und schaffen Sie eine Kultur der Offenheit, die es allen Lernenden ermöglicht, angstfrei über sprachliche Hürden zu sprechen. Auf dieser Grundlage können Sie dann gezielt einige der im Folgenden vorgestellten praktischen Maßnahmen anwenden, um Sprachbarrieren aktiv abzubauen. Bedenken Sie dabei bitte, dass es sich nicht um "Allheilmittel" handelt und dass die Früchte Ihrer Arbeit viel Zeit benötigen, um zu reifen. Die Beseitigung sprachlicher Hürden erfordert bei allen Beteiligten eine Menge Geduld. Die Fünf-Schritt-Lesemethode gilt im Umgang mit Texten als bewährtes Konzept. Dabei lesen die Schülerinnen und Schüler einen Text mehrmals, klären unbekannte Begriffe, markieren wichtige Textstellen, notieren Schlüsselwörter und formulieren Überschriften für einzelne Textabschnitte. In diesem Prozess wenden die Lernenden verschiedene Lesemethoden an – sowohl "überfliegendes" Lesen als auch intensives, "untersuchendes" Lesen. In reifen, leistungsstarken Lerngruppen beherrschen die Schülerinnen und Schüler die Fünf-Schritt-Lesemethode nach einer gewissen Zeit professionell. Meiner Erfahrung nach benötigen problematische, lernschwache Klassen allerdings bei der Bekämpfung von Sprachbarrieren Verfahren, die kleinschrittiger sind und mehr "Input" erfordern. In solchen Lerngruppen kann es durchaus sinnvoll sein, als Lehrkraft Texte zunächst selbst "interpretatorisch" vorzulesen – mit passenden Pausen, Betonungen und eventuell auch erläuternden Einschüben. Wer als junges Kind Eltern hatte, die sich die Zeit nahmen, um in dieser Form Bücher vorzulesen, kennt und schätzt diese Vortragsweise, die eine Grundlage für das Entwickeln von Textverständnis bildet. Allerdings gehört es leider zur gesellschaftlichen Realität, dass Kindern in vielen Haushalten nichts vorgelesen wird. Daher sollte diese fehlende Erfahrung in der Schule kompensiert werden. Gemeinsames Lesen im Plenum , bei dem sich die Schülerinnen und Schüler abwechseln, weist dagegen den Lernenden eine aktivere Rolle zu. Gleichzeitig ist ein einheitliches Lesetempo gewährleistet. Der Vortrag kann jederzeit zur Klärung von Fragen angehalten werden, deren Beantwortung der ganzen Klasse zugutekommt. Lesen im Team – zum Beispiel im Rahmen einer Partnerarbeit – bietet die Möglichkeit eines intensiven Austauschs über den Text. Schüchterne Kinder und Jugendliche sind dabei weniger gehemmt als im Plenum. Die Schülerinnen und Schüler können ihr Vorwissen zusammentragen, Fragen formulieren und gemeinsam klären. Sehr hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Methode des " lauten Denkens ", bei der spontan ausgesprochen wird, was einem während des Lesens "in den Kopf kommt". Bei einer Vielzahl von Fragen beziehungsweise bei sehr begrenzter Zeit ist eine direkte Klärung durch die Lehrkraft als zeitökonomische Variante vertretbar. Ansonsten sollte allerdings trotz des höheren Zeitbedarfs eine Recherche-Kultur gepflegt werden, bei der die Lernenden selbst oder im Team Antworten finden, indem sie Wörterbücher, Lexika oder das Internet nutzen. Auch die wichtige Fähigkeit, die Bedeutung unklarer Begriffe durch den Kontext zu erschließen, muss im Unterricht trainiert werden. Die Schülerinnen und Schüler achten dabei auf Schlüsselwörter und nutzen Visualisierungstechniken wie Skizzen oder Mindmaps . Zudem sollten sie dazu befähigt werden, Texte durch sinnvolle Markierungen, Randnotizen und Symbole so systematisch zu bearbeiten, dass die inhaltliche Struktur transparent wird. Es ergibt Sinn, lange vor der ersten Klassenarbeit oder Klausur die Operatoren