Theorie im Sportunterricht der Sekundarstufe II

Veröffentlicht am 15.05.2001

Es gehört zu den Aufgaben der gymnasialen Oberstufe, das selbständige Denken und Arbeiten in komplexeren fächerübergreifenden Zusammenhängen zu fördern. Dies gilt auch für das Fach Sport.

Neue Aufgaben für das Fach Sport

Als einziges Bewegungsfach leistet der Sportunterricht seinen spezifischen Beitrag für eine "ganzheitliche" Persönlichkeitserziehung: Motorische, emotionale, soziale und kognitive Aspekte sollten eine Einheit im Unterrichtsprozess bilden. "Mehrperspektivischer" Unterricht (siehe unten) soll diesen Ansprüchen genügen und den Beitrag des Sportunterrichts zu lebenslangen Sporttreiben unterstützen. Dies wird auch in einer aktuellen Erklärung der Kultusministerkonferenz, der Deutschen Sportbundes und der Sportministerkonferenz unterstrichen.

In verschiedenen Bundesländern werden zur Zeit neugestaltete Lehrpläne für die Sek II diskutiert oder sind schon in Kraft getreten (NRW). Die herkömmliche Strukturierung nach Sportarten wird dabei mehr oder weniger zugunsten unterschiedlicher pädagogischer Perspektiven, Bewegungsfelder und Methoden des selbständigen Arbeitens verändert. Im Mittelpunkt der Grund- und Leistungskurse sollen deshalb Themen stehen, die sportpraktisches Tun mit theoretischer Reflexion verbinden und einen besseren Zugang zu der sich verändernden Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur ermöglichen.

Umstrittene Reform und der Bedarf an Unterrichtsmaterialien

In einer Stellungnahme des Deutschen Sportlehrerverbandes wird diese Entwicklung grundsätzlich begrüßt, es werden aber auch Mindeststandarts für einen zeitgemäßen Sportunterricht (dreistündiger Sportunterricht, ausreichende Material- und Hallenausstattung, geeignete Fortbildungsmaßnahmen) eingefordert. Unter Sportlehrerinnen und -lehrern bleibt dieser Ansatz umstritten. Die Befürchtung eines "verkopften" oder "theoretisierenden" Sportunterrichts ist angesichts der knapp bemessenen Bewegungszeit in der Schule nicht einfach von der Hand zu weisen. Daneben stellt sich die Frage nach erfolgversprechenden Unterrichtsmodellen und -materialien.

Wie kann ein sinnvoller und für Schülerinnen und Schüler nachvollziehbarer Theorie-Praxis-Bezug hergestellt werden? Wie kann man Lernende in die Unterrichtsgestaltung einbeziehen?

Mehrperspektivischer Sportunterricht

Grundlagen

Dreh- und Angelpunkt der Lehrplandebatte ist die Forderung nach einem "mehrperspektivischen Sportunterricht". Damit ist gemeint, dass Sport unter verschiedenen Sinnrichtungen angeboten werden soll und eine einseitige Ausrichtung zum Beispiel auf "Leistung" oder "Gesundheit" pädagogisch nicht vertretbar ist. Basierend auf der didaktischen Konzeption des renommierten Bielefelder Sportpädagogen Prof. D. Kurz sollen folgende (gleichberechtigte) Perspektiven zur Grundlage des Unterrichts gemacht werden:

  • Leistung erfahren, verstehen und einschätzen
  • Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln
  • Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen
  • Sich körperlich ausdrücken, Bewegung gestalten
  • Sinneswahrnehmung verbessern, Bewegungserlebnis und Körpererfahrung erweitern
  • Etwas wagen und verantworten

Themenorientierter Sportunterricht

Ein Kursthema entsteht aber nicht allein durch die pädagogische Perspektive. Unterschiedliche Bewegungsfelder, welche auch neue Entwicklungen in der Sport-, Spiel- und Bewegungskultur einbeziehen, sollen gezielt thematisiert werden:

  • Laufen, Springen, Werfen
  • Bewegen im Wasser
  • Bewegen an und mit Geräten
  • Bewegung gymnastisch, rhythmisch und tänzerisch gestalten
  • Fahren, Rollen, Gleiten
  • Mit/gegen Partner kämpfen
  • Spielen
  • Den Körper trainieren, die Fitness verbessern

Dabei sollen Methoden und Formen des selbständigen Arbeitens (Forderung nach Wissenschaftspropädeutik) in ein Kursthema eingehen.

Beispiel: Ein sportartübergreifendes Thema "Ausdauertraining im Gesundheits- und Fitnesssport" ist ebenso denkbar wie "Entspannungstechniken und Körpererfahrung" oder "Leistungstraining am Beispiel Basketball", "Fair Play im Sport". Die SchülerInnen sollen dabei mehrere Perspektiven und Bewegungsfelder abdecken, um Sport auch tatsächlich mehrperspektivisch zu erfahren und zu bearbeiten.

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