BLLV: Medikamentenmissbrauch an Schulen stoppen

veröffentlicht am 20.04.2016

Immer mehr Kinder und Jugendliche schlucken laut dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands e. V. (BLLV) Pillen zur Leistungssteigerung oder Beruhigung.

Medikamente zur Leistungssteigerung gehören inzwischen auch an vielen bayerischen Grundschulen zum Alltag von Kindern. "Das ist ein gefährlicher Trend", erklärte die Präsidentin des BLLV, Simone Fleischmann, am Montag in München. Sie rät Eltern entschieden davon ab, Kindern Medikamente zur Konzentrationsförderung oder Leistungssteigerung zu verabreichen. "Wir müssen uns vielmehr kritisch mit der Frage auseinandersetzen, ob die Mentalität des ‚schneller, höher, weiter‘ Kindern überhaupt zuträglich ist." Andauernde Überanstrengung sei nicht zielführend. Vielen Mädchen und Jungen würde es schon helfen, wenn sie ausreichend freie Zeit hätten, in der sie selbst entscheiden, was sie tun oder lassen möchten. Fleischmann forderte das Kultusministerium auf, Schule mehr auf die Bedürfnisse von jungen Menschen auszurichten. "Die Einnahme solcher Medikamente muss nicht nur unterbunden, sie muss überflüssig werden."

Medikamente zur Leistungssteigerung?

Erwartungsdruck stresst Kinder
"Viele Kinder kommen sehr aufgeregt in die Schule - sie stehen regelrecht unter Strom. Vor allem an Prüfungstagen ist die Anspannung enorm", sagte Fleischmann. Um die Mädchen und Jungen zu beruhigen oder um ihre Leistungen zu verbessern, geben viele Eltern Medikamente. Auch ältere Schülerinnen und Schüler würden zur Tablette greifen, um dem Leistungsdruck gerecht werden zu können. Oft sei es aber so, dass es der immense Erwartungsdruck der Eltern sei, der Kinder stresst. "Sie wollen gute Noten und das löst unglaublichen Druck aus." Gerade in der Grundschule und in der Unterstufe von Gymnasien und Realschulen seien Heranwachsende noch in einem Alter, wo sie die Eltern nicht enttäuschen, sondern mit guten Leistungen glänzen wollten. "Die Note Drei ist für viele Kindern eine Katastrophe, die Note führt zu Tränen und Verzweiflung. Es sei daher nicht verwunderlich, dass jedes sechste Kind bereits unter massiven  Stresssymptomen leidet, wie Studien belegen."

Lieber mehr freie, unverplante Zeit gönnen
"Die Einnahme von Medikamenten löst dauerhaft kein Lern- oder Lebensproblem", betonte die BLLV-Präsidentin. Im Gegenteil: Häufig führe eine regelmäßige Einnahme solcher Medikamente dazu, dass Lernblockaden und Versagensängste verschärft und letztlich das Selbstwertgefühl der Betroffenen beschädigt würden. "Eltern sollten bedenken, dass Kinder sehr schnell das Gefühl entwickeln, den Alltags- und Schulstress ohne Medikamente überhaupt nicht mehr bewältigen zu können." Die Gefahr einer Abhängigkeit sei daher groß. Medikamente hätten zudem Nebenwirkungen zur Folge, die nicht zu unterschätzen seien.

"Eltern können viel tun, um ihr Kind zu unterstützen", so Fleischmann. Sie könnten ihm helfen, eine gesunde und stabile Persönlichkeitsstruktur aufzubauen. Sie sollten ihm vor allem auch freie, unverplante Zeit gönnen - ohne Termine.


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