Durchführung

Die Unterrichtseinheit ist so konzipiert, dass die Lernenden autonom anhand der Ablaufplanung arbeiten und am Ende die Ergebnisse zusammentragen.

Phase 1 - Organisatorischer Einstieg

Zunächst gilt es, das Ziel der Unterrichtseinheit für die Lerngruppe transparent zu machen. Hierzu dient Materiel M0, das mit der Lerngruppe besprochen und unter Anleitung ausgefüllt wird.

  • Aufgabe 1 dient dazu, den zu lösenden Kriminalfall vorzustellen.
  • Aufgabe 2 macht exemplarisch deutlich, welche Fragen im Verlauf der Einheit geklärt werden sollen. Bei der Bearbeitung dieser Aufgabe unter der Anleitung der Lehrkraft wird das Verfahren vorgestellt, das in allen Stationen angewendet wird: Die Lernenden evaluieren in Selbstdiagnose ihre Kenntnisse vor und nach der Stationenarbeit. So können Lernfortschritte deutlich werden und zum weiteren Lernen motivieren und offene Fragen können leichter geklärt werden.
  • Aufgabe 3 macht den Schülerinnen und Schülern die zu bearbeitenden Unterrichtsphasen deutlich. Durch Abhaken können die Lernenden den Fortschritt der Unterrichtseinheit und ihrer Lernprozesses mitverfolgen.
Arbeitsmaterial

Phase 2 - Inhaltlicher Einstieg

Vorurteile bewusst machen

Ziel der Aufgabe auf Material M1 ist es, ohne systematische Reflexion des eigenen Erkenntnisprozesses "Vor-Urteile" zu fällen. Die Schülerinnen und Schülern lassen ihrer Fantasie freien Lauf und erklären einen der Verdächtigen zum Hauptschuldigen.

Arbeitsmaterial

Auswertung

In der anschließenden Auswertungsphase kann geklärt werden, wie sich die Fantasieanklagen statistisch verhalten (zu wie viel Prozent waren es Jugendliche, Frauen, Jugendliche mit Migrationshintergrund, Jugendliche ohne Migrationshintergrund).

Reflexion

Eine erste Reflexion der Frage, welche Vorurteile eine Rolle bei der Vorverurteilung oder der Verdächtigung spielen, sensibilisiert die Lernenden für die nächste Arbeitsphase.

Phase 3 - Arbeit in Kleingruppen

Sachwissen über Leitfragen aneignen

In Gruppenarbeit erarbeiten sich die Lernenden anhand der zu den einzelnen Stationen mitgelieferten Materialien das nötige Sachwissen, um die folgenden Fragen zu beantworten.

Material M2: Welche Rechte haben Verdächtige?
M3: Wie "kriminell" sind die sogenannten "ausländischen Jugendlichen" im Vergleich zu sogenannten "deutschen Jugendlichen"?
M4: Wie "kriminell" sind Jugendliche im Vergleich zu Erwachsenen?
M5: Wie viele Menschen sind im Alter arm - und könnten aus sozialer Not kriminell werden?
M6: Wie "kriminell" sind Frauen im Vergleich zu Männern?

Gruppenpuzzle und diagnostische Fragen

Methodisch kann diese Phase als Gruppenpuzzle umgesetzt werden: Eine Station wird von einer Gruppe bearbeitet, danach werden die Gruppen neu gemischt, und in jeder der neuen Gruppen befindet sich eine Expertin oder ein Experte, die oder der den anderen die Arbeitsergebnisse erläutert. Denkbar ist auch, dass alle Stationen bearbeitet werden oder dass zur Binnendifferenzierung ein Mindestniveau und eine feste Zeitspanne festgelegt werden (zum Beispiel "mindestens drei Stationen" in einer Doppelstunde). Diagnostische Fragen helfen, den Lernprozess nachhaltig zu gestalten.

Phase 4 - Lösungsversuche

Rollenspiel

In einem Rollenspiel diskutieren jeweils sechs Lernende, wer der Hauptverdächtige ist. Das Ziel der Diskussion ist bewusst gewählt. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich auf eine Person einigen und ihre Entscheidung begründen.

Hinweise zur Durchführung des Rollenspiels

Hilfreich ist es dabei, wenn

  • die Rollenspiele simultan von (fast) allen durchgeführt werden,
  • in jeder Diskussionsrunde Expertinnen oder Experten aus allen Arbeitsstationen anwesend sind,
  • eine Beobachterin oder ein Beobachter bestimmt wird, der oder die am Ende im Plenum über den Verlauf berichtet.

Rollenfindung

Die Rollen können entweder so ausgestaltet werden, dass einerseits die Position der jeweiligen Arbeitsstation ("Wir wissen doch alle, dass die Altersarmut zunimmt. Deshalb glaube ich, dass ...") oder andererseits eine unabhängige eigene Meinung vertreten werden soll.

Phase 5 - Ergebnisse

Nach dem Rollenspiel erfolgt eine abschließende Auswertung der Arbeitsergebnisse. Die fünf Leitfragen lauten:

  • Wer wäre statistisch am wahrscheinlichsten der Täter?
  • Welche Motive könnten die Verdächtigen haben?
  • Welche davon sind persönlich, welche gesellschaftlich produziert?
  • Welchen Einfluss hatten Vorurteile über die Kriminalität von bestimmten Bevölkerungsgruppen in unserem Rollenspiel?
  • Auf der Basis von welchen Informationen dürfen wir Verdächtigte eigentlich anklagen und verurteilen? Reichen Indizien aus? Braucht es Indizien und ein Motiv? Dürfen Wahrscheinlichkeiten in Strafverfahren überhaupt eine Rolle spielen? Sollten Verurteilungen nur nach Geständnissen möglich sein (wie im Mittelalter üblich, als mit Folter Geständnisse erzwungen wurden)?

Tafelbild zur Ergebnissicherung

Die Schülerinnen und Schüler einigen sich auf eine Personen für die Übernahme der Moderation des Auswertungsgespräches und können dieses Tafelbild entstehen lassen.

Schreibgespräch

Methodisch könnte alternativ zum sammelnden Plenumgespräch ein stummes Schreibgespräch zwischengeschaltet werden. In fünf "Ecken" des Unterrichtsraumes hängen Plakate, auf denen jeweils eine der Fragen notiert ist. Die Lernenden kommentieren ohne zu sprechen die Frage und gehen mehrmals zu den einzelnen Plakaten, um auf die Kommentare der anderen zu antworten. Erst im Anschluss daran erfolgt ein Auswertungsgespräch im Plenum mit einer abschließenden Ergebnissicherung an der Tafel.

Autor
Portrait von Dr. Achim Schröder Dr. Achim Schröder

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