Deutsch in Willkommensklassen: Texte lesen und verstehen

Unterrichtseinheit

Diese Unterrichtseinheit ist für den Einsatz in internationalen "Willkommensklassen" an weiterführenden Schulen bestimmt. Die Lernenden lesen kurze, fiktive Geschichten über das Alltagsleben in Deutschland und beantworten anschließend Fragen zum Gelesenen.

  • DaF / DaZ
  • Sekundarstufe I
  • circa 15 bis 20 Unterrichtsstunden; je 3 bis 4 Stunden pro Thema
  • Arbeitsblatt, Lernkontrolle, Ablaufplan, Stationenlernen
  • 6 Arbeitsmaterialien

Beschreibung der Unterrichtseinheit

Die Materialien dieser Unterrichtseinheit beinhalten jeweils einen Text zu spezifischen Themenschwerpunkten sowie einen Fragenkatalog. Bei den Texten handelt es sich um kurze, fiktive Geschichten über das Alltagsleben in Deutschland:

  • Material 1: "Neue Nachbarn" (Schwerpunkte: Kontaktaufnahme und Kennenlernen)
  • Material 2: "Sarah-Sophie ist krank" (Schwerpunkte: Krankheit und Arztbesuch)
  • Material 3: "Viel zu tun" (Schwerpunkte: Haushalt, Wohnen und Alltagstätigkeiten)
  • Material 4: "Familie Müller kauft ein" (Schwerpunkte: Einkauf und Supermarkt-Artikel)
  • Material 5: "Ein Tagesausflug nach Hamburg" (Schwerpunkte: Freizeit, Reisen, Verkehrsmittel und Landeskunde)

Die Voraussetzungen für das Lesen der Texte und die Bearbeitung der Aufgaben zum Textverständnis sind ein Basiswortschatz sowie ein einfaches schriftliches Ausdrucksvermögen. Somit eignet sich die Unterrichtseinheit für Lernende in Willkommensklassen, die bereits über solide Grundkenntnisse der deutschen Sprache verfügen.   

Durchführung der Unterrichtseinheit

Erfahrungsgemäß lässt sich der Unterricht in internationalen Willkommensklassen nicht so präzise planen wie in Lerngruppen des regulären Schulsystems, wo die Schülerinnen und Schüler über ähnliche Vorkenntnisse und Lernvoraussetzungen verfügen. Willkommensklassen sind dagegen strukturell meist viel heterogener, da die Schülerschaft in der Regel aus völlig unterschiedlichen Kulturen, Werte- und Bildungssystemen stammt. Vor diesem Hintergrund ist eine pädagogische, didaktische und methodische Flexibilität der Lehrkraft erforderlich.

Planen Sie pro Material circa drei bis vier Unterrichtsstunden ein. Für alle Materialien ist folgender Ablauf zu empfehlen:

  • Die Lehrkraft liest den Text laut, langsam und deutlich vor. Die Schülerinnen und Schüler achten auf die Aussprache und markieren unklare Formulierungen.
  • Abschnittsweise werden unbekannte Wörter beziehungsweise Sachverhalte geklärt. Ein Beamer zur Visualisierung von Begriffen ist dabei sehr hilfreich. (In Material 3 kommt beispielsweise das Wort "Schaufel" vor. Indem das Bild von einer Schaufel gezeigt wird, entfällt eine langwierige Erklärung.) Tipp: Die Schülerinnen und Schüler halten "neue" Wörter in einem Vokabelheft fest. Bei Nomen fügen sie den entsprechenden Artikel hinzu.
  • Der Text wird von den Schülerinnen und Schülern abwechselnd laut vorgelesen. Alle tragen jeweils einen begrenzten Textabschnitt mit möglichst korrekter Aussprache vor. Im Idealfall korrigieren sich die Lernenden bei Ausspracheschwierigkeiten gegenseitig.
  • Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten einzeln, in Paararbeit oder in Kleingruppen die Aufgaben zum Textverständnis. Wichtig ist, dass alle Fragen in ganzen Sätzen beantwortet werden; nur so lassen sich das Ausdrucksvermögen und der Satzbau trainieren. Übersetzungshilfen sind ausdrücklich erlaubt.
  • Die Schülerinnen und Schüler lesen abwechselnd die Textverständnisfragen und die entsprechenden Antworten vor. Auch bei diesem Schritt ist eine gegenseitige Korrektur bei Bedarf ideal.
  • Abschließend ist ein freies, lockeres Gespräch über die im Text enthaltenen Themen  sinnvoll. Die Schülerinnen und Schüler können individuelle Fragen stellen, zu einzelnen Aspekten mehr erfahren, Sachverhalte kommentieren und generell das Alltagsleben in Deutschland mit ihren Herkunftsländern vergleichen.