in fachspezifischen Aufgabenstellungen zu thematisieren und einzuüben . Nur wenn Klarheit darüber besteht, was mit bestimmten Verben wie beschreiben , darstellen oder erläutern gemeint ist, können die Schülerinnen und Schüler die Arbeitsanweisungen korrekt befolgen. Außerdem gilt es, (nicht nur im Fach Deutsch) das schriftliche Ausdrucksvermögen der Lernenden zu trainieren . Dies setzt voraus, dass Sie als Lehrkraft bei der Besprechung von Schreibaufträgen nicht nur auf inhaltliche, sondern auch auf sprachliche Aspekte achten und sich Zeit nehmen, diese mit der Lerngruppe zu thematisieren. Neben elementaren Kriterien wie Grammatik und Satzbau sollten Sie auch auf einen angemessenen Sprachstil Wert legen. Dazu zählen unter anderem passende Satzanfänge, sinnvolle Überleitungen und die Vermeidung von Wortwiederholungen durch Synonyme. Fazit Machen Sie sich typische Sprachbarrieren in den Fächern, die Sie unterrichten, bewusst und nehmen Sie diese Problematik ernst. Sensibilisieren Sie dann ihre Lerngruppe und schaffen Sie eine Kultur der Offenheit, die Raum bietet, über sprachliche Hürden zu reden. Setzen Sie schließlich passende Problemlösungsstrategien in Ihrem Unterricht ein und bleiben Sie dabei geduldig und hartnäckig, da kurzfristige Erfolge selten zu erwarten sind. Weitere Tipps finden Sie im Artikel Sprachsensibilität im Unterricht – Methoden in der Praxis .

  • Fächerübergreifend

Die Bibliothek der ungelesenen Bücher: Lesekompetenz im Unterricht fördern

Fachartikel

In diesem Fachartikel geht es um eine besondere Art der Leseförderung. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Büchern auseinander, die sie (noch) nicht gelesen haben. Im Rahmen des Projekts wird auch Sachwissen über Bibliotheken, den Buchmarkt und die Besonderheiten digitalen Lesens vermittelt. Dieser Fachartikel bietet Hintergrundinformationen und Tipps zur Umsetzung eines Projekts zur Leseförderung . In den Arbeitsblättern werden die Schülerinnen und Schüler dazu angeleitet, Interviews zu ungelesenen Büchern vorzubereiten, durchzuführen und auszuwerten (siehe Verlinkungen im Artikel). Gelesen oder ungelesen, das ist hier die Frage Über das Lesen von Büchern ist bereits viel geschrieben worden. In berühmten Romanen wie Robert Musils Mann ohne Eigenschaften , James Joyces Ulysses , Umberto Ecos Der Name der Rose oder, aktueller, Carlos Ruiz Zafóns Der Friedhof der vergessenen Bücher spielen Bibliotheken eine wichtige Rolle. In der Erzählung Die souveräne Leserin (2008), einer "Liebeserklärung an die Queen und die Literatur" (siehe Umschlagtext), schildert Alan Bennett, wie sich die britische Königin durch einen Bibliotheksbus zur Liebhaberin schöngeistiger Literatur entwickelt. Aber auch die Sachliteratur widmet sich dem Thema Bücherlesen: Erich Schön zum Beispiel untersucht den Verlust der Sinnlichkeit oder Die Verwandlung des Lesers (1987), Dieter E. Zimmer fragt nach der Bibliothek der Zukunft (2000) und Wolfgang Herles stellt Bücher die Geschichte machten (2007) vor. Das Lesen von Büchern ist auch ein wichtiges Thema in der didaktisch-methodischen Literatur, überwiegend, aber nicht nur für den Deutsch-Unterricht. Es geht um Lesekompetenz und Leseförderung und in diesem Zusammenhang auch um Leselust , also um die Frage: Wie werden Kinder zu Leserinnen und Lesern? Schulische Leseförderung schöpft dabei aus einem vielfältigen Repertoire: Buchvorstellung , Lesekiste , Lesetagebuch , Lesenacht , Lesecafé, Lesefest (zum Beispiel Frederick Tag ) und vieles mehr wird aufgeboten, um Kinder und