Lernstände früh erkennen: Was kurze Tests im Unterricht leisten können

News
Basis
Autor: Ranja Schlotte
veröffentlicht am 11.10.2026

Das deutsche PISA-Team empfiehlt, Lernentwicklungen regelmäßig mit kurzen Tests zu beobachten und Unterstützungsbedarf früh zu erkennen. Für Lehrkräfte können formative Checks ein überschaubares Werkzeug sein, um Unterricht anzupassen und nächste Lernschritte gezielt zu planen.

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 zeigen für Deutschland einen deutlichen Handlungsbedarf. Die Kompetenzen der 15-Jährigen in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik liegen auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der PISA-Erhebungen. Rund ein Fünftel der Jugendlichen verfügt in keinem der drei Bereiche über ausreichende Basiskompetenzen.

Das deutsche PISA-Team empfiehlt deshalb, die Lernentwicklung kontinuierlich und datenbasiert zu begleiten. Regelmäßige kurze Tests könnten dabei helfen, Unterstützungsbedarf frühzeitig zu erkennen und pädagogische Entscheidungen unmittelbar am Lernstand der Schülerinnen und Schüler auszurichten.

Was formative Checks leisten können

Formative Checks sind kurze Lernstandsüberprüfungen während des Unterrichts. Sie dienen nicht in erster Linie der Benotung, sondern geben Hinweise darauf, was Lernende bereits verstanden haben, wo typische Fehlvorstellungen auftreten und welche Inhalte erneut aufgegriffen werden sollten.

Ein solcher Check kann beispielsweise aus drei Aufgaben, einer kurzen Selbsteinschätzung oder einer mündlichen Abfrage bestehen. Entscheidend ist, dass die Ergebnisse zeitnah in die Unterrichtsplanung einfließen. Zeigt sich etwa, dass viele Lernende eine Rechenstrategie nur mechanisch anwenden, kann die Lehrkraft am nächsten Tag mit einer gemeinsamen Fehleranalyse oder einer anschaulichen Darstellung ansetzen.

Vom Testergebnis zum nächsten Lernschritt

Damit formative Diagnostik wirksam wird, braucht es eine klare Verbindung zwischen Beobachtung und Förderung. Nach einem kurzen Check können Lehrkräfte die Ergebnisse in drei Gruppen ordnen: sicher beherrscht, teilweise verstanden und noch nicht verstanden. Daraus lassen sich unterschiedliche nächste Schritte ableiten.

Lernende, die ein Konzept sicher beherrschen, erhalten weiterführende oder anspruchsvollere Aufgaben. Für die mittlere Gruppe bieten sich zusätzliche Beispiele, Partnerarbeit oder ein gestütztes Übungsformat an. Wer grundlegende Inhalte noch nicht verstanden hat, benötigt eine erneute Erklärung, kleinschrittige Aufgaben und gegebenenfalls individuelle Unterstützung.

Diagnostik als Teil des Unterrichts

Das PISA-Team betont zugleich, dass regelmäßige Tests allein keine Lösung darstellen. Entscheidend ist, ob aus den Ergebnissen verlässlich Förderung folgt. Der DIPF-Beitrag zu PISA 2025 hebt außerdem hervor, dass Unterstützungsbedarf häufig früh erkannt und insbesondere im sprachlichen Bereich gezielt bearbeitet werden sollte.

Formative Checks können damit ein Baustein einer umfassenderen Lernbegleitung sein. Sie ersetzen weder pädagogische Beobachtung noch Gespräche mit Lernenden oder eine umfassende Diagnostik. Richtig eingesetzt, machen sie jedoch sichtbar, ob Unterricht tatsächlich bei den Lernenden ankommt.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Reservieren Sie am Ende einer Unterrichtsstunde fünf Minuten für einen kurzen Check: eine Aufgabe, eine Verständnisfrage und eine Selbsteinschätzung mit den Antworten "sicher", "teilweise sicher" oder "noch unsicher". Werten Sie die Ergebnisse direkt aus und beginnen Sie die nächste Stunde mit einer passenden Förderung. Besonders in Mathematik, Deutsch und den Naturwissenschaften können Sie so Fehlvorstellungen früh erkennen. Halten Sie wiederkehrende Fehler im Kollegium fest, damit Fördermaßnahmen über einzelne Unterrichtsstunden hinaus abgestimmt werden können.

Aktuelle Bildungsnachrichten direkt auf Ihr Smartphone

Bleiben Sie über wichtige Entwicklungen in Schule und Bildung informiert und abonnieren Sie den WhatsApp-Kanal von Lehrer-Online.

Neue Unterrichtsmaterialien, Unterrichtsideen und weitere Empfehlungen finden Sie alle zwei Wochen in unserem Lehrer-Online-Newsletter.

Quellen

Über die Autorin dieses Materials

ANZEIGE