Nicht jede offene Stelle ist sichtbar: Warum 18,6 Prozent nicht die ganze Lage zeigen

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Autor: Merle Engeln
veröffentlicht am 10.10.2026

18,6 Prozent der Lehrkräfte an öffentlichen Schulen in Deutschland gelten laut OECD für 2023/24 als nicht vollständig qualifiziert. Der Wert ist jedoch erklärungsbedürftig: Er umfasst auch Lehrkräfte, die sich noch in Ausbildung befinden, und sagt wenig darüber aus, in welchen Fächern, Regionen und Schulformen der Personalmangel besonders stark spürbar ist.

Der Lehrkräftemangel zeigt sich nicht überall gleich. Das macht der OECD-Bericht "Education at a Glance 2026" deutlich. Für Deutschland weist die Organisation für das Schuljahr 2023/24 einen Anteil von 18,6 Prozent der Lehrkräfte an öffentlichen Grund- und weiterführenden Schulen aus, die nach ihrer Definition nicht vollständig qualifiziert sind.

Was die OECD unter "nicht vollständig qualifiziert" versteht

Die OECD zählt Lehrkräfte zu dieser Gruppe, wenn sie kein Qualifikationsniveau 7 nach der International Standard Classification of Education (ISCED) erreicht haben oder sich noch in Ausbildung befinden. In Deutschland gilt eine Lehrkraft nach OECD-Kriterien grundsätzlich als vollständig qualifiziert, wenn sie einen Masterabschluss und einen Vorbereitungsdienst von durchschnittlich etwa 18 Monaten abgeschlossen hat.

Der internationale Vergleich muss deshalb vorsichtig interpretiert werden. In die deutsche Zahl fließen auch Vertretungslehrkräfte ein, die teilweise noch studieren. Außerdem werden Fachlehrkräfte und Lehrkräfte für Fachpraxis an berufsbildenden Schulen in der OECD-Statistik nicht als vollständig qualifiziert gezählt, obwohl sie nach deutschem Recht eine anerkannte Qualifikation für ihre Tätigkeit besitzen. Der Anteil wäre nach OECD-Angaben etwas niedriger, wenn diese Gruppe berücksichtigt würde.

Der Mangel konzentriert sich auf bestimmte Bereiche

Der OECD-Durchschnitt liegt bei 9,1 Prozent nicht vollständig qualifizierten Lehrkräften. Deutschland liegt damit deutlich darüber. Gleichzeitig macht die OECD deutlich, dass ein Bundeswert allein die Situation an Schulen nur unvollständig beschreibt.

Personelle Engpässe treten häufig in bestimmten Fächern auf. Besonders Mathematik und Naturwissenschaften sind international stark betroffen. Auch ländliche, abgelegene und sozial benachteiligte Regionen haben größere Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Lehrkräfte zu gewinnen. Hinzu kommen Unterschiede zwischen Schulformen und einzelne Fächerbedarfe, die in einem Gesamtwert nicht sichtbar werden.

Eine weitere Belastung ist die Abwesenheit von Lehrkräften. 55 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland besuchen laut OECD Schulen, deren Schulleitungen angeben, dass die Abwesenheit von Lehrkräften das Lernen beeinträchtigt. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 27 Prozent.

Was Schulen und Unterricht brauchen

Die Daten sprechen daher nicht nur für mehr Personal, sondern auch für eine gezieltere Steuerung. Dazu gehören verlässliche Ausbildungswege, gute Arbeitsbedingungen und Unterstützung für Lehrkräfte, die über alternative Zugänge in den Schuldienst kommen. Ebenso wichtig sind multiprofessionelle Teams, eine bessere Vertretungsplanung und eine bedarfsgerechte Verteilung von Lehrkräften.

Bedeutung für Ihren Unterrichtsalltag

Für Ihren Unterricht bedeutet der Lehrkräftemangel häufig, dass Lerngruppen zusammengelegt werden, Fachunterricht ausfällt oder Vertretungslehrkräfte kurzfristig eingesetzt werden. Prüfen Sie im Kollegium, welche Basiskompetenzen trotz solcher Bedingungen verbindlich gesichert werden müssen. Gemeinsame Lernstandsdiagnosen, abgestimmte Materialien und klare Übergaben können helfen, Unterrichtsqualität zu stabilisieren. Melden Sie außerdem frühzeitig, wenn bestimmte Fächer, Jahrgangsstufen oder Lerngruppen dauerhaft besonders belastet sind.

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Quellen

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