Medialer Körperkult: Inszenierung kritisch reflektieren

veröffentlicht am 17.06.2016

Geschönte Werbung in Zeitschriften, sexy Selfies auf Instagram und Magermodels im Fernsehen: Der übertriebene Körperkult in den Medien kann Mädchen wie Jungen unter Druck setzen. "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht", der Medienratgeber für Familien, empfiehlt Eltern, Inszenierungen kritisch zu reflektieren und das Selbstvertrauen ihrer Kinder zu stärken.

"Manche Jugendliche setzen sich im Wettbewerb um das schönste Selfie, die größere Aufmerksamkeit und die meisten Likes gegenseitig unter Druck. Das kann gesundheitsgefährdendes Verhalten verstärken. Hier sind Eltern gefragt, das Selbstbewusstsein ihres Kindes zu stärken und den medialen Körperkult kritisch zu reflektieren", so SCHAU HIN!-Mediencoach Kristin Langer. Körperkult in den Medien kann zu einem verzerrten Körperideal führen und riskante Trends wie das Hungern für Modelmaße oder Bodybuilding-Challenges verstärken. Online-Communities geben ein Gefühl von Gemeinschaft und Vertrautheit, können aber auch als "Pro-Ana" und "Pro-Mia" ein ungesundes Körperverhalten propagieren und Krankheiten wie Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht) verharmlosen oder gar verherrlichen. So können unsichere Jugendliche, die bereits Anzeichen eines essgestörten Verhaltens zeigen, vereinnahmt werden und unter sozialen Druck geraten. Bestimmte Inhalte sind besonders bedenklich: fiktive Briefe, die die Essstörung als beste Freundin personifizieren ("Ana‘s/Mia‘s Brief"), Gebote und Gedichte, Bilder ausgemergelter Frauen ("Thinspirations"), Ess-/Gewichtstagebücher oder Abnehm-Contests.

Fünf Verhaltenstipps für Eltern

Körperkult diskutieren
Generell ist es ratsam, dass Eltern ihrem jugendlichen Kind empfehlen, TV-Shows, aber auch Online-Angebote genau zu prüfen und sich nicht von überzogenen Inszenierungen oder retuschierten Bildern und viel nackter Haut geschmückt von Piercings und Tätowierungen blenden zu lassen. Auch sind Rollenbilder zu hinterfragen, wie die von dürren Frauen oder supermuskulösen Männern. Wichtig ist auch, dass Eltern mit ihrem Kind über Risiken übermäßiger Selbstdarstellung im Netz sprechen. So können Bilder oder Clips nicht nur Likes, sondern auch bösartige Kommentare nach sich ziehen oder von anderen missbraucht werden.

Selbstvertrauen stärken
Stärken Eltern das Selbstvertrauen des Kindes, kann es sich leichter von gefährdenden Inhalten und falschen Vorbildern distanzieren. Denn entscheidend dabei, wie Kinder solche medialen Einflüsse aufnehmen und ausleben, ist ihr eigenes Körperbild. So ist es etwa wichtig, dass Eltern ihrem Kind gegenüber ausdrücken, dass sie es annehmen und mögen, so wie es ist. Unterstützen Eltern ihr Kind, sich angemessen und vorteilhaft zu kleiden, setzen sie falsch gesetzten Schönheitsidealen etwas entgegen und stärken das, was ihr Kind zu einer einzigartigen Persönlichkeit macht.

Vorbilder reflektieren
"Natürlich setzen Stars Trends. Das ist kein neues Phänomen. Neu ist, dass wir nicht mehr nur ihre Frisuren oder ihren Kleidungsstil nachahmen können, sondern eben auch die Art, wie sie sich online inszenieren", so SCHAU HIN!-Beirat Dr. Astrid Carolus, Medienpsychologin an der Universität Würzburg. Selektive Bildauswahl und nachträgliche Bearbeitung tun ein Übriges. Eltern können ihrem Kind deutlich machen, dass sie sich nicht diesem Rummel um Aufmerksamkeit ausliefern müssen und überlegen, inwiefern manche Stars als persönliche Vorbilder taugen, die sich oft mit einem ganzen Stab an Mitarbeitern selbst medial vermarkten, um im Gespräch zu bleiben.

Inhalte melden
Erfahren Eltern, dass ihr Kind mit gefährdenden Beiträgen oder Personen konfrontiert wurde, die problematische Positionen vertreten, sollten sie sich diese zeigen lassen und direkt beim Betreiber oder bei Beschwerdestellen melden. Hierzu zählen Angebote wie www.jugendschutz.net, www.internet-beschwerdestelle.de oder das Zentrum für Kinderschutz im Netz (www.i-kiz.de). Als Beweise dienen Links oder Screenshots mit Notizen zu Datum, Uhrzeit und Nutzername.

Rat suchen
Beratung und Aufklärung bieten seriöse Portale wie www.hungrig-online.de, www.anad.de, www.magersucht.de, www.EssFrust.de oder www.bzga-essstoerungen.de sowie der Ratgeber "Gegen Verherrlichung von Essstörungen im Internet" des Bundesfamilenministeriums.


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