Genderaspekte im Computerunterricht

Veröffentlicht am 25.04.2005

Wie gelangen frau und man zu einem geschlechterbewussten Unterricht mit digitalen Medien? Dieser Beitrag zeigt anhand von Unterrichtsversuchen in der Grundschule, welche genderorientierten Prinzipien beachtet werden sollten.

Unterschiede aufzeigen

Geschlechtsspezifische Computererfahrungen

Heute verfügt bereits ein großer Teil der Mädchen und Jungen im Vor- und Grundschulalter über Computererfahrung. So hatten in ausgewählten Hamburger Grundschulklassen Ende 2001 87 Prozent der Mädchen und 98 Prozent der Jungen Computererfahrungen. Computer haben jedoch für die Mädchen und Jungen unterschiedliche Bedeutung und sie nähern sich den neuen Medien nicht auf die gleiche Weise an.

Die Unterschiede sind in vier Kategorien zu beobachten:

  • In den Vorerfahrungen hinsichtlich der Computertechnologien

    Mädchen und Jungen spielen überwiegend mit dem Computer, sie spielen aber unterschiedlich lang und unterschiedliche Spiele.
  • Im Zugang zu Computern

    Mädchen haben überwiegend Zugang über männliche Besitzpersonen, zum Beispiel über den Bruder, Vater oder Onkel. Jungen haben vielfach schon eigene Computer oder Konsolenspiele.
  • In der Einstellung zu Computern und Computertechnologien

    Computer- und Technikkompetenz ist vielen Jungen wichtiger als Mädchen. Jungen zeigen ihre spielerisch erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten offensiver als Mädchen.
  • In den Kompetenzen bei der Nutzung neuer Medien

    Jungen übertragen ihre spielerisch erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten auf andere Zusammenhänge und Programme eher als Mädchen. Dadurch erscheinen sie, manchmal ungerechtfertigt, als "Computerspezialisten".

Kritische Auseinandersetzung und Veränderung

Weshalb unterschiedliche Lernerfolge?

Derartige Unterschiede haben sich in vielen Untersuchungen immer wieder herauskristallisiert. Sie führen zu verschiedenen Lernerfolgen bei Jungen und Mädchen. Um die Ursachen zu erkennen, sind eine genauere Reflexion des eigenen Unterrichts und des "doing gender" nach dem Prinzip der reflexiven Koedukation erforderlich.

Individuelle Förderung durch Reflexion des Unterrichts

Unter "doing gender" wird das Konstruieren von Geschlechterstereotypen in der alltägliche Kommunikation und in alltäglichen Zusammenhängen verstanden. Durch eine reflexive Koedukation kann solchen Stereotypen entgegengesteuert werden. Sie soll Unterrichtspraxis daraufhin untersuchen, ob sie bestehende Geschlechterverhältnisse eher stabilisiert oder eine kritische Auseinandersetzung und deren Veränderung fördert. Reflexive Koedukation ist somit ein grundlegendes Prinzip für die gesamte pädagogische Gestaltung in Schule und Unterricht. Zielvorstellung ist die umfassende individuelle Förderung von Jungen und Mädchen ohne Geschlechterstereotypen zu zementieren.

Erfahrungen aus Unterrichtsversuchen

Im Rahmen des Hamburger kubim-Modellversuchs "Schwimmen lernen im Netz" wurden auf der Grundlage der Erfahrungen aus vier Unterrichtsmodulen genderorientierte Prinzipien des Lernens mit neuen Medien entwickelt, die hier zusammengefasst dargestellt werden. In mehreren Klassen einer Grundschule, in der vom ersten Schultag an die neuen Medien genutzt werden, wurden sie erprobt und evaluiert.


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