Interactive Stories: Bilderbuch-Geschichten multimedial erzählen

Dieser Fachartikel stellt ein Konzept zur multimedialen Gestaltung von Bilderbuch-Geschichten im Grundschulunterricht vor. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Literatur auseinander und produzieren dazu einfache Hörspiel- und Trickfilmsequenzen. Der Beitrag entstand im Rahmen des von der Deutschen Telekom Stiftung geförderten Programms "Digitales Lernen Grundschule".

Hintergründe zum Projekt

Das Unterrichtskonzept "Let's tell interactive stories" wurde als Seminar-Angebot für die Lehrerbildung an der Universität Bremen entwickelt. Es ist dort in einem Modul der Deutsch-Didaktik verortet, in dem sowohl der theoretische Umgang mit Literatur als auch praktische Erprobungen in der Schule vorgesehen sind. Die Lehramtsstudierenden produzieren gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern einfache Trickfilm- und Hörspielsequenzen und motivieren sie dazu, spielerisch narrative Grundstrukturen anzuwenden. Die Freude am Erzählen motiviert die Schülerinnen und Schüler durch den produktiven Umgang mit audiovisuellen Medien zur weiteren Beschäftigung mit Literatur.

Zentral ist hierbei das Medium Bilderbuch als Ausgangspunkt der Medienproduktion, da es durch die Bild-Text-Verknüpfung als Drehbuch dienlich ist und bereits in der Betrachtung zum Erzählen animiert. Die Übersetzung in digitale Medienprodukte intensiviert die Auseinandersetzung durch die produktive Herangehensweise.

Im Folgenden werden die Seminar-Inhalte so dargestellt, dass Grundschullehrkräfte sie als Anregung für ihren Deutsch-Unterricht nutzen können.

Lehr- und Lernziele des Unterrichtskonzepts

Primäres Ziel dieses Konzepts ist es, Lehrkräften die Gestaltungsmöglichkeiten unterschiedlicher Medien im Bereich der Literatur- und Mediendidaktik näher zu bringen und ihnen den Mehrwert der Verknüpfung digitaler Medien mit klassischen Unterrichtsinhalten zu verdeutlichen. 

Zudem erweitern die Schülerinnen und Schülerinnen selbst sowohl ihre Erzähl- als auch Medienkompetenz über einen (medien-)produktiven Umgang mit Literatur. Durch das Produzieren und Präsentieren von Hörspielen und Trickfilmen zu Bilderbüchern setzen sie sich mit Literatur auseinander, fördern ihre Erzählfähigkeit und lernen Methoden kennen, die das selbständige und betonte Lesen fördern.

Bildungstheoretische Legitimation

Zu vermittelnde Kernkompetenzen im Fach Deutsch sind das Lesen, das (Richtig-) Schreiben und das Sprechen und Zuhören. Diese ergeben sich unter anderem aus einem gelungenen Schriftspracherwerb sowie aus der mündlichen Erzählfähigkeit – auch zu beachten unter dem Aspekt der Vorstufe der Schriftlichkeit. Unmittelbare Einflussgröße ist die literarische Sozialisation im Elternhaus (Hurrelmann 1997, Reiske 2017).

Nachweislich nimmt die Lese- und Rechtschreibleistung vielerorts stetig ab. Dem entgegen steht, dass die Begeisterung von Kindern gegenüber digitalen Medien ungebrochen ist. Eine zunehmende Anzahl der Grundschülerinnen und Grundschüler besitzt bereits ein eigenes Smartphone, die meisten haben regelmäßig Zugang zu einem solchen oder aber einem Tablet – ungeachtet der sozialen Herkunft. Diese Begeisterung gilt es zu nutzen und Lehrkräfte dazu zu befähigen, sich dieses Medium zunutze zu machen, um eben jene Kompetenzen zu fördern. Steht ein Produkt wie ein Trickfilm oder ein Hörspiel in Aussicht, ist das Schreiben (beispielsweise eines Drehbuches oder Storyboards) oder das Üben des betonten Lesens in einen sinnhaften Zusammenhang eingebettet und wird für Schülerinnen und Schüler nicht sinnentleert geübt. Gleichzeitig werden bereits Grundschülerinnen und -schüler an den produktiven Gebrauch digitaler Medien herangeführt und lernen, diese nicht nur rezeptiv zu nutzen.

Ablauf des Unterrichtsprojekts "Interactive stories"

Vorbereitung

In einem ersten Schritt wählt die Lehrkraft die für ihre Lerngruppe passende Literatur aus, unter Berücksichtigung von theoretischen Grundlagen der Literaturdidaktik wie Gender-Aspekten, gängigen Vorlesepraktiken in Deutschland, den Erzählfähigkeiten der Kinder und so weiter. Des Weiteren macht die Lehrkraft sich mit der Handhabung der benötigten Technik zur Hörspiel- und Trickfilmerstellung vertraut (Aufnahme, Schnitt, Apps zur Produktion et cetera).

Eigenerprobung und Reflexion

Im Anschluss erstellen Lehrkräfte selbst ein Hörspiel oder einen Trickfilm zum ausgewählten Bilderbuch. Basierend auf der Reflexion dieses Arbeitsprozesses entwickeln sie methodische Überlegungen für die Umsetzung des Unterrichtsprojekts in ihrer eigenen Lerngruppe. 

Durchführung des Unterrichtsprojekts

Der Eigenerprobung mit anschließender Reflexion folgt die Durchführung einer entsprechenden Unterrichtseinheit. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich intensiv mit der ausgewählten Literatur auseinander (zum Beispiel durch die Methode des dialogischen Vorlesens), erstellen in Kleingruppen gemeinsam Texte für Hörspiele und Trickfilme und beschäftigen sich dabei mit betontem Sprechen oder Vorlesen. Letzteres geschieht implizit, da sie das Endprodukt Trickfilm oder Hörspiel als Ziel im Auge haben und die notwendigen Kompetenzen einbringen müssen, um dieses zu erreichen.

Es empfiehlt sich, die Arbeitsgruppen hinsichtlich der individuellen Kompetenzen heterogen zu gestalten, sodass beispielsweise sprachlich gewandte Lernende mit Schülerinnen und Schülern, die sich für Technik begeistern oder solchen, die ideenreich Bilder-Folgen und Geräusche gestalten, produktiv zusammenarbeiten können.

Zur Unterstützung der Lehrkräfte haben die Studierenden der Universität Bremen Tutorials, Plakate und Anleitungen zur Erstellung von Hörspiel-Produktionen und Trickfilmen erstellt, die auf der Seite der Universität runtergeladen werden können.

Projektbericht "Interactive Stories" zum Download

Herausgeber

Digitales Lernen Grundschule

Die Materialien sind im Projekt "Digitales Lernen Grundschule" der Deutsche Telekom Stiftung entstanden.

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