Online-Lernstrategie-Training: Selbstregulation trainieren für das Abitur in Rheinland-Pfalz

veröffentlicht am 17.06.2021

An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird eine wissenschaftliche Studie durchgeführt, in der ein erfolgreich evaluiertes Online-Lernstrategie-Training für die Abiturvorbereitung eingesetzt wird. Lehrkräfte aus Schulen in Rheinland-Pfalz können ihren Schülerinnen und Schülern Zugang zu dem Lerntraining verschaffen.

Logo der STAR-Studie

Die vergangenen Monate der Pandemie waren für die meisten Schülerinnen und Schüler eine große Herausforderung. Mehr denn je mussten sie den eigenen Lerntag planen und steuern, verschiedene Aufgaben koordinieren, Prioritäten setzen und nicht zuletzt sich jeden Tag aufs Neue selbst motivieren und Ablenkungen vermeiden. Diese Anforderungen werden auch im kommenden Schuljahr weiter wichtig sein – egal, ob wieder regulärer Unterricht durchgeführt werden kann oder ob weiterhin teilweise von zu Hause gelernt wird.

Um in Situationen mit hoher Eigenverantwortung erfolgreich lernen zu können, braucht es die Fähigkeit zum selbstregulierten Lernen – diese ist aber leider nicht immer bei allen Schülerinnen und Schülern in ausreichendem Maße vorhanden.

Mithilfe des Lernstrategie-Trainings der STAR-Studie können Lernende mit relativ geringem Zeitaufwand ihr Lernverhalten verbessern.

Was ist selbstreguliertes Lernen und warum sollte man es fördern?

Selbstreguliertes Lernen bedeutet, sich ein Ziel zu setzen (zum Beispiel eine möglichst gute Abiturnote) und systematisch darauf hinzuarbeiten, dieses persönliche Ziel zu erreichen. Dazu setzt man Zwischenziele, erstellt einen Zeitplan, sorgt für ein störungsfreies Umfeld, motiviert sich selbst, denkt über geeignete Lernstrategien nach und reflektiert regelmäßig, was man gegebenenfalls ändern muss, um die Ziele zu erreichen. Defizite in diesem Bereich können sich in Unzufriedenheit, Motivationsproblemen, ungünstigen Lernstrategien und vor allem schlechteren Schulleistungen niederschlagen. Metaanalysen zeigen, dass eine Verbesserung der Selbstregulation in der Folge auch eine Verbesserung von Schulleistungen bewirkt (Dignath & Büttner, 2008).

Wie wird das selbstregulierte Lernen im Projekt STAR gefördert?

Um eine große Anzahl von Abiturientinnen und Abiturienten zu erreichen, wird im Projekt STAR ein Online-Training eingesetzt, das sich bereits in empirischen Studien mit Studierenden bewährt hat. So konnte gezeigt werden, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Online-Trainings im Anschluss qualitativ höherwertigere Lernstrategien einsetzen, mehr Zeit für das Lernen investieren (Bellhäuser et al., 2016) und sogar bessere Klausurnoten erzielen (Bellhäuser et al., 2018) als Kontrollgruppen ohne das Online-Training. Die Ergebnisse sind dabei gleichermaßen gut wie bei Präsenztrainings (Beek, Bellhäuser, Karlen & Hertel, 2019). Die sechs Lektionen (Dauer: jeweils circa 30 Minuten) enthalten Videos, Übungen, Präsentationen, Spiele und Diskussionsforen. Für den Einsatz mit Schülerinnen und Schülern sind die Inhalte an den Schulalltag angepasst und bereits seit dem Schuljahr 2018/19 von mehreren hundert Lernenden positiv evaluiert worden.

Im Schuljahr 2019/20 haben 1.470 Schülerinnen und Schüler aus 19 Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen in ganz Rheinland-Pfalz teilgenommen. Die hohe Teilnehmerzahl erlaubt es, die Ergebnisse auch über die Grenzen der teilnehmenden Schulen hinaus als verallgemeinerbar zu betrachten. Ein wichtiger Befund daraus soll hier exemplarisch dargestellt werden: Es konnte gezeigt werden, dass die Fähigkeit zum selbstregulierten Lernen einen deutlichen Zusammenhang mit den Schulnoten aufweist. Lernende mit besserer Selbstregulation schrieben die besseren Noten.

