Erfahrungen und Ergebnisse

Das zentrale Ergebnis ist die wissenschaftlich evaluierte Erkenntnis, dass in der betrieblichen Juniorenfirma CULTUR-e von Otto (GmbH & Co KG) ein wesentlich größerer Lernfortschritt hinsichtlich all der oben genannten Bereiche erzielt werden konnte, als in der schulischen Juniorenfirma inno4web an beiden Standorten.

Hierfür gibt es drei Gründe:

  • die Rahmenbedingungen
  • die Motivation
  • die Lernkultur

Rahmenbedingungen

Im Betrieb

CULTUR-e ist ein vollwertiger, nicht-obligatorischer Bestandteil der Ausbildung. Es gibt Überschneidungszeiten, sodass neu eingesetzte von erfahrenen Azubis eingeführt werden können; so genannte Konstanzmanager stellen ausbildungsbegleitend für ein Jahr die Kontinuität der Juniorenfirma sicher.

In der Schule

In den Schulen werden die Schüler in Blöcken von 4-6 Wochen beschult. Der Freitag steht dabei der Juniorenfirma zur Verfügung; allerdings wird dieser Juniorenfirmentag oftmals von anderen Aktivitäten (wie zum Beispiel Prüfungsvorbereitungen) in Beschlag genommen. Eine Überschneidung erfahrener und neue eingesetzter Schüler gibt es nicht.

Unterschiedliche Erfolge

Es ist leicht erkennbar, dass in den Schulen wesentlich weniger Zeit für die Arbeit in der Juniorenfirma zur Verfügung steht und insbesondere die mangelnde Kontinuität ein großes Problem darstellt. Die selbstständige Bearbeitung ganzer Projekte war kaum möglich; den Schülerinnen und Schülern fehlte schlicht die Zeit, ein ganzes Projekt zu organisieren und sich benötigtes Wissen selbstständig anzueignen. Folge: Schüler mit guten Vorkenntnissen erzielten zum Teil erstaunliche Lernfortschritte, andere Schüler waren von der Arbeit in den Juniorenfirmen teilweise so gut wie ausgeschlossen.

Die Lernfortschritte bei CULTUR-e resultieren noch aus einer zweiten Rahmenbedingung: dem Mix an Ausbildungsberufen. Bei CULTUR-e lernen Groß- und Außenhändler neben Wirtschaftsinformatikern im dualen Studium; prinzipiell steht die Juniorenfirma allen Ausbildungsgängen offen. Es liegt auf der Hand, dass unter diesen Bedingungen sehr erfolgreich von- und miteinander gelernt werden kann. In den beteiligten Schulen war das in dieser Weise nicht möglich.

Motivation

Eigenverantwortlich reale Aufträge zu bearbeiten und sich benötigtes Fachwissen selbstständig anzueignen, gelingt nur ausgesprochen motivierten Lernenden. Auch hier lassen sich Unterschiede zwischen betrieblicher und schulischer Juniorenfirma erkennen: Die Motivation der Lernenden war auf betrieblicher Seite deutlich höher. Die Gründe?

Unterschiede in Schule und Betrieb

Erstens waren die Lernenden in den Schulen wegen der knappen Zeit oftmals frustriert, weil sie nicht umsetzen konnten, was sie sich vorgenommen hatten. Zweitens ist der Realitätscharakter der Arbeit bei CULTUR-e deutlich höher: Der Kundenkontakt ist enger und monetäre Gewinne kommen der Juniorenfirma zugute. Drittens ist das Ansehen der betrieblichen Juniorenfirma wesentlich größer; im gesamten Otto-Konzern wird die Arbeit der Juniorenfirma sehr geschätzt, die Auszubildenden werden als vollwertige erfolgreiche Unternehmer anerkannt. Die hieraus resultierende Motivation kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Diese Anerkennung fehlt der schulischen Juniorenfirma fast völlig.

Lernkultur

In den Schulen legten die Lernenden oftmals eine typische Schülermentalität an den Tag: Sie warteten auf Anweisungen und Vorgaben der Lehrenden. Hierzu trugen vor allem die oben genannten Rahmenbedingungen bei, aber auch die Erwartungshaltung der Schülerinnen und Schüler an Schule. Diese Erwartungshaltung zu durchbrechen verlangt aber eindeutig eine Veränderung der Rahmenbedingungen.

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Frank Elster

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