Didaktisch-methodischer Kommentar

Die vorliegende Unterrichtseinheit eignet sich für Jugendliche mit Migrationshintergrund in Willkommensklassen an weiterführenden Schulen, die bereits über grundlegende Deutschkenntnisse verfügen. Sie zielt darauf ab, die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in folgenden Bereichen zu fördern und zu vertiefen:

  • Wortschatz
  • Lesen und Vorlesen
  • Aussprache
  • Textverständnis
  • Schriftliches Ausdrucksvermögen
  • Rechtschreibung
  • Zeichensetzung
  • Grammatik
  • Satzbau
  • Landeskunde
  • Reflexion über die Gesellschaft und den Alltag in Deutschland
  • Diskussion auf der Grundlage von Textinformationen

Die Materialien beinhalten jeweils eine kurze, fiktive Geschichte über das Alltagsleben in Deutschland. Die Wortwahl und der Satzbau entsprechen dem Sprachstand der Zielgruppe. Dies gilt auch für die Fragenkataloge zu den einzelnen Geschichten. Neben der Förderung der Lese- und Schreibkompetenz vermitteln die Texte auch wertvolle Einblicke in die Gesellschaft und den Alltag in der heutigen Bundesrepublik. Gerade für Jugendliche aus nicht-westlichen Ländern sind diese erkenntnisreich. Jede Geschichte bietet dabei einen bestimmten thematischen Schwerpunkt. Die Reihenfolge der Materialien ist ein Vorschlag und muss nicht zwingend eingehalten werden.

Erfahrungsgemäß ist es empfehlenswert, die Lernenden individuell über die Arbeitsform entscheiden zu lassen: Manche Jugendliche wollen und können am besten allein arbeiten, andere bevorzugen Paar- oder Gruppenarbeit.

Berücksichtigen Sie bitte folgende Punkte bei der Gestaltung der Auswertungsphase:

  • Beziehen Sie möglichst alle Schülerinnen und Schüler der Lerngruppe bei der Besprechung der Arbeitsergebnisse ein.
  • Korrigieren Sie gemeinsam mit den Lernenden Grammatik-, Satzbau- und Ausdrucksfehler.
  • Optimieren Sie die Aussprache.
  • Klären Sie unbekannte Wörter.
  • Halten Sie wichtige Vokabeln – parallel zur Besprechung – in einer Vokabelliste fest und notieren Sie zu allen Nomen den entsprechenden Artikel.
  • Nutzen Sie die Texte als Gesprächsanlässe für thematische Vertiefungen, Kulturvergleiche und Diskussionen.
  • Korrigieren Sie die Arbeitsergebnisse in den Heften der Schülerinnen und Schüler zeitnah im Hinblick auf die Rechtschreibung und Zeichensetzung.  

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Vermittelte Kompetenzen

Fachkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in folgenden Bereichen der deutschen Sprache:

  • Wortschatz
  • Lesekompetenz
  • Textverständnis
  • Schreibkompetenz
  • Kommunikation

Durch die Auseinandersetzung mit den Texten lernen sie darüber hinaus kulturelle und gesellschaftliche Aspekte des Alltags in Deutschland kennen.

Sozialkompetenz

Die Schülerinnen und Schüler

  • übernehmen im Fall von Paar- und Gruppenarbeit Verantwortung für das Teamergebnis.
  • halten sich an feste Gesprächsregeln und kommunizieren fair miteinander.
  • präsentieren Arbeitsergebnisse im Plenum.

Autor

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Lars Fedeler

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