Studie: Schüler und Gesellschaft profitieren von Auslandsjahr

veröffentlicht am 26.04.2016

Psychologinnen und Psychologen der Universität Jena haben die Persönlichkeitsentwicklung bei Austauschschülerinnen und -schülern untersucht.

Als Au-pair nach Amerika, Work & Travel in Australien oder für ein Semester an eine chinesische Universität - es gibt viele Möglichkeiten für das Abenteuer Auslandsaufenthalt. Und man kann nicht früh genug damit anfangen. Das beweist jetzt eine Studie der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie untersuchte nämlich, welche Auswirkung die Auslandserfahrung auf die Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern hat. Befragt wurden insgesamt 741 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Etwa zwei Drittel nahmen an einem Schulaustausch im Ausland teil, ein Drittel blieb zuhause. Die Befragungen fanden vor, während und nach der Zeit im Ausland statt. So ließen sich Unterschiede in der Persönlichkeitsentwicklung feststellen, die unmittelbar auf die Erfahrungen in der Ferne zurückzuführen sind.

Studienergebnisse

Höheres Maß an Offenheit
"Die Austauschschüler kommen aufgeschlossener, selbstsicherer und reifer als ihre Altersgenossen nach Hause zurück", sagt Henriette Greischel, die im Rahmen ihrer Promotion die Studie durchgeführt hat. Sie hat zwar auch festgestellt, dass die Jugendlichen, die das Abenteuer Ausland wagen, generell etwas extravertierter seien, aber sie gewinnen darüber hinaus auch durch ein solches Lebensereignis in ihrer Persönlichkeitsentwicklung dazu. "Sowohl die Erfahrung der Selbstständigkeit als auch die interkulturellen Einflüsse dürften sich hier als besonders wertvoll erweisen", sagt die Jenaer Psychologin. Das soziale Netzwerk der Austauschschülerinnen und -schüler bestehe aus deutlich mehr internationalen Kontakten, die von ihnen auch genutzt würden. Ein höheres Maß an Offenheit gegenüber anderen Menschen und Kulturen sei die Folge.

Gruppe der Austauschschüler sollte heterogener werden
Die Ergebnisse dieser Studie, die einem natürlichen Experiment ähnelt, sprechen eindeutig für ein Auslandsjahr. "Aufgrund unserer neu gewonnenen Erkenntnisse können wir ein solches Lebensereignis nur jedem empfehlen", sagt Greischel. "Allerdings sollte die Gruppe derer, die an einem Austauschprogramm teilnehmen, heterogener werden." Auch wenn die Zahl der Schüler, die für ein Schuljahr in die Fremde gehen, Jahr für Jahr ansteige, so beschränke sich das nach wie vor weitgehend auf Jugendliche, die durch den sozioökonomischen und Bildungshintergrund der Eltern ohnehin bessere Startchancen haben.

Professor Dr. Franz Neyer hofft deshalb, dass die Ergebnisse der Jenaer Studie Einfluss auf zukünftige Austauschprogramme haben werden. "Schon während des Auswahlprozesses sollten die Organisatoren und Pädagogen die positiven Effekte für die Persönlichkeitsentwicklung berücksichtigen und auch die Schüler für das Abenteuer Ausland motivieren, die eine solche Unternehmung vorher vielleicht nicht unbedingt in Erwägung ziehen", sagt der Jenaer Psychologe.

Barrieren beseitigen
Außerdem sollten Barrieren für Auslandsaufenthalte beseitigt werden: Wünschenswert sei zum einen eine finanzielle Unterstützung für Jugendliche aus einkommensschwächeren Haushalten, um ihnen die besonderen Entwicklungsmöglichkeiten nicht vorzuenthalten. Zum anderen sollte aus dem gleichen Grund nicht nur für Gymnasiasten sondern auch Besucher anderer Schultypen ein solches Austauschjahr besser umsetzbar sein. "Die Ergebnisse der Studie lassen den Schluss zu, dass mit den Schülerinnen und Schülern auch unsere Gesellschaft von diesen besonderen Erfahrungen profitiert", fasst Neyer zusammen. Die Psychologen der Universität Jena haben aber auch bewiesen, dass es für einen Auslandsaufenthalt nie zu spät ist. In einer früheren Studie untersuchten sie den Einfluss eines Auslandsaufenthaltes während des Studiums auf die Persönlichkeitsentwicklung. Hier ließen sich ähnliche Effekte feststellen.


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