Influencer als (Nicht-)Vorbilder in der Corona-Krise

Fachartikel

Dieser Fachartikel widmet sich dem Einfluss von Influencern auf Kinder und Jugendliche während der Corona-Krise. Der Medienwissenschaftler Dr. Frederik Weinert erläutert, wie Influencer von Kindern und Jugendlichen als Vertrauenspersonen wahrgenommen werden. Gerade durch das Beobachtungslernen ahmen viele Heranwachsende riskante Verhaltensweisen nach. Der Artikel beleuchtet allerdings auch wertvolle Aspekte wie zum Beispiel Video-Tutorials.

 

Über Oliver Pocher lässt sich streiten. Zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 hatte der Comedian jedoch seine Sternstunde. Via Instagram kritisierte Pocher: "Lasst die Kinder raus aus euren Storys, die können sich nicht wehren." (Mahler 2020). Storys sind eine beliebte Instagram-Funktion, um Fotos und Videos mit der digitalen Fan-Gemeinde zu teilen. Besonders während der bundesweiten Ausgangssperre fotografierten sich Eltern mit ihren Kindern, manchmal mit Mundschutz, manchmal mit hochgehaltenen Tafeln: Wir bleiben zuhause. Die Geste ist gut gemeint, doch es ist kein Geheimnis, dass Fotos mit kleinen Kindern mehr Likes geben. Oliver Pocher war sich also sicher, dass viele Influencer-Eltern sowohl die Corona-Krise als auch ihre Kinder für hohe Klick-Zahlen ausnutzten.

Gefährliche Mutproben in Zeiten von Corona

Die Kritik an den Influencern während "Corona" ist durchaus angebracht. In dieser Zeit entstehen zum Teil widerliche digitale Mutproben, genannt Challenges – beispielsweise das Ablecken des Toilettensitzes oder der Haltestange im Bus. Die Influencer filmen sich dabei und stellen die vermeintliche Heldentat ins Internet. Einige von ihnen fangen sich Covid-19 tatsächlich ein, was zu einer gewissen Schadenfreude führt. Zwei bayerische Influencer zeigten sich auf der Kloschüssel mit haufenweise Toilettenpapier und Corona-Bier. Die "Bild" griff das Ereignis öffentlichkeitswirksam auf und der Bekanntheitsgrad der beiden Influencer schnellte nach oben (vgl. "Bild" 2020). Es gilt die Devise, mit allen Mitteln aufzufallen, um Fans und Follower auf das Profil zu locken. Das lohnt sich für die Influencer dann auch finanziell, weil über die Kanäle Werbung und Marketing betrieben wird.

Vor allem Kinder und Jugendliche finden solche Challenges cool und mutig. Das Ansehen und Verbreiten solcher Videos, ja, auch die Bewunderung solcher Influencer, ist ein pubertäres Statement, in gewisser Weise ein Auflehnen gegen die Eltern, Lehrkräfte und das politisch korrekte Establishment. Doch nicht nur das: Influencer, die solche Challenges auf Plattformen wie TikTok einstellen, finden viele Nachahmerinnen und Nachahmer. Wenn solche Videos unzählige Likes bekommen, dann müssen die doch gut sein, werden sich einige Kids denken. Also wird das eigene Smartphone ausgepackt, um sich bei irgendeiner Corona-Challenge zu filmen. Von der Clique gibt es Applaus, von den Eltern nicht – doch die müssen ja nicht immer alles wissen!

Influencer sind Vertrauenspersonen

Soziale Bestätigung ist ein wichtiger Faktor für Kinder und Jugendliche auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Die Maslowsche Bedürfnishierarchie bietet einen guten Erklärungsansatz. Bleiben beispielsweise Verständnis und soziale Bindung im realen Alltag aus, können diese Bedürfnisse über das Internet gestillt werden. Das Besondere an Influencern ist ja, dass eine "Community" entsteht. Die Community agiert nicht nur mit dem Star, sondern auch untereinander. Es entsteht ein Wir-Gefühl, und das führt zu sozialen...

 

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