Strategie der Kulturministerkonferenz "Bildung in der digitalen Welt": von Null auf Hundert

Fachartikel

Dieser Fachartikel geht der Frage nach, wie gut sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrerinnen und Lehrer darauf vorbereitet sind, ab dem kommenden Sommer die Strategie der Kultusministerkonferenz "Bildung in der digitalen Welt" umzusetzen.

 

Die Bundesländer haben sich dazu verpflichtet, ab dem kommenden Schuljahr an allen deutschen Schulen die Strategie der Kultusministerkonferenz "Bildung in der digitalen Welt" umzusetzen. Nach den Sommerferien sollen die Lehr-Lern-Szenarien des Fachunterrichts (dem Primat des Pädagogischen folgend) systematisch und fächerübergreifend in digitale Lernumgebungen eingebettet werden. Schülerinnen und Schüler, die in die Grundschule eingeschult werden oder in die Sekundarstufe I eintreten, sollen sich bis zum Ende ihrer Pflichtschulzeit einen umfangreichen Katalog digitaler Kompetenzen erschließen können (Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, 2016, 9 ff.).

Lernausgangslage

Eigentlich sollten Schülerinnen und Schüler bereits heute überall dort, wo Unterricht stattfindet, mit Medien lernen können, so der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 8. März 2012 (Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, 2012, 6 ff.). Wäre das bereits erfüllt, dann bestünde Grund zur Hoffnung, dass die Schülerinnen und Schüler im kommenden Sommer den Sprung in die digitale Welt unproblematisch schaffen. Tatsächlich sieht die Realität jedoch anders aus.

Bereits bei der International Computer and Information Literacy Study 2013 erhielt Deutschland im Bereich des schulischen Computereinsatzes die rote Laterne (Eickelmann, Schaumburg, Drossel & Lorenz, 2014, 204). Seitdem macht man sich darüber Gedanken, wie man dem digitalen Analphabetismus begegnen kann (Bundesfachausschuss Bildung, Forschung und Innovation der CDU Deutschlands, 2015, 4). Betroffen ist ein knappes Drittel aller Schülerinnen und Schüler, so Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (Gründerzene, 2016). Deutschland befindet sich im Bereich der digitalen Bildung auf dem Niveau eines Entwicklungslandes (Der Tagesspiegel, 2017). Nur 25,4 Prozent der deutschen Jugendlichen sind im digitalen Bereich so fit, dass sie selbstbestimmt und reflektiert an gesellschaftlichen Entwicklungen teilhaben können (Eickelmann, 2017, 17).

Die Probleme beginnen bereits in der Primarstufe. Dort nutzt nur gut ein Drittel der sechs- bis zehnjährigen Schülerinnen und Schüler den Computer. Laut der KIM-Studie 2016 lernen die Grundschülerinnen und Grundschüler den Umgang mit dem PC in der Regel zu Hause oder bei Freunden (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2017a, 29). 

Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung nutzt ungefähr die Hälfte aller Grundschülerinnen und Grundschüler im Unterricht nie oder nur höchst selten digitale Medien. An manchen Schulen müssen sich 20 bis 30 Kinder einen PC teilen (Thorn, Behrens, Schmid & Goertz, 2017, 16). Wertvolle medienpädagogische Arbeit kann so natürlich nicht geleistet werden.

Die Mehrheit der Eltern stellt den Grundschulen deshalb in diesem Bereich auch ein schlechtes Zeugnis aus. Nur 38 Prozent der Eltern sind hier von der Arbeit der Grundschulen überzeugt (Büro für analytische Sozialforschung Hamburg, 2017).

Den Kindern fehlt eine digitale Grundbildung. 45 Prozent der Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren lernen weder zu Hause noch in der Grundschule den Umgang mit digitalen Medien (Büro für analytische Sozialforschung Hamburg, 2017).

Vor dem Hintergrund, dass drei Viertel aller Grundschülerinnen und Grundschüler regelmäßig Smartphone und Co. benutzen, ist diese Situation nicht zufriedenstellend (Büro für analytische Sozialforschung Hamburg, 2017). Die Schülerinnen und Schüler müssen auch auf diesen Teil ihrer Lebenswirklichkeit vorbereitet werden.

Und dies gilt nicht nur für die Primarstufe. Bei der ICILS 2013 befanden sich knapp 30 Prozent aller Achtklässlerinnen und Achtklässler auf den untersten zwei Kompetenzstufen. Diese Schülerinnen und Schüler, auf die sich auch Ingo Kramer bezieht, verfügen bestenfalls über basale Wissensbestände und Fertigkeiten (Eickelmann, Gerick & Bos, 2014, 15 f.).

Nennenswerte Fortschritte sind bislang nicht gemacht worden. Laut der JIM-Studie 2017 kommen in der Schule bis heute 12 Prozent der Schülerinnen und Schüler nie aktiv mit dem Internet in Berührung (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, 2017b, 53).

Es stellt sich daher die Frage, wie es Schülerinnen und Schülern im Sommer gelingen soll, von Null auf Hundert zu starten. Genauso muss aber diskutiert werden, ob die Lehrerinnen und Lehrer auf den Sprung in die digitale Welt vorbereitet sind.

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Markus Niederastroth Gymnasium Thusneldastraße

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