Die Aufnahmetechnik

Tipps zu Montage und Ausrichtung der Kamera, Sensorempfindlichkeit, Fokussierung, Belichtungszeiten und Blendenöffnungen sowie zum Auslösen der Belichtung

Workflow im Überblick

Die folgenden Stichpunkte beschreiben den Workflow bei der Aufnahme von Astrofotos mit der digitalen Spiegelreflexkamera:

  • Montage der Kamera auf ein Stativ
  • Ausrichten der Kamera auf das zu fotografierende Sternfeld; bei Zoom-Objektiven Einstellen der Brennweite
  • Wahl der Sensorempfindlichkeit
  • Fokussieren der Aufnahmeoptik
  • Einstellen von Belichtungszeit und Blendenöffnung
  • Auslösen der Belichtung

Montage und Ausrichten der Kamera

Die Kamera wird auf ein Stativ montiert und auf das aufzunehmende Himmelsareal ausgerichtet. Die Aufnahmebrennweite wird so eingestellt, dass der Aufnahmebereich komplett im Sucher sichtbar wird. Vor allem bei zenitnaher Fotografie wird dieses Vorgehen durch einen Winkelsucher, der einen 90-Grad-Schrägeinblick am Sucher der Kamera ermöglicht, erheblich erleichtert. Ein solches Zusatzgerät ist für etwa 55 € zu haben (zum Beispiel der "Seagull Winkelsucher" oder vergleichbare Produkte anderer Anbieter).

Sensorempfindlichkeit

ISO 400 bis ISO 800

Zu Beginn arbeitet man am besten mit einer Sensorempfindlichkeit von ISO 400 oder ISO 800. Bei geringeren Empfindlichkeiten (niedrige ISO-Werte) werden bei kürzeren Belichtungen nur helle Sterne abgebildet. Hohe Empfindlichkeiten verursachen ein "Rauschen" in den Bildern, das sich als statistisch verteilte Helligkeitsschwankung im Bildhintergrund bemerkbar macht. Mit der Belichtungszeit und der Sensortemperatur nimmt dieses Rauschen zu.

Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen

Zur Verminderung des unerwünschten Effekts bieten digitale Spiegelreflexkameras die Funktion "Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen" an: Dabei wird nach der eigentlichen Aufnahme eine gleich lang belichtete Aufnahme beim geschlossenem Kameraverschluss erstellt. Letztere wird dann vom eigentlichen Bild subtrahiert. Ab ISO 800 und bei mehr als etwa 10 Grad Celsius sollte diese Funktion genutzt werden.

Fokussierung

Hilfreich: Kameras mit Live-View und Notebook

Bei der Himmelsfotografie mit der digitalen Spiegelreflexkamera ist die Fokussierung der Optik der problematischste Schritt. Die Mattscheiben gängiger Kameras sind so dunkel, dass bestenfalls an sehr hellen Sternen fokussiert werden kann. Bei Kameras mit Live-View besteht die Möglichkeit, die Bildschärfe in Echtzeit am Kamera-Display oder, noch komfortabler, am Bildschirm eines Notebooks zu beurteilen: Man stellt im Live-View-Betrieb im Aufnahmemodus "Manuell" die Belichtungszeit auf 30 Sekunden, die Blende auf größtmögliche Öffnung und die Empfindlichkeit auf den Maximalwert. Damit ist ein optimal helles Displaybild eines hinreichend hellen Sterns (bis zur zweiten Größenklasse) gesichert. Wenn man jetzt die Umgebung des relevanten Sterns im Kameradisplay per Zoomfunktion möglichst stark vergrößert, kann man die Fokussierung per Hand oder per Steuerung über das Notebook vornehmen. Bei optimaler Scharfeinstellung hat das Bild eines Sterns im Live-View-Display der Kamera einen möglichst geringen Durchmesser.

Fokussierung ohne Live-View

Bei Kameras ohne Live-View gibt es folgende Möglichkeiten: Man fokussiert per Autofokus an einem hellen Objekt (Straßenlampe oder Mond). Danach schaltet man - zur Vermeidung unerwünschter "automatischer" Fokusverstellungen - auf manuellen Fokus und richtet die Kamera dann auf das zu fotografierende Sternfeld. Alternativ dazu begibt sich eine Helferin oder ein Helfer mit einer Taschenlampe in eine Entfernung von einigen Dutzend Metern, was bei der Verwendung kurzer Brennweiten bereits der Entfernung "unendlich" gut entspricht. Dann wird per Kamerasucher auf die Lichtquelle Taschenlampe fokussiert.

Belichtungszeiten und Blendenöffnungen

Lichtverschmutzung als Problem für den Bildhintergrund

Je nach Intention (zum Beispiel Darstellung der Sterne als Punkte, Dokumentation der Himmelsdrehung durch Sternstrichspuren) wählt man die Belichtungszeit im Bereich von einigen Sekunden bis zu einigen Minuten. Je länger belichtet wird, desto mehr (leuchtschwächere) Sterne werden erfasst. desto stärker macht sich aber auch die künstliche Himmelsaufhellung durch einen zunehmend helleren Bildhintergrund bemerkbar. Im Extremfall kann der Bildhintergrund beinahe weiß werden.

Probieren geht über Studieren

Welche Belichtungszeit ein Foto "verträgt", probiert man besten selbst aus. Diese Zeit ist hauptsächlich abhängig vom Standort und der Blendenöffnung der Aufnahmeoptik. Dunkle Standorte außerhalb hell erleuchteter Städte sind zu bevorzugen. Kleinere Blendenöffnungen erlauben längere Belichtungszeiten und damit längere Sternstrichspuren auf dem Bild. Dann werden aber auch nur hellere Sterne erfasst. Auch hierbei ist Ausprobieren angesagt!

Auslösen der Belichtung

Auslösung per Kabel oder Notebook

Die Aufnahme ist möglichst erschütterungsfrei auszulösen. Am besten funktioniert das per Kabelfernauslöser oder per Steuerung über das Notebook mithilfe der mitgelieferten Kamerasoftware. Ein Kabelauslöser ist für knapp zehn Euro erhältlich (zum Beispiel der "Delamax Fernauslöser" oder vergleichbare Produkte anderer Anbieter).

Nutzung des Selbstauslösers

Bei Belichtungszeiten bis zu 30 Sekunden kann auch die Selbstauslösefunktion der Kamera genutzt werden. Nach dem manuellen Betätigen des Auslösers bleibt dabei bis zum Beginn der Belichtung genügend Zeit, um Schwingungen des Kamera-Stativ-Systems ausklingen zu lassen. Bei Belichtungszeiten von mehr als 30 Sekunden (Kameraeinstellung "B" oder "Bulb") geht kein Weg an einem Kabelfernauslöser vorbei. Wenn man versucht, während einer Belichtungsphase von einigen Minuten den Auslöser der Kamera per Hand gedrückt zu halten, sind Verwacklungen und unscharfe Bilder nicht zu vermeiden.

Autor
Avatar Peter Stinner

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