Think-Pair-Share

Fachartikel
Basis

Think-Pair-Share ist eine bewährte Kooperationsmethode, die individuelles Denken mit partnerschaftlichem Austausch und öffentlicher Präsentation verbindet. Sie aktiviert alle Lernenden gleichzeitig, ermögliche tiefere Lernprozesse und reduziert Sprechängstlichkeit durch den geschützten Austausch mit einer Partnerin oder einem Partner.

Beschreibung

Vorbereitung

Die Lehrkraft bereitet eine klare, fokussierte Frage oder Aufgabe vor, die mehrere Lösungswege oder Perspektiven ermögliche. Die Frage sollte weder zu einfach noch zu komplex sein – sie muss zum Nachdenken einladen, aber in der verfügbaren Zeit zu bearbeiten sein. Die Frage wird schriftlich festgehalten und für alle Lernenden sichtbar gemacht (Tafel, Beamer, Arbeitsblatt).

Benötigte Materialien

  • Tafel, Flipchart oder Beamer; Notizpapier und Stifte für Lernende;
  • optional: Arbeitsblatt mit der Aufgabe;
  • optional: Moderationskarten für die Share-Phase

Zeitlicher Aufwand

Circa zwölf bis zwanzig Minuten (flexibel je nach Komplexität der Aufgabe).

  • Think-Phase: drei bis fünf Minuten.
  • Pair-Phase: drei bis fünf Minuten.
  • Share-Phase: fünf bis zehn Minuten

Durchführung

Phase eins – Think (Einzelarbeit): Die Lehrkraft stellt die Frage und teilt mit, dass jede Lernende und jeder Lernende zunächst allein arbeitet. Die Lernenden erhalten drei bis fünf Minuten Zeit, um die Aufgabe in Stille zu bearbeiten und ihre Gedanken, Ideen oder Lösungsansaetze zu notieren. Dies ist eine wichtige Phase, da alle Lernenden – auch introvertierte – Zeit zum Nachdenken bekommen und nicht von schnelleren Mitschülerinnen und Mitschülern überrollt werden. 

Phase zwei – Pair (Parararbeit): Die Lehrkraft gibt das Signal, dass die Pair-Phase beginnt. Lernende finden sich mit einer Partnerin oder einem Partner zusammen (zufällig, nach Sitzplatz oder gewählt – je nach Kontext). Sie besprechen ihre Ergebnisse für drei bis fünf Minuten. Dabei erklären sie ihre Gedanken, vergleichen ihre Ansätze, ergaäzen sich gegenseitig und erarbeiten gemeinsam eine gemeinsame Antwort oder Lösung. Diese Phase reduziert Sprechängstlichkeit, da Lernende in kleinerer Gruppe sprechen. 

Phase drei – Share (Plenum): Die Lehrkraft lädt ausgewählte Paare ein, ihre Ergebnisse im Plenum zu präsentieren (circa dreißig bis sechzig Sekunden pro Paar). Dies kann mündlich geschehen oder die Paare schreiben ihre Antwort an die Tafel. Die Lehrkraft moderiert die Diskussion, würdigt unterschiedliche Lösungen, klärt Missverständnisse und leitet gegebenenfalls zu einer gemeinsamen Lösung oder vertiefenden Diskussion über.

Tipps für die Praxis

  1. Klare Zeitvorgaben: Nutzen Sie einen Timer, damit Lernende die Phasen respektieren.
  2. Gute Fragen: Die Qualität der Frage entscheidet über den Erfolg. Vermeiden Sie Ja-Nein-Fragen.
  3. Ruhe in der Think-Phase: Unterbrechen Sie nicht – Stille ist wichtig!
  4. Pairing-Strategien: Wechseln Sie zwischen zufälligen Paaren und gezielten Paarungen (zum Beispiel starke mit schwachen Lernenden).
  5. Alle zu Wort kommen lassen: Nicht immer die gleichen Paare in der Share-Phase – rotieren Sie!
  6. Fehlerkultur: Würdigen Sie auch falsche Antworten als Lernchancen.

Häufige Herausforderungen und Lösungen

  • Herausforderung: Lernende haben in der Think-Phase keine Ideen - Geben Sie Impulsfragen oder Strukturierungshilfen (zum Beispiel "Notiert mindestens drei Stichpunkte"). Ermutigen Sie auch "Ich weiss nicht" als Antwort – das ist ein Startpunkt für die Pair-Phase. 
  • Herausforderung: Die Share-Phase wird zu lang und langweilig - Begrenzen Sie die Präsentationen auf dreißig bis sechzig Sekunden. Nutzen Sie Variationen wie Gallery Walk oder Karten an die Tafel statt mündliche Präsentationen. 
  • Herausforderung: Einzelne Lernende dominieren die Pair-Phase - Nutzen Sie Rollenkarten (Erklärer und Zuhörer) oder setzen Sie gezielt schwachere Lernende mit stärkeren zusammen, damit sie sich trauen zu sprechen.

ANWENDUNGSBEISPIELE

Beispiel 1: Deutsch (Literatur-Analyse)

Kontext: Lernende der zehnten Klasse haben die Kurzgeschichte gelesen.

Aufgabe: Welche Motivation hatte die Hauptfigur?

Beispiel 2: Mathematik (Problemloesung)

Kontext: Lernende der achten Klasse arbeiten an Quadratischen Gleichungen.

Aufgabe: Ein Rechteck hat einen Umfang von vierundzwanzig Zentimetern.

VARIATIONEN

Variation 1: Think-Pair-Share mit Schreibphase: Nach der Pair-Phase schreiben die Paare ihre Ergebnisse auf Moderationskarten oder Plakate.

Variation 2: Think-Pair-Square (Vierergruppen): Nach der Pair-Phase finden sich zwei Paare zusammen zu einer Vierergruppe (Square).

Variation 3: Think-Pair-Share mit Rollenwechsel: In der Pair-Phase hat eine Lernende oder ein Lernender die Rolle der Erklärerin oder des Erklärers.

VERMITTELTE KOMPETENZEN

Fachkompetenzen

Lernende wenden erlerntes Wissen auf neue Aufgaben an, übertragen es in andere Kontexte und lernen, ihre Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und zu bewerten.

Methodenkompetenzen

Lernende lernen, ihre Gedanken zu ordnen und systematisch vorzugehen. Sie üben, ihre Ergebnisse verständlich zu präsentieren und zu begründen.

Sozialkompetenzen

Lernende lernen, mit einer Partnerin oder einem Partner zusammenzuarbeiten, Ideen auszutauschen und Kompromisse zu finden.

Personalkompetenzen

Durch den Vergleich mit der Partnerin oder dem Partner reflektieren Lernende ihre eigenen Gedanken und Lernprozesse.

6. FACHDIDAKTISCHE LITERATUR

 

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Autorin

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Merle Engeln

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