Sternhimmel im April: Sternbilder

Hier finden Sie Informationen und Sternkarten zu den Sternbildern Löwe, Kleiner Löwe und dem weniger bekannten "Haar der Berenike".

Der Sternhimmel in südlicher Blickrichtung

Löwe und Kleiner Löwe

Im Sternbild Löwe lässt sich - im Gegensatz zu vielen anderen Sternbildern des Tierkreises - zumindest schematisch die Form des Namensgebers erkennen: Die vier hellsten Sterne des Löwenkörpers bilden ein Trapez, dessen oberer rechter Stern zugleich Teil eines weiteren, kleineren Trapezes ist, in dem man den erhoben Kopf des Löwen erkennen kann (Abb. 1, zur Vergrößerung des Ausschnitts bitte anklicken). Der hellste Stern des Sternbilds, Regulus (lateinisch "Kleiner König"), markiert die Brust des Löwen. Die Grafiken "sternhimmel_sued_1_apr_22_uhr_MEZ.jpg" und "sternhimmel_komplett_1_apr_22_uhr_MEZ.jpg" wurden mithilfe der kostenfreien Planetarium-Software Stellarium per Screenshot erzeugt und zeigen den vollständigen Abendhimmel in höherer Auflösung für die Präsentation per Beamer oder zum Ausdrucken.

Löwe, Jungfrau und Haar der Berenike (Stellarium-Screenshot)
+Abb. 1: Löwe, Jungfrau und Haar der Berenike

Frühlingsdreieck

Regulus bildet zusammen mit den Sternen Arcturus (Bärenhüter) und Spica (Jungfrau) das so genannte Frühlingsdreieck. Einige Sterne des Löwen tragen alte arabische Namen: Denebola (der linke Stern im Körpertrapez) bildet das "Schwänzchen", Algieba, der Name des Körper- und Kopftrapez verbindenden "Gelenksterns", bedeutet "Mähne des Löwen". Im Gegensatz zu dem unscheinbaren "Kleinen Löwen" (Abb. 2, Grafik zur Vergrößerung des Ausschnitts bitte anklicken), der von dem Danziger Ratsherrn und Amateurastronom Johannes Hevelius (1611-1687) eingeführt wurde, gehört der Löwe zu den schon in der Antike bekannten Sternbildern.

Sternbilder Löwe (Stellarium-Screenshot)
+ Abb. 2: Figürliche Darstellungen der Sternbilder (Grafik bitte anklicken)

Das Haar der Berenike

Dieses weniger bekannte Sternbild enthält nur recht lichtschwache Sterne (vergleiche Abb. 1 und Abb. 2). Am lichtverschmutzten Himmel ist es recht mühsam und wenig lohnend, zwischen dem markanten Löwen und dem orange leuchtenden Arcturus im Bärenhüter nach ihm zu suchen. Hat man jedoch einen klaren und dunklen Himmel über sich, erkennt man schnell den besonderen Charakter des Sternzeichens und dessen Bezug zum Thema "Haar": Es erscheint diffus und "wenig greifbar". Wenn man den Blick neben das Sternbild richtet und keine Einzelsterne erkennt, macht es fast einen "nebulösen" Eindruck. Dieser wird durch die vielen lichtschwachen Sterne, insbesondere die des so genannten Coma-Sternhaufens, erzeugt. Seine helleren Sterne bilden eine V-förmige Formation, die man am Besten mit dem Fernglas sieht (möglichst geringe Vergrößerung). Das Sternbild stellt die wallende Haarpracht der ägyptischen Königin Berenike dar. Die soll sie sich, laut griechischer Mythologie, abgeschnitten und der Göttin Aphrodite geopfert haben, um so die sichere Rückkehr ihres Mannes aus dem Krieg zu gewährleisten.

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Der Tierkreis von Dendera

Der Löwe ist als Anfangszeichen nach dem Schnittpunkt von Ekliptik und Äquator auf dem berühmten Tierkreis von Dendera zu finden. Das in Stein gemeißelte Relief, das auf etwa 50 v. Chr. datiert wird, schmückte eine Decke des ägyptischen Hathortempels, bevor es von Napoleons Soldaten nach Paris geschafft wurde, wo es heute im Louvre zu sehen ist. Die Göttin Hathor wurde von den Ägyptern in Menschengestalt mit Kuhohren oder in Gestalt einer "Himmelskuh" dargestellt. Die allumfassende Muttergottheit war für Liebe, Frieden, Schönheit, Kunst und für den Himmel zuständig. Kein Wunder also, dass in ihrem Tempel zahlreiche Darstellungen astronomischer Objekte zu finden sind. Wenn Sie bei der Google-Bildersuche "dendera zodiac" eingeben, erhalten Sie zahlreiche Treffer. Für Schülerinnen und Schüler ist es eine interessante Aufgabe, in dem alten Dendera-Tierkreis den "unseren" zu erkennen und herauszuarbeiten. Dabei bietet sich der Löwe als Startpunkt an: Er steht auf einer Barke unterahlb der Darstellung des Krebses. Im Rahmen dieser kleinen "Detektivarbeit" stoßen die Schülerinnen und Schüler auch auf Ungereimtheiten: So können Sie entdecken, dass unser Steinbock früher als "Ziegenfisch" dargestellt wurde. Dieses seltsame Mischwesen geht auf die Babylonier zurück. Wie so oft führen Recherchen zum Thema Sternzeichen immer tiefer in den "Brunnen der Vergangenheit" und verknüpfen so Astronomie und Kulturgeschichte.

Autor
Avatar Dr. André Diesel

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In Kooperation mit

Internationales Astronomiejahr 2009

Dieser Unterrichtsvorschlag wurden im Rahmen des Internationalen Astronomiejahrs 2009 (IYA2009) bei Lehrer-Online veröffentlicht.