Jugendliche zum Lesen von Büchern zu animieren. Man verspricht sich davon, dass sie damit ihre Kommunikationskompetenz, ihr Wissen über die Welt, ihre Vorstellungskraft, Kreativität und Empathie entfalten. Solch hohe Ziele üben einen gewissen Druck auf die Schülerinnen und Schüler, oft auch auf die Eltern, aus. Doch trotz ausgeklügelter Methoden der Leseförderung vermeiden oder verweigern viele Kinder und Jugendliche das Bücherlesen. Am Gespräch über Bücher nehmen sie nicht teil. Das vorgeschlagene Projekt weicht vom üblichen Weg ab. Es folgt nicht dem bekannten Schema: Wir lesen ein Buch/Bücher, um im Anschluss darüber zu sprechen und dabei das Leseverständnis zu überprüfen, gegebenenfalls auch zu benoten. Es fragt stattdessen nach den ungelesenen Büchern und fordert dazu auf, diese genauer zu beschreiben. Die Vorstellungskraft wird nicht mehr während des Lesen, sondern vor dem Lesen aktiviert und in Interviews kommunikativ vermittelt. Im Unterricht erlernte Kategorien (zum Beispiel Genre, Erzählperspektive, Erzählzeit, Hauptfigur, Spannung und so weiter), die für das angemessene Verstehen und Beschreiben von Literatur wichtig sind, werden dabei quasi wie von selbst angewandt. Interviews zu ungelesenen Büchern Julius Deutschbauers Bibliothek der ungelesenen Bücher dient als Vorbild für die Interviews, die von den Schülerinnen und Schülern geführt werden. Als Partnerin oder Partner für das Interview eignet sich fast jede und jeder: Mitschülerinnen und Mitschüler aus der eigenen oder einer anderen Klasse, Lehrkräfte, Schulleitung, Mitarbeitende im Sekretariat, Hausmeisterinnen und Hausmeister, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter, Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekare, Mitarbeitende der Mensa und so weiter. Auch außerhalb der Schule finden sich Personen, die befragt werden können: Geschwister, Eltern, Großeltern, Verwandte, Bekannte, Buchhändler/-innen. Das Projekt kann also sehr individuell gestaltet werden, zum Beispiel als klasseninterne kurze Unterrichtssequenz oder als längerfristiges Projekt für die ganze Schule. Dabei soll in jedem Fall eine reale Bibliothek der ungelesenen Bücher entstehen, die von möglichst vielen Leserinnen und Lesern genutzt wird. Grundstruktur des Projekts Die Grundstruktur der Projektarbeit bleibt immer gleich: Eine Person führt mit einer anderen Person ein etwa 10-minütiges Interview durch, in dem es um ein ungelesenes Buch geht: ein Buch, das ungelesen im eigenen Regal steht oder auf dem Nachttisch liegt, ein Bestseller, den man eigentlich lesen wollte, ein schwieriger Klassiker, den man kennen müsste, ein dicker Wälzer, für den man einfach keine Zeit hat und so weiter. Gemeinsam entwickelte oder vorgegebene Leitfragen können helfen, das Gespräch vorzubereiten und zu strukturieren. ( Arbeitsblatt 1 , Arbeitsblatt 2 ) Gerade in höheren Klassenstufen empfiehlt es sich, einige von Deutschbauers Interviews anzuhören oder zumindest hineinzuhören ( julius-deutschbauer.com ). Sie sind alphabetisch nach den Nachnamen der befragten Personen, nicht der Autorinnen und Autoren, aufgelistet. Manche Buchtitel, unter anderem Der Mann ohne Eigenschaften, Ulysses, Der Zauberberg, sind mehrmals vertreten, wie man mit der Suchfunktion der Bücherlisten schnell herausfinden kann ( julius-deutschbauer.com ). Schon die Frage der Auswahl – Warum hast du gerade dieses Interview angehört? – kann zu spannenden Gesprächen in der Klasse führen. Natürlich kann die Lehrkraft auch eine Vorauswahl treffen. Hinweise zur Vorbereitung des Projekts Warum