Europa - Integration als Lernprozess

In Europa sieht die Situation anders aus als in Amerika. Obwohl die multikulturelle Gesellschaft inzwischen Alltag ist, tut man sich mit den Einwanderern noch schwer.

In Deutschland zum Beispiel, wo in den letzten 50 Jahren Millionen Einwanderer das Gesicht der Republik verändert haben, scheint man immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Namen für die Neuen zu sein: Gastarbeiter, Ausländer, Nichtdeutsche, Migranten, Zuwanderer oder Deutsche mit Migrationshintergrund, lauten die Bezeichnungen für sie. In diesen Begriffen steckt die Verlegenheit, den Prozess der Einwanderung als deutsche Realität zu verinnerlichen.

Europäische Migrationsbewegungen

Wirtschaftsboom und Arbeitskräftemangel

In den 1950ern bis in die erste Hälfte der 1970er Jahre erlebten die europäischen Länder einen Wirtschaftsboom ohne Gleichen. Das zog einen außerordentlichen Bedarf an Arbeitskräften mit sich. Vor diesem Hintergrund sahen sich Industrieländer wie Frankreich, Belgien, Luxemburg, England, Deutschland, Österreich, die Niederlanden, die Schweiz oder die skandinavischen Länder vor der Notwendigkeit, in europäischen und außereuropäischen Staaten ausländische Arbeitskräfte zu rekrutieren. Die daraus resultierende Migrationsbewegung setzte Millionen Menschen aus der Türkei, Marokko, Algerien, Jugoslawien, Spanien, Portugal, Italien und Griechenland in Bewegung.

Die Nachkommen der "Gastarbeiter"

Heute wächst in den ehemaligen Anwerberstaaten schon die dritte Generation der ehemaligen "Gastarbeiter" an. Wie das Wort "Gastarbeiter" impliziert, war der Aufenthalt der Arbeitsmigranten sowohl aus ihrer Sicht als auch aus der des anwerbenden Staates nur auf eine bestimmte Zeit angelegt, so dass die erste und zweite Generation im Spannungsfeld von Sesshaftigkeit und Rückkehrorientierung lebte.

Autor
Avatar Yildiz Turak

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