Anforderungen an Online-Prüfungen im Alltag

Fachartikel
Basis

Dieser Fachartikel ist ein Erfahrungsbericht. Es geht um die Anforderungen an ein Online-Prüfungstool aus der Sicht des humanistischen Bildungsideals. Die Arbeit der Lehrperson wird als gesellschaftlich zentrales Kunsthandwerk begriffen. Dafür braucht die Lehrperson ein didaktisch ausgereiftes Werkzeug.

Das Online-Prüfen wird flächendeckend kommen. Was sind aus humanistischer Sicht die Anforderungen an eine Prüfungssoftware und wie wird sie im pädagogischen Alltag eingesetzt? Dieser Fachartikel erklärt die wesentlichen Kriterien und soll Lehrpersonen ermutigen, den unweigerlich kommenden Schritt mit Freude zu wagen. 

Im Folgenden werde ich die wichtigsten Kriterien an ein seriöses Prüf-Werkzeug erläutern und zeigen, wie es bei elob umgesetzt ist. 

1. Kein IT-Aufwand, intuitive Bedienung 

Eine Software muss einfach zu bedienen sein. Und zwar ohne Schulung. Dies bedeutet, dass eine Software nicht alle Funktionen haben soll, die denkbar sind, sondern sich auf die im Alltag wichtigen beschränkt. elob wurde aus diesem Grund nicht von Programmierenden entwickelt, sondern von aktiven Lehrpersonen. 

Die Lehrperson ist für das Pädagogisch-soziale und für das Fachliche verantwortlich. Beide Funktionen werden untergraben, wenn sie zur IT-Supporterin wird. Daher ist es die erste Anforderung an eine Software, dass Sie die Lehrperson nicht mit der Installation auf den Geräten der Lernenden belastet. 

elob ist eine reine Browserlösung und bedarf weder einer Installation noch gibt es Aktivitäten im Betriebssystem der Lernenden. 

2. Kein Stress während der Durchführung der Prüfung 

Ein ähnliches Thema ist das "Blutschwitzen" der Lehrperson vor oder während der Prüfung. Ein Gerät stürzt ab, das Internet fällt aus, nichts geht mehr. Ein unterstützendes Werkzeug ist eines, das den aktuellen Stand stetig speichert, damit maximal die Eingaben einiger Sekunden verloren gehen. Man soll im Notfall das Gerät neu starten, sich wieder einloggen und kriegt den aktuellen Stand wieder. 

elob setzt auf doppelte Speicherung aller Eingaben, einerseits lokal im Browsercache, andererseits wird in kurzen Zeitintervallen mit dem Server synchronisiert. Und im äussersten Notfall lässt sich jede Prüfung als PDF ausdrucken und auf Papier absolvieren. Damit kann die Lehrperson ruhigen Blutes an den Prüfungstermin gehen. 

3. Didaktisch sinnvolles Prüfen 

Das humanistische Bildungsideal verlangt die Befähigung der Lernenden zum Gebrauch ihres Verstandes. Dieses Ideal soll auch in der digitalen Bildungswelt hochgehalten werden. Die Lernenden sollen selber denken, die Lehrperson soll dieses Denken anleiten und wohlwollend begleiten. Der Einsatz von Freitextaufgaben ist beim Prüfen besonders wertvoll: Sie verlangen Argumentationsfähigkeit und fördern so tiefes Denken. Die Lehrperson kann die Denkprozesse nachvollziehen und individuelle Rückmeldungen geben – letztlich führt dann nichts am zeitintensiven Textkorrigieren vorbei. 

Hier kann nun die Künstliche Intelligenz eine Hilfestellung bieten, indem sie die Texte der Lernenden vorkorrigiert. Die Künstliche Intelligenz ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Dies bedeutet, dass die Lehrperson auf alle Fälle verantwortlich bleibt. Die KI ist ein Hilfsmittel und kann und soll den Menschen nicht ersetzen. 

Was aus humanistischer Sicht abzulehnen ist, sind effiziente Prüfungen, die ausschliesslich aus Ankreuzen, Zuordnen und ähnlichem bestehen. Leider machen etliche Hochschulen nichts anderes mehr. Dabei ist klar, dass damit eine seltsame "Rätsellösekompetenz" gefördert wird. Man kann so zwar effizient Noten ziehen, aber gemessen wird definitiv nicht das, was gemessen werden soll. 

elob kann Freitextantworten an die französische KI "Mistral" senden und dort in der oben beschriebenen Art vorkorrigieren lassen. An unserer Schule macht die Zeitersparnis im Vergleich zu einer herkömmlichen Freitextprüfung etwa ein Drittel aus. 

4. Closed-Book-Modus 

Die Prüfungsleitung muss den Rahmen, in welchem sich die Lernenden bewegen dürfen, genau definieren können. Dies bedeutet, die Lernenden dürfen die Prüfungsumgebung nicht verlassen und nur die zugelassenen Hilfsmittel benutzen. Entweder werden auf der Ebene des Betriebssystems bestimmte Apps oder Schnittstellen blockiert oder kontrolliert. Oder man kontrolliert, wenn jemand den Fokus nicht mehr auf dem Prüfungsfenster hat. Es darf also nicht möglich sein, eine andere App zu starten, die Grösse des Browserfensters zu verändern oder einen Splitscreen zu machen. 

elob arbeitet mit der zweiten Möglichkeit. In der Standardversion wird der Lehrperson der Verstoss angezeigt. Sie kann selbst entscheiden, ob und welche Sanktionen folgen. Eine Software nie dazu da sein soll, der Lehrperson die soziale Verantwortung abzunehmen. 

Die Prüfungsleitung kann Internetseiten oder PDFs als Hilfsmittel freigeben, die Lernenden sehen diese im (erlaubten) Splitscreen. Der Vorteil ist, dass die Schule auf den Zugriff auf die Festplatte der Lernenden verzichten kann. Denn dieser ist datenschutzmässig problematisch. 

5. Effizienz

Elektronisches Prüfen darf nie Selbstzweck sein. Selbstverständlich soll es effizienter sein als vorher auf Papier. Was nicht in Abrede gestellt werden kann, ist der Initialaufwand. Die ersten Prüfungen müssen die Lehrpersonen erstellen und können nicht gleich alles irgendwo übernehmen. Dann aber muss die Software es erlauben, Prüfungen und Aufgaben in einer Sammlung abzulegen und jederzeit wiederzuverwenden oder abzuändern. Zudem gehört eine Teilfunktion mit anderen Lehrpersonen dazu. 

6. Geringer Administrationsaufwand 

Der administrative Aufwand für Lehrpersonen oder Verwaltungspersonal von Schulen soll so gering wie möglich bleiben. Bei elob läuft alles über die Entität «Klassen». Man lädt ein Excel-File mit der Klassenliste hoch und die Lernenden kriegen eine Mail, wo sie sich ein Passwort setzen können. Damit ist der Zugang der Lernenden zu elob sehr einfach. 

Nach der Prüfung können die Punktzahlen pro Aufgabe und die Noten auf dem gleichen Weg exportiert und ins Schul-Verwaltungssystem übernommen werden. 

Der Notenmassstab darf nicht starr vorgegeben sein, sondern muss den Eigenheiten der Prüfung angepasst werden können. Auf elob kann man zwischen Noten und Punkten eine beliebige Gerade ziehen, in dem man die notwendige Punktzahl für die 1 und jene für die 6 definiert. 

7. Datenschutz und Hosting 

Eine Prüfungssoftware benutzt Personendaten und muss selbstverständlich die Datenschutzrichtlinien der EU einhalten. In Deutschland stellen die DSGVO und das BDSG strenge Anforderungen. elob wird in der Schweiz gehostet, bei der KI-Nutzung gehen anonymisierte Daten nach Frankreich. Damit ist der EU-Standard jederzeit gewährleistet. 

8. Angebot 

Einzelne Lehrpersonen können elob unter pruefung.elob.online kostenlos 14 Tage testen. Eine Schullizenz umfasst eine eigene Lernumgebung mit allen Lehrpersonen der Schule. Dafür können Sie mir direkt eine Mail schreiben auf roland.wirth(at)elob.ch. Gerne zeige ich Ihnen den Best-Practice-Umgang mit elob persönlich in einem kurzen Teams-Call. 

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Dr. oec. Roland Wirth

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