Blind ist nicht blöd! - Umgang mit Behinderten
Unterrichtseinheit
In dieser Unterrichtseinheit zum Thema Behinderung werden die Schülerinnen und Schüler für Vorurteile und verletzendes Verhalten sensibilisiert, womit blinde Personen im Alltag häufig konfrontiert werden. Wie erleben blinde und sehbehinderte Menschen ihren Alltag? Mit welchen Vorurteilen werden sie konfrontiert, und wie lässt sich ein respektvolles und selbstverständliches Miteinander gestalten? In dieser Unterrichtseinheit setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Lebensrealitäten blinder und sehbehinderter Menschen auseinander. Anhand von Filmausschnitten, Erfahrungsberichten, praktischen Übungen und digitalen Recherchen hinterfragen sie verbreitete Vorstellungen über Blindheit und reflektieren ihr eigenes Verhalten. Dabei erfahren sie, dass eine Sehbehinderung nichts über die Fähigkeiten, die Intelligenz oder die Selbstständigkeit eines Menschen aussagt. Die Lernenden beschäftigen sich mit unterschiedlichen Formen der Sehbeeinträchtigung, lernen die Brailleschrift kennen und erkunden Möglichkeiten der Orientierung und Kommunikation. Darüber hinaus entwickeln sie Ideen, wie sie Barrieren im Alltag erkennen, Unterstützung respektvoll anbieten und zu einem inklusiven Miteinander beitragen können. Blinde und sehbehinderte Menschen begegnen im Alltag nicht nur räumlichen und technischen Barrieren, sondern auch Vorurteilen, Unsicherheiten und unpassenden Hilfsangeboten. Die Unterrichtseinheit greift diese Herausforderungen auf und bietet Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I die Möglichkeit, eigene Vorstellungen kritisch zu hinterfragen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Im Mittelpunkt steht ein handlungsorientierter und reflektierter Zugang zum Thema Blindheit und Sehbehinderung. Durch die Auseinandersetzung mit Erfahrungsberichten, Filmmaterial und digitalen Informationsangeboten erweitern die Lernenden ihr Wissen über unterschiedliche Lebensrealitäten. Praktische Übungen und Simulationen können ergänzend dazu beitragen, die Bedeutung des Sehens und anderer Sinneswahrnehmungen bewusster wahrzunehmen. Dabei ist eine anschließende Reflexion besonders wichtig: Solche Übungen vermitteln lediglich einzelne Eindrücke und können die tatsächlichen Erfahrungen blinder Menschen nicht vollständig abbilden. Die Schülerinnen und Schüler lernen außerdem die Brailleschrift und ausgewählte Hilfsmittel kennen. Auf dieser Grundlage erarbeiten sie Möglichkeiten, im Alltag respektvoll zu kommunizieren, individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen und Unterstützung anzubieten, ohne die Selbstbestimmung anderer einzuschränken. Die Unterrichtseinheit eignet sich insbesondere für den Religions- und Ethikunterricht und bietet Anknüpfungspunkte zu den Themen Menschenwürde, Vielfalt, gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion. Die einzelnen Materialien lassen sich flexibel einsetzen und an unterschiedliche Lerngruppen anpassen. Die Arbeitsblätter können sowohl ausgedruckt als auch digital bereitgestellt werden. Bei der digitalen Bearbeitung lassen sich die enthaltenen Links direkt aufrufen. Eine ausführliche Beschreibung des Unterrichtsverlaufs steht im Downloadbereich zur Verfügung. Die Neufassung bleibt eng an den vorhandenen Unterrichtsmaterialien und verändert nicht das ursprüngliche Konzept. Gleichzeitig rückt sie Selbstbestimmung, Barrierefreiheit, Perspektivwechsel und Inklusion stärker in den Mittelpunkt. Insbesondere wurden veraltete oder defizitorientierte Formulierungen ersetzt. Auch der Einsatz von Blindheitssimulationen wird didaktisch differenzierter eingeordnet, ohne die entsprechenden Arbeitsmaterialien auszuschließen. Fachkompetenzen Die Schülerinnen und Schüler … erläutern die Lebensrealitäten blinder und sehbehinderter Menschen. beschreiben die Bedeutung der Brailleschrift und ausgewählter Hilfsmittel. erkennen Barrieren und entwickeln Ideen für ein inklusives Miteinander. Medienkompetenzen Die Schülerinnen und Schüler … entnehmen Filmen und digitalen