stehen manche Bücher jahrelang ungelesen im Regal? Über die vielfältigen Gründe dafür sollen sich die Schülerinnen und Schüler in einer vorbereitenden Reflexionsphase bewusst werden. ( Arbeitsblatt 1 ) Je nach Zeitbudget und Zielsetzung kann das Projekt durch einen Bibliotheksbesuch vorbereitet werden. ( Leseförderung in der Bibliothek ) Nach einer kurzen informativen Einführung in die Bibliothek (unter anderem Bibliotheksordnung, Ausleihregeln, Katalog, Bestand, Aufstellung, Signatursystem und so weiter) bekommen die Schülerinnen und Schüler den Auftrag, sich umzusehen und ein noch nicht gelesenes Buch aus dem Regal zu nehmen. Für die Beschäftigung mit diesem Buch sollten etwa 10 bis 15 Minuten zur Verfügung stehen, danach werden die Bücher im Plenum knapp vorgestellt. Die Leitfragen dafür werden auf einem Flipchart visualisiert: Warum hast du unter den xx (Anzahl) Büchern gerade dieses aus dem Regal gezogen? Was hast du damit gemacht? Würdest du dieses Buch gerne ganz lesen? Die vorgestellten Bücher werden der Reihe nach auf einen Tisch gelegt. Am Ende nimmt sich jede Person ein Buch (nicht das eigene!) und stellt es an die richtige Stelle im Regal zurück. Auch eine Recherche zum Buchmarkt kann den Interviews vorgeschaltet werden. Auf einschlägigen Internetseiten ermitteln die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel, wie viele Bücher jährlich erscheinen, wie viele Bücher Leserinnen und Leser im Schnitt kaufen und so weiter. Eine persönliche Statistik zum Leseverhalten der Schülerinnen und Schüler lässt sich ganz einfach aufstellen: Jede Schülerin und jeder Schüler ermittelt die Zahl der Bücher im eigenen Regal, die sie oder er (noch) nicht gelesen hat. Auch andere Familienmitglieder können mit einbezogen werden. Fazit: Ungelesene Bücher sind kein "Versagen" der Leserschaft, sondern bieten eine Chance, denn sie warten aufs Gelesenwerden! Ausgehend von einem japanischen Ritual, dem Tsundoku , lernen die Schülerinnen und Schüler etwas über die Kunst des Büchersammelns und bekommen Anregungen, wie sie mit ungelesenen Büchern umgehen können. Tsundoku: Die japanische Kunst des Büchersammelns | RITUALS Hinweise zur Durchführung des Projekts Bei klasseninternen Interviews empfiehlt es sich, nach dem Zufallsprinzip Paare zu bilden, zum Beispiel durch zwei Sätze von Karten mit Bildern, Grafiken oder Symbolen zum Thema Buch (zum Beispiel Fotos oder Zeichnungen von Lesern, Leseorten und -plätzen, Wort "Buch" auf Englisch, Französisch, Latein und so weiter, Zitate zum Lesen und so weiter). ( Arbeitsblatt 3 ) Wird das Projekt klassenübergreifend durchgeführt, muss zunächst der Kontakt zu den Interviewpartnerinnen und -partnern hergestellt und ihr Einverständnis eingeholt werden. Das Anhören einiger Beispielinterviews, entweder als Hausaufgabe oder gemeinsam im Unterricht, kann wichtige Impulse für die Interviews der Schülerinnen und Schüler setzen. Auch ein Fragenkatalog ( Arbeitsblatt 2 ) kann die Interviewarbeit erleichtern. Die Fragen sind dabei als Anregungen zu verstehen, sie müssen nicht der Reihe nach abgearbeitet werden. Die Interviews, egal ob face to face oder per Video Call, müssen als Audiodatei gesichert werden (Smartphone), um nachhaltige Ergebnisse zu erhalten. Nach den Interviews muss genügend Zeit für die Auswertung eingeplant werden: für die individuelle Reflexion, die Besprechung im Plenum, das gemeinsames Anhören einiger Interviews. Zum Abschluss sollten die ungelesenen Bücher eingebunden, mit einer Signatur (Name der "Nicht-Leserin" oder des "Nicht-Lesers") versehen