Sternhimmel im Oktober: Sternbilder

Der Wassermann steht im Süden über dem Horizont. Er und seine "aquatische Gesellschaft" stehen in Zusammenhang mit der Regenzeit im alten Zweistromland.

Übersicht über den Sternhimmel

Das aus den hellsten Sternen von Leier, Adler und Schwan gebildete Sommerdreieck steht in südwestlicher Blickrichtung immer noch hoch am Himmel. Im Nordosten macht sich jedoch bereits Capella bemerkbar - der "Ziegenstern" im Sterbild Fuhrmann kündigt den Aufgang des Wintersechsecks an. Bevor diese an hellen Sternen reiche Region die Bühne betritt, müssen wir uns in südlicher Blickrichtung jedoch noch mit unauffälligen Sternbildern des Tierkreises, Wassermann und Steinbock, zufrieden geben (Abb. 1, zur Vergrößerung des Ausschnitts bitte anklicken).

Wassermann, Steinbock ("Ziegenfisch") und Südlicher Fisch
+ Abb. 1: Wassermann, Steinbock ("Ziegenfisch") und Südlicher Fisch
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Wassermann

Sternbild der Regenzeit

Der Wassermann gehört zu den ältesten uns bekannten Konstellationen. Die Babylonier stellten ihn als ein überfließendes Gefäß dar. Später wurde die Sternbildfigur zu einem Mann, der aus einem Krug Wasser vergießt. Der von der Sonne im Jahresverlauf durchschrittene Tierkreis und der Wechsel der Sternbilder waren für die Landwirtschaft treibenden Menschen des Altertums von großer Bedeutung - korrespondierten astronomische Konstellationen doch mit sehr irdischen Ereignissen, die ihren Lebensrhythmus maßgeblich bestimmten, wie zum Beispiel der Beginn der Regenzeit im Zweistromland. Die Region des Tierkreises, in der sich die Sonne zur Zeit der Babylonier während der Regenzeit aufhielt, machte das sternkundige Volk sicher nicht zufällig zum "Wassermann".

Figürliche Darstellung der Sternbilder Wassermann, Ziegenfisch (Steinbock) und Fische (erstellt mit Stellarium)
+ Abb. 2: Feuchtgebiet am Himmel: Wassermann, Ziegenfisch und Fische

Ein Gewässer am Himmel

Wenn man sich das Umfeld des Wassermanns näher ansieht, stellt man schnell fest, dass es sich in auffallend "aquatischer Gesellschaft" befindet (Abb. 2, zur Vergrößerung des Ausschnitts bitte anklicken): Seine Tierkreisnachbarn sind Ziegenfisch (Steinbock) und Fische. Weitere Meeresbewohner in unmittelbarer Nachbarschaft sind Delphin, Südlicher Fisch und das Meeresungeheuer Cetus (unser heutiger "Walfisch"). All dies sind ebenfalls alte Sternbilder, die schon Claudius Ptolemäus vor knapp 2.000 Jahren beschrieb. Auch dies dürfte kein Zufall, sondern ein weiterer Hinweis auf den Wasser spendenden Charakter sein, den die Menschen dem Sternbild Wassermann zuschrieben.

Der Tierkreis von Dendera

Wie so oft führen uns Recherchen zum Thema Sternzeichen tief in den "Brunnen der Vergangenheit" und verknüpfen Astronomie und Kulturgeschichte. Der berühmte Tierkreis von Dendera, ein in Stein gemeißeltes Relief, das auf etwa 50 v. Chr. datiert wird, schmückte eine Decke des ägyptischen Hathortempels, bevor es von Napoleons Soldaten nach Paris geschafft wurde. Auf dem Relief ist auch die Sternbildfigur des Wassermanns zu sehen. In einer Grafik des Reliefs bei Wikipedia (Link siehe unten) befindet der Wassermann sich Kopf stehend rechts neben dem Ziegenfisch auf der Positionen von etwa "ein Uhr". Leider ist die Auflösung der Wikipedia-Darstellung nicht sehr hoch. Per Bildsuchmaschine findet man aber schnell Alternativen. Suchen Sie dazu nach den Begriffen "Dendera" und "Zodiak". Auf dem Relief trägt der Wassermann eine hohe ägyptische Krone. In jeder Hand hält er ein Gefäß, aus dem er Wasser auf einen Fisch zu seinen Füßen gießt.

Autor
Avatar Dr. André Diesel

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In Kooperation mit

Internationales Astronomiejahr 2009

Dieser Unterrichtsvorschlag wurden im Rahmen des Internationalen Astronomiejahrs 2009 (IYA2009) bei Lehrer-Online veröffentlicht.