Der Wald als außerschulischer Lernort: Wald-Fallstudien

Fachartikel

In diesem Fachartikel wird die Makromethode der Wald-Fallstudie (Forest Case Study, FCS) erläutert. Bei Wald-Fallstudien handelt es sich um eine handlungsorientierte Lehr- und Lernform aus Schweden und Finnland, die Elemente des problemorientierten Lernens, des selbstgesteuerten Lernens sowie der Lernortverlagerung verbindet.

 

ein Baum im Herbst mit bunten Blättern

Die Methode der Fallstudie ist bereits seit einiger Zeit Teil forstlicher Bildungsarbeit. Fallbasierter Unterricht wird hierbei seitens der Lernenden sehr positiv aufgenommen. Insbesondere der interdisziplinäre Ansatz ermöglicht einen hohen Kompetenzzuwachs im Bereich der sozialen und personellen Kompetenz (Wolf 2002: 1f.). In Wald-Fallstudien wird diese Methode erweitert. Das Konzept integriert Ansätze der Erlebnispädagogik sowie des problemorientierten Lernens zum Themenbereich Wald.

Die Methode der Wald-Fallstudie wurde in Finnland und Schweden entwickelt (Enkenberg et al. 2010; Enkenberg und Vartiainen 2010; Vartiainen 2014) und vor allem in den baltischen Staaten erprobt. Im Kontext von waldbezogenen allgemein- und berufsbildenden Bildungsprozessen wurden Wald-Fallstudien in den vergangenen Jahren in Deutschland erprobt und adaptiert. Die Informationen im nachfolgenden Text wurden auf Basis der genannten Quellen zusammengefasst und um Erfahrungen und Umsetzungsbeispiele des Autors ergänzt.

Methodik

In die Makromethode der Wald-Fallstudie finden die Grundlagen der Handlungsorientierung sowie des selbstgesteuerten Lernens, des problemorientierten Lernens und der Erlebnispädagogik Eingang. Grundsätzlich handelt es sich bei der Wald-Fallstudie um eine projektbezogene Methode, welche wiederum in vier Grundphasen unterteilt ist - dabei steht das eigenständige Lernen in Versuchen, Erkundungen und bei der Arbeit mit Naturalien im Vordergrund. Die Fallstudien zum Wald können sowohl auf dem Schulgebäude als auch an außerschulischen Lernorten, vor allem natürlich dem Wald selbst, bearbeitet werden. Die Arbeit beginnt grundsätzlich in der Schule.

Grundlage der Wald-Fallstudie ist eine Ausgangsfrage beziehungsweise eine Problemstellung oder ein Phänomen, welches im Rahmen eines forschenden Ansatzes bearbeitet werden soll. Die Ausgangsfrage soll einen Lebensweltbezug und fachliche Nähe zu den Lernenden aufweisen (beispielsweise "Warum färben sich im Herbst die Blätter bunt?"). In der Praxis hat sich gezeigt, dass die erste Anwendung der Methode oft mit Hindernissen verbunden ist. Hier kann nur der Rat gegeben werden, sich von anfänglichen Problemen nicht abschrecken zu lassen.

Unterrichtsphasen

Artikulationsphase

Zunächst werden zu einer klar umrissenen Wald-Thematik Phänomene und aktuelle Fragestellungen herausgearbeitet, die für die Lerngruppe von Belang sind. Das Phänomen, dass einige Bäume im Herbst zunächst eine Laubverfärbung durchlaufen und ihr Laub dann abwerfen, ist für Lernende Teil der Lebens- und Erfahrungswelt. Dieses Phänomen eignet sich daher hervorragend als möglicher Einstieg in eine Wald-Fallstudie.

In der Artikulationsphase sollen bezüglich des gewählten Phänomens natürliche Vorgänge diskutiert und daraus resultierende Herausforderungen beschrieben werden. Durch Zeitungsartikel, aktuelle Probleme und Beobachtungen können mögliche Schwerpunkte im Themenbereich Wald identifiziert werden. Als Arbeitsformen in dieser Phase sind...

 

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