Unterrichtseinheit "Streitbilder - alte Meister neu entdeckt": Erfahrungen aus der Praxis

Bildbetrachtung in Zeitlupe

Die Präsentation des Bildes von Jan Steen musste so gewählt werden, dass sie den Detailreichtum und die Dynamik der Szene aufdeckte. Die Spannung sollte lange gehalten werden und die Schülerinnen und Schüler zu einem intensiven Gespräch ermutigen.

OHP oder Beamer?

Durch die Antizipation des Inhalts waren die Kinder auf die Rollen der Protagonisten und die Thematik vorbereitet. Das langsame und genaue Hinschauen wurde durch das schrittweise Aufdecken des Bildes unterstützt. Das kann relativ arbeitsaufwändig mit einem Overheadprojektor realisiert werden, indem Schablonen hergestellt werden, die die Bildteile einer Transparentfolie abdecken und das schrittweise Freilegen von Subbildern erlauben. Das erfordert einen lichtstarken OHP und einen abgedunkelten Raum. Wir bevorzugen hingegen eine Präsentation mit Powerpoint, die mit dem Bildbearbeitungsprogramm PhotoImpact 4.0 vorbereitet wurde: Mehr und mehr Teile wurden aus dem digitalisierten Bild am PC herausgeschnitten. In umgekehrter Reihenfolge wurden die Bilder als Folien in Powerpoint aneinandergereiht. Dies Verfahren ist zeitsparend, erfordert allerdings einen Beamer und einen PC für die Präsentation.

Die Mühe hat sich gelohnt. Länger als 30 Minuten waren die Schülerinnen und Schüler konzentriert bei der Sache und beschrieben und interpretierten Bilddetails. Die Subbilder gaben Rätsel auf:

  • Welche Geschichte erzählt das Bild?
  • Was bedeuten die Details?

Selber experimentieren

Szenendarstellung

Im Anschluss wurde versucht, das Bild nachzustellen und digital zu fotografieren. Hüte, Gummimesser und Stoffe aus der Verkleidungskiste, sowie ein Tavla- und ein Kartenspiel halfen dabei. Immer wieder war genaues Hinsehen und Korrigieren durch "Bildregisseure" notwendig. Der Vergleich des Digitalfotos mit dem Original war aber am Ende unbefriedigend, da die Informationsmenge des Bildes von Steen die Kinder überforderte. In einer folgenden Unterrichtsstunde wurde - wieder in Gruppenarbeit - versucht, einzelne Personen aus dem Bild nachzustellen und digital zu fotografieren. Auch diese Ergebnisse konnten noch nicht befriedigen, da im direkten Vergleich mit dem Original zahlreiche Abweichungen festgestellt wurden.

Angebote zur Produktion

Gut überschaubare Bilddetails nachzustellen und digital zu fotografieren fiel den Schülerinnen und Schülern leichter. Mit einer Bildbearbeitung hatte die Lehrerin runde Bildausschnitte aus dem Bild herausgeschnitten und den Schülergruppen ausgedruckt zur Verfügung gestellt. Akribisch wurde an der möglichst perfekten Nachahmung dieser Detailausschnitte gearbeitet. Intensiv diskutierten die Kinder über Gesichtsausdruck und Körperhaltung der Figuren im Bild. Blickrichtungen wurden identifiziert und fantasievoll entstanden Requisiten. Eine Mistgabel wurde aus einem herausgedrehten Besenstil und zwei Borstenpinseln hergestellt. Am Display der Digitalkamera konnten mehrere Kinder gemeinsam die Bildwirkung überprüfen. Mit der Bildbearbeitung wurden aus den Fotos ebenfalls runde Ausschnitte hergestellt. Das Nebeneinanderlegen von Fotoausdruck und Bildausschnitt diente als Qualitätskontrolle.

Weitere Lernstationen

Der Wochenplan sah weitere Lernstationen vor, die den Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit boten sich mit dem Bild von Steen produktiv auseinanderzusetzen. Eine Bildbeschreibung als Lückentext sollte das gemeinsam erarbeitete Bildverständnis überprüfen und Hintergrundinformationen zum Maler vermitteln.

Sprech- und Denkblasen forderten die Schülerinnen und Schüler zum Aufschreiben vermuteter Gedanken und Emotionen der Protagonisten auf. Diese wurden auf ein großkopiertes Bild geklebt. Später entstand dazu eine digitalisierte Version, die Kinder mit einer Bildbearbeitung herstellten.

Vorbereitete Bleistiftskizzen der Figur mit Messer forderten die Schülerinnen und Schüler auf, einen neuen Kontext für die gezeigte Pose zu erfinden und eigene Bildideen auszuprobieren. In einer Skizze wurde die Figur ohne Hut dargestellt. In einer weiteren Skizze wurde das Messer durch einen Pinsel ersetzt.

Der Internetanschluss in der Medienecke wurde genutzt, um mithilfe des Stadtplandienstes und Nahverkehrsinformationsdienstes einen Ausflug zur Gemäldegalerie, in der das Originalbild hängt, vorzubereiten.

Eine Internetrecherche lieferte Informationen über Jan Steen und weitere Bilder. Ein Online-Zeitungsartikel über einen "Streit beim Kartenspiel" wurde im Unterricht bearbeitet. Eigene aktuell gehaltene Pressenotizen zum Bild entstanden.

Autorenteam
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