und an geeigneter Stelle gesammelt werden (Klassenbibliothek, Extraregal in der Schulbibliothek). Die Bücherspende kann entweder von der Leserin beziehungsweise dem Leser selbst kommen oder von Sponsoren (Buchhandlungen, Eltern, Förderverein und so weiter). Einen interessanten Exkurs bildet die Frage nach der Bedeutung von e-Books: Wer liest sie? Welche Vorteile/Nachteile bieten sie? Wie funktionieren sie? Dabei muss thematisiert werden, dass Lesende dabei unter ständiger Beobachtung stehen: Amazon und andere Anbieter registrieren, wie schnell, wie häufig, zu welcher Uhrzeit, wie lange wir lesen und ob wir ein Buch ganz lesen. Roland Schulz bringt es im Süddeutsche Zeitung Magazin auf den Punkt: "Während wir lesen, lesen sie [die Bücher] uns."

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben

Klassenraumgestaltung: Ideen, Impulse und Hintergrundwissen

Fachartikel
5,99 €

In diesem Artikel zum Thema Klassenraumgestaltung finden Sie vielfältige Anregungen dazu, wie Sie Unterrichtsräume lernfördernd einrichten können. Dabei stehen die Bedürfnisse der Lernenden und Lehrenden im Vordergrund. "Auch Räume sind Wesen, können heilen, erheben, befrieden, stimulieren – oder krank machen und verderben." (Mahlke 1998: 13) Vielen Klassen- und Unterrichtsräumen mangelt es an pädagogisch sinnvollen Konzepten zur Gestaltung. Dabei trägt die Konstellation des Raumes maßgeblich dazu bei, ob sich Menschen in ihrer Umgebung wohlfühlen und konzentrieren können, ob sie sich sicher fühlen, ob sie ruhig oder unruhig sind und ob sie angeregt oder gelangweilt werden. Dieser Einfluss kann vom architektonischen Entwurf bis zur Auswahl der Möbel reichen. Nicht auf alles hat die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer Einfluss. In diesem Artikel sollen Ideen berücksichtigt werden, die in einem gegebenen Gebäude oder Raum auf Ebene der Klasse, gegebenenfalls unter Einbeziehung von Fachlehrkräften und Eltern, realisiert werden können. Gemeinsam gestalten Die gemeinsame Gestaltung des Raumes mit den Schülerinnen und Schülern zusammen hat positive Aspekte auf das soziale Miteinander und auf Raumaneignungsprozesse, die für das persönliche Wohlfühlen von zentraler Bedeutung sind. Eine Variable ist dabei das aktive Steuerungsverhalten der Lehrkraft. Je zuverlässiger die Klasse zusammenarbeitet, je demokratischer ihre Entscheidungsprozesse sind und je eigenverantwortlicher sich alle einbringen, desto mehr kann sich die Lehrkraft im Hintergrund halten. Aber auch in Klassen, in denen es Schwierigkeiten gibt, kann die gemeinsame Gestaltung des Klassenraumes genutzt werden, um an eben diesen Problemen zu arbeiten. In jedem Fall sollten sowohl die beteiligten Lehrkräfte als auch die Lernenden bereit sein, Zeit und Energie in das Projekt zu stecken. Es sollte als Teil des Unterrichts fest eingeplant werden und nicht nebenbei geschehen. Nutzbare Unterrichtsstunden sind beispielsweise Klassenlehrer-, Projekt- oder Werkunterricht. Wünsche erarbeiten In einem ersten Schritt erhebt die Klasse gemeinsam die Mängel, die sie an dem Klassenraum in seinem aktuellen Zustand wahrnimmt. Dazu können Arbeitsblätter verwendet werden, in die die Schülerinnen und Schüler entweder in Einzel- oder in Gruppenarbeit Wünsche schreiben. Die Wünsche werden in der Klasse ausgewertet und demokratisch zur Abstimmung gestellt. Dabei macht die Lehrkraft transparent, dass sie bei bestimmten Vorschlägen ein Vetorecht hat. Das betrifft vor allem finanzielle Fragen, Fragen der Sicherheit im Klassenraum und Fragen zum pädagogischen Wert des Klassenraums (Menikheim 2000: 93). Es besteht allerdings durchaus auch die Möglichkeit, die Lernenden Entscheidungen gegen den Rat der Lehrkraft treffen zu lassen. Wenn sich die Klasse beispielsweise mehrheitlich für eine Gestaltung in zahlreichen intensiven Farben, in sehr dunklen Farben oder ähnlichem entscheidet, kann dem nachgegeben werden, sofern die Möglichkeit besteht, es im Nachhinein zu korrigieren. Es sollte in diesem Fall das Budget für einen zweiten Anstrich zur Verfügung stehen. Der pädagogische Wert in Bezug auf Erfahrung, Problemlösungsstrategien, Kritikfähigkeit und eine erneute Entscheidungsfindung ist in diesem Fall sehr hoch. Raumaufteilung Grundsätzlich sollte die Raumaufteilung zu den im Unterricht verwendeten Methoden passen. Denkbar sind Zonen für Frontalunterricht, für Bewegung, für Gruppenarbeit, zum Stehen und als Ruhe-, Einzelarbeits- oder Rückzugsbereich. Denkbar ist auch die Einteilung in einen Instruktions-, einen Interaktions- und einen Elektronikbereich (Leitner 2014). Durch eine Sitzordnung im Halbkreis oder U kann sowohl lehrkraftorientiert als auch kommunikativ gearbeitet werden. Der Raum innerhalb des Halbkreises kann für Arbeitsphasen mit Bewegung genutzt werden. Aus heilpädagogisch inspirierten Richtungen, wie beispielsweise im Würzburger Modell, wird die Bedeutung von Rückzugsräumen betont, die den Lernenden ermöglicht, freiwillig zwischen Gemeinschaft und Individualität zu wählen (Menikheim 2000: 9). Aus der Praxis sind außerdem Leseecken oder Arbeitsecken bekannt, die für den binnendifferenzierten Unterricht genutzt werden können. Zur Abgrenzung können Raumteiler verwendet werden, die sich je nach Methode oder Unterrichtssituation verändern lassen. Viele Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler empfinden Raumteiler jedoch als unpraktisch, unästhetisch und die Raumwirkung störend. Alternativ bietet sich eine Raumaufteilung über Farbgestaltung an, über die Beleuchtungsgestaltung (Menikheim 2000: 78) oder über kleinere Elemente wie Säulen, Pfosten (Menikheim 2000: 80) oder auch Pflanzen. Sie sind nicht ganz so flexibel, bedingt aber auch veränderbar. Außerdem sind sie von der Klasse gestaltbar, sodass sie in den Raumaneignungsprozess einbezogen werden können. Farben Raumfarben spielen bei der Gestaltung einer Klasse eine wichtige Rolle. Daher sollte die Auswahl einer neuen Wandfarbe und das gemeinsame Streichen der Klasse in Erwägung gezogen werden. Grundsätzlich sollten die Farben nicht zu dunkel und zu gesättigt sein. Nach Menikheim sollten nicht zu viele unterschiedliche Farben verwendet werden. Je höher die Anzahl der Farben, desto wichtiger ist es, diese geschickt aufeinander abzustimmen (Menikheim 2000: 60). Mahlke rät zu einer Gestaltung vorwiegend in zwei Komplementärfarben, wobei er Grün-Rot oder Ocker-Blau empfiehlt (Mahlke und Schwarte 1991: 91f.). Materialien Die Frage nach Materialien stellt sich vor allem bei der Gestaltung von Einrichtungsgegenständen wie Pinnwänden, raumstrukturierenden Elementen, Vorhängen (Vor allem bei textilen Wandbehängen und Vorhängen sind dabei die Brandschutzverordnungen zu berücksichtigen.), Fußbodenbelägen, Aufbewahrungsmöbeln, Tischen und Stühlen. Natürlichen, die Sinne ansprechenden Materialien sollte dabei der Vorzug gegeben werden. Ein weiteres Kriterium für die Auswahl ist die selbstständige Reparierbarkeit. Während die meisten Plastik- oder Spanplatte-Plastik-Produkte die Sinne wenig ansprechen und schon bei leichten Beschädigungen abgenutzt und schäbig aussehen, können natürliche Materialien mehr Kratzer und Dellen vertragen, ohne ihre Ästhetik zu verlieren. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler sie mit etwas Know-How selbstständig pflegen. Im Würzburger Modell wird in diesem Zusammenhang mit Öl oder Wachs behandeltes Massivholz als Material für Möbel empfohlen (Menikheim 2000: 64). Wird die Klassenraumstaltung mit dem Werkunterricht kombiniert, können die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel auch Regale, Borde und Tischplatten selbst anfertigen. Das so erworbene Fachwissen stellt ebenso wie die Erfahrung der konkreten Nutzbarkeit im Schulalltag einen wichtigen Beitrag zu Selbstermächtigung und Raumaneignung dar. Außerdem schützt das selbstständige Anfertigen von Einrichtungsgegenständen nachhaltig gegen Vandalismus. Schalldämmung In vielen Schulgebäuden ist bei der Planung und Erbauung viel zu wenig an die Schalldämmung gedacht worden. Als Folge davon ist Schulunterricht häufig mit einer erheblichen Lärmbelastung für Lernende und Lehrende verbunden. Jugendliche vergessen diesen Aspekt häufig beim Sammeln der gestalterischen Ideen, sind dann aber unter Umständen auch sehr froh, wenn der Raum leiser wird. Eine professionelle Schalldämmung ist sehr wünschenswert. Wo dies nicht möglich ist, kann möglicherweise mit einer Schaumstoffdämmung an der Decke, mit Pflanzen und textilen Wandbehängen gearbeitet werden. Falls möglich, können auch Teppiche beim Dämmen helfen. Dabei sind bewegliche Einzelteppiche in jedem Fall fest verlegter Meterware vorzuziehen. Sie können wesentlich leichter gereinigt werden und lassen sich außerdem zur Raumstrukturierung einsetzen. Einzelplätze Neben der Wandfarbe ist die Gestaltung der Tische ein sehr bestimmendes ästhetisches Element im Raum. Einerseits bieten kleine, bewegliche Tische, die sich für die Gruppenarbeit zu Polygonen zusammenstellen lassen, viele praktische Vorteile. Sie haben aber häufig den Nachteil, dass das Material nicht sehr ansprechend ist. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler sie nicht selbst gestalten. Aus einer ganzheitlichen, heilpädagogisch inspirierten Sicht kann das Bauen eines eigenen Arbeitstisches oder zumindest einer Tischplatte (Menikheim 2000: 99) eine sehr positive Wirkung auf die Schülerinnen und Schüler haben. Menikheim schlägt vor, den Werkunterricht der siebten Klasse dafür zu nutzen, die Tische zum Beispiel aus Dachlatten zu bauen. Jede Schülerin und jeder Schüler verwendet diesen Tisch dann die gesamte Schullaufbahn hindurch und nimmt ihn in jede folgende Klasse mit. Fazit Die Gestaltung eines Klassenraumes nimmt mitunter viel Zeit in Anspruch. Entscheiden Sie ganz individuell in Abstimmung mit den zeitlichen und finanziellen Mitteln, in welcher Form Sie den Raum mit Ihrer Lerngruppe gestalten wollen. Nutzen Sie dabei diese unterstützenden Anregungen und passen Sie sie an Ihre Bedürfnisse an. Selbstverständlich ergeben sich im Verlauf eines Schuljahres neben einem derart umfangreichen Projekt auch immer wieder einmal Phasen, in denen Ihre Schülerinnen und Schüler ihren täglichen Lernraum ein Stück weit verändern können. Weniger aufwändig ist beispielsweise das Ausstellen von gemalten Bildern, ein Geburtstagskalender mit Fotos der Lernenden oder die Erarbeitung von Klassenregeln , die schließlich auf einem großen Poster für alle sichtbar präsentiert werden. Auf diese Weise können Sie das Lernklima verbessern, und der Klassenraum wirkt gleich viel persönlicher. Viel Freude beim Gestalten, Lehren und Lernen in Ihrem Klassenraum!

  • Fächerübergreifend

Die Bibliothek der ungelesenen Bücher: Unterrichtsprojekt zur Leseförderung

Kopiervorlage

Dieses Arbeitsmaterial enthält konkrete Vorschläge zur Umsetzung zum Projekt "Die Bibliothek der ungelesenen Bücher". Ziel ist es, das Potenzial ungelesener Bücher erfahrbar zu machen und diese nicht mehr als Mangel, sondern als einen Schatz zu begreifen, den die Lesenden jederzeit heben können. In Zeiten der Digitalität nutzen Kinder und Jugendliche zunehmend Medien; viele haben häufiger Smartphone, Tablet und Co. als Bücher in der Hand. Dabei ist das Lesen von Büchern wichtig, bereichernd und sogar gesund! Es wirkt sich unterstützend auf die Entwicklung vieler Bereiche aus, unter anderem wird die Sprachentwicklung ausgeweitet, aber auch Kreativität, Empathie und weitere Fertigkeiten geschult. Es kann zur Stressreduktion beitragen und spielt außerdem eine große Rolle, um am kulturellen Leben teilzunehmen. Viele gute Gründe also, die für das Lesen sprechen! Neben dem familiären Umfeld kommt dem schulischem Rahmen für die Leseförderung eine große Bedeutung zu: Im Unterricht können Leselust und - freude unterstützt und Lesekompetenz gefördert werden. Dieses Arbeitsmaterial kann in verschiedenen Klassenstufen eingesetzt werden, um die Lernenden zum Lesen zu motivieren und die Lesekompetenz nachhaltig zu fördern. Dabei geht es um einen besonderen Zugang zu Büchern: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich im Rahmen einer Projektarbeit mit Büchern auseinander, die sie (noch) nicht gelesen haben. In diesem Zusammenhang wird auch Sachwissen über Bibliotheken, den Buchmarkt und die Besonderheiten digitalen Lesens vermittelt. In den vorliegenden Arbeitsblättern werden die Schülerinnen und Schüler dazu angeleitet, Interviews zu ungelesenen Büchern vorzubereiten, durchzuführen und auszuwerten und dieser Fachartikel bietet Hintergrundinformationen und Tipps zur Umsetzung. Fachkompetenz Die Schülerinnen und Schüler setzen sich damit auseinander, dass viele Bücher gekauft, aber nicht gelesen werden. befragen eine Interviewpartnerin oder einen Interviewpartner zu ungelesenen Büchern. aktivieren mithilfe ihres Vorwissens über (insbesondere) erzählende Literatur ihre Vorstellungskraft. Medienkompetenz Die Schülerinnen und Schüler nutzen Internetrecherchen. sichern ein Interview mit geeigneten Medien (Smartphone). Sozialkompetenz Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Kommunikationskompetenz (zuhören, Fragen stellen, ein Gespräch beginnen, am Laufen halten, abschließen). treffen verbindliche Verabredungen. setzen sich mit anderen, auch kontroversen Meinungen auseinander.

  • Deutsch / Kommunikation / Lesen & Schreiben
  • Sekundarstufe I, Sekundarstufe II
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