Angeboten relevante Informationen. hinterfragen mediale Darstellungen und mögliche Vorurteile. nutzen digitale Materialien zur Erschließung des Themas Barrierefreiheit. Sozialkompetenzen Die Schülerinnen und Schüler … entwickeln Verständnis für die Perspektiven blinder und sehbehinderter Menschen. reflektieren eigene Vorurteile und fördern einen respektvollen Umgang. bieten angemessene Unterstützung unter Wahrung der Selbstbestimmung an. Am Schluss der thematischen Arbeit sollten die Ergebnisse und Erkenntnisse noch einmal gesammelt und gesichtet werden. Folgende Möglichkeiten der Präsentation bieten sich an: Plakate oder Poster entwerfen zum Thema "Blind ist nicht blöd!" (oder ähnlichen, selbst erdachten Slogans) Homepage zum Thema erstellen mit Infos, Tipps und Geschichten Linkliste Das Angebot an Websites und Linklisten zu dem Thema ist äußerst umfangreich, es sei hier nur eine gut strukturierte Site empfohlen, die auf jeden Fall weiter führt: BFS-NRW e.V. Linkliste vom Bund zur Förderung Sehbehinderter Landesverband NRW e.V. Inhalt Der Film erzählt von der Liebe zweier Blinder, die auf den ersten Blick keine Chance hat. Der erfolgreiche Theaterregisseur Jakob wird in der Folge eines Autounfalls blind und reagiert mit Wut und Verzweiflung. Lilly, von Geburt an blind, soll ihm helfen, sich zurecht zu finden. Jakob vertraut ihr nur zögernd, schließlich starten sie aber gemeinsam einen abenteuerlichen Trip, der ihnen auch die Augen füreinander öffnen wird. Rezeption und Diskussion Um die Rezeption des Films in gewisser Weise zu steuern, bietet sich Arbeitsblatt 1 an. Eine klassisch-schulische Einstiegsalternative, besonders für jüngere Schülerinnen und Schüler, ist "blind spielen". Es wird sozusagen ein Mobilitätstraining für Blinde simuliert. Dabei können Vertrauen, das Hineinversetzen in andere, akustische und taktile Wahrnehmungen sowie vieles andere mehr konkret erfahren und geübt werden. Insofern wird direkt auf das Thema vorbereitet, hinzu kommt der Motivationseffekt durch das Bewegungsspiel. Die kleinen Verunsicherungsspiele, die die Schülerinnen und Schüler mithilfe der Linkverweise auf Arbeitsblatt 3 besuchen, führen logischerweise zum nächsten Schritt, dem Sehtest. Der Sehtest, auf den Arbeitsblatt 4 verweist, wird am besten in Partnerarbeit durchgeführt, damit die geforderten zwei Meter Abstand und das gleichzeitige Hantieren mit der Maus möglich sind. Für den Sehtest wird anfangs ein 10-€-Schein gebraucht. Erworbene Blindheit kann schleichend kommen. Oft führen Augenkrankheiten auch nicht zur vollständigen Erblindung, sondern zur partiellen Sehbehinderung. Mit dem Sehbehinderungssimulator, zu dem Arbeitsblatt 5 führt, können die Schülerinnen und Schüler die Gesichtsfeldeinschränkung nachempfinden. Im Anschluss an die Online-Phase sollten die Erfahrungen unbedingt im Klassenplenum besprochen und die Konsequenzen von Sehbehinderungen (Alltagsleben, Straßenverkehr) deutlich gemacht werden. Es müsste anhand von Arbeitsblatt 6 deutlich werden, wie sehr einerseits der Alltag durch die Sehbehinderung geprägt ist, dass aber andererseits in vielerlei Hinsicht auch "normale" Tätigkeiten und Aktivitäten des Lebens möglich sind. In der Internet-Arbeit mithilfe von Arbeitsblatt 7 können die Schülerinnen und Schüler versuchen, ein wenig Braille-Schrift zu lernen. Natürlich können zentrale Tipps einfach ausgedruckt und in der Klasse besprochen werden. Möglich wäre aber auch (vor allem, wenn die Module 1 bis 5 schon durchgeführt wurden) zunächst die Schülerinnen und Schüler in Gruppenarbeit selbst Tipps entwickeln zu lassen. Ein interessantes Helfer-Angebot könnte noch anschließend diskutiert werden. Nicht nur, aber besonders für Schulen, die gemeinsamen Unterricht für behinderte und nicht-behinderte Kinder anbieten, könnte dieses Modul sinnvoll sein, weil es um die konkrete Schulsituation geht. Mithilfe von Arbeitsblatt 9 bereiten die Schülerinnen und Schüler den Empfang einer blinden Schülerin vor und formulieren Vorabinformationen für Lehrende und Lernende.
- Religion / Ethik
- Sekundarstufe I