Da aus anderen Untersuchungen bekannt ist, dass die Selbstregulationsfähigkeit durch entsprechende Trainingsmaßnahmen verbessert werden kann, ist es plausibel anzunehmen, dass durch die Teilnahme an dem Online-Training auch eine Verbesserung der Schulnoten erreicht werden kann.

Wer kann an der Studie im Projekt STAR teilnehmen?

Das Training richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in Rheinland-Pfalz in ihrem vorletzten oder letzten Schuljahr vor den Abiturprüfungen. Bei G8-Schulen können daher die Klassen 11 und 12, bei G9-Schulen die Klassenstufen 12 und 13 teilnehmen. Der diesjährige Durchlauf der Studie beginnt im September 2021. Nach der Teilnahme an zwei Online-Testungen erhalten die Lernenden Zugang zu sechs Lektionen eines Online-Lerntrainings, das sie idealerweise über einen längeren Zeitraum verteilt bearbeiten. Ihre Zeit können sie sich dabei frei einteilen.

Wer führt das Projekt STAR durch?

Verantwortlicher Leiter der Studie ist Dr. Dipl.-Psych. Henrik Bellhäuser von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der das Online-Training im Rahmen seiner Promotion an der TU Darmstadt entwickelt und in zahlreichen empirischen Studien evaluiert hat. Das Projekt wird durchgeführt im Rahmen der Lehrveranstaltung "Forschungswerkstatt" im Master of Education. Studierende der Bildungswissenschaften erlernen in dieser Lehrveranstaltung die Grundlagen empirischer Forschung und führen gemeinsam ein Forschungsprojekt durch.

Wie kann ich meine Schülerinnen und Schüler an der STAR-Studie anmelden?

Bei Interesse schreiben Sie bitte bis zum 09.07.2021 eine E-Mail an Janina Franke (jfrank02(at)students.uni-mainz.de) mit folgenden Angaben:

  • Name der Schule
  • teilnehmende Klassenstufe(n)
  • ungefähre Anzahl der Schülerinnen und Schüler
  • Telefonnummer für Detailabsprachen

Selbstreguliertes, digitales Lernen von zu Hause aus wird in Zukunft weiter an Bedeutung zunehmen, auch ohne gesundheitsbedrohliche Szenarien. Die Leitenden der Studie sind daher davon überzeugt, dass viele Ihrer Schülerinnen und Schüler von dem Online-Training profitieren werden. Zudem ermöglichen Sie durch Ihre Teilnahme Forschungserkenntnisse, die zur weiteren Verbesserung solcher Unterstützungsangebote beitragen.

Literaturangaben

  • Beek, S. Van Der, Bellhäuser, H., Karlen, Y., & Hertel, S. (2019). New ways in fostering self-regulated learning at university: How effective are web-based courses when compared to regular attendance-based courses? Zeitschrift Für Pädagogische Psychologie, 1-13.
  • Bellhäuser, H., Lösch, T., Winter, C., & Schmitz, B. (2016). Applying a web-based training to foster self-regulated learning - Effects of an intervention for large numbers of participants. The Internet and Higher Education, 31, 87-100. 
  • Bellhäuser, H., Theobald, M., & Imhof, M. (2018). Wer nutzt ein freiwilliges Selbstregulationstraining? Prädiktoren und Outcomes der Nutzung eines web-basierten Trainings zur Steigerung des selbstregulierten Lernens. Tagungsband Der 6. Tagung Der Gesellschaft Für Empirische Bildungsforschung (GEBF).
  • Dignath, C., & Büttner, G. (2008). Components of fostering self-regulated learning among students. A meta-analysis on intervention studies at primary and secondary school level. Metacognition and Learning, 3(3